Der Beckenboden verschließt sozusagen den Ausgang des Beckenknochens nach unten und besteht aus drei fingerdicken Muskelschichten (innere, mittlere, äußere). Die Muskelstränge sind dabei gitterartig kreuz und quer sowie übereinander zwischen dem Becken gespannt. Er muss dabei stark genug sein, um entstehenden Druck im Bauchraum standzuhalten und die Organe wie Gebärmutter und Blase im Bauch- und Beckenbereich halten zu können. Der Damm beispielsweise ist Teil des Beckenbodens.
Der Beckenboden hat drei maßgebliche Funktionen: anspannen, entspannen und reflektorisch Gegenhalten. Anspannen bedeutet den Verschluss von Anus und Harnröhre, sichert also die Kontinenz. Entspannen hingegen wird beim Wasserlassen, beim Stuhlgang, bei der Geburt und beim Geschlechtsverkehr benötigt. Beim Orgasmus pulsiert der Beckenboden, wo An- und Entspannung im Wechsel erfolgt. Wenn wir Niesen, Husten, Springen, Lachen oder etwas schweres Tragen, spricht man vom reflektorischen Gegenhalten. Sonst würde es zum Verlust von Urin kommen.
Lange Zeit wurde die Bedeutung des Beckenbodens unterschätzt oder einfach nicht beachtet. Und das, obwohl er zu einer der wichtigsten Muskelgruppen im Körper gehört. Heutzutage hat sich der Beckenboden endlich den wohlverdienten Platz unter den trainierenswerten Muskeln wie Bauch, Beine, Po und Co. gesichert. Hebammen, Medizinern und Physiotherapeuten sei Dank!
Wenn der Beckenboden gut trainiert und täglich aktiv ist, kann man vielen unangenehmen Vorfällen wie einer Blasen- oder Gebärmuttersenkung und Inkontinenz vorbeugen. Auch beim Sex soll man bei intaktem Beckenboden mehr Lust verspüren. Zudem können diffuse Rückenschmerzen im Kreuzbereich in mehr als 90 Prozent der Fälle durch gezieltes Training der Muskelgruppe verschwinden. Sogar Verspannungen in Hals und Nacken und Kopfschmerzen kann man dadurch lindern.
Eine Beckenbodenschwäche
hingegen kann unangenehme Folgen haben. Sie entsteht zum Beispiel
nach Schwangerschaften, wenn etwa bei der Geburt ein Dammschnitt
gemacht werden musste, bei Übergewicht, chronischem Husten und
Fehlhaltungen. Frauen jeden Alters können davon betroffen sein. Das
Training des Beckenbodens ist daher sinnvoll, sowohl zur Prophylaxe
als auch zur Heilung.
[LL]