Das Wort Beckenboden ist derzeit in aller Munde. Die Wichtigkeit dieses Körperabschnitts scheint unbestreitbar zu sein. Aber was ist das eigentlich und wofür ist er gut? Der Beckenboden befindet sich, wie der Name schon sagt, am unteren Teil des Beckens und besteht aus einem komplexen Geflecht aus Bindegewebe und Muskulatur, das mit dem Beckenknochen verbunden ist. Er ist aufgebaut wie eine Schale und wird begrenzt vom Schambein vorne, dem Steißbein hinten und den Sitzbeinhöckern an den Seiten.
Der Beckenboden verschließt sozusagen
den Ausgang des Beckenknochens nach unten und besteht aus drei
fingerdicken Muskelschichten (innere, mittlere, äußere). Die
Muskelstränge sind dabei gitterartig
kreuz und quer sowie übereinander zwischen dem Becken gespannt. Er
muss dabei stark genug sein, um entstehenden Druck im Bauchraum
standzuhalten und die Organe wie Gebärmutter und Blase im Bauch- und
Beckenbereich halten zu können. Der Damm beispielsweise ist Teil des
Beckenbodens.
Der Beckenboden hat drei maßgebliche
Funktionen: anspannen,
entspannen und reflektorisch Gegenhalten. Anspannen
bedeutet den Verschluss von Anus und Harnröhre, sichert also die
Kontinenz. Entspannen hingegen wird beim Wasserlassen, beim
Stuhlgang, bei der Geburt und beim Geschlechtsverkehr benötigt. Beim
Orgasmus pulsiert der Beckenboden, wo An- und Entspannung im Wechsel
erfolgt. Wenn wir Niesen, Husten, Springen, Lachen oder etwas
schweres Tragen, spricht man vom reflektorischen Gegenhalten. Sonst
würde es zum Verlust von Urin kommen.
Lange Zeit wurde die Bedeutung des
Beckenbodens unterschätzt oder einfach nicht beachtet. Und das,
obwohl er zu einer der wichtigsten Muskelgruppen im Körper gehört.
Heutzutage hat sich der Beckenboden endlich den wohlverdienten Platz unter den trainierenswerten Muskeln wie Bauch, Beine, Po und
Co. gesichert. Hebammen, Medizinern und Physiotherapeuten sei Dank!
Wenn der Beckenboden gut trainiert und
täglich aktiv ist, kann man vielen unangenehmen Vorfällen wie einer Blasen- oder Gebärmuttersenkung und Inkontinenz vorbeugen.
Auch beim Sex soll man bei intaktem Beckenboden mehr Lust verspüren. Zudem können diffuse Rückenschmerzen im Kreuzbereich in mehr als 90 Prozent der Fälle durch gezieltes Training der Muskelgruppe verschwinden. Sogar Verspannungen in Hals und Nacken und
Kopfschmerzen kann man dadurch lindern.
Eine Beckenbodenschwäche
hingegen kann unangenehme Folgen haben. Sie entsteht zum Beispiel
nach Schwangerschaften, wenn etwa bei der Geburt ein Dammschnitt
gemacht werden musste, bei Übergewicht, chronischem Husten und
Fehlhaltungen. Frauen jeden Alters können davon betroffen sein. Das
Training des Beckenbodens ist daher sinnvoll, sowohl zur Prophylaxe
als auch zur Heilung.
[LL]