Darf ich vorstellen: Romy Raptor!

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Romy Raptor
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Romy Raptor

In all den bisherigen Erlebnissen der Chaosbande scheint eine Person immer sträflich vernachlässigt: das jüngste Brutergebnis unserer Familie, Romy. Dabei ist sie keineswegs stiller oder unauffälliger, aber ich hatte immer so eine winzige Hoffnung, mein Baby würde zum Paradebeispiel eines Musterkindes heranwachsen.

Gut, mit dem Begriff "Paradebeispiel" bin ich ja schon einmal nicht allzu weit entfernt, sie treffend zu bezeichnen. Nur mit dem Wort "Musterkind" komme ich dann in Sphären, wo mich jeder, der Romy nur ein Wenig kennt, fragen würde, was ich denn so nebenbei konsumiere.
Äußerlich gleicht sie einem kleinen Engelchen. Mit ihrer hellblonden Lockenpracht, die sich nie bändigen lässt und den blauen Augen, die einen groß und unschuldig anschauen. Und genau da kommen wir zum ersten Fauxpas, dem man nur allzu schnell unterliegen kann, wenn man sich in diesem Blick verliert: unschuldig!
Pah, das ist ein Wort, das jeder ganz schnell streichen sollte, der es wagt, sich unserer Romy auch nur einen Meter zu nähern!
Das Blitzen in ihren Augen ist keineswegs das reflektierende Sonnenlicht, sondern der Schalk, der ihr praktisch rund um die Uhr im Nacken sitzt. Romy ist eigentlich auch die Einzige, die es locker schafft, ihre 15 Monate ältere Schwester Emily, die an sich ein Ausbund an Selbstbeherrschung und vor allem Selbstbewusstsein ist, dazu zu bringen, die Contenance zu verlieren.

Da geht es weniger um die Tatsache, dass Romy grundsätzlich alles austestet, indem sie es mindestens einem ihrer Geschwister über den Schädel zieht. Obwohl man durchaus sagen könnte, sie unterzieht ihr Spielzeug so einem eigenen Warentest. Nach dem Motto, was den Kopf ihrer Geschwister übersteht, ist auch Romy-tauglich.

Mittlerweile gibt es sogar ganz typische Bewegungen, die mir zeigen, dass Romy Raptor gerade wieder gnadenlos zugeschlagen hat. Habe ich etwa eine erfreut quietschende Micky Maus vor mir, kann man sicher davon ausgehen, dass meine jüngste Tochter gerade wieder verhindert, dass Mama arbeiten kann. Denn ohne Schallschutzkopfhörer auch nur einen Satz zu schreiben, wäre in einer Familie wie der Chaosbande ein utopischer Plan.

Bekommt mein Mann plötzlich E-Mails seiner Kameraden im Browsergame, die ihn bitten, zukünftig etwas nüchterner Rundmails zu verschicken, wissen wir hundertprozentig, Romy hat die drei Minuten von Papas Kaffeepause sinnvoll genutzt, um schon einmal tippen zu üben. Flitzt eben dieser, mein Göttergatte, im gestreckten Galopp wie ein Ork nach Kriegsanpfiff an mir vorbei, ist völlig klar, dass Romy etwas in Händen hält, was sie überhaupt nicht in die Finger kriegen sollte.

Höre ich aus der Küche einen meiner Söhne resigniert rufen “Och Mensch, Romy, NEIN", steht fest, sie hat sich aus dem Joghurt ihres Bruders eine Bodylotion gemacht. Ertönt ein ähnlich schriller Schrei “Ihh, Romy, nicht die Finger! Bäh, nimm jetzt die Hand aus der Windel”, setze ich mich automatisch in Bewegung, um Badewasser für den kleinen Quirl einzulassen.

Ein weiteres Highlight ist ihr Anblick, wenn wir Besuch haben. Als habe sie Tina Turner und Whoopi Goldberg im Schwitzkasten, klemmt sie sich zwei der Katzen unter die Arme, die dann regelrecht erstarren und nicht wissen, wie ihnen geschieht. Während wir, meist in Teamarbeit, auf Romy einreden, die armen Viecher doch loszulassen, kichert Romy meist nur gehässig.

Sie ist dabei sogar lernwillig, das muss man ihr lassen. Da wir ihr die Katzen stets sofort wieder entreißen, kam es kürzlich zur Situation, dass ich mehrere Minuten versuchte, unseren Handfeger wiederzubeleben, den ich Romys Würgegriff entrissen hatte. In meiner Panik, dass sie nun also einer der Katzen alle neun Leben auf einmal genommen hatte, war ich sogar fast soweit, dem Kehrbesen eine Mund-zu-Mund-Beatmung zu verpassen. Als mir dann endlich der Stil auffiel, schlenderte Romy mit einer echten Katze unterm Arm winkend an mir vorbei.

Woher Romy dieses Temperament hat, ist uns allen ein Rätsel. Da sie aber vom Aussehen ganz und gar nach meinem Mann kommt, ist es ein Kinderspiel, ihm ständig unter die Nase zu reiben: “Siehst Du, das kommt davon, wenn man keine Kinder zeugt, sondern sich klont!” Ich weiß, lange werde ich mit dieser Schuldzuweisung nicht mehr Erfolg haben. Denn spätestens, wenn mein Mann auch nur eine Minute Luft bekommt, um darüber nachzudenken, wie SEIN Kind soviel Chili im Hintern haben kann, wird automatisch seine Frage “Schatz, sag mal, wie warst Du denn so als Kind?" im Raum stehen. Aber bis dahin kann noch eine Menge Zeit ins Land ziehen, denn Romys Erfindergeist scheint noch so Einiges auf Lager zu haben, das ihm nicht einmal Zeit zum Grübeln lässt.

Fest steht jedenfalls, dass wir auch oder gerade mit unserer jüngsten Tochter das perfekte Mitglied der Chaosbande in die Welt gesetzt haben. Und ich bin mir sicher, bis sie Flügge wird, habe ich noch einige Male einen Grund, mich an den Rechner zu setzen um ein Erlebnis aufzuschreiben.

[SyKo]

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