⎯ Wir lieben Familie ⎯

Der Liebestest

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AutoreninfoSylvia Koppermann
aktualisiert: 21.10.2019Mehrfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Wir Frauen sind oft nicht leicht in der Handhabung, das höre ich immer wieder, vor allem von Männern.

Wir Frauen sind direkt

Mag ja sein, dass da sogar etwas Wahres dran ist, doch zumindest denke ich, wir Frauen sind direkter als Männer.

Passt uns etwas nicht an ihnen, sagen wir es gerade heraus. Fragt man dagegen einen Mann was ihm an uns gefällt, werden wir oft mit Pauschalantworten ausgestattet, dass man meinen könnte, sie hatten früher ein Unterrichtsfach “Wie sage ich Frau etwas, ohne ihr etwas zu sagen!?”.

Da ich ja manchmal Diskussionen liebe und es, ehrlich gesagt dann auch genieße, wenn mein Mann sich stotternd und errötet, wie ein Puter vor Thanksgiving windet, weil ich ihn verbal an seinem eigenen Schlafittchen packe, nutze ich manchmal schamlos seine eigenen Aussagen, um ihn zur Weißglut zu treiben.

Das Schöne daran ist, er kann mir nicht einmal unterstellen, ich bin bösartig, denn ich halte mich, in einem naiv wirkenden Frage- und Antwortspiel nur an seine, mir gegebenen Vorlagen.


Das hört sich kompliziert an?

Ist es aber gar nicht und ich wette, JEDE Frau kann das allein schon mit einem simplen Beispiel selbst erleben.

Ladys – Trommelwirbel - hier kommt ein abendfüllendes Programm das mir Muskelkater im Zwerchfell beschert, sobald ich nur daran denke und meinem Mann eine Lehre war, nie wieder pauschale Floskeln zu verwenden.

“Schatz, ich werde immer fetter. Alles hängt irgendwie und selbst die Brüste scheinen zurück zu Mutter Natur zu wollen, so wie sie Richtung Erdkern wachsen!” Es war wieder ein Abend voller Selbstkritik, an dem ich an mir zupfte, kniff und mich überhaupt nicht mehr leiden konnte. Mein Göttergatte sah nur eine einzige Chance, wollte er die traute Zweisamkeit überstehen, ohne dass ich den ganzen Abend über mich und meine Figur mit dem Namen “Darf’s ein bisschen mehr sein?” nörgle, nahm mich liebevoll in den Arm und sagte: “Ach Maus, selbst wenn Du doppelt so dick wärst, würde ich Dich noch lieben! Es kommt doch auf die inneren Werte an, Deine Art, Dein Lachen,...”

Wie ein Blitz durchzuckte mich der Schalk!

Eigentlich nahm er regelrecht Besitz von meinem Geist und ein diabolisches Weib in mir sprach: “Schatz, ich bin froh, dass Du so denkst! Ich weiß, Du würdest mich immer lieben, selbst dann noch, wenn ich Dir jetzt sagen würde, ich fühle mich im falschen Körper gefangen. Du würdest alles tun, um mich zu unterstützen, glücklich sein zu können.” Ich wette, er dachte in dem Moment sicher an etwas anderes, als ich und es ist wohl eine Tatsache, dass Männer in solchen Situationen wahrscheinlich zuerst ein Brustimplantat vor sich sehen, wenn sie geifernd nicken und bestätigen, dass sie es als ihre liebevolle Pflicht sähen, das holde Weib tatkräftig beim glücklich werden zu fördern.

Mein innerer Teufel kannte jedoch an diesem Abend keine Gnade.

“Schatz, es ist schon beruhigend zu wissen, dass Du meinen Charakter mehr liebst, als meinen Körper. So weiß ich, ich wäre nicht plötzlich allein, wenn ich wüsste, ich könnte im Körper einer Frau nicht länger weiterleben!”

So gerade hat mein Mann in seinem ganzen Leben noch nicht gesessen, wie in dem Moment!

Die Augen aufgerissen, wie ein Kaninchen, dass in den Lauf der Schrotflinte blickt, starrte er mich an.

“Spinnst Du? Das ist doch nicht Dein Ernst, oder? Wie soll denn das gehen?” Der Dämon in mir ließ mich milde lächeln und naiv fragte ich zurück, warum das denn nicht ginge.

Es folgte eine Litanei über seine feste sexuelle Orientierung, hinsichtlich seiner Vorliebe für Frauen, dass er absolut keine gleichgeschlechtlichen Ambitionen hätte und auch nicht gedenke, welche zu entwickeln und überhaupt, es niemals in Frage käme, für ihn, dass ich mich zum Mann umwandeln ließe. Innerlich grölte ich bereits, doch ich blieb hart, setzte einen enttäuschten Augenaufschlag auf und fragte, wie er so gemein sein könnte, eben noch zu sagen, er liebe mich für meine inneren Werte, die sich bei einer Geschlechtsumwandlung doch nicht ändern würden und mir jetzt eiskalt mit seiner sexuellen Ausrichtung als Argument käme, die ganz sicher nicht auf meinen Charakter bezogen wäre.

Meine lieben Geschlechtsgenossinnen, ich garantiere Euch, der Anblick war unbezahlbar!

Er wand sich, stotterte, verhaspelte sich, wusste nicht, wie er aus der Nummer wieder herauskommen könnte und doch kämpfte er wie ein Löwe, weil er nicht sicher sein konnte, ob ich Spaß oder ernst mache.

Jedes Gegenargument zerlegte ich.

Er könne dann nachts nicht mir kuscheln, da ich ja dann ein Mann sei und ich fragte, was das mit meinem Charakter zu tun habe.

Er sagte, küssen könnte er mich dann auch nicht mehr und ich fragte, was das mit meinem Charakter zu tun habe.

Händchen haltend Spazierengehen wäre dann auch undenkbar für ihn und wieder fragte ich, was das denn mit meinem Charakter zu tun hätte. Er fühlte sich wie das Spinnenmännchen, kurz bevor das Weibchen ihn frisst und war sich dessen so bewusst, dass ich fast Mitleid hätte bekommen können.

Wenn das Ganze nicht so viel Spaß gemacht hätte!

“Du sagst immer, Du möchtest, dass ich glücklich bin!” raunzte ich, in gespielter Enttäuschung.

“Ja, natürlich möchte ich das.” versuchte er verzweifelt einzuwenden “Aber nicht, wenn Du dann ein Mann bist!”

“Das heißt,” ich musste zu Boden sehen, um mir beim Anblick seines panischen Gesichtsausdrucks das Lachen verkneifen zu können “Du würdest es eher in Kauf nehmen, dass ich mich unglücklich im Körper einer Frau gefangen fühle, als dass ich glücklich im Körper eines Mannes wäre?”

Joe brachte nun kaum noch einen zusammenhängenden Satz heraus. Er wusste, es war Zeit, die Flügel zu strecken, zuzugeben dass der Satz “Ich liebe vor allem Dein Inneres” einer dieser Pauschalsätze war und er gerade begriff, einen Fehler gemacht zu haben, als er dachte, ich ließe mich mit diesen Sprüchen leicht zufrieden stellen. Wie ein Schrei brach es aus ihm heraus.

“JAAAA, ich gebe zu, es ist nicht nur Dein Charakter! Ja, ich liebe Dich auch dann noch, wenn Du dicker wirst und würde Dich auch dann noch lieben, wenn Du die Brüste im Alter aufrollen müsstest. Ich liebe das alles an Dir, weil DU das bist. Du, meine FRAU, weiblich und vertraut!”

Grinsend sah ich ihn an

“Na bitte, es geht doch!” schmunzelte ich. “Was geht?” verwirrt starrte er mich an.

“Dass Du mir mal wirklich sagst was und warum Du es an mir liebst. Anders hätte ich ja wieder nur einen pauschalen Spruch gekriegt.”

Vorsichtshalber rückte ich ein Stückchen ab, bevor mich sein Schnaufen von der Couch pustet. Entgeistert , blass, kalter Schweiß auf der Stirn und völlig verdattert. Die Augen wurden enger, wie kleine Schlitze.

“Hast Du mir jetzt hier einen Bären aufgebunden, nur um herauszufinden, was ich an Dir liebe? Warum machst Du so was?” Ich lächelte.

“Warum wohl? Ich wollte Dir nur mal zeigen, dass Du manchmal Sachen sagst, die Du vielleicht gar nicht so meinst und außerdem wollte ich wissen, was Du wirklich an mir liebst. Und das hast Du ja eben. Als Du sagtest, meinen Charakter zu lieben, tat das sogar ein bisschen weh, weil es sich wie eine Bestätigung anfühlte, zu fett zu sein, um geliebt werden zu können. Aber jetzt weiß ich, dass Du mich auch rund gern hast.” Wir lachten uns an und mit den Worten: “Komm her mein Dickerchen” zog er mich in seine Arme.

Während ich nun da an seiner Brust lag wusste ich bereits, es würde eine neue Chance geben, ihn bei den Hörnern zu packen und das sagen zu lassen, was Frau so gern hören möchte.

Selbst beim Einschlafen kicherte mein Mann noch ein bisschen und nuschelte: “Frauen, komplizierter geht’s gar nicht mehr!”. Irrtum, mein Lieber, WIR sind gar nicht so kompliziert. WIR wissen nur, was wir wollen!

[SyKo]

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