Schämt euch nicht, zu arbeiten!

Arbeit - Mutter mit KindEltern kleiner Kinder sind auf dem Arbeitsmarkt keine Schande – sondern Vorbilder!

Nach der Geburt ihrer Kinder stehen viele Mütter vor der Frage: Was ist jetzt das richtige für mein Kind? Gebe ich es in eine Kinderkrippe oder bleibe ich zuhause bis mein Kind mindestens drei Jahre alt ist? Viele Mütter sind mit der Antwort dieser Frage überfordert, da in den meisten Fällen ihre eigene Meinung kaum Gewicht hat. In Deutschland ist das Bild der mütterlichen Erziehung noch enorm verbreitet. In kaum einem anderen Land wird es Müttern in sozialer Hinsicht so schwer gemacht, nach der Geburt eines Kindes, wieder in die Arbeitswelt einzusteigen. Entscheidet man sich dafür, das Kind in eine Krippe zu geben, bekommt man schräge Blicke der Nachbarn und Kolleginnen ab und wird von der eigenen Mutter getadelt, ob man sich nicht schäme, sein Kind so früh aus den Händen zu geben.

Somit fangen tatsächlich viele Mütter an zu zweifeln, ob sie sich nicht wirklich schämen sollten, mit dem Gedanken zu spielen, wieder arbeiten zu gehen. Viele Mütter bekommen Angst, dass sie ihrem Kind damit Schaden zufügen und betrachten sich selber als Rabenmutter.

Schadet frühe Fremdbetreuung dem Kind?

Doch genau diese Angst ist unbegründet. Es gibt zahlreiche Studien, die beweisen, dass frühe Fremdbetreung kleinen Kindern nicht schadet. Im Gegenteil – sie fördert ihre Entwicklung sogar. Es ist erwiesen, dass sich das kognitive Verhalten von Kindern, die sehr früh fremdbetreut werden, besser entwickelt als das von Kindern, die Zuhause erzogen werden. Somit wiesen erstgenannte Kinder einen besseren Umgang mit Materialien auf, waren kreativer im Umgang mit diesen und verfügten über mehr arithmetische Fertigkeiten. Außerdem wurden Informationen besser behalten und akkurater wiedergegeben. Hinzu kommt ein weitaus komplexerer Sprachstil bei Kindern, die mehr Umgang mit anderen Kindern hatten.

Entwicklung des Sozialverhaltens

Und auch das Sozialverhalten der fremdbetreuten Kinder entwickelte sich anders. Sie waren oft offener, kompetenter, selbstbewusster und kooperativer. Natürlich kann damit nicht pauschal gesagt werden, dass jede Fremdbetreuung besser ist als mütterliche Betreuung daheim. Jede Krippe ist anders und jedes Kind benötigt unterschiedliche Faktoren für seine Entwicklung.

Der Entwicklungspsychologe Jay Belsky konterte auf die Frage, ob es denn nun gut für Kinder sei, in eine Krippe gegeben zu werden, mit der Gegenfrage: „Ist es gut oder schlecht für die Gesundheit, häufig außer Haus in Restaurants zu speisen? Kommt drauf an, wie dort gekocht wird und wie viel man davon isst.“ Somit lässt sich pauschal nicht beantworten, ob und welche Krippe für welches Kind denn gut sei. Die passende Krippe für sein Kind auszuwählen ist wohlmöglich eine der schwierigsten Aufgaben in diesem Prozess. Man sollte auf kleine Gruppen, gut ausgebildete Erzieher/innen mit viel Elan und eine gute Tagesstruktur der Kita achten.

Für das Kind ist bei der Einführung jedoch am wichtigsten, dass die Eltern sich bei der Sache wohlfühlen. Denn strahlen diese Unsicherheit und Angst aus, überträgt sich das auf das Kind. Generell hat die Familie den größten Einfluss auf die kindliche Entwicklung. Eltern, die also nur nicht arbeiten gehen, weil sie sonst ein schlechtes Gewissen haben, tuen ihren Kindern damit keinen Gefallen. Die Zufriedenheit der Eltern wirkt sich nämlich direkt auf das Verhalten des Kindes aus. Eltern die also stolz darauf sind einer Arbeit nachzugehen, geben auch dem Kind das Gefühl, stolz auf seine Eltern sein zu können. Eltern haben als Vorbilder für die Kinder eine bedeutende Rolle. Kinder, die beobachten, dass ihre Eltern arbeiten, übernehmen ihre Arbeitsmoral und ahmen diese nach, welche später enorme Auswirkungen in der schulischen Entwicklung zeigt. Hinzu kommt auch das kulturelle- und finanzielle Vermögen, welche der Entwicklung des Kindes dienen. All diese Fakten ergeben zusammen mit den sozialen und kognitiven Fähigkeiten, die das Kind in einer Krippe erhält, die Tatsache, dass fremdbetreute Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit einmal auf ein Gymnasium kommen und so durch die besseren Bildungschancen später einmal erfolgreicher werden. Dieses Phänomen belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung (1). Nach ihrer Aussage erhöht sich die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, es auf ein Gymnasium zu schaffen, von ca. 36% auf 50%, wenn die Kinder eine Krippe besuchen. Bei Kindern mit sozialschwachen Eltern ist der Chancenunterschied noch größer.

Frühe Kinderbetreuung – erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Kind das Gymnasium besucht

Kinderkrippe - Wahrscheinlichkeit auf ein Gymnasium zu gehen

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-2F7A30CD-0D91EBF9/bst/xcms_bst_dms_23964_25003_2.JPG

Und den Omas und Großtanten, denen dieses Argument noch nicht ausreicht und die weiterhin behaupten, Kinder, die fremdbetreut werden, würden zu wenig Zeit mit den Eltern verbringen, kann gesagt werden, dass in Familien, deren Kinder eine Krippe besuchen, eine ganz andere Familiendynamik herrscht. Während Eltern, die den ganzen Tag zuhause bei ihrem Kind sind, sich neben Telefonaten und eigenen Aktivitäten mit dem Kind beschäftigen, ist die gemeinsame Zeit von Kind und Eltern bei Familien, die tagsüber getrennt sind, viel intensiver und konzentrierter. Somit erhalten Kinder, ob zuhause- oder fremdbetreut, unterm Strich gleichviel ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern.

Also, liebe zweifelnde Eltern, schämt euch nicht nach der Geburt eures Kindes wieder arbeiten zu gehen. Wenn es euch mit dem, was ihr tut, gut geht, geht es euren Kindern auch gut!

Famany – familienfreundliche Unternehmen

Fabienne Steitz verantwortet bei www.famany.com den PR- und Marketing-Bereich. famany zeichnet familienfreundliche Unternehmen mit einem Siegel aus. Mitarbeiter eines Unternehmens können ihren Arbeitgeber auf ihre Erfahrungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewerten. Familienfreundliche Arbeitgeber können sich aktiv als solche präsentieren und durch Stellenanzeigen um die besten Köpfe werben.

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