Der Kaiserschnitt - Ablauf

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Fast ein Drittel aller Geburten in Deutschland sind Kaiserschnitte
Fast ein Drittel aller Geburten in Deutschland sind Kaiserschnitte
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AutoreninfoKatharina Krause
aktualisiert: 23.03.2018Vierfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Obwohl der Kaiserschnitt etwa einem Drittel aller Babys in unserem Land auf die Welt hilft, weiß doch kaum jemand genau, was bei diesem Eingriff genau passiert. Hier geben wir einen kleinen Einblick in den Ablauf einer herkömmlichen Kaiserschnitt-Operation.
Was du hier lesen kannst:
  • Vorbereitung auf den Kaiserschnitt
  • Im OP
  • Die Misgav-Ladach-Methode
  • Der herkömmliche Kaiserschnitt nach Pfannenstiel
  • Das Baby ist auf der Welt
  • Wissenswertes

Vorbereitung auf den Kaiserschnitt


Schon einen Tag vor dem geplanten Kaiserschnitt begibt man sich, bei einer geplanten Geburt, in die Klinik. Hier wird man in der Regel genauestens über den Ablauf und mögliche Risiken des Eingriffs aufgeklärt und noch einmal eingehend untersucht. Zusammen mit dem zuständigen Anästhesisten wird entschieden, welche Art der Narkose genutzt werden soll.
Direkt vor der OP wird dann der obere Schambereich rasiert, da die Haare mögliche Keimträger sind und somit entfernt werden müssen. Damit sich die Harnblase unter der Operation nicht füllt, wird ein Blasenkatheter gelegt. Schmuck und Prothesen müssen für diesen Eingriff abgelegt werden und die normale Kleidung wird gegen ein OP-Hemd und Anti-Thrombose-Strümpfe getauscht. Bis hierhin unterscheidet sich der Kaiserschnitt kaum von anderen Operationen.
Direkt vor der Fahrt in den OP-Saal bekommt man eine Citrat-Lösung zu trinken, die Übelkeit und Erbrechen verhindern soll, allerdings nicht besonders schmackhaft ist.

Im OP

Im Operationssaal angekommen, wird die Stelle für die Narkose örtlich betäubt, so dass man von der Spritze und der eigentlichen Narkose nicht viel mitbekommt. Um den Druck des Kindes auf die Hohlvene (Vena cava) der Mutter zu verringern, wird der Tisch leicht zur Seite gekippt. Viele Frauen überkommt hierbei ein Gefühl der Unsicherheit, welches aber unbegründet ist, da sie vorher ausreichend gesichert wurden. Im Anschluss wird die Bauchdecke desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Dies ist in der Regel der Zeitpunkt, an dem auch der zukünftige Vater in den Operationssaal gelassen wird. Achtung: Hier gilt es, sich im Vorfeld genau zu erkundigen, da der genaue Zeitpunkt und das genaue Vorgehen von Klinik zu Klinik unterschiedlich gehandhabt wird.

Viel von dem eigentlichen Eingriff ist auch für den Papa nicht zu sehen, da er sich in der Regel nur am Kopfende aufhalten darf. Beiden Anwesenden wird der Blick auf das OP-Geschehen durch ein steriles Tuch verwehrt.

Bei einer Vollnarkose muss der Kindsvater meist vor der Tür warten und darf den Saal unter dem Eingriff nicht betreten. Sobald das Kind dann allerdings auf der Welt ist, wird es den Eltern aber in beiden Fällen gezeigt und sie dürfen es das erste Mal in den Arm nehmen.

Die Misgav-Ladach-Methode

Seit einigen Jahren wird in Deutschland überwiegend nach der Misgav-Ladach-Methode operiert. Besser bekannt ist diese Technik unter dem Namen „sanfter Kaiserschnitt“. Diese Art des Kaiserschnitts wurde das erste Mal in den 90er Jahren erfolgreich durchgeführt und stammt aus Israel. Im Gegensatz zum klassischen Kaiserschnitt kommt man hierbei mit möglichst wenig Schnitten aus. Muskeln und Gewebe werden größtenteils mit der Hand beiseite geschoben, gedehnt und gerissen. Die Verletzungen, die hierbei entstehen sind kleiner und verheilen in der Regel besser, da nicht so viele große Blutgefäße und Nerven durchtrennt wurden.
Das abschließende Vernähen der Wunde geht ebenfalls schneller, da nicht alle Schichten der Bauchdecke, sondern nur Gebärmutter und Haut wieder verschlossen werden. Hierdurch verkürzt sich die Operationsdauer von circa einer Stunde auf etwa dreißig Minuten.
Ein weiterer Vorteil liegt im geringeren Blutverlust der Mutter, was dazu führt, dass sie das Krankenhaus meist schon nach wenigen Tagen verlassen kann.

Obwohl der Name „sanfter Kaiserschnitt“ etwas anderes suggeriert, handelt es sich auch bei dieser Methode um eine Operation, die hinterher einige Schmerzen bereiten kann.

Der herkömmliche Kaiserschnitt nach Pfannenstiel

Bei einem herkömmlichen Kaiserschnitt nach Pfannenstiel wird ein etwa 15 cm langer Schnitt, über der unteren Bauchdecke gemacht. Meistens genau an der Schamhaargrenze, so dass eine Narbe in der Bikinizone verschwindet und dort mit etwas Glück gar nicht mehr auffällt. Vor einigen Jahren noch war es üblich einen senkrechten Schnitt vom Nabel abwärts bis zum Schambein zu machen, doch diese Variante gilt als veraltet und wird nur noch, wenn überhaupt, bei sehr kleinen Frühchen angewandt. Beim senkrechten Schnitt ist die Heilung beeinträchtigt und die Narbe kann bei weiteren Geburten zu Komplikationen führen.

Nachdem die Haut durchtrennt ist, öffnet der Arzt die Bauchdecke Schicht für Schicht weiter. Bauchmuskeln und Blase werden zur Seite geschoben und dann der Uterus geöffnet. Nun kann das Baby herausgenommen werden. Dies ist meistens etwas unangenehm, da der Arzt das Kind mit Druck in Richtung Ausgang schieben muss. Ist das Kind entnommen, werden noch Eihäute und Plazenta entfernt und der Muttermund etwas geweitet. Letzteres geschieht, um den Wochenfluss zu erleichtern. Die meiste Zeit benötigt der Arzt nun dabei, jede einzelne Gewebeschicht wieder einzeln zu vernähen.

Das Baby ist auf der Welt

Sobald das Baby auf der Welt ist und sich von der Vitalität des Kindes überzeugt wurde, darf man sein Kind in Empfang nehmen. Diese erste Kontaktaufnahme ist der erste Schritt, um eine Bindung zwischen den Eltern und dem Kind aufzubauen. Danach wird das Kind in der Regel in den Kreißsaal gebracht und weiter untersucht und im Anschluss dem frisch gebackenen Papa übergeben, während die Mutter in dieser Zeit noch auf den Abschluss der Operation wartet. Sobald die Mutter des Kindes gut versorgt ist, wird auch sie in den Kreißsaal geschoben. Nun kann das Baby das erste Mal an die Brust gelegt werden. Dieses gestaltet sich oft als nicht ganz einfach durch die noch von der OP stammenden Schläuche.
Gerade bei Kaiserschnittkindern wird das erste Anlegen und Stillen empfohlen und sollte, wenn irgendwie möglich, auch gemacht werden.

Im Kreißsaal verbringt die junge Familie im Anschluss noch einige Zeit unter Beobachtung, während die örtliche Betäubung langsam nachlässt. Nach etwa zwei Stunden spürt die Frau ihre Beine wieder und wird recht zügig von den Schwestern ermuntert, bald vorsichtig aufzustehen, da hierdurch das Risiko eine Thrombose deutlich verkleinert werden kann.

Wissenswertes

Der Name Kaiserschnitt kommt aus den Zeiten des Alten Roms. Ob er allerdings wirklich auf Julius Caesar zurückgeht, ist umstritten.

Als primären Kaiserschnitt bezeichnet man einen geplanten Kaiserschnitt, der schon im Vorfeld von allen Beteiligten besprochen wurde.

Bei einer Gefährdung von Mutter oder Kind wird ein sekundärer Kaiserschnitt durchgeführt, wenn der Geburtsvorgang schon begonnen hat.

Ein Kaiserschnitt wird in der Regel vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt, um nicht von der natürlichen Geburt überrascht zu werden.

Ein geplanter Kaiserschnitt wird terminlich in der Regel mit der werdenden Mutter abgestimmt.

Die Rate der Kaiserschnittentbindungen steigt weiter an. Dies hängt oftmals mit dem Risikoprofil der Frauen aufgrund des gestiegenen Durchschnittsalters zusammen.

Etwas 30% der Kinder kommen in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Das sind jährlich etwa 200.000 Operationen.

Die Kaiserschnittrate in der industrialisierten Welt hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten verdoppelt und schwankt zwischen 10-40%.

Der erste belegte Kaiserschnitt, den Mutter und Kind überlebten, wurde im Jahr 1500 von dem Schweizer Jacob Nufer an seiner Frau durchgeführt. Allerdings gehen Berichte über Kaiserschnitte bis in graue Vorzeit zurück.

[KaKra]

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