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Abgewöhnrituale extrem Wie kommen die zustande?

fjordmaid
fjordmaid
04.06.2009 | 8 Antworten
Nuckelbaum pflanzen; im Kinderzimmer schlafen, bis das Kind alt genug ist, allein zu schlafen, um dem Kind die Umgewöhnung in ein anderes Zimmer zu ersparen, quälende Fragen wie man das Fläschchen abgewöhnt.. Sowas kenn ich alles nicht.
Mich würde mal interessieren, was in den Eltern so vorgeht, die sich soviel Mühe machen, immer neue aufwendige Rituale zu erfinden, um dem Kind irgendetwas abzugewöhnen, um beim kleinsten Protest alle Vorhaben über den Haufen zu werfen. Nicht um zu verurteilen, sondern um zu verstehen.
Bei mir liefen solche Sachen wie folgt ab: Meine große Tochter hatte einen Nuckel, den sie sicher auch sehr geliebt hat. Da ich das Abgewöhntheater schon von meiner Schwester kannte, war ich aufs härteste vorbereitet, als ich befand, dass meine Kleine mit 1 1/2 Jahren zu groß für den Nuckel ist. Ich wollte auch mit dem Abgewöhnen nicht warten, bis mein Kind sprechen kann und direkt nach dem Nuckel verlangen kann. Tagsüber hatte ich ihn schon lange aus dem Verkehr gezogen. Zum Nachmittagsschlaf gab ich ihn also dann auch nicht mehr und wollte das ne Woche lang durchziehen, nur trösten und dann nachts anfangen. Aber meine Tochter machte keine Anstalten zu protestieren, also ließ ich den Nuckel auch nachts weg. Kein Geschrei - Nuckelthema aus der Welt. Sie trank auch bevor sie ein Jahr wurde aus ner Tasse. Flasche gab es nur noch früh und zwar sehr lange. Nicht, weil ich Angst vor ner Auseinandersetzung hatte, sondern weil es mir ne Menge Zeit ersparte. Sie ging ne Stunde später zum Frühstück in die Kita und hatte bis dahin schonmal was im Bauch. Als neue Einschlafhilfe diente ein alter Schlafsack, der ihr schon zu klein war. Den hat sie ungefähr bis zum 10. Lebensjahr als Kopfkissen gebraucht. Darin sah ich keinerlei Gefahr für die Gesundheit, (auch wenn es manche komisch fanden) und brauchte somit auch wieder kein Ritual um etwas abzugewöhnen.
Mein 2. Kind hat nie einen Nuckel gewollt. Habe 3 Monate lang versucht ihm dieses Ding immer mal unterzujubeln, wenn er nicht einschlafen konnte, aber vergebens. Hatte alle möglichen Sorten zu Hause. Als er anfing zu greifen, waren die Nuckel auch noch da. Ich war mir unsicher, ob ich zulassen soll, dass er jetzt doch noch anfängt zu nuckeln und beobachtete genau. Er kaute darauf herum, wie auf jedem anderen Greifling, den er zu fassen bekam. Wenn er ihn als Krabbelkind von Zeit zu Zeit mal richtig frei im Mund hatte, mussten wir immer lachen, weil das so komisch und ungewohnt aussah. Er konnte gar nicht richtig nuckeln. Manchmal hatte er auf die gleiche Art einen runden Baustein im Mund und flitzte durchs Zimmer. Ich hab sie fast alle entsorgt. Wie man sieht, muss es auch noch andere Mittel geben ein weinendes Kind zu beruhigen. Was die Flasche angeht, hab ich ihm auch mit 10 Monaten beigebracht aus der Tasse zu trinken, was mir erstaunte und anerkennende Blicke von den Kitafrauen einbrachte, als er mit 14 Monaten dort ankam. Fast alle anderen älteren Kinder nuckeln ihren Saft oder Tee aus der Flasche. Jetzt mit 15 Monaten kann er ohne Hilfe aus der Tasse trinken und gibt sich Mühe nichts zu verkleckern. Was früher als komisch empfunden wurde in dem Alter (Kleinkind mit Nuckelflasche), scheint jetzt als normal zu gelten, obwohl man überall lesen kann, dass die Kinder so früh wie möglich an das Trinken aus der Tasse gewöhnt werden sollen, wegen der Zähne und so.
Es gab nur noch 2 Milchfläschen für unseren Kleinen, eine kleine abends und eine große früh. Als er mit 14 Monaten Medikamente nehmen musste und Durchfall bekam, sollten wir die Milch weglassen. Haben dann ein Gebräu aus Wasser, Reisflocken und Traubenzucker gemischt. Das trank er zwar und wir gaben es ihm auch gerne früh, wenn er sehr zeitig wach war, damit wir noch bissl im Bett liegen konnten, aber wenn wir eh aufstehen mussten, bekam er gleich ein richtiges Frühstück. Wir machten uns gar keinen Kopf, ob er die Flasche vermisst. Hat er auch nicht. Jetzt entscheiden wir genauso. Schläft er abends schlecht ein und hat wenig gegessen, machen wir Milch mit Honig und geben die als Fläschchen. Früh hält er ohne Flasche durch, bis wir frühstücken. Das ist einfach so gewachsen, ohne dass wir uns viele Gedanken darüber gemacht haben.
Genauso wie die Umgewöhnung aufs eigene Zimmer. Beide Kinder mit einem Jahr ca. rein ins neue Zimmer und fertig. Klar war ich auf ne unruhige Eingewöhnungsphase gefasst, aber darüber hab ich wenig Gedanken verschwendet. War auf Trösten eingestellt, aber nichts passierte. Thema erledigt.
Da ich mich nicht für eine perfekte Mutter halte und auch meine Kinder genauso normal wie andere sind, frag ich mich immer, warum es bei manchen so ein Drama ist, was bei uns reibungslos funktionierte.
Meine Vermutung(!) ist, dass all die Mamas, die natürlich nur das Beste für ihr Kind wollen, sich selbst vorher fertig machen, wenn etwas abgewöhnt werden soll. Da wird vielleicht in kleinkindlichem Niveau gedacht und die Mamas/Papas leiden schon vorher bei dem Gedanken, dem Kind, dem sie eigentlich nur GEBEN wollten, nun etwas WEGNEHMEN zu müssen. "Das arme Kind, wie es sich wohl fühlen muss? Wir sind so schlechte Eltern, wenn wir das durchziehen." Sie halten das Gequengel nicht aus und wissen nicht, wie sie ihr Kind über einen VERLUST hinwegtrösten können. Sie stellen ihren eigenen Wert als trostspendende Bezugsperson unter den eines Nuckels oder einer Flasche. Wie gesagt, nur Vermutungen. Also reden sich alle schön ein, dass das Kind, genau wie ein Erwachsener, selbst entscheiden kann, wann es etwas nicht mehr will. In der Folge wird es nicht mehr als ungewöhnlich angesehen, wenn selbst 4jährige noch mit Nuckel und Flasche durch die Gegend rennen. (Spätestens bei der Einschulung wird er sich das schon abgewöhnen). Erkennt niemand, dass das Kind schutzbedürftig ist und die Tragweite seiner "eigenen Entscheidungen" nicht absehen kann? Nimmt man statt Gequengel und Geschrei deshalb lieber schiefe, kariesbefallene Milchzähne in Kauf, die auch die bleibenden Zähne schädigen können? Ich würde das gern verstehen, was diese Eltern wirklich denken. Das seltsame ist, dass Eltern wie ich, mittlerweile verurteilt werden, dass sie die Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen des Kindes selbst in die Hand nehmen und es nicht ihren Kinder überlassen zu entscheiden, was gut und richtig für sie ist.
Das zeigt auch ein Bericht auf ner Elternseite, wo die starke Persönlichkeit eines Kleinkindes gelobt wird, welches sich von der Mutter nicht abbringen ließ im Hochsommer Thermostiefel anzuziehen. Was ich sehe ist: Eine Mutter überläßt dem Kleinkind die Verantwortung für die Kleiderwahl und behandelt es somit, als wenn es ein zu klein geratener reifer Erwachsener wäre, dem man nichts mehr beibringen muss und der aus seinen Fehlern schon die richtigen Schlüsse ziehen kann. Tatsächlich können die das lange nicht miteinander in Verbindung bringen. Kaum ein Kleinkind wird nach einer Jacke verlangen, wenn es friert, sondern eher weinen. Wie soll es dann erkennen, dass Schweißfüße unangenehm und schädlich sind und von zu dicken Stiefeln kommen? Verrückte Welt, wo man Kinder im zartesten Alter verpflichtet die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
LG
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8 Antworten

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1 Antwort
...
jo.
anyu
anyu | 04.06.2009
2 Antwort
Abgewoehnen
Hallo! Ja beio meinem ging das auch alles locker vorueber.Ob das Schnuller war oder ins eigene Bett im eigenen Zimmer, alles problemlos.Jetzt fragt er gar nicht mehr danach.Ich hab ihm einfach den Schnuller fvon jetzt auf gleich nicht mehr gegeben, und frug er danach, sagte ich einfach: Er ist kaputt, wir gehen morgen einen neuen bei Rossmann kaufen.Tja dieses Morgen war vor 3 Wochen, er wartet immer nocj, hihihi.MAN sooll sich echt nicht verrueckt machen wegen solcher Dinge, es kommt alles von alleine.Ich hab zwar nur ein KInd, aber ich bion nicht diejemige, die sich irgendwas ausdenkt und sich damit noch selber verrueckt macht.LG
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 04.06.2009
3 Antwort
was für eine..
..gequirlte scheisse!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 04.06.2009
4 Antwort
Wie erfrischend und von gesundem ..
. Menschenverstand mit einer guten Portion Herzensgüte geschrieben!! Ich mag es ja kaum sagen aber ich habe immer mehr den Eindruck das manchmal die Rollen verwechselt werden. ein Kind ist ein Kind und braucht souveräne Eltern. Das Kind ist kein gleichwertiger Diskusionspartner. Es muss Kind sein dürfen. Machtbestrebungen zeichnen ein gesundes selbstbewustes Kind aus, auch Grenzen erweitern und das Kind mal "bestimmen" lassen halte ich für gesund. Mir fällt immer mehr auf, das es manchen Müttern immer mehr darum geht das Kind blos nichts entbehren zu lassen. Aber wohin führt das? Eine Frau die zu einem Vorsorgetermin in meiner Praxis erscheint braucht keine Wartezeit einzuplanen. Der eigendliche Termin dauert ca. eine halbe Stunde in der das mitgebrachte Erstgeborene im Zimmer anwesend ist und mit Spielzeug beschäftigt werden kann. Es ist kaum mehr möglich das diese halbe Stunde nicht permanent unterbrochen wird weil das Kind Bedürfnisbefridigung fordert. Fast jede Mutter führt, geschälte Äpfelchen, Kekse, Trinkflaschen, Bilderbücher und sonstiges mit um dem Kind jederzeit Bedürfnisbefriedigung zu verpassen. Welche Form von "ich bin der Nabel der Weltgeneration" ziehen wir uns heran? Ich habe drei Kinder . wenn ich in der Stadt war und der Weg nach hause in 10 Min. gegangen war dann wurde nichts zu trinken gekauft sondern die 10 Min. ausgehalten. Es wurde nicht diskutiert das die Besteckschublade kein Spielzeug ist, es gab Dinge die mir gehörten und nicht meinen Kindern. Meine Kinder waren mit 2Jahren trocken und Nuckellos in jeder Form. Ohne Druck und ohne Strafe. Ich habe mich damals schon gefragt warum in de n Spielgruppen immer so viel Kampf berichtet wurde. Ich halte mich auch nicht für eine Übermutter aber ich glaube eine gewisse Taffheit und Konfliktfähigkeit ist gesund. Danke für deinen gesunden Bericht. LG
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 04.06.2009
5 Antwort
@püppi1811
Warum? Ist doch nun mal die wahrheit!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 04.06.2009
6 Antwort
sehr gut geschrieben
klingt gut und lebensnah lieben Gruß Sandra
Fabian22122007
Fabian22122007 | 04.06.2009
7 Antwort
hm
das hört sich bißchen so an als wolltest du jetzt von allen einmal hören "du bist ja so toll und alle anderen haben keine Ahnung" Ich denk es gibt so ne Kinder und solche. Schnuller braucht meiner auch nicht, da hast schon recht. lg greta
GretaMartina
GretaMartina | 04.06.2009
8 Antwort
Freu mich über eure Antworten.
@heviane: das war sehr ausführlich und interessant zu lesen. @greta: Nein, möchte nicht hören, dass ich toll bin, möchte nur mal bissl rütteln und die Situationen, die viele als normal empfinden, auch mal aus einer anderen Perspektive mit anderen Argumenten zeigen. Ich habe schon so viele Kinder aufwachsen sehen, für die als Kind alles getan wurde, die vieles selbstbestimmen durften, denen zugetraut wurde, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Viele dieser jungen Erwachsenen haben richtig Probleme mit dem Leben klarzukommen. Plötzlich sollen sie tun, was andere verlangen , denn er wohnte ja noch bei den Eltern. Eine Freundin hatte er auch noch nie. So beziehungsgestört, trotz liebevoller Hingabe beider Eltern. Wenn man das sieht, dann lohnt es sich doch einfach mal seinen eigenen Umgang mit den Kindern zu überprüfen und nachzudenken. Es gibt ja schon soviel von solchen Jugendlichen. Unsere Firma hat richtig Probleme noch verlässliche, verantwortungsbewusste Lehrlinge für den Maschinenbau zu finden. Viele gehen dann nicht zur Berufsschule, sind ständig krank, kommen nicht mit den Vorgesetzten aus, schaffen ihren Abschluss nicht. Verursachen nur Kosten. Für diesen Job können sie aber auch keine Abiturienten einstellen, also müssen die schon mindestens mit Notendurchschnitt 2 ankommen, bevor sie sich darauf einlassen. Ist doch krass. LG
fjordmaid
fjordmaid | 05.06.2009

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