Im Wandel der Zeit, das Häschenbrot!(ostern8)

Moppelchen71
Moppelchen71
29.09.2011 | 11 Antworten
Als wir Kind waren, nannte man das Arbeitsbrot, dass der Vater nach einem langen Arbeitstag mit nach Hause brachte "Häschenbrot". Wir liebten es Dem Vater, Onkel oder Großvater die Arbeitstasche an der Haustür abzunehmen, in die Wohnung zu schleppen und dann erwartungsvoll zu zappeln, bis er in die Tasche griff und eine übrig gelassene Brotschnitte herauszog.

Es schmeckte meist schon etwas trocken, ein wenig muffig nach Arbeitstasche, aber es war ein Ritual, dass uns Kinder teilhaben ließ, am schweren Arbeitstag. Stolz futterten wir die Stulle, als sei sie ein Cremetörtchen und hatte Papa, Opa oder Onkel einmal selbst alles verzehrt, wurde weinend der Aufstand geprobt. Das Gefühl des Vergessenseins ließ uns schluchzend auf die Eckbank sinken. Ausgeschlossen, verstoßen, kein Häschenbrot.

Unsere Kinder sind uns einen Schritt voraus, ihnen wird dieses Gefühl der Vergessenseins nie in diesem Punkt entstehen können.
Bestes Beispiel: meine Kröten, mittlerweile 4 und knapp 3 Jahre alt.
Papa schmiert sich unter enormen Zeitdruck schnell das Brot für die Arbeit. Gattin ist noch bei der Krankenkasse, sein Bus fährt in 10min.... Hoffentlich kommt die Frau pünktlich, er muss doch gleich los.
Holdes Weib kann Gedanken spüren, steht just in dem Moment an der Tür, beladen mit ein paar nötigen Einkäufen und klingelt.
Mann lässt Messer fallen, stürmt die Treppe hinunter zur Haustür, reißt diese auf und zerrt keuchend Gattin ins Haus, während er hechelt, er sei im totalen Stress, müsse sofort hoch, Brot fertig schmieren und dann los. Und schon sprintet er voran, die Treppen wieder hoch, um asthmatisch pfeifend in der Küche vor einem Arbeitsbrot zu stehen, aus dem akkurat ein halbkreisförmiges Loch grinst. Seine Prinzessinnen haben Vorkoster gespielt?
Nur welche der beiden Damen? „Es muss unsere Romy gewesen sein, der Raptor in der Familie“ ist später die nüchterne Feststellung meines Sohnes Micky, der mit logischer Denkweise an die Dinge herangeht „Emmy hätte nicht nur abgebissen, die wäre gleich mit dem ganzen Brot getürmt!“
Blöd an diesem Tag war nur, dass die Zeit tatsächlich mehr als knapp war und mein Mann so mit dem angebissenen Brot zur Arbeit musste, wo er in der Pause einige merkwürdige, fast mitleidige Blicke der Kollegen einfing.

Mittlerweile hat nun auch Emmy für sich entdeckt, dass Papas Arbeitsbrot die Familie zusammenschweißt. So wie damals wir, verlangt sie nun täglich ihr Häschenbrot. Nur, geht sie gar nicht erst das Risiko ein, Papa könnte ihr alles wegessen. Sie kräht daher nach dem Brot, bevor Papa überhaupt zur Arbeit geht.
Kaum ist das Brot geschmiert und heimlich in der Arbeitstasche verschwunden, schießt der vierjährige Kugelblitz aus einem Winkel des Hauses, verschwindet mit dem Oberkörper in der Arbeitstasche, wühlt und plappert in die Tasche „Papa, hast Du schon wieder MEIN Häschenbrot in DEINE Tasche gesteckt?“ Findet sie das Brot, wird es umgehend konfisziert und nur unter erpresserisch abgerungener Wurstbrotscheibe, bekommt der Herr Vater vielleicht die Reste seines Pausensnacks wieder.

Mittlerweile schmiert mein Mann schon 2 Pakete Brot. Eines das Emmy finden darf, denn der tägliche Kampf mit Eroberung des Häschenbrotes ist schon zu einem lieben Ritual der Beiden geworden. Lieb nicht unbedingt für meinen Mann, aber auf jeden Fall für Emmy. Das andere Paket verschwindet in einer Seitentasche. Doch ich bin mir sicher, es dauert nicht mehr lange, dann hat Madame auch das Versteck gefunden und ab dem Tag heißt es dann für meinen Mann auf der Arbeit „Nein, ich habe mir auch heute kein Essen mitgebracht, denn ich mache Diät!“ während er verstohlen und sehnsüchtig auf die Wurststullen seiner Kollegen schielt und sich im Geheimen fragt, ob diese gar keine Kinder haben.
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1 Antwort
süß
aber von diesem Ritual habe ich noch nichts gehört. Dein armer Mann, muss er sein essen verteidigen und es wird nicht mehr lange dauern, da wird er 3 Pakete fertig machen müssen Vielleicht sollte er sein Pausenbrot in einer Tüte tarnen, die nahe dem Ausgang deponiert wird und die er sich dann heimlich greifen kann, wenn er das Haus verlässt.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 29.09.2011
2 Antwort
Neeeee was süß!
Ich kenn das aber auch aus Erzählungen von meinem Vater, mein Opa hat es damals wohl auch so gemacht. Da er Schichtdienst hatte, sind die Schwestern meines Vaters sogar nachts aufgestanden, um sich hier Häschenbrot abzuholen .
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 29.09.2011
3 Antwort
mal
wieder total geil geschrieben...ich mußte sofort an meinen opa denken...nach der arbeit gabs für mich auch das hasenbrot....und das war immer etwas besonderes, leider kennen das viele nicht...
Eisblock
Eisblock | 29.09.2011
4 Antwort
@Chrissi1410
Ich glaube, selbst wenn er sich 10 Pakete schmieren würde, da besteht keine reale Chance wirklich genug abzubekommen, um satt zu werden. Die sind wie Trüffelschweine!
Moppelchen71
Moppelchen71 | 29.09.2011
5 Antwort
Häschenbrot?!?!
Man lernt nie aus ... das war mir neu! Mein Vater kam aber zum Mittagessen immer nach Hause. Und mein Mann auch, also kein Häschenbrot für Jonathan.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 29.09.2011
6 Antwort
@taqiu-maedel
Dann werden Eure Kinder keine alte Tradition kennen lernen? *entsetztguck*
Moppelchen71
Moppelchen71 | 29.09.2011
7 Antwort
@Moppelchen71
Also manchmal sammelt Jonno morgens die alten Krümel vom Abendbrot auf ... vielleicht zählt das auch?!?!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 29.09.2011
8 Antwort
@taqiu-maedel
Schmeiss die Krümel in Davids Arbeitstasche. Das ist dann zwar improvisiert, aber Jonno ist dann zumindest kulturell nicht mehr benachteiligt.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 29.09.2011
9 Antwort
@Moppelchen71
Du meinst in den Gitarrenkoffer Aber was tut man nicht alles für seine Kinder!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 29.09.2011
10 Antwort
...
Oh Mann die KInder sind einfach zu schlau.
JACQUI85
JACQUI85 | 29.09.2011
11 Antwort
@taqiu-maedel
Musst Du praktisch sehen: So wird da ein Multi-Musikinstrument draus! Kann Dein Mann neben Saiten zupfen noch den Korpus schwingen und dabei Rasseln. Mit Mundharmonika zwischen den Lippen, wäre das sicher eine tolle Idee für ein Nebeneinkommen in Fußgängerzonen.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 29.09.2011

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