Über die Entstehung von Vorurteilen

Schnurpselpurps
Schnurpselpurps
28.07.2016 | 2 Antworten
Eine persönliche Betrachtung meiner Konditionierung

Es ist nicht schön. Vielleicht aber interessant.
Ich bin in einem antiautoritären, intellektuell geprägten Umfeld aufgewachsen. Meine Eltern haben uns viel durchgehen lassen, Disziplin habe ich nicht von ihnen gelernt (sondern von meiner Oma).

Was sie aber niemals geduldet haben, unter keinen Umständen, das waren Gotteslästerung (gleich, welchem Gott die galt), Vorurteile, Ausländerhass. Respekt vor allen Menschen gleichermaßen war einer der wichtigsten Grundsätze in meinem Elternhaus.

Soweit, so gut.

Und heute früh musste ich feststellen, dass die Berichterstattung über verschiedene Anschläge durch Asylanten, Asylbewerber, Flüchtlinge, Ausländer mich in beeinflusst. Ich fange an, zu verallgemeinern. Ich beginne, alle Moslems z.B. über einen Kamm zu scheren.

Glücklicherweise - großen Dank an meine Eltern! - bekomme ich das immer wieder in den Griff. Sollte ich etwa alle Christen ablehnen, weil einige ganz fürchterliche Dinge tun? Sollte ich alle Deutschen verdammen wegen der Untaten vergangener Zeiten oder wegen der neuen rechtsradikalen Bewegungen, wegen einzelnen Massenmördern, Vergewaltigern, Kinderschändern etc.?

Nein. Ganz sicher nicht.

Aber ich konnte mir heute früh vorstellen, was damals unter Hitler mit den Menschen geschah. Das Kesseltreiben gegen Andersgläubige beginnt scheinbar harmlos, ganz unauffällig.

Es heißt, sich selbst gegenüber aufrecht und integer zu bleiben. Und immer wieder zu bedenken: Jegliche Berichterstattung lebt von der Aufregung, die sie verursacht. Anschläge sind spannend und werden darum besonders beachtet.
Dein Kommentar (bzw. Antwort)
Noch 3000 Zeichen möglich.

2 Antworten (neue Antworten zuerst)

2 Antwort
Ich finde, das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema, weil es da nicht nur das eine Extrem gibt, in das man abrutschen kann, sondern halt auch das andere. Du sagst schon sehr richtig, man muss schon sehr aufpassen, dass man nciht verallgemeinert. In jeder Volksgruppe oder in jedem Haufen Menschen gibt es ein paar Idioten. Ist halt so. Wenn du wild 100 Menschen von egal wo zusammenstellst, findest du da mindestens einen drunter, der in irgendeiner Weise aus dem Muster fällt . Und da muss man aufpassen, sich nciht von den Medien oder anderen Vorurteilen verleiten zu lassen, zu verallgemeinern. Grade Facebook ist da ja ganz schlimm, was man da teilweise für Kommentare zu lesen kriegt. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, dass man vor lauter nicht-verallgemeinern-wollen aufpassen muss, dass man vor wirklich unangenehmen Dingen dann nicht die Augen schließt und die wegignoriert, weil man sich selbst da reglementiert und "nicht so sein will". Das bemerk ich auch an mir selber, dass ich mir grade in Bezug auf die Flüchtlingskrise auch - Eltern und großeltern sei dank - immer wieder sage, dass man da nciht verallgemeinern darf. Aber auf der anderen Seite ertappe ich mich dabei, dass ich einige richtige und wichtige Aussagen als "Blödsinn" abgetan habe, weil sie beispielsweise von den falschen Leuten kamen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich nämlich auch sagen, dass die momentane Asylpolitik Deutschlands gelinde gesagt eine Katastrophe ist. Auch Merkels 9-Punkte-Plan finde ich sowas von blauäugig daneben und unhaltbar, das geht gar nicht. Ich finde, das ist ein Schlag ins gesicht von all denen, die sich seit einem Jahr jetzt den Hintern aufreißen, damit es eben doch läuft. Und dieses rumdoktoren an Symptomen finde ich furchtbar. Vor einiger Zeit hätte ich das so nciht gesagt, weil das so sehr nach AFD klingt . Aber es ist definitiv ganz gewaltiges Verbesserungspotential in der ganzen Geschichte vorhanden. Und sachliche und richtige Kritik muss da auch erlaubt sein. Selbst, wenn die von der "falschen" Seite kommt. Und das ist ein ganz, ganz schwieriger Spagat.
StefansMami
StefansMami | 28.07.2016
1 Antwort
Ja, dem gibt es nichts hinzuzufügen! Man lässt sich wirklich durch Presse und Umfeld beeinflussen. Als ich nach vielen Jahren Ausland nach DE gezogen bin, hatte ich keinen Plan von den gängigen Klischees und auch dieses ganze Ossi- Wessi zeugt ist an mir vorbeigegangen. Aber man ist ja lernfähig und beeinflussbar. Mittlerweile erkenne ich Klischees wenn sie an mir vorbeilaufen...... Hihi, hatte mal ne Frau im OP mit Sectio, die war irgendwie naja "schlicht gestrickt" und der Pfleger meinte zu mir, wenn sie das Baby jetzt Kevin nennt pinkel ich mir vor Lachen in die Hose. Der Junge bekam den Namen Justin und ich hab den Pfleger schnell aufs Klo geschickt Und wenn mein Freund mal wieder so einen "das ist doch noch gut, das ess ich noch, bei Aufenthaltsdauer im Kühlschrank unbekannt"hat, wundere ich mich gar nicht mehr und schick ihn zum Supermarkt, sich für die Bananen anstellen Aber du hast recht, das schleicht sich so still und leise ein und man sollte manchmal wirklich anhalten und nachdenken!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 28.07.2016

Ähnliche Fragen finden

Hier weiterlesen:

Ein Tag über ET
11.04.2012 | 12 Antworten
über et eure erfahrungen?
27.01.2011 | 5 Antworten
über 10 g abgenommen in der ss
23.03.2010 | 27 Antworten

In den Fragen suchen


uploading