Schwanger mit über 35

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Die biologische Uhr tickt
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Die biologische Uhr tickt

Galten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Schwangere mit einem Alter von über 35 noch als Ausnahme, hat sich die Lage in den letzten Jahrzehnten drastisch gewandelt. Schätzungsweise ein Viertel der Schwangeren ist heute älter als 35, mit steigender Tendenz. Vermutlich trägt eine starke Verschiebung der Prioritäten im Leben von Frauen zu dieser Entwicklung bei.

Warum verschieben Frauen ihren Kinderwunsch?

Der Wunsch nach einer qualifizierten Ausbildung zur Sicherung der eigenen finanziellen Unabhängigkeit verbunden mit der zunehmenden Ablösung der Ehe als Versorgungsmodell führt bei immer mehr Frauen dazu, dass für einen Kinderwunsch oftmals erst mit Mitte 30 der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Auch das Bedürfnis, persönliche Freiheiten möglichst lange auszunutzen oder das Bemühen, zuerst den geeigneten Partner zu finden, kann die Familienplanung nach hinten verschieben. Wenn es dann doch soweit ist, fragen sich viele Frauen besorgt, welche Probleme eine solch spätere Schwangerschaft mit sich bringen kann.

Schwanger werden dauert

In der Tat kann es zunächst etwas dauern, bis es zur gewünschten Schwangerschaft kommt, da die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden mit zunehmendem Alter sinkt. So nimmt ab 30 die weibliche Fruchtbarkeit leicht, mit 35 bereits merklich ab. Hat eine Frau zum Zeitpunkt der ersten Periode noch circa 400.000 Eizellen in ihren Eierstöcken, die im Lauf ihres Lebens heranreifen können, sind es mit 35 nur noch etwa 35.000. Durch die Alterung der Eierstöcke funktioniert auch die Eireifung mit 25 Jahren noch deutlich besser, mit 35 Jahren kommen häufig Zyklen ohne Eisprung vor. Es kommt seltener zu einer Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut oder zu ihrer Weiterentwicklung.

Antibabypille

Die jahrelange Einnahme der Antibabypille kann zusätzlich dafür sorgen, dass die Fertilität nach dem Absetzen zunächst verzögert ist. Statistisch gesehen hat eine Frau, die älter als 35 Jahre alt ist, pro Zyklus ein Chance von etwa zehn Prozent, schwanger zu werden. Allerdings ist dies von Frau zu Frau verschieden und von persönlichen, gesundheitlichen ebenso wie psychischen Faktoren abhängig. Die inzwischen hohe Quote der älteren Mütter zeigt deutlich, dass eine Schwangerschaft mit über 35 meist durchaus noch möglich ist, selbst wenn man eventuell etwas länger auf den gewünschten Erfolg warten muss.

Schwanger ab 40 - nur künstlich?

Mittlerweile bekommen auch immer mehr Frauen zwischen 40 und 45 Jahren noch Kinder, obwohl dies in diesem Lebensabschnitt bereits relativ schwierig ist. Sollte eine Schwangerschaft ausbleiben, ziehen viele Frauen oder Paare daher heute eine künstliche Befruchtung in Betracht, um dem späten Familienglück doch noch auf die Sprünge zu helfen. Bis zum Jahr 2006 wurden weltweit drei Millionen Babys auf diesem Wege geboren. Die erlaubten Methoden sind hierbei jedoch von Land zu Land verschieden.

Gesundheit wird angegriffen

Über die möglichen Konsequenzen einer solchen Entscheidung sollte man sich vorher im Klaren sein: Für die Frau kann die starke Hormontherapie, der sie sich meist zunächst unterziehen muss, mit Gesundheitsrisiken verbunden sein. Auch die Gefahr von Fehlbildungen eines durch Reproduktionsmedizin entstandenen Kindes ist deutlich höher, außerdem kommt es häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften. Um sich über die eigene Fruchtbarkeit und die Chancen auf eine Schwangerschaft ein Bild zu machen, kann man beim Frauenarzt für etwa 150 Euro einen Fruchtbarkeitstest machen lassen. Dabei werden per Ultraschall die Eierstöcke untersucht und die ungefähre Menge der Follikel bestimmt, außerdem kann eine Blutuntersuchung Aufschluss über die Konzentration bestimmter Hormone im Blut geben.

Risikopatienten

Allgemein gelten Schwangere ab dem 35. Lebensjahr offiziell als Risikopatientinnen, auch wenn die gute medizinische Betreuung und Früherkennung der heutigen Zeit dazu beiträgt, Gefährdungen für Mutter und Kind stärker einzuschränken denn je. Schwangerschaftsdiabetes und Gestose als unliebsame Begleiterscheinungen der Schwangerschaft treten bei älteren Frauen tendenziell häufiger auf. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass sonstige schwangerschaftstypische Probleme wie Übelkeit oder Rückenschmerzen bei älteren Schwangeren stärker ausgeprägt sind.

Mit zunehmendem Alter der Mutter steigt das Risiko für Chromosomenstörungen und Fehlbildungen beim Kind jedoch stark an. So kommt bei Kindern älterer Mütter in etwa einem von 300 Fällen das Down-Syndrom (Trisomie 21) vor, statistisch gesehen ungefähr sechsmal häufiger als bei Frauen unter 30.

Untersuchungen für ältere Schwangere

  • Mit einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) können Down-Syndrom und andere Behinderungen frühzeitig erkannt werden. Diese ist jedoch selbst nicht komplett ungefährlich und kann das Fehlgeburtsrisiko erhöhen, das bei älteren Patientinnen ohnehin höher ist. Bei der Untersuchung, die zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, entnimmt der Arzt mit einer Kanüle aus der Bauchdecke der Frau Fruchtwasser, um es auf mögliche Chromosomenschäden und Muskel- oder Stoffwechselerkrankungen zu untersuchen.
  • Ähnlich riskant ist eine Chorionzottenbiopsie, bei der zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche aus der Gebärmutter der Frau eine Gewebeprobe der Zottenhaut entnommen wird, dem Bereich zwischen Fruchtblase und Gebärmutterwand, aus der sich der kindliche Teil der Gebärmutter entwickelt. Viele Ärzte raten zu diesen Arten von Untersuchung daher nur, wenn eine vorherige Ultraschalluntersuchung oder Nackentransparenzmessung ein auffälliges Ergebnis gezeigt hat.
  • Die Nackentransparenz- oder Nackenfaltenmessung ist dagegen ein relativ schonendes Verfahren, bei der versucht wird, per Ultraschall von der Menge der Flüssigkeitsansammlungen im Nacken des Babys auf ein eventuelles Down-Syndrom zu schließen. Allerdings hat diese Methode nur eine Zuverlässigkeitsrate von 75 Prozent und kann so für zusätzliche Verunsicherung sorgen.
  • Beim Triple-Test wird der werdenden Mutter zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche Blut abgenommen und auf eine abweichende Konzentration bestimmter Hormone und Eiweißverbindungen untersucht, was auf ein Fehlbildungsrisiko hindeuten kann. Auch dieser Test ist aufgrund seiner hohen Störanfälligkeit sehr umstritten. Da er zudem nur eine individuelle Risikotendenz angeben kann, aber keine Aussage über eine tatsächlich vorliegende Störung ist, werden viele Frauen, die eigentlich ein gesundes Kind erwarten, unnötig verunsichert.
Ob Schwangere eine oder mehrere dieser Untersuchungen auf sich nehmen wollen, die im Fall einer Risikoschwangerschaft vom Arzt angeboten und meist von den Krankenkassen übernommen werden, müssen sie daher letzten Endes selbst entscheiden.

Nicht aufgeben

Trotz der leicht erhöhten Risiken sollten sich werdende Mütter im reiferen Alter aber nicht in Panik versetzen lassen und sich die Vorfreude auf ihr Kind gönnen. Nicht zuletzt die psychische Stabilität der Mutter kann einen Schwangerschaftsverlauf ebenfalls günstig beeinflussen. Viele Frauenärzte sehen Schwangerschaften älterer Frauen heute positiv, da diese den Schritt in die Mutterschaft häufig sehr bewusst gehen, oft gewissenhafter bei der Vorsorge sind und körperlich mehr auf sich achten. Außerdem kennen diese Frauen ihren Körper meist gut genug, um Auffälligkeiten sehr früh als solche erkennen zu können.

[BS]

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