Atemtechniken: Training für Wehen und Geburt
Die bewusste Auseinandersetzung mit der Atmung
für den Umgang mit Wehen- und Geburtsschmerzen ist ein wichtiger Teil einer guten Geburtsvorbereitung. Daher gilt: Egal, ob klassischer Geburtsvorbereitungskurs oder Yoga für Schwangere - wenn Du Dich für einen Schwangerschaftskurs entscheidest, solltest Du auf jeden Fall darauf achten, dass dort das Thema Atmung besprochen wird. Denn bewusstes Atmen kann nicht nur den Wehenschmerz erträglicher machen und in schwierigen Momenten Panik verhindern, sondern gewährleistet auch die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen.
Auf Schmerz und Schreck
reagieren die meisten Menschen intuitiv mit einem Anhalten des Atems.
Genau dies sorgt jedoch bei einer Geburt für eine Verkrampfung der
Muskulatur und führt damit zu noch größerem Schmerz. Sorgt dazu eine
schlechte Sauerstoffversorgung der Plazenta für ein Absinken der
Herztöne beim Kind, kann dies die Mutter zusätzlich in Panik
versetzen und den Teufelskreis aus Schmerzen und Anspannung
verstärken. Die Bedeutung einer bewussten Atmung für die Geburt war
bereits dem französischen Geburtshelfer Lamaze bewusst. Die von ihm
entwickelte Lamaze-Methode setzt daher auf eine Ablenkung vom
Geburtsschmerz durch gezielte Konzentration auf eine genau
vorgegebene Atemtechnik. Elemente seiner Methode finden sich daher
nach wie vor in vielen Geburtsvorbereitungskursen. Allerdings gelten
einige seiner Erkenntnisse heute auch als überholt. So wird von dem
früher in der besonders schmerzhaften Übergangsphase empfohlenen
Hecheln heute oft abgeraten, da es zu Hyperventilation führen kann.
Außerdem hat die Erfahrung vieler Hebammen gezeigt, dass spezielle
Atemtechniken in der akuten Stresssituation der Geburt oft nicht mehr
wirkungsvoll sind. Trotzdem kann die Beachtung einiger Grundregeln
helfen, damit Mutter und Kind die Geburt besser verkraften.
Wichtig ist vor allen
Dingen das gleichmäßige Einatmen durch die Nase und Ausatmen durch
den leicht geöffneten Mund. Auch bei starken Schmerzen sollte Deine
Atmung möglichst regelmäßig bleiben. Das Ausatmen auf tiefen Tönen
wie A oder O hilft, die Schmerzen besser zu verkraften. Hektische
Atmung oder Anhalten des Atems solltest Du vermeiden, da
Hyperventilation oder mangelhafte Sauerstoffversorgung die Folge sein
können.
Um den Pressdrang zu
unterdrücken, wenn der Muttermund noch nicht ausreichend geöffnet
ist, sollte die Atmung etwas flacher werden. Heute wird meist nicht
mehr zu dem früher üblichen Hecheln, sondern zum stimmlosen Ausatmen
auf den Silben Ha-Ha-Hu geraten. Dabei atmest Du zweimal nur leicht
und auf der dritten Silbe bewusst tief aus. Zu tiefes Einatmen oder
zu frühes Pressen drückt den Kopf des Kindes gegen den noch
verschlossenen Muttermund, was zu Ödemen führen kann.
Wenn sich während der
Presswehen der Pressdrang aufbaut, kannst Du Dein Kind mit Deinem
Atem aus dem Geburtskanal nach
draußen schieben. Ist der Kopf des Babys zu sehen, darfst Du nicht
mehr mitpressen, um den Druck auf den Damm und den Kopf des Babys
nicht zusätzlich zu erhöhen. Auch hier hilft es, in eine flachere
Atmung zu verfallen, damit das Kind langsam zur Welt kommt.
Allgemein gilt jedoch: Die
perfekte Atemtechnik gegen Schmerzen gibt es nicht! Wichtig ist
vielmehr, auf Deinen Körper zu hören und Dich für die Wehen zu
öffnen, um Dir und Deinem Kind die Geburt zu erleichtern. Deine
Hebamme wird Dich ebenfalls unterstützen und Dir sagen, wann Du
pressen oder Deine Atmung dämpfen musst.
[BS]