Peergroups. Bedeutung und Besonderheiten

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Sicherheit in der Gruppe: Danach sehnen sich Jugendliche.
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Sicherheit in der Gruppe: Danach sehnen sich Jugendliche.

Gemeinsam stark: Peergroups

Als Peergroups werden soziale Gruppen von gleichaltrigen Jugendlichen, meist zwischen 13 und 21 Jahren, bezeichnet. Peergroups werden auf Eigeninitiative der Jugendlichen hin gebildet. Diese Cliquen-Subkultur ist neben Gleichaltrigkeit auch durch räumliche Nähe, ähnliche Interessen und einen ganz eigenen Jargon (Sprachstil) gekennzeichnet.

Gruppeninterne Erlebnisse und Erfahrungen werden in den Jargon integriert, Spitznamen kreiert und alltägliche Dinge anders benannt. Außenstehende wissen oft nicht, worum es geht und das ist das Ziel: Eine klare Abgrenzung zu Erwachsenen und – teilweise – auch anderen Peergroups. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und betont die Individualität. Auch ähnliche Kleidungsstile und Frisuren sind keine Seltenheit.

Orientierung und Schutz in der Gruppe

In einer Peergroup sucht der Jugendliche soziale Orientierung, Zugehörigkeit und Halt. Die Peergroup schlägt die Brücke zwischen der Phase der Abnabelung vom Elternhaus und der Eingliederung in die Welt der Erwachsenen. Jede Peergroup hat eigene Werte, Verhaltensweisen und Einstellungen, die sich durch Unabhängigkeit und Abgrenzung gegenüber erwachsenen Verhaltensweisen und Erwartungen auszeichnet.

Peergroups und somit der Wunsch dazu zu gehören, sind gerade im Jugendalter sehr ausgeprägt. Der junge Mensch sucht sich selbst, fragt sich wer er ist, was ihn ausmacht und wo er hin möchte. Es ist die Phase der Selbstfindung, die Phase, in der sich der Jugendliche seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Neben der Entwicklung eines Lebensplans und eines Wertesystems muss der Jugendliche zudem mit den Veränderungen seines Körpers zurechtkommen, die mit der Pubertät einhergehen. Außerdem wird seine Geschlechterrolle definiert.

Jugend bedeutet Instabilität

In dieser Phase der Instabilität und Selbstsuche ist es naheliegend, Gruppen zu suchen, die einen auffangenden und stützenden Charakter haben.

Zudem findet sich in jeder Peergroup eine Dominanzhierarchie: Jede Peergroup hat einen oder mehrere Meinungsführer, die bestimmen, was angesagt ist, welches Verhalten akzeptiert wird und wer dazu gehört. Das kann sich durchaus stressmindernd, konfliktsenkend und stabilisierend auf die Gruppe auswirken. Aber es kann auch problematisch werden.

Risiko Peergroup

Gerade weil die Peergroup eine so bedeutende Rolle für den Jugendlichen einnimmt und für ihn Vorbildfunktion und Orientierung ist, kann sie, sofern die Meinungsführer Mutproben, Gewalt, Diebstahl, Prügeleien, Alkohol, Drogen oder sonstige riskante Verhaltensweisen gutheißen, ein großes Risikopotenzial darstellen.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich der Jugendliche diesen Verhaltensweisen anschließt und sich dem allgemein gültigen Verhaltensmuster der Gruppe unterordnet. Widerspruch ist selten. Die Angst ausgeschlossen zu werden und nicht mehr dazu zu gehören ist groß. Da werden auch mal Risiken in Kauf genommen. Was zählt sind Akzeptanz und Anerkennung der eigenen Person.

Gewaltbereitschaft bei männlichen Jugendlichen höher

Bei weiblichen Jugendlichen lässt sich riskantes Verhalten wesentlich seltener beobachten als bei männlichen Jugendlichen. Bei Mädchen ist dafür beispielsweise das Risiko, eine Essstörung zu entwickeln, höher. Denn auch Essgewohnheiten werden abgeschaut und alle weiblichen Jugendlichen wünschen sich, begehrt und attraktiv zu sein. Oft wird der Schlankheitswahn gemeinsam gelebt, indem man Kalorien zählt und das eigene Körpergewicht mit dem der anderen vergleicht. Das kann auch in einem Wettkampf um das niedrigste Gewicht ausarten.

Zudem sind viele Mädchen in der Pubertät zunächst mit der Veränderung ihres Körpers nicht einverstanden. Sie möchten keinenBusen und kein breites Becken. Mit einer geringen Nahrungsaufnahme versuchen sie nicht selten, diesen Entwicklungsvorgang zu stoppen. Werden sie darin unterstützt, ist die Grenze zu einer Essstörung schnell überschritten.

Peergroup: Abgucken und Nachmachen?

Fazit: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Jugendliche die guten und schlechten Verhaltensweisen der Gruppe übernimmt, ist sehr hoch. Aber: Nicht alle lassen sich in ausgeprägtem Maße beeinflussen und nicht alle Peergroups zeigen riskante Verhaltensweisen. Und: Ein klares NEIN wird von wirklichen Freunden auch akzeptiert und wahrscheinlich sogar bewundernd respektiert.

Die Freunde werden zur neuen Familie

Eltern "out"? Muss nicht sein. Ideal ist es natürlich, wenn sich Eltern und Peergroups ergänzen. Die Eltern sollten aufmerksam sein, was die Freunde ihres Kindes angeht und gut zuhören, wenn Erlebnisse erzählt werden. So können sie rechtzeitig eingreifen, wenn sie das Gefühl haben, dass sich die Peergroup negativ auf das Verhalten des Jugendlichen auswirkt.

Aber: Verbote helfen ebenso wenig weiter, wie den Moralapostel zu spielen. Da wird schnell geblockt. Besser ist es, von Anfang an ein Vertrauensverhältnis zu seinem Kind aufzubauen. Hat das Kind immer das Gefühl, dass es seinen Eltern alles erzählen kann, wird es dies sehr wahrscheinlich auch im Jugendalter noch tun. Am besten ist es, nicht ständig nachzubohren und die Freunde nicht schlecht zu machen. Eher sollte man fragen: "Wie geht es dir mit der Situation? Fühlst du dich gut damit oder würdest du lieber etwas anders machen?“ Zuhören, ohne gleich mit Ratschlägen und Bewertungen loszulegen, öffnet viele Türen. Der Jugendliche sucht vor allem eines: Verständnis.

Eltern müssen die Abnabelung aushalten

Und: Auch wenn die Eltern im Jugendalter eine untergeordnete Rolle spielen, sind sie doch immer noch die Eltern. Der Jugendliche braucht ab und an noch Unterstützung von dieser Seite – auch wenn er es oft nicht zugeben mag.

(AKL)

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