Rudi soll leben!

rudolf
Rentier zum Festmenü?
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Rentier zum Festmenü?

Wie jedes Jahr kreisten meine Gedanken um das Weihnachtsessen. Einmal im Jahr sollte es etwas ganz Besonderes sein und eine Festlichkeit ausstrahlen, von der man noch das ganze Jahr spricht.

Nein, keine profanen Sonntagsmenüs, die man sich sonst auch nicht gönnt, dürfen es sein! Das Weihnachtsessen muss eben alles toppen. Nur einfach, wäre da zu einfach und so gibt es bei der Wahl der perfekten Zusammenstellung ein paar Kriterien, die es zeitgleich zu erfüllen gilt.

Einerseits ist mein Mann kein Fan von Geflügel. Bestenfalls hin und wieder ein Hähnchen-Cordonbleu, manchmal sogar Putenwurst, wenn wir ihm verheimlichen, von welchem Tierchen der Bratenaufschnitt stammt. Also scheiden schon einmal Gans, Ente oder Puter aus. Die größte Hürde liegt allerdings bei den guten alten Talern, denn auch das ausgefallenste Essen muss bezahlbar sein.
Letztes Jahr durften wir gnädigerweise Entenbraten machen, da hatte Achim Erbarmen und auch wenn er vorgab, es habe ihm sogar geschmeckt, zog sich meine Augenbraue doch schon nachdenklich hoch, als er sagte: "Geflügel ist aber dieses Jahr nicht dran." Also gut, wieder grübeln. Lammhaxen hatten wir im Jahr vor der Ente, ... Wild! Ja, Wild hatten wir schon lange nicht mehr. Ein leckerer Hirschbraten, wohl möglich mit einer speziellen Füllung aus Preiselbeeren und Pfifferlingen, zu einer Art Rollbraten gemacht?

Um mir einen Überblick zu verschaffen, stöberte ich im Internet und verglich Preise. Mein Mann fand mich röchelnd vor dem Monitor, mühsam nach Luft ringend. Irgendwie hatte sich ein Atem lähmender Schockzustand über mich gelegt, als ich die durchschnittlichen Kilopreise mit der Fleischmenge multiplizierte, die wir für zwei Tage Festessen für alle Personen benötigten. Hätten wir ein Auto, wir könnten es zum Pfandleiher bringen, um dann Weihnachten hemmungslos zu schlemmen. Vorausgesetzt, der Wagen ist nicht älter als der Hirsch.

Man gibt ja nun auch nicht schnell auf und überlegt Alternativen. Was gibt es noch so in Richtung Wild? Reh? Zu teuer! Wildschwein? Och nö! Kaninchen? Das ist dann mal etwas, was ich nicht so gerne esse. Elch? Im Affekt lachte ich über mich selbst und stellte mir vor, eine gewaltige Elchkeule auf einem Scheiterhaufen großen Lagerfeuer tagelang am Spieß zu drehen, während um mich herum die Welt zuschneit. Achims Streitaxt würde endlich zum Einsatz kommen und den Braten in Portionen teilen, die wir unseren Kindern, die geduldig in einer Reihe stehen, auf ihre Holztellerchen legen. DAS hat doch mal was wirklich mittelalterliches! Und mit Schalk im Auge suchte ich Preise für Elch.

Es stellte sich dann bald heraus, dass wir doch keinen Elch mögen. Oder besser, unser Essensbudget rümpfte die Nase, denn Elch schlägt preislich Reh um Längen. Während ich nun schimpfend vor dem Rechner saß und meinem Mann erklärte, dass die Preise schon unverschämt seien und ein Elch, der wüsste, was sein Fleisch an Marktwert hat, sich garantiert selbst an den Metzger verkaufen würde, schaute er mir über die Schulter. Er bekam plötzlich leuchtende Augen und juchzte unerwartet "Maus, guck doch mal! Da gibt es Rentierfleisch. Das soll sehr lecker sein. Schau mal was das kostet."

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