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Wo soll ich entbinden?

geburtsort
Nadia Santoyo / flickr.com
Ein Krankenhaus wirkt sehr steril.
Bild: Nadia Santoyo / flickr.com

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AutoreninfoMag. Julia Simsch
aktualisiert: 02.12.2019Online Redakteurin
Familie, Freizeit, Warentests

Mit fortschreitender Schwangerschaft stellte sich nicht selten die Frage, wo man nun schlussendlich sein Kind auf die Welt bringen möchte. Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten und wir stellen dir hier einmal die drei großen Möglichkeiten vor, wo du entbinden kannst.

Inhalt des Beitrags:
  1. Die Klinik
  2. Das Geburtshaus
  3. Die Hausgeburt
  4. Wissenswertes

Die Klinik

Zu den ganz klassischen Entbindungsorten zählt die Klinik. Die meisten Kinder erblicken das Licht der Welt in einem Krankenhaus. Eine Entbindung in einem Krankenhaus hat durchaus seine Vorteile. Gerade dann, wenn bei der Geburt mit Komplikationen zu rechnen ist, führt in der Regel kein Weg an einer Klinik vorbei. Auch wenn der Wunsch oder die Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt besteht, kommt man um ein Krankenhausaufenthalt nicht herum. Die Entbindung in der Klinik gilt als eine der sichersten Möglichkeiten, seinem Kind auf die Welt zu helfen. Während eine Klinik durchaus viele Vorteile bietet, bringt sie auch einiges an Nachteilen mit sich. So ist man im Kreißsaal in der Regel recht eingeschränkt, was persönliche Ideen und Vorlieben angeht. Des Weiteren muss man immer mit dem Besuch eines Arztes rechnen, der unangemeldet einfach mal hereinschneit und sich in die Geburt einmischt. Auch tendieren Krankenhäuser dazu, gerne schon einmal zu einem Kaiserschnitt zu raten, wenn der Kreißsaal zu lange belegt ist. Die Entscheidungen werden hier nicht immer ausschließlich im Hinblick auf das Wohl von Mutter und Kind getroffen, sondern häufig auch aus rein wirtschaftlichen Gründen. Dies ist auch der Grund, wieso es zwar nominell ambulante Entbindungen gibt, diese aber in der Praxis quasi nicht durchgeführt werden. Entschließt man sich, eine ambulante Entbindung durchführen zu wollen, so erfährt man recht einfach, dass die meisten Kliniken keine ambulanten Entbindungen durchführen. Der Grund hierfür liegt einfach darin, dass sich eine Geburt erst dann für ein Krankenhaus rechnet, wenn Mutter und Kind nach der Entbindung einige Tage ein Bett belegen. Das ist der Grund, wieso es so gut wie keine ambulanten Entbindungen in deutschen Kliniken gibt. Während einige Krankenhäuser dies frei heraus erzählen und darauf hinweisen, dass an diesem Umstand die Krankenkassen schuldig sind, bekommt man bei anderen Kliniken nur Ausflüchte und manchmal wird man auch recht grob abgewiesen. Obwohl es hier also durchaus einige Missstände gibt, ist die Entbindung in einer Klinik durchaus eine gute Sache, vor allem wenn man mit Komplikationen rechnen muss. Obwohl die ambulante Entbindung in der Regel kaum Anwendung findet, wollen wir doch noch einmal kurz die Unterschiede eingehen. In der Theorie lässt sich in einer Klinik sowohl ambulant als auch stationär entbinden. Das bedeutet, bei der stationären Entbindung bleiben Mutter und Kind im Anschluss einfach für einige Tage im Krankenhaus und werden hier in den ersten Tagen des Wochenbettes hier betreut. Bei der ambulanten Entbindung geht man davon aus, dass die Mutter das Kind zur Welt bringt, zwei bis drei Stunden unter Überwachung verbleibt und dann direkt nach Hause geht. Der größte Vorteil an einer Klinik ist die schnelle Reaktionsmöglichkeit, wenn es zu Komplikationen kommt, da in der Regel Ärzte und passendes Equipment zur Verfügung stehten

Das Geburtshaus

Geburtshäuser sind Orte, an denen eine Entbindung stattfinden kann. Auch hier ist es durchaus möglich, ambulant zu entbinden aber natürlich kann man im Geburtshaus ebenfalls in vielen Fällen einige Tage verbringen. Schöner beim Geburtshaus ist, dass sich auch hier häufig allerlei Dinge finden, die man so zu Hause nicht hat. Geburtshäuser können auf individuelle Wünsche in der Regel sehr gut eingehen und so die Geburt zu einem sehr interessanten Erlebnis machen. Von der Ausstattung her unterscheiden sich Geburtshäuser häufig nur in wenigen Punkten von voll eingerichteten Kreißsäalen. Man kann vor allem beobachten, dass man viel Wert auf eine ruhige, familiäre Atmosphäre legt. Geburtshäuser sind eine schöne Alternative, wenn man sich nicht damit anfreunden kann, in ein Krankenhaus zu gehen. Viele Geburtshäuser haben einen Anschluss direkt an eine Hebammenpraxis und so ist im Rahmen des Geburtshauses in der Regel auch die Vorsorge und auch die Nachsorge gewährleistet. Was kaum jemand weiß, ist, dass ich gar nicht notwendig ist, sämtliche Vorsorgeuntersuchungen von einem Frauenarzt durchführen zu lassen. Es ist durchaus möglich die Vorsorgeuntersuchungen von einer Hebamme ausführen zu lassen. Auch viele Geburtshäuser bieten die Schwangerschaftsvorsorge an. Ausschließlich zu den drei Hauptuntersuchung mit Ultraschall muss man in der Regel zu einem Frauenarzt.

Die Hausgeburt

Früher einmal war eine Hausgeburt Gang und gäbe, und niemand ist auf die Idee gekommen, wegen einer Geburt in ein Krankenhaus zu gehen. Doch im Laufe der Zeit hat sich dies geändert und heutzutage ist es für die meisten Frauen einfach unvorstellbar, in ihren eigenen vier Wänden ein Kind zur Welt zu bringen. Die Meinungen gehen hier stark auseinander und es ist ein emotional diskutiertes Thema, zwischen Befürwortern und Menschen, die die Hausgeburt als solche ablehnen. Bei der Hausgeburt ist in der Regel eine Hebamme anwesend, die sobald die Geburt losgeht, direkt zu Entbindung zu dir nach Hause kommt. Bei der Hausgeburt gibt es diverse strenge Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Hausgeburt überhaupt infrage kommt. Zum einen muss die Schwangerschaft vollkommen komplikationsfrei verlaufen sein. Die Mutter darf keiner Risikogruppe angehören, die drei Pflicht Ultraschalle während der Schwangerschaft müssen durchgeführt worden sein und es darf keine Überziehung des Geburtstermins geben. Interessant ist, dass sich viele Menschen vor einer Hausgeburt deshalb scheuen, weil sie davon ausgehen, dass sie danach den Raum in dem die Geburt stattgefunden hat komplett renovieren müssen. Fatalerweise ist in den Köpfen der Menschen die Geburt mit einem sehr dreckigen Vorgang verbunden. Dabei muss eine Hausgeburt gar nicht besonders dreckig sein. Mithilfe einiger Handtücher lässt sich in der Regel alles sauber halten und man muss sich auch keine Gedanken um seine Inneneinrichtung machen. Um eine Hausgeburt durchführen zu können, müssen natürlich einige Vorbereitungen getroffen sein, und die Schwangere, die die Hausgeburt wünscht, muss dafür sorgen, dass einige Dinge bei ihr Zuhause vorhanden sind, die man so im normalen Alltag eigentlich seltener braucht, die aber in jeder Klinik problemlos vorhanden wären. Gemeint sind hier zum Beispiel Malerfolie, so die Schwangere eine Geburt auf dem Geburtshocker o. ä. wünscht, wasserdichte Wickelunterlagen, die bei der Geburt das Bett und die Lacke schützen, Wöchnerin Unterhosen, die in der Regel nur aus einem Netz bestehen, in das dann Entbindungsbinden eingelegt werden können. Was genau die jeweilige Hebamme hier gerne in Griffweite hätte, muss einzeln und individuell geklärt werden, aber in der Regel hält sich der Aufwand hierfür in Grenzen. Der Vorteil bei Hausgeburten ist die Tatsache, dass sie vollkommen ruhig und entspannt im eigenen Haus von statten gehen können und sich somit der Stresspegel für die Mutter deutlich geringer äußert, als jener in einem Krankenhaus. Die großen Vorteile einer Hausgeburt sind auf jeden Fall die Tatsache, dass man es sich bei sich selbst wohlig und gemütlich einrichten kann und sich alles so zurechtmachen darf, wie man es sich für die Geburt wünscht. Von der Auswahl der Beleuchtung, über die Musik, über die Speisen und Getränke bis hin zum Geruch im Raum, kann die Mutter alles so herrichten, wie sie es gerne hätte. Auch ist ein großer Vorteil, dass bei einer Hausgeburt in der Regel keine fremden Menschen in Form von Ärzten oder ähnlichen plötzlich in den Raum schneien, ein Umstand, der im Kreißsaal leider so üblich ist. Der große Haken einer Hausgeburt ist natürlich die Tatsache, dass wenn es irgendwo zu Komplikationen kommt, es deutlich länger dauert, bis von Seiten eines Arztes eingegriffen werden kann. Da die Regeln für eine Hausgeburt aber von sich aus schon sehr streng sind, kann man zum Glück sagen, dass es nur sehr selten innerhalb einer Hausgeburt zu Komplikationen kommt.

Wissenswertes

Hausgeburten werden in der Regel von einer Krankenkasse genauso bezahlt, wie eine Geburt im Krankenhaus. Das einzige, wo es ab und an zu Problemen kommt, ist die Rufbereitschaftspauschale, die in der Regel von den Hebammen gefordert wird. Diese wird je nach Krankenkasse aber zumindest anteilig übernommen.

In Deutschland haben wir seit einigen Jahren ein stetig wachsendes Problem, mit einer Unterversorgung an Hebammen. Da der Beruf der Hebamme nicht sonderlich gut ist und man den Hebammen das Leben auf verschiedene Weisen unnötig schwer macht, kämpfen junge Frauen mit der Problematik, dass es in manchen Gebieten schier unmöglich ist, eine Hebamme für die Nachsorge, die Stillberatung oder gar eine Hausgeburt zu bekommen. Hebammen, die tatsächlich eine Hausgeburt in Erwägung ziehen, werden von Krankenkassen mit horrenden Zusatzkosten belegt, aus denen sich auch die Tatsache ergibt, dass viele Hebammen ihre Anfahrts- und Rufbereitschaftspauschalen deutlich erhöhen mussten. Doch nicht nur freie Hebammen werden langsam aber sicher rar, auch jene, in Krankenhäusern. Kreißsäle schließen und häufig muss Frau lange Anfahrtstrecken in Kauf nehmen, will sie ihr Kind irgendwo betreut zur Welt bringen lassen. Eine Hebamme zu finden, gleicht heutzutage ein wenig einem Glücksspiel. Häufig muss man auch auf weit entfernte Hebammen zurückreichen, die dann selbst große Anfahrtszeiten haben und manchmal hat man einfach gar kein Glück und steht so vor dem Problem, dass man gar keine wirkliche Wahl hat. Immer mehr Hebammen verlegen sich darauf, nur noch Vorsorgeuntersuchung zu machen oder Geburtsvorbereitungskurse und Rückbildungsgymnastik, und sich von der eigentlichen Geburt immer weiter zurückzuziehen. Das ist ein großes Problem, denn ohne Hebammen fehlt in vielen Fällen einfach das nötige Wissen rund um die Geburt. Ärzte sind zwar durchaus in der Lage, einen Kaiserschnitt zu leiten, doch die meisten verstehen von einer normalen Geburt ungefähr genauso viel wie vom Tiefbau. Es sollte also unbedingt darauf geachtet werden, dass wenn du wirklich in eine Klinik musst, diese auch ordentlich mit Hebammen versorgt ist, damit einer normalen, natürlichen Geburt nichts im Wege steht.

Natürlich ist es auch möglich, das Kind weder in einer Klinik, noch in einem Geburtshaus und schon gar nicht unter der Betreuung einer Hebamme zu Hause zur Welt zu bringen, sondern dies ganz einfach in eigener Regie zu machen. Hierbei sollte man sich allerdings bewusst sein, dass man dann gänzlich ohne kompetente Hilfe ist und womöglich nicht rechtzeitig erkennt, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es laufen soll und kaum selbst in der Lage ist, in diesem Moment sinnvoll eingreifen zu können. Auch der Ehepartner ist häufig in solchen Situation überfordert und schnell gehen Dinge schief, die nicht schief gehen müssen. Von Entbindungen in eigene Regie kann man also nur abraten, da sie unnötige Gefahren für Mutter und Kind bergen.

Egal wo man sich letztendlich für seine Entbindung entschließt, als Mutter hast du in der Regel die volle Kontrolle. Es ist tatsächlich möglich, wenn auch eher unüblich, den Arzt aus dem Kreißsaal zu werfen und Fremden den Zutritt zu untersagen. Damit macht man sich zwar keine Freunde, aber wenn einem alles zu viel wird, ist dies durch aus ein Vorgehen, das zumindest funktioniert. Genauso funktioniert es natürlich auch, in einer Klinik das Kind zu entbinden und dann einfach sich selbst zu entlassen und nach Hause zu gehen. In den allermeisten Fällen und ohne eine fundierte, medizinische Begründung gibt es kaum eine Möglichkeit, dich und dein Kind als Patienten quasi festzuhalten. Natürlich wird dies nicht besonders gern gesehen, aber auch während und nach der Entbindung hast du das Recht, selbst über dich und dein Kind zu bestimmen.

 

[KaKra]

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