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6. Wachstumsschub

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Kategorien helfen Kindern bei der Entwicklung
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AutoreninfoKatharina Krause
aktualisiert: 27.07.2021Vierfache Mutter und Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung

37. Woche - Die Welt der Kategorien

Wieder einmal ist es soweit: Du entdeckst, dass neue Dinge zum Können deines Kindes hinzugekommen sind oder dass es womöglich versucht, neue Dinge zu tun, die es vorher noch nie getan hat.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass dein Kind quasi über Nacht einen riesigen Sprung nach vorn gemacht hat. Um die 37. Woche herum ist dieses vollkommen normal. Was dein Kind nun alles Neues kann und was besonders an diesem 6. Entwicklungsschub ist, erfährst du im folgenden Artikel.

Das kannst du hier lesen:
  • Erste Anzeichen für den 6. Wachstumsschub
  • Irritationen
  • Was hat sich verändert?
  • Zwischenzeit
  • Erste Anzeichen für den 6. Wachstumsschub


    Vielleicht hast du schon festgestellt, dass sich das Verhalten deines Kindes wieder drastisch verändert. Spätestens zwischen der 36. und 40. Lebenswoche ist es soweit und dein Kind macht seinen nächsten - den 6. Entwicklungsschub - durch.

    Dein Kind wird systematischer

    Vor allem fällt hierbei auf, dass die Erkundungen, die dein kleines Kind vornimmt, immer systematischer und genauer werden. Selbst kleinste Krümel, die irgendwo auf dem Boden liegen, müssen aufgenommen und genauestens untersucht werden. Doch nicht nur auf dem Boden scheint der Entdeckungsdrang deines Kindes keine Grenzen zu kennen. Auch beim Essen muss nun alles angefasst und mit der Hand zerquetscht werden. Hierbei kann es dir durchaus passieren, dass dein Kind seine Hand in den Spinat oder den Brei tut und diese dann zur Faust ballt. Dabei wirkt dein Kind in der Regel hoch konzentriert und man könnte schon beinahe glauben, man schaue einem kleinen Forscher bei der Arbeit zu. Tatsächlich könnte man sagen, dass es sich bei diesen Untersuchungen um eine Art wissenschaftliche Forschung handelt. Bei diesem Ausprobieren und Erforschen lernt dein Baby eine ganze Menge über die Welt und ihre Zusammenhänge und wird hierdurch letztendlich in der Lage sein, seine Umwelt und die Vorgänge, um es herum deutlich besser zu verstehen. Dein Kind erlernt nun die Fähigkeit, mit Kategorien umzugehen, diese zu erkennen und alles, auf was es trifft, in diese "Schubladen" einsortieren zu können.

    Doch diese Entwicklung ist nicht von heute auf morgen passiert. Schon zwischen der 32. und 37. Woche hast du sicher festgestellt, dass sich die ruhige Phase, in der ihr euch seit etwa ein bis drei Wochen befunden habt, wieder dem Ende zuneigt.

    Der mentale Entwicklungsschub

    Der mentale Entwicklungsprozess äußert sich auch diesmal wieder durch ein deutlich launischeres und schwierigeres Baby. Man hat herausgefunden, dass in diesem Alter die Hirnstromkurven des kindlichen Gehirns deutliche Veränderungen durchmachen.

    Der Kopfumfang des Babys nimmt zu

    Gleichzeitig nimmt der Kopfumfang deines Babys drastisch zu und der Zuckerstoffwechsel im kindlichen Gehirn verändert sich. Für dein Kind bedeuten diese Veränderungen, dass es plötzlich einmal mehr in einer ihm fremden Welt erwacht und nichts mehr so zu sein scheint, wie es war. Jede noch so alltägliche Situation wird von deinem Kind nun anders wahrgenommen und erscheint ihm erneut vollkommen fremd und ungewohnt. Sein Horizont ist erweitert und es nimmt nun Dinge aktiv wahr, die es vorher nicht gekannt hat. Hierbei entdeckt es Neues mit allen Sinnen. Hören, riechen, sehen, schmecken und fühlen bedeuten nun ständig neue Erfahrungen und Eindrücke. Da ist es kein Wunder, dass dein Baby zu dem einzig wirklich Konstanten in seinem Leben will: Seinen Eltern.

    Schwierige Phase

    Verstört durch die neuen Eindrücke fängt dein Baby wieder an zu klammern und will nichts weniger, als allein mit diesen beängstigenden Veränderungen sein. Diese für dich und dein Baby schwierige Phase dauert in der Regel vier Wochen. In einigen Ausnahmefällen, kann es jedoch auch zwischen drei bis sechs Wochen dauern, bevor sich dein Kind in die neue Welt eingefunden hat und die Veränderungen abgeschlossen sind.

    Eine genaue Beschreibung der Anzeichen für diesen Entwicklungssprung findest du in dem Artikel Konkrete Anzeichen des 6. Entwicklungsschubs.

    Irritationen

    Die erste Reaktion auf das merkwürdige Verhalten eines Babys ist bei den meisten Eltern Sorge. Da es nicht immer ganz einfach zu erkennen ist, was dein Baby hat, wird in allen Richtungen nach einer plausiblen Erklärung gesucht. Die meisten Eltern finde diese vorübergehend bei den Zähnen, die in diesem Alter durchbrechen. In der Regel fühlen sich die meisten Eltern beruhigt, sobald sie eine potentielle Erklärung für ihr derzeit kopfstehendes Baby haben.

    Leider ist es mit der Sorge um den Nachwuchs oft nicht getan. Das Baby klebt regelrecht wie eine Klette an ihnen und es fällt schwer, neben den alltäglichen Verpflichtungen, Ruhe zu finden. Auch an Schlaf mangelt es in dieser Entwicklungsphase häufig und so ist es nicht verwunderlich, dass die Eltern eines anstrengenden Kindes angespannt und erschöpft sind. Irgendwann kommt jeder Elternteil an den Punkt, wo es nicht mehr daran glaubt, dass es diesen Zustand noch lange aushält. Nicht selten beklagen Eltern in dieser Zeit, dass sie an Kopf-, Nacken-, Rückenschmerzen und teilweise Übelkeit leiden. Es wird niemanden weiter wundern, dass, wenn man sich mental und physisch seiner Belastungsgrenze nähert, die eigene Laune dabei auf der Strecke bleibt. In dieser schwierigen Phase ärgert sich wohl über kurz oder lang jeder einmal über das unmögliche Verhalten seines Babys.

    Das Baby wirkt rastlos

    Rastloses, ungeduldiges Schreien und Jammern mit anhören zu müssen, kocht über kurz oder lang jeden weich. Darüber hinaus zerren auch die ununterbrochenen Forderungen nach Körperkontakt und Aufmerksamkeit an den Nerven. Jeder noch so alltägliche Handgriff wird zu einem Kräftemessen mit dem Kind. Anziehen und wickeln lassen will sich das Kind in dieser Zeit auch nicht wirklich und als wenn dies nicht schlimm genug wäre, versuchen die Kinder ihre Eltern dann spätestens bei den Mahlzeiten in den Wahnsinn zu treiben. Gestern noch mochte es ein bestimmtes Gericht und heute schaut es dieses mit dem Hintern nicht mehr an.

    Doch nicht nur mit der Beikost gibt es in dieser Zeit Probleme. Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist es, dass gerade kurz vor dem Ende einer solch anstrengenden Phase, die stillenden Mütter die Nase voll haben und mit dem Gedanken spielen, ganz mit dem Stillen aufzuhören. Auch ihnen ergeht es nicht besser als den Eltern, die das Fläschchen geben. Erst will das Baby und dann will es wieder nicht. Bei jeder Mahlzeit kommt es zu einem Kampf mit dem Kind, das versucht, seinen eigenen Willen durchzudrücken. Kein Wunder also, dass die meisten Eltern ziemlich genervt und gestresst sind. In diesem angespannten Klima sind weder Streitigkeiten zwischen den Eltern und dem Kind, noch zwischen den Eltern eine Seltenheit. Auf allen Seiten liegen die Nerven quasi blank.

    Was hat sich verändert?

    In der Regel endet das Chaos recht abrupt, wenn dein Kind etwa 37 Wochen alt ist. Von heute auf morgen kehrt wieder Ruhe ein und man könnte meinen, dass nichts geschehen sei. Ab diesem Moment beginnt dein Baby seine neuen Fähigkeiten auszutesten. Es probiert neue Dinge aus, an denen es bisher kein Interesse gezeigt hatte und fühlt sich dabei sichtlich wohler. Seine Spielsachen wird es plötzlich ganz anders handhaben als noch vor einigen Tagen. Dinge, die dein Kind möglicherweise sonst immer interessiert haben sind Schnee von gestern und vollkommen uninteressant, während andere Dinge, an denen es bisher keinerlei Interesse gezeigt hatte, absolut faszinierend sind. Besonders stark sollte dir auffallen, dass dein Kind nun in der Lage ist, sich besser zu konzentrieren. Hierdurch ist es nun in der Lage, sich mit neuen, unbekannten Dingen zu beschäftigen oder fremde Gegenstände eingehend zu untersuchen.

    Der Grund für diesen Wandeln im Können und vor allem auch in den Interessen deines Kindes hängt direkt mit diesem mentalen Entwicklungsschub zusammen. Es ist nun plötzlich in der Lage, in Kategorien zu denken. Es nimmt also Gemeinsamkeiten verschiedener Dinge wahr und kann sie in verschiedene Schubladen einordnen. Für dein Baby sind diese Erkenntnisse über Kategorien eine enorme Leistung. Die Welt, die es bisher kennengelernt hatte, gibt es nicht mehr. Dafür aber eine, die nicht weniger spannend und aufregend ist. Für dein Baby gibt es nun ungeheuer viel zu entdecken und zu erkennen. Egal was es ansieht oder anfasst, alles wird mit dieser neuen Fähigkeit gescannt und abgespeichert. Doch so spannend die Welt auch ist, dein Baby wird auch dieses Mal seine ganz eigenen, individuellen Entscheidungen bezüglich seiner Interessen treffen. Hierbei richtet es sich vor allem an seinen Vorlieben, seinen Veranlagungen und natürlich auch seinem Temperament aus. Vermutlich wirst du die nächste Zeit viel zu tun haben, denn in diesem Alter lieben es die Kinder, sich auf Entdeckungstour zu begeben.

    Die Welt der Kategorien

    Im Rahmen des 6. Wachstumsschubs entwickelt dein Kind die Fähigkeit "Erkenntnis" zu entwickeln und beginnt diese in Kategorien einzusortieren.

    Als das Kind zum letzten Mal Kopf stand, hat es verstanden, dass es Zusammenhänge zwischen allen Dingen gibt, die ihm in seiner Welt begegnet sind. Es verstand das erste Mal, dass es Verbindungen auch zwischen den Sinnen gab. Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen deckten immer mehr Zusammenhänge und Verbindungen sowohl in der Welt um das Baby herum, als auch im Zusammenhang mit seinem eigenen Körper auf. Schon zu diesem Zeitpunkt hat dein Kind entdeckt, dass die Welt viel komplexer war als es dies bisher wahrnehmen konnte. Auch konnte es in diesem Sprung das erste Mal ein Verständnis dafür entwickeln, dass alle Menschen um es herum Wesen wie es selbst sind.

    Ganz wichtig für dein Kind war auch die Einsicht, dass es sich genauso Bewegen kann, wie jeder andere Mensch um es herum auch. Selbst das Imitieren wurde zu einer Fähigkeit, die dein Kind erlernt hat. Darüber hinaus nimmt es nicht nur dich und die Menschen als Wesen wahr, sondern hat auch begriffen, dass es andere Dinge gibt, die wiederum Sachen tun, die dein Kind nicht umsetzen kann.

    Jetzt hat dein Kind die Fähigkeit erworben, all die bisher gesammelten Erkenntnisse in Kategorien einzusortieren. Vorstellen kann man sich das ein wenig wie einen großen Schrank mit Schubladen und jedes Teil, auf das dein Kind trifft, hat bestimmte Merkmale und passt somit in eine der Schubladen hinein. Es gewinnt nun immer mehr ein Verständnis dafür, dass sich so die meisten Dinge in Gruppen einteilen lassen. Hierbei steht die Erkenntnis im Vordergrund, dass Dinge, die ähnliche Merkmale besitzen, häufig auch sehr ähnlich sind. Hierbei kann man die Gegenstände häufig über bestimmte Sinne ähnlich wahrnehmen. Dein Kind entdeckt also ganz konkret, dass es Dinge gibt, die sich ähnlich sehen, die sich ähnlich anfassen, die ähnlich klingen oder schmecken. Auch wird es erkennen, dass es mit Hilfe seiner Nase Dinge aufspüren kann, die ähnlich riechen. Was für uns banal klingt, ist für das Kind ein enormer Sprung in seiner mentalen Entwicklung. Es wird nun verstehen, dass ein Hund immer ein Hund ist - egal, ob er nun groß oder klein ist, schwarz, weiß, braun, grau oder vielleicht sogar mehrfarbig. Auch bleibt es ein Hund, selbst wenn er nicht aus Fleisch und Blut vor dem Kind steht. So erkennt das Kind nun also auch einen Hund auf einem Foto oder als Stofftier. Dies ist eine enorme Leistung. Dein Kind hat hierzu nichts anderes gemacht, als dem Hund eine Reihe an Merkmalen zuzuweisen und so diese alle zutreffen, spielt es keine Rolle wie bzw. wo es auf einen Hund trifft.

    Allerdings muss diese Erkenntnis weiter ausgebaut werden und dies wird nicht von einem Tag auf den anderen passieren. Wie auch wir Erwachsenen muss dein Kind einen Gegenstand, ein Tier oder einen Menschen erst einmal ordentlich kennenlernen und genau inspizieren, bevor es in der Lage ist, die passende Schublade zu wählen oder eine neue anzulegen.

    Das Schwierigste daran dürfte sein, dass dein Baby erkennen und lernen muss, dass es immer bestimmte Kriterien und Voraussetzungen gibt, die etwas erfüllen muss, um in eine bestimmte Schublade zu passen. Solange es diese Erkenntnis noch nicht gewonnen hat, wird sein Einsortieren immer fehlerhaft sein. Doch du musst hierbei nicht viel tun, denn dein Baby wird vollkommen selbstständig beginnen, in diesem Bereich zu experimentieren und die Ergebnisse für sich zu nutzen.

    Es kann überaus spannend sein, wenn du deinem Kind dabei zusiehst, wie es etwas genau studiert und versucht, es in eine seiner bereits vorhandenen Schubladen zu sortieren. Du solltest dich nicht wundern, wenn dein Kind oft total fertig ist und nur noch schlafen möchte. Das, was es in seinem Forscherdrang leistet sind wahre Höchstleistungen.

    Interessant ist überdies hinaus, dass wenn dein Kind erst einmal zu sprechen beginnt, es die meisten Kategorien, die auch du benutzt, erlernt haben wird. Spannend hierbei ist vor allem, dass es für manche ganz kreative Namen findet. Gerade das "Stapelhaus", welches bei vielen Kindern als Ersatz für ein Hochhaus dient, ist hierbei ein interessantes Beispiel. Du kannst anhand der zum Teil sehr kreativen Namensgebung übrigens auch erkennen, mit was sich dein Kind zu diesem Zeitpunkt auseinandergesetzt hat. Wenn du meinst, dass dies schon enorm viel ist, dann wird es dich sicher wundern zu hören, dass das aber noch nicht alles war. Auch versteht dein Kind nun allmählich, was es bedeutet, lieb, böse, unartig, fröhlich und traurig zu sein.

    Bis vor einigen Jahren dachte man, dass die Intelligenz eines Babys erst in diesem Alter entsteht, da man jetzt beobachten kann, wie das Kind anfängt, anders zu reagieren. Lange schien es recht umstritten zu sein, ob Babys tatsächlich in der Lage sind, zu denken. Doch tatsächlich denken Babys auch vor der 37. Woche. Allerdings in einer ihrem Alter und mentalen Reife angepassten Art und Weise.

    Ab der 37. Woche hingegen wird dein Baby das erste Mal in Denkstrukturen denken, die auch für dich selbst zu verstehen sind. Du wirst von nun an zunehmend bemerken, dass du vorausahnen kannst, was dein Baby vorhat oder wie es ihm geht, einfach deshalb, weil ihr nun einander zu verstehen beginnt. Für dein Baby ist dies eine besonders anstrengende Zeit, denn es muss seine ganze Welt nun quasi neu erlernen. Was für uns etwas vollkommen Alltägliches ist, ist für dein Baby etwas vollkommen Fremdes und Unbekanntes. Wundere dich also nicht, wenn es einige Zeit braucht, bis sich die Kategorien wirklich im Leben deines Kindes verfestigt haben.

    Was dein Kind noch alles erlernt hat und wie du ihm helfen kannst, liest du in den Artikeln:

    Zwischenzeit

    Die nächste unkomplizierte Phase erwartet dich zwischen der 40. und 45. Woche und wird etwa ein bis drei Wochen lang sein. In dieser Zeit sind die Babys in der Regel deutlich selbstständiger und freudiger. Alles ist jetzt interessant - von Menschen über Pferde, Blumen bis hin zu Vögeln. In der Regel sind die meisten Kinder jetzt lieber draußen als drinnen. Auch andere Menschen spielen für dein Baby plötzlich eine viel größere Rolle, als sie dies bisher getan haben. Dies äußert sich vor allen Dingen darin, dass dein Baby versuchen wird, häufiger Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen und wenn derjenige dazu bereit ist, mit diesem zu spielen. Der Horizont deines Babys ist jetzt deutlich weiter als je zuvor und das Verständnis zwischen dir und ihm wächst nun jeden Tag ein klein wenig mehr.

    [KaKra]

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