Daumenlutschen: Beim Baby noch völlig normal
Dein Kind ist mittlerweile vier Jahre alt und lutscht noch immer am Daumen. Der Kinderarzt hat Dich darauf hingewiesen, dass Du ihm das langsam besser abgewöhnen solltest, schon alleine um das Gebiss nicht zu schädigen. Auch die Kindergärtnerin ist von dieser Angewohnheit Deines Nachwuchses nicht sonderlich begeistert. Jetzt fühlst Du Dich in der Pflicht, die Sache in Angriff zu nehmen. Die Frage ist bloß, wie Du Dein Kind dazu bringen sollst. Wir geben Dir hier einige Tipps zur schmerzfreien „Entwöhnung“:
- Die erste Regel sollte bei der
Entwöhnung immer lauten: Niemals mit Gewalt! Verbote, Spott oder
gar Drohungen („Wenn Du weiter am Daumen lutschst bekommst Du
keinen Nachtisch", etc.) verunsichern das Kind und können
schlimmstenfalls das Gegenteil bewirken. Vor allem Kinder, die bei
seelischem Stress zum Daumen greifen, werden so womöglich erst
recht zu Frustreaktionen getrieben. Andere nuckeln vielleicht gerade
aus Trotz weiter. Auch bittere Tinkturen auf dem Daumen oder
Handschuhe führen eher dazu, das Kind zu frustrieren, als das
Problem langfristig zu lösen. Stattdessen solltest Du Dein Kind in
seinem Selbstbewusstsein bestärken und ihm auf sanfte Weise liebevoll klarmachen, dass es
keinen Daumen braucht, um schwierige Situationen zu meistern.
Damit das Kind sich gar nicht erst
an den Daumen gewöhnt, der ja im wahrsten Sinne des Wortes „immer
zur Hand“ ist, empfehlen viele Kinderärzte auch, Babys zum
Nuckeln einen Schnuller anzubieten. Dieser könne aus besagtem Grund
leichter entwöhnt werden als der Daumen und sei zudem besser für
die Zähne, da er weniger Druck auf das Gebiss ausübe. Hierzu kann man
versuchen, dem Kind gelegentlich einen geeigneten Babyschnuller in
den Mund zu schieben. Natürlich nur, wenn das Kind diesen nicht
immer wieder ausspuckt. Allerdings sollte auch der Schnuller um das
3. Lebensjahr herum langsam ausgemustert werden. Dabei gelten dann
ähnliche Regeln wie beim Abgewöhnen des Daumenlutschens: Also
lieber langsam und verständnisvoll als mit radikalen Methoden, die
das Kind überfordern.
Kleine Fortschritte führen
letztlich zum Ziel! Lobe Dein Kind daher, wenn es ihm gelingt,
zunächst in einigen Situationen auf den Daumen zu verzichten. Sage
ihm, wie stolz Du bist, dass es während des ganzen Besuchs bei der
Oma oder im Supermarkt kein einziges Mal am Daumen gelutscht hat.
Wenn es dann abends beim Einschlafen doch noch einmal den Daumen in
den Mund nimmt, nimm' dies nicht zum Anlass, um es zu demotivieren.
Solange Dein Kind am Daumen
lutschen will, wirst Du es nur schwer davon abbringen können.
Gegebenenfalls wird es dann hinter Deinem Rücken den Daumen in den
Mund stecken. Fördere bei Deinem Kind daher die Einsicht, aus
eigenem Wunsch und Willen das Daumenlutschen abstellen zu wollen,
indem Du möglichst viele positive Aspekte mit dem Unterlassen
dieser Beschäftigung verbindest. Sage ihm zum Beispiel, dass es nun
schon groß ist und das Daumenlutschen daher gar nicht mehr nötig
hat. Oder erkläre ihm möglichst vernünftig, dass es damit seinen
Zähnen schadet und dass andere Leute es beim Sprechen mit dem
Daumen im Mund nicht verstehen können.
Beobachte vor allen Dingen genau,
in welchen Situationen Dein Kind am Daumen lutscht und unterstütze
es dabei, diese anderweitig zu überbrücken. Vielleicht ist es eher
ängstlich und braucht in ungewohnten Situationen etwas zusätzliche
Zuwendung von Dir. Manchmal kann auch ein Kuscheltier oder ein
Schmusetuch als tröstender Begleiter helfen, den Daumen zu
ersetzen. Oftmals nützt auch, ein lange ersehntes Geschenk in
Aussicht zu stellen, wenn der Daumen künftig aus dem Mund bleibt.
[BS]
» Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb