Wahrnehmung und soziale Signale bei Kleinkindern

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Kommunikation braucht nicht immer Worte
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Kommunikation braucht nicht immer Worte

In der frühen Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern spielt vor allem die nonverbale Kommunikation eine entscheidende Rolle. Erst mit dem Eintritt des Kindes in das Kleinkindalter ist das Kind in der Lage, sich auch verbal auszudrücken, doch vorher besteht die einzige Möglichkeit zu kommunizieren einzig und allein in der Körpersprache.
Was du hier lesen kannst:
  • Erster Eindruck: das Aussehen
  • Körperhaltung und Körperbewegungen
  • Was das Gesicht über uns aussagt - die Mimik
  • Blickverhalten - eine nonverbale Kommunikation
  • Die Stimme formt nicht nur Worte
  • Distanzverhalten - wie nah ist zu nah?
  • Fazit
Auch wenn viele Menschen das gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, ist die nonverbale Kommunikation, also die Körpersprache und die Mimik sowie das eingeschlagene Verhalten, immer noch eine recht effektive Art und Weise, um miteinander zu kommunizieren. Sei es bewusst oder unbewusst, immer wenn wir auf andere Menschen treffen, beginnt die Kommunikation, lange bevor auch nur das erste Wort gefallen ist. Aus dem Verhalten lässt sich ablesen, ob jemand einer anderer Person gegenüber freundlich eingestellt ist, ob sie abgelehnt oder für interessant befunden wird. So ist es also durchaus möglich, dass wir mit den Menschen, denen wir begegnen schon über eine geraume Weile kommuniziert haben, obwohl keiner bisher auch nur einmal den Mund geöffnet hat. Die gleiche Art und Weise ist es letztendlich auch, über die ein Kind mit seinen Eltern kommuniziert. Was sind nun aber die Arten und Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation, die gerade Kinder vor dem Kleinkindalter, aber teilweise auch darüber hinaus, nutzen können?

Erster Eindruck: das Aussehen

Auch wenn viele Leute der festen Überzeugung sind, dass sie sich nicht vom Aussehen einer anderen Person leiten lassen, so ist es doch Tatsache, dass die Körpermasse und die Kleidung einer Person schon eine ganze Menge Botschaften an uns sendet, denen wir uns nicht verschließen können. Die Körperform eines Kindes zum Beispiel, gerade die eines Babys, löst bei den meisten Menschen und auch bei vielen adulten Säugetieren ein zugewandtes Verhalten aus. Dieses Phänomen lässt sich artübergreifend als Kindchenschema oder Babyschutz wiederfinden. Das Schema lässt sich zusammenfassen als ein verhältnismäßig kleiner Körper zu einem relativ großen Kopf, einer mächtigen Stirn aber einem kleinen Gesicht, große, volle, runde Wangen und verhältnismäßig riesige Augen. Dieses Schema passt auch auf kleine Hunde, Katzen oder sonstige Säugetiere. Da dieses Schema allen Säugetieren mehr oder weniger ähnlich ist, kommt es zu einem artübergreifenden Verhalten. Selbst kleine Kinder scheinen dieses biologisch gesteuerte Verhalten schon recht früh zu adaptieren und reagieren dementsprechend positiv auf Tierbabys sowie auch auf echte Babys.
Die Tatsache, dass allein dieses Schema in uns Gefühle der Zuwendung und Aufmerksamkeit auslöst und bei einigen anderen sogar einen gewissen Beschützerinstinkt, ist natürlich auch der Werbung nicht entgangen und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Schema häufig genutzt wird, um für Produkte Vertrauen zu schaffen.

Körperhaltung und Körperbewegungen

Auch die Körperhaltung wird für die nonverbale Kommunikation benötigt. So ist es allein anhand der Art und Weise, wie wir stehen, sitzen oder gehen möglich herauszufinden, in welchem emotionalen Zustand wir uns gerade befinden. Sind wir einer Person zum Beispiel besonders zugetan, so nehmen wir unbewusst eine ähnliche Position ein wie die, die der Gesprächspartner auch gerade innehat. Sind wir müde, so lassen wir die Schultern hängen und wirken womöglich kleiner als wir wirklich sind. Wenn wir gut gelaunt und voller Tatendrang sind, steht hingegen unser ganzer Körper unter Spannung und ist bereit, loszulegen. Demgegenüber liegen gerade frisch geborene Säuglinge in der Regel nur auf dem Rücken oder Bauch und sind nicht einmal in der Lage, ihre Position eigenständig zu verändern. Diese absolute Hilflosigkeit, die dieses Verhalten vermittelt, löst bei uns sofort einen Beschützerinstinkt und sofort auch ein zugewandtes Verhalten aus und wir versuchen, diese Hilflosigkeit des kleinen Wesens durch unsere eigene Unterstützung zu kompensieren. Doch nicht nur die Haltung an sich, sondern auch die Art, wie wir uns bewegen, sagt viel über unser Befinden und unsere derzeitige Einstellung aus. So bemerkt man in kleinen sich immer wiederholenden Bewegungen, dass jemand zum Beispiel nervös ist oder vielleicht auch sehr aufgebracht.
Auch über diese kleinen Gesten können wir miteinander kommunizieren. So stelle man sich einfach einen Säugling vor, der auf dem Rücken liegt und die Hände nach uns ausstreckt. Kaum ein Erwachsener kann dieser Aufforderung widerstehen und die meisten werden dieser Aufforderung gerne nachkommen und das Kind aufnehmen. Wütende Reaktionen eines Kindes, wie zum Beispiel eine Trotzreaktion, bei der sich das Kind auf den Boden wirft und mit Händen und Füßen auf diesen eintrommelt, sorgen womöglich dafür, dass wir uns hilflos fühlen, aber verstehen, dass irgendetwas für das Kind derzeit überhaupt nicht richtig läuft.

Was das Gesicht über uns aussagt - die Mimik

Unser Gesicht ist ein wahres Kunstwerk, wenn man einmal betrachtet, was wir mit ihm alles ausdrücken können. Man kann ihm ansehen, ob jemand gut drauf traurig, erstaunt ist oder vielleicht sogar Angst hat. Es gibt eine wahrlich große Palette an Gefühlen, die wir allein durch unser Gesicht zum Ausdruck bringen können. Besonders wichtig sind hierbei die Stellung der Augenbrauen und die des Mundes.
Anhand der Augenbrauen und der Augen kann man zum Beispiel erkennen, ob jemand schlecht gelaunt ist, Angst hat, zornig oder über etwas überrascht ist. Auch der Mund spielt hierbei eine entscheidende Rolle, denn die Art, wie wir unseren Mund benutzen, sagt viel über unsere derzeitige Gemütsverfassung aus. Hochgezogene Mundwinkel bedeuten in der Regel, dass man gut gelaunt ist oder sich freut, während herabhängende Mundwinkel im Normalfall ein Anzeichen dafür sind, dass man gerade traurig oder schlecht gelaunt ist. Und selbst die Nase kann Aussagen über etwas in unserem Gefühlsleben machen. So müssen wir zum Beispiel die Nase rümpfen, wenn uns etwas nicht gefällt oder uns unangenehm ist. Durch die Variation dieser einzelnen Gesichtspartien lassen sich eine Vielzahl verschiedener Emotionen darstellen, die ein Kind mit zunehmenden Alter immer besser auseinanderzuhalten versteht. Die Mimik des Kindes ist übrigens schon beim Säugling recht ausgeprägt und so kann man ziemlich genau sehen, in welch einer Verfassung er sich befindet. Besonders interessant ist hierbei, dass es recht übergangslos von einer offensichtlich recht guten Laune zu einem herzzerbrechenden Weinen kommen kann, indem sich ganz demonstrativ vor allem die Mundwinkel und die Augenbrauenstellung beim Kind verändern.

Blickverhalten - eine nonverbale Kommunikation

Blickkontakt und die Art, wie wir mit unseren Blicken kommunizieren ist nicht nur beim Flirten interessant, sondern wird im Normalfall den ganzen Tag über bei jeglicher sozialen Interaktion mit einem Menschen genutzt. Blicke können Bände sprechen heißt es und das kann man tatsächlich wörtlich nehmen. Zwischen Erwachsenen ist die Art des Blickkontaktes ein interessantes Faktum um herauszufinden, wie die Person einem gegenüber eingestellt ist. Schaut die Person zum Beispiel die ganze Zeit stur auf die Erde, während sie mit einem redet, so muss man davon ausgehen, dass sie kein Interesse an einem hat. Ein anderes Beispiel sind zwei Verliebte, die sich unentwegt in die Augen schauen und dabei deutlich machen, wie viel Interesse sie an dem jeweils anderen haben.
Säuglinge wollen ebenfalls angeschaut werden und halten den Blickkontakt meist sehr lange aufrecht. Es ist die erste Möglichkeit der Kommunikation, die sie haben und sie nutzen diese. Wird es einem Säugling zu viel, schließt er einfach die Augen oder schaut weg. Mit zunehmendem Alter entwickelt sich auch beim Kind das größtenteils unterbewusste Spiel zwischen hinschauen und wegsehen.

Die Stimme formt nicht nur Worte

Obwohl wir heutzutage der festen Überzeugung sind, dass das, was wir sagen wichtiger ist als die Art, wie wir es sagen, ist dies doch eine Fehleinschätzung. Unterbewusst nehmen wir die Art, wie etwas gesagt wird viel deutlicher wahr und sie prägt auch viel deutlicher das Verhältnis zur Person mit Gefühlen, als das, was sie sagt. Hierbei kann die Stimme eine Vielzahl an Eindrücken vermitteln. Sie ist in der Lage, warm und weich zu klingen, genauso wie sie in der Lage ist, schneidend kalt, schmeichelnd oder auch verletzend zu sein.
Innerhalb des ersten Lebensjahres verstehen kleine Kinder den Sinn der gesprochenen Worte nicht inhaltlich, sondern sind nur in der Lage, auf den Ausdruck in der Stimmung zu achten und diesen zu deuten. Erst mit Beginn des zweiten Lebensjahres bekommen Kinder ein Verständnis dafür, was Alltagsworte wirklich bedeuten. Noch für eine lange Zeit wird dem Kind allerdings der Inhalt der Worte weniger wichtig erscheinen, als die Art und Weise, wie etwas vorgetragen wurde. Die Tatsache, dass man schon früh den Eindruck hat, dass das Kind genau versteht, was man von ihm nun möchte, liegt meistens nur daran, dass das Kind in der Lage ist, die Stimmlage und den Ton zu deuten. Dies merkt man vor allem immer dann, wenn man gerade recht aufgebracht ist und versucht, dem Kind etwas Nettes zu sagen und das Kind daraufhin aber nicht lacht, sondern sogar weinend oder traurig reagiert.

Distanzverhalten - wie nah ist zu nah?

Jeder Mensch hat seine ganz eigene Zone um sich herum, die er als seinen persönlichen Raum klassifiziert. Dieser sogenannte persönliche Raum ist je nach Gegebenheiten der Umgebung, aber auch der Personen, mit denen wir in Kontakt kommen sehr unterschiedlich. Prinzipiell gibt es Leute, die weniger distanziert sind als andere, aber allen gemein ist, dass sie eine gewisse Zone für sich beanspruchen in die nur besonders vertraute Menschen ohne vorherige Einladung eindringen dürfen. Dieser Abstand, den wir zu anderen Menschen halten, richtet sich teilweise extrem nach der Umgebung, in der wir uns befinden. Wenn wir zum Beispiel in einen überfüllten Bus oder eine überfüllte Straßenbahn einsteigen, so ist diese Zone um uns herum, in der wir keine andere Person dulden, deutlich kleiner als wenn wir ganz alleine auf einer großen Wiese sind, ein Fremder hinzukommt und sich in einem direkten Kontakt mit uns niederlässt, der womöglich schon dort beginnt, dass er unter 10m an uns herankommt.

Kleine Kinder, die erst wenige Wochen alt sind, haben diese Art von Distanzverhalten in dem Sinne noch nicht und so wundert es auch nicht, dass wir Erwachsenen kaum Probleme damit haben, auch fremde Säuglinge auf den Arm zu nehmen und diese zu herzen, wenn wir sie irgendwo liegen sehen. Sobald das Kind allerdings 3-6 Monate alt wird, beginnt es, für sich seinen persönlichen Freiraum einzufordern und reagiert mit einer Unterschreitung seiner persönlichen Sicherheitszone meist sehr empfindlich. Nähert man sich als Fremder einem Kleinkind langsam, so reagieren die meisten Kinder mit wachsendem Interesse auf die sich nähernde Person. Irgendwann ist das kindliche Interesse dann aber auf seinem Maximum angekommen und wenn diese Person dann nur noch einen kleinen Schritt weiter vorwärts auf das Kind zumacht, verwandelt sich das Interesse des Kindes sofort in Ablehnung und teilweise in Furcht. Auch das Distanzverhalten der eigenen Mutter oder des Vaters oder sonst einer Bezugsperson kann hierbei direkten Einfluss auf das Distanzverhalten des Kindes nehmen. Verhält sich zum Beispiel die Bezugsperson besonders aufgeschlossen gegenüber einem Fremden, so wird das Kind diesen recht lange dulden. Passiert es jedoch, dass auch seine Mutter oder die Bezugsperson, mit der es unterwegs ist, dem Fremden skeptisch oder vielleicht sogar ablehnend gegenübersteht, so wendet sich auch das Kind relativ frühzeitig ab und duldet keine weitere Annäherung.

Fazit

Beim Beziehungsverhalten kommt es somit auf viele verschiedene Faktoren an, die das Kind mit der Zeit lernt. Wie geschickt ein Kind dabei ist, die sozialen Signale zu lesen und richtig zu interpretieren ist von Kind zu Kind stark unterschiedlich. Jedes Kind wird grundsätzlich mit der Fähigkeit geboren, nonverbale Kommunikation zu verstehen. Wie diese Signale jedoch in zwischenmenschlichen Beziehungen eingesetzt werden, lernt das Kind von seinen Vorbildern, welches in der Regel die Eltern, Bezugspersonen, aber natürlich auch Geschwister oder andere Kinder sind. Hierbei ist es ratsam zu wissen, dass die nonverbale Kommunikation von Kulturkreis zu Kulturkreis sehr unterschiedlich sein kann. Während es in westlichen Ländern und vor allem in Mitteleuropa als sehr unfreundlich gilt, eine Person zur Begrüßung nicht in die Augen zu sehen, ist es in fernöstlichen Kulturen genau umgekehrt. Das bedeutet aber auch, dass die Fähigkeit nonverbale Kommunikation zu betreiben grundsätzlich angeboren ist. Die Ausprägungen und Arten, wie sie zu interpretieren und gestalten sind, können sich jedoch von Kulturkreis zu Kulturkreis stark unterscheiden. [KaKra]

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