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Welchen Einfluss hat Hörverlust auf die kindliche Entwicklung?

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AutoreninfoNatalija Krenz
aktualisiert: 13.11.2012Online Redakteurin
Gesundheit und Erziehung
Mamiweb: Wie empfindlich ist das Kinderohr wirklich und wie viel Lärm hält es aus?

Daniela-Simone Feit: Ältere Kinder und Erwachsene schützen sich vor intensivem Lärm, indem sie sich die Ohren zuhalten – Babys und Kleinkinder haben diesen Reflex noch nicht entwickelt. Bei ihnen ist die Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Sprache und Störlärm noch nicht gegeben, d.h. sie können noch nicht beurteilen, wann Lärm schädlich ist und schützen sich daher nicht ausreichend davor. Trifft also ein hoher Geräuschpegel ungehindert in die Cochlea des Kindes, können irreparable Schädigungen hervorgerufen werden. Bührer: Eltern sollten ihre Kinder unbedingt vor zu hoher und dauerhafter Lärmeinwirkung schützen, z.B. mit speziellen Gehörschutzlösungen für Kleinkinder. Aber auch auf die richtige Auswahl von Spielzeugen, die Töne, Laute und Geräusche abgeben, sollte geachtet werden, da diese mitunter sehr hohe Lautstärkepegel produzieren und hierdurch das Kinderohr unter Umständen schädigen können.


Mamiweb: Wie erkenne ich, ob mein Kind gut oder schlecht hört?

Daniela-Simone Feit: Seit 2009 ist das Neugeborenen-Hörscreening gesetzlich verankert; Eltern sollten es nach der Geburt ihres Kindes unbedingt wahrnehmen. Der Test dauert nicht lange, ist schmerzfrei und sorgt schnell für Klarheit. Ferner sollte darauf geachtet werden, wie das Baby auf akustische Reize reagiert. Ist die Reaktion auf Impulslärm vermindert oder gar nicht vorhanden, sollte der Kinderarzt oder Pädakustiker aufgesucht werden. Bei Kleinkindern kann eine verlangsamte Sprachentwicklung ein Indiz dafür sein, dass das Gehör nicht voll funktionsfähig ist. Unter http://www.hear-the-world.com/kinder hat die Initiative Hear the World die wichtigsten Informationen für Eltern zusammengestellt, die sich näher informieren und mit anderen Betroffenen austauschen wollen.

Hans-Jürgen Bührer: Die Eltern einer meiner jungen Kundinnen wurden hellhörig, als ihre Tochter, die 11-jährige Vivien, Verzögerungen in der Sprachentwicklung aufwies. Zuhause musste überdurchschnittlich laut gesprochen werden, damit Vivien auch alles mitbekam. Schließlich ließen ihre Leistungen in der Schule Schritt für Schritt nach. Vor allem bei Diktaten fielen ihr Wortendungen und die Unterscheidung ähnlich klingender Buchstaben wie M und N besonders schwer.


Mamiweb: Wie kann sich der Hörverlust auf die kindliche Entwicklung auswirken?

Hans-Jürgen Bührer: Ein Hörverlust bei Kindern ist nicht allein ein Problem des Sinnesorgans: Richtig hören bzw. verstehen zu können ist für das Erlernen von Sprache und damit die gesamte Entwicklung eines Kindes Voraussetzung. Die Basis für den Spracherwerb und die Kommunikationsfähigkeit wird bereits in den ersten Lebensmonaten eines Kindes gelegt und beeinflusst das spätere gesellschaftliche und berufliche Leben. Erfährt das Gehirn aufgrund eines Hörverlusts keine Hörreize, stagniert die Entwicklung und ist später auch durch intensive Förderung kaum mehr aufzuholen. Daher ist es besonders wichtig, dass ein Hörverlust bei Kindern frühzeitig entdeckt wird. Die Anpassung eines Hörgerätes sowie eine logopädische oder audiopädagogische Betreuung des Kindes unterstützen eine unauffällige Hör- und Sprachentwicklung.


Mamiweb: Kann man Hörverlust vorbeugen? Wenn ja, wie?

Daniela-Simone Feit: Eltern sollten ihre Kinder vor zu lauten Lärmquellen schützen. Das eigene Empfinden ist dabei ein guter Gradmesser: Ist es für die eigenen Ohren zu laut, sollten die Kinderohren davor geschützt werden. Außerdem sollten regelmäßig akustische Ruhepausen für das Kind eingelegt werden, z.B. beim Mittagsschlaf. Hier werden nicht nur die neu gewonnenen Sinneseindrücke verarbeitet – auch die empfindlichen Haarsinneszellen im Ohr können sich erholen.


Mamiweb: Ist es möglich, das Hören wieder zu erlangen?

Hans-Jürgen Bührer: Es kommt ganz darauf an, wo die Störung stattfindet und welcher Schwerhörigkeitsgrad vorliegt. Bei einer Hörminderung, die durch eine Erkältung oder eine Mittelohrentzündung hervorgerufen wird, kann die Einnahme von Medikamenten Abhilfe leisten. Liegt eine Störung im Innenohr vor, können dem Kind frühzeitig angepasste Hörgeräte helfen. Es gibt Geräte, die speziell an die Bedürfnisse von Kindern angepasst sind und sich technisch sowie größengerecht für alle Altersgruppen eignen. Die Kindermodelle sind oft in verschiedenen Mustern und Farben erhältlich, die gemeinsam mit den Eltern und Kindern ausgesucht werden. Vivien erlebte schon in der ersten Woche mit ihren neuen Hörgeräten ein großes Erfolgserlebnis: eine glatte Eins im Diktat. Seitdem sind die Hörgeräte Bestandteil in ihrem Leben. Bei hochgradigem Hörverlust kann aber auch ein Cochlea-Implantat die richtige Wahl sein.

Daniela-Simone Feit: Ein Hörgerät verbessert die Entwicklungschancen eines Kindes ungemein. Zusätzlich empfehle ich bei Kindern den Einsatz einer Frequenzmodulationsanlage (FM-Anlage). Dieses spezielle System dient der Übermittlung von Sprache auf Distanz; vor allem in der Schule, im Kindergarten und anderen geräuschvollen Umgebungen ist eine reibungslose Sprachübertragung besonders wichtig.


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