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Fruchtwasser - Wichtige Dinge, die Du wissen solltest

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Das Fruchtwasser - Babys Wohnzimmer
Das Fruchtwasser - Babys Wohnzimmer

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AutoreninfoSylvia Koppermann
aktualisiert: 03.08.2021Mehrfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Das Fruchtwasser ist eine klare, wässrige Flüssigkeit, die von der Fruchtblase (Amnionhöhle) gebildet wird und mit ihr den Lebensraum des ungeborenen Kindes bildet.

Bereits ab der vierten Schwangerschaftswoche umgibt das Fruchtwasser den Embryo komplett, um so eine Verwachsung des Fötus mit der Fruchtblase zu verhindern. Außerdem schützt die Flüssigkeit das Ungeborene wie ein Airbag vor Stößen und Temperaturschwankungen und ermöglicht es ihm zudem, sich zu bewegen. Auch bei der Geburt kommt dem Fruchtwasser bzw. der Fruchtblase eine besondere Bedeutung zu, da beide den Gebärmutterkanal weiten.

Zusammensetzung des Fruchtwassers

Das Fruchtwasser setzt sich aus kindlichen und mütterlichen Anteilen zusammen, so gibt das Ungeborene beispielsweise Flüssigkeit über Haut, Lunge, Nieren und Nabelschnur ab, während der mütterliche Teil aus dem Blut über die Plazenta kommt. Zu den im Fruchtwasser nachgewiesenen Bestandteilen zählen Zucker, Eiweiße, Kalium, Natrium und Spurenelemente. Aber eben auch Zellen wie Hautschüppchen oder Haare des Ungeborenen bzw. wenig konzentrierter Urin, den das Ungeborene ausscheidet, sobald seine Nieren ihre Funktion aufgenommen haben.

Flüssigkeitsaustausch innerhalb der Fruchtblase

Innerhalb der Fruchtblase findet ein ständiger Flüssigkeitswechsel statt, das Fruchtwasser wird alle drei Stunden vollständig erneuert. Ab dem fünften Schwangerschaftsmonat trinkt das Ungeborene etwa 400 Milliliter Fruchtwasser täglich. Die so verloren gegangene Flüssigkeit wird jedoch binnen weniger Stunden neu gebildet und der Verlust somit wieder ausgeglichen.

Erkrankungen und mögliche Komplikationen

Probleme im Schwangerschaftsverlauf, wie etwaige Erkrankungen der Mutter oder des Ungeborenen, lassen sich unter anderem auch am Fruchtwasser bzw. seiner Farbe erkennen. Eine grünliche Färbung beispielsweise tritt oft auf, wenn der Geburtstermin überschritten wurde und das Kind bereits seinen ersten Stuhl ins Fruchtwasser abgegeben hat. Ist das Fruchtwasser bräunlich verfärbt, geht man von einer Blutgruppenunverträglichkeit aus. Jedoch nicht nur die Farbe des Fruchtwassers ist von Bedeutung, sondern auch seine Menge.

Flüssigkeitsvolumen und -menge

Ab der zehnten Schwangerschaftswoche schwimmt das Ungeborene in rund 30 Milliliter Fruchtwasser, ein Volumen, das sich in der 20. Woche auf 400 Milliliter erhöht und sich bis zur 36. Schwangerschaftswoche auf 1000 bis maximal 2000 Milliliter steigert. Zum Ende der Schwangerschaft bildet sich die Menge jedoch wieder zurück. Durch Ultraschallmessungen kann der spezialisierte Frauenarzt oder die Frauenärztin den so genannten Fruchtwasserindex ermitteln, wobei der Normalwert zwischen 8 und 18 Zentimeter liegt.

Fruchtwasseranomalien

Die Farbe des Fruchtwassers kann Hinweise über mögliche Pathologien beim Fötus geben. Eine grünliche Verfärbung ist ein Hinweis für einen möglichen vorzeitigen Mekoniumabgang, eine gelbliche Verfärbung für eine Hyperbilirubinämie des Fötus. Liegt eine fleischwasserfarbene Verfärbung vor, spricht das für einen intrauterinen Fruchttod. Eine weitere Anomalie des Fruchtwassers liegt vor, wenn "zu viel" oder "zu wenig" davon vorhanden ist. Die Fachbegriffe hierfür sind:
  • Oligohydramnion
  • Polyhydramnion oder Hydramnion

Zu wenig Fruchtwasser

Oligohydramnion

Befindet sich zu wenig Fruchtwasser im Fruchtwasserraum, kann dies zu Fehlbildungen des Kindes führen, da die Lungenfunktion nicht ausreichend stimuliert wird und sich, bedingt durch die beengten Raumverhältnisse, die Knochen des Babys verformen können. Abhilfe kann hier in Form einer Zucker-Kochsalz-Lösung geschaffen werden, die mit Hilfe einer langen, dünnen Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchtblase eingeführt wird und den Fruchtwasserraum auffüllt.

Ursachen für zu wenig Fruchtwasser

In vielen Fällen bleiben die Ursache für zu wenig Fruchtwasser unbekannt. Die Einnahme bestimmter Arzneimittel wie beispielsweise Hemmstoffe des Angiotensin konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer), wie z.B. Enalapril oder Captopril, während der letzten 6 Monate der Schwangerschaft kann dazu führen, dass zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist.

Zu viel Fruchtwasser

Polyhydramnion oder Hydramnion

Befindet sich auf der anderen Seite zu viel Fruchtwasser im Fruchtwasserraum, dehnt dies die Gebärmutter und drückt auf das Zwerchfell der schwangeren Frau. Durch diese erhöhte Spannung der Gebärmutter kann es zu vorzeitigen Wehen bzw. durch den vergrößerten Fruchtwasserraum zu einer Steißlage des Kindes führen. In besonders schwierigen Fällen wird der Mutter Fruchtwasser entnommen, um so für eine Entspannung bzw. Erleichterung zu sorgen. Die Alternative einer medikamentösen Hemmung der Fruchtwasserproduktion besteht allerdings auch. Ist die Schwangerschaft schon weit genug fortgeschritten, empfiehlt es sich, die Geburt künstlich einzuleiten.

Ursachen für zu viel Fruchtwasser

Die Ansammlung von zu viel Flüssigkeit kann folgende Gründe haben:
  • Diabetes der schwangeren Frau
  • Das Vorhandensein mehrerer Föten (Mehrfachgeburt)
  • Von der schwangeren Frau produzierte Rh-Antikörper gelangen in das Blut des Fötus (Rh-Unverträglichkeit)
  • Fehlbildungen des Fötus, insbesondere eine Speiseröhrenverlegung oder Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark (z. B. Spina bifida)
  • Andere Erkrankungen des Fötus, wie z. B. Infektionen oder eine genetische Störung
In rund 50% der Fälle bleibt die Ursache jedoch unbekannt.

Diagnose

Ist die Gebärmutter, im Hinblick auf die Schwangerschaftsdauer, zu groß bzw. zu klein wird von den Ärzten eventuell eine zu geringe bzw. eine zu große Menge an Fruchtwasser vermutet. Dies wird oft zufällig während eines Ultraschalls entdeckt.

Im Verlauf kann anhand einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, wie viel Fruchtwasser vorhanden ist.

Wird dabei zu viel oder zu wenig Fruchtwasser vorgefunden, untersucht der Arzt in der Regel Scheide und Gebärmutterhals, um festzustellen, ob die den Fötus umgebenden Membranen zu früh geplatzt sind.

Es werden vielfach zudem Blutuntersuchungen auf Krankheiten mit Auswirkungen auf das Fruchtwasser (z. B. Infektionen oder Diabetes) vorgenommen.

Behandlungsmöglichkeiten

Zur Überwachung des Wachstums des Fötus und der Fruchtwassermenge werden regelmäßig Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Ebenso wird die Herzfrequenz des Fötus regelmäßig überwacht, und zwar sowohl wenn der Fötus sich bewegt als auch wenn er still liegt. Dieser Test wird zur Kontrolle des Wohlbefindens des Fötus durchgeführt (sogenannter Non-Stress-Test).

Zu wenig Fruchtwasser

Durch eine sogenannte "Amnioninfusion" kann der Arzt den Fruchtwassermangel ausgleichen. Hierzu wird eine lange, dünne Nadel über den Bauch in die Fruchtblase eingeführt.

Bei zu wenig Fruchtwasser, wird vielfach eine Entbindung zwischen der 36. und 37. Schwangerschaftswoche angestrebt, je nachdem, wie es dem ungeborenen Kind geht.

Zu viel Fruchtwasser

Bei schweren Fällen der Polyhydramnie kann der Arzt Fruchtwasser absaugen. Damit wird das Volumen der Fruchtblase reduziert und das Risiko des Einsetzens vorzeitgier Wehen gesenkt. Dieses Verfahren ist jedoch nicht risikolos. Das Absaug-Manöver sollte nicht länger als fünf Sekunden dauern.

Das Einleiten der Geburt (ab der 39. SSW) oder die medikamentöse Behandlung mütterlicher oder kindlicher Erkrankungen sind weitere Möglichkeiten, ein Polyhydramnion zu behandeln.

Fruchtwasserembolie

Tritt eine größere Menge Fruchtwasser in den mütterlichen Kreislauf über, kann es zu einer Fruchtwasserembolie kommen. Dies ist eine seltene, geburtshilfliche Notsituation.

[AKH]

Quellen:

MSD Manual | Ausgabe für Patienten | Kompendium für Ärzte und Apotheker seit 1899: Schwangerschaftskompliatkonen und Fruchtwasseranomalien

Deutsche Hebammenzeitschrift: Absaugen als Routinemaßnahme

Manualdiagnostik Assessment Fruchtwasser | von Kirstin Astrid Hähnlein | 2019| ISBN: 3748265565

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