55. Woche - Die Welt der Programme

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Wieder einmal steht eine eher schwierige Zeit an
Wieder einmal steht eine eher schwierige Zeit an
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AutoreninfoKatharina Krause
aktualisiert: 03.12.2018Vierfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Zwischen der 51. und 57. Lebenswoche zeichnet sich der nächste Entwicklungsschub ab. In diesem wird sich dein Kind den Umgang mit Programmen aneignen. Programme sind hierbei nichts anderes als komplexere Reihenfolgen, die es schon im siebten Entwicklungsschub mit knapp elf Monaten kennengelernt hat.
Das kannst du hier lesen:
  • Erste Anzeichen
  • Probleme
  • Was hat sich verändert?
  • Zwischenzeit

Dieser Entwicklungsschub findet in der Regel um den ersten Geburtstag herum statt und stellt sozusagen das Ende der Babyzeit dar. Er markiert den Übergang vom Baby zum Kleinkind. Natürlich hält die Welt für dein Kind noch so einige Geheimnisse parat und du wirst sicher noch häufiger feststellen können, dass dein Kind plötzlich etwas klüger wirkt als vorher. Meist ist dieses "klüger wirken" an Einsichten in neue Prinzipien gekoppelt.
Der Sprung in die Welt der Programme mag im ersten Moment recht abstrakt wirken, doch einfach zusammengefasst lässt sich sagen, dass dein Kind nun begreift, dass bestimmte Ziele über unterschiedliche Wege erreicht werden können und bestimmte Aktionen innerhalb dieser Wege ausgetauscht werden dürfen. Es begreift nun also, dass nicht mehr der Ablauf wichtig ist, sondern das Ergebnis und dass es, um dieses Ergebnis zu erreichen, durchaus möglich ist, andere Wege zu beschreiten.

Erste Anzeichen

Mit etwa 51 Wochen merkt dein Kind schon, dass wieder etwas Größeres ansteht. Auch du kannst dies merken, denn dir fällt auf, dass dein Kind sich wieder schwieriger benimmt als in den Wochen zuvor. Wie üblich bei diesen Sprüngen erkennt dein Kind auch jetzt wieder, dass sich die Welt plötzlich anders anfühlt, anders aussieht, anders riecht, anders schmeckt und sich womöglich sogar anders anhört. Wieder einmal ist es für das Kind, als würde es in einer neuen, ihm völlig unbekannten Welt erwachen und es sucht natürlich auch jetzt wieder Trost und Schutz bei dem, was ihm am vertrautesten ist: nämlich bei seinen Eltern. Diese schwierige Phase wird etwa 4 bis 5 Wochen andauern. In seltenen Fällen dauert sie sogar nur drei Wochen oder sich kann sich auch bis zu sechs Wochen in die Länge ziehen.
Die konkreten Anzeichen für den achten Entwicklungsschub kannst du hier nachlesen: Entdeckungen des 8. Entwicklungsschubs.

Zusammengefasst lässt sich aber sagen dass alle Kinder nun wieder deutlich schneller anfangen zu weinen, vollkommen egal, ob sie dafür einen Grund haben oder nicht. Sie sind oft ungehalten, wenn sie sich allein beschäftigen sollen und Mama oder Papa sie einfach absetzen und keine Zeit zum Kuscheln und Schmusen hat. Dein Kind möchte eventuell sogar den ganzen Tag Körperkontakt halten und wird auch beim Essen und Schlafen deutlich anstrengender werden.

Probleme

Auch in dieser Phase kann es wieder dazu kommen, dass du dich verunsichert fühlst, da du dir nicht sicher bist, ob das merkwürdige Verhalten von deinem Kind durch den Sprung ausgelöst wird oder etwas anderes dahintersteckt. In diesem Alter ist es vollkommen normal, dass sich die Sorge meist recht schnell in Ärger verwandelt. Gerade dann, wenn du nicht so wirklich verstehen kannst, warum dein Kind seine Launen so nach außen kehren muss. Eltern von Kindern, die ihren Willen dadurch durchsetzen wollen, dass sie Dinge, von denen sie ganz genau wissen, dass sie diese nicht dürfen, nun machen, nur um auf ein Verbot hin einen Wutanfall zu bekommen, haben in der Regel sehr schnell die Nase voll. Streit, sowohl mit dem Partner als auch mit dem Kind, ist hierbei quasi vorprogrammiert. Den meisten Ärger bereiten natürlich die Wutanfälle, die du von deinem Kind womöglich noch gar nicht gewohnt bist. Auch beim Stillen kommt es immer wieder zu Ärger, da dein Kind in der Regel mehr nuckeln, aber weniger essen möchte und die Brust quasi nur als zusätzliche Kuschelzeit benutzt wird und nicht, um zu essen.
Auch hier ist es vollkommen normal, dass man über das Abstillen nachdenkt, da man häufig auch durch das nun wieder vermehrte nächtliche Stillen müde und schlapp ist und die Nerven meist recht schnell blank liegen. Auch kann es passieren, du gerade keine Zeit oder Lust hast, wenn dein Kind mal wieder an die Brust möchte. Dies kann ebenfalls einen Wutanfall auslösen. Kein Wunder also, dass sich der Gedanke über das Abstillen bei den meisten Müttern genau in dieser Phase einschleicht.

Was hat sich verändert?

Mit etwa 55 Wochen ist es dann endlich soweit und du entdeckst, dass dein Kind plötzlich weniger schwierig ist und neue Dinge tut oder auszuprobieren versucht. Besonders auffällig hierbei ist es, dass sich dein Kind deutlich erwachsener benimmt, vollkommen egal, ob es um Menschen, Spielsachen oder sonstige Dinge im Haushalt geht.
Bisher kannte dein Kind nur Reihenfolgen, also ganz festgelegte Abfolgen von bestimmten Dingen, die immer in der richtigen Reihenfolge ausgeführt wurden und dann zu einem bestimmten Ergebnis führten. Jetzt ist ein Kind in der Lage zu erkennen, dass ein Programm zwar ein fest vorgegebenes Resultat hat, aber der Weg dorthin, also um genau zu sein, der zeitliche Ablauf der Tätigkeiten, nicht unbedingt festgelegt ist. Es erkennt, dass es manchmal mehrere Wege gibt, um an das gleiche Ziel zu gelangen.

Vollkommen selbstverständlich und natürlich eröffnet dies für dein Kind neue Möglichkeiten und du wirst beobachten können, dass es diese verschiedenen Wege und unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten ausführlich ausprobieren wird. Was grundsätzlich auf den ersten Blick einmal sehr gut klingt, ist in der Praxis leider sehr frustrierend für dein Baby, denn es kann ja noch nicht wirklich erklären, was es vorhat und so verstehen die meisten Eltern die Versuche ihres Kindes falsch und reagieren für das Baby quasi immer falsch. Das Baby nimmt dieses darauf hin natürlich deutlich frustriert auf, da sich sein ursprünglich gefasster Plan nicht umsetzen oder nicht so umsetzen lässt, wie es dies gern gewollt hat. Das Prinzip des Abwartens versteht ein Baby in diesem Alter übrigens noch überhaupt nicht. Das ganze Konzept von "auf etwas warten" ist einem Kind mit knapp 13 Monaten absolut fremd. Kein Wunder also, dass es frustriert und gegebenenfalls sogar mit einem Wutanfall reagiert, wenn etwas nicht schnell genug geht oder etwas anders oder langsamer läuft, als sich das Baby das vorgestellt hat.
Um den zwölften Monat herum zeigen die Hirnstromkurven deines Kindes übrigens wieder deutliche Veränderungen und erneut nimmt der Kopfumfang drastisch zu und der Glukosestoffwechsel im Gehirn deines Kindes wird sich ebenfalls noch einmal nennenswert verändern.

Zwischenzeit

Mit spätestens 59 Wochen solltest du diese schwierige Phase endlich hinter dir haben. Ab diesem Zeitpunkt werden die meisten Babys wieder deutlich pflegeleichter und du kannst damit rechnen, dass sie nun auch beginnen, ihre Redekünste auszuweiten. Darüber hinaus stellt sich eine unglaubliche Hilfsbereitschaft bei den meisten Kindern ein, die dann glücklich sind, wenn sie im Haushalt mithelfen dürfen. Die Anzahl der Wutanfälle sollte nun wieder zurückgehen und dein Kind sollte seltener versuchen, seinen Willen durchzusetzen. Kurz: Es ist endlich soweit, dass dein Kind wieder deutlich selbstständiger und vor allem deutlich gelassener und fröhlicher auf seine Umwelt reagiert und das Zusammenleben mit deinem Kind wieder harmonischer wird.
[KaKra]

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