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Busenpanzer blockiert Waschmaschine

Ist die Waschmaschine blockiert?
Ist die Waschmaschine blockiert?

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AutoreninfoSylvia Koppermann
aktualisiert: 21.10.2019Mehrfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Als Frau hat man es nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn es gilt, etwas üppigere Oberweite unter Kontrolle zu bringen.

Es ist ja, unter Umständen, auch unangenehm für die großzügiger ausgestattete Dame, lungern die freigelassenen Brüste unter der Bluse herum, wo sie beim Laufen, erfreut den Takt klatschen oder versuchen, neugierige Blicke unter dem Oberteil hervor zu erhaschen.

Eine lange Entwicklungsgeschichte

Nun verdanken wir Mädels einer langen Entwicklungsgeschichte, heute in den Genuss einer schier unermesslichen Auswahl an Büstenhaltern zu kommen.

Gut, befasst man sich einmal mit der Geschichte dieser Entwicklung und stößt dabei auch auf die Patentvergabe zu einem Büstenhalter, aus dem Jahr 1893, kommt man nicht umhin sich zu fragen, warum dieses Patent von einem Mann angemeldet wurde.

Nicht, dass man glauben könnte, es habe möglicherweise Eigennützigkeit dahinter gesteckt!

Machen wir uns nichts vor, bewusst ist uns allen dass eben unsere Brüste, auch zum Aushängeschild – ein tolles Wortspiel, in diesem Zusammenhang! - für unseren Lebensverlauf und unser Alter werden.

Eben aus diesem Grund schätzte ich besonders BHs, in die Bügel aus Metall integriert sind. Nur, ganz besonders diese Bügel, scheinen wahre Abenteurer, Entdecker und Pioniere zu sein, auf der Suche, neue Gefilde zu erobern.

Bevorzugt die Waschmaschine.

Unzählige Male zog ich frisch gewaschene Büstenhalter aus der Waschtrommel, aus denen vorwitzig die Bügel lugten und dem Wäschestück ein verwegenes Aussehen verliehen. Manchmal schienen sich die Bügel auch komplett aus dem Staub gemacht zu haben, denn sie blieben unauffindbar.

Ein Mysterium!

Bis zu dem Tag, an dem ein geräuschvolles Kratzen meldete, die Waschtrommel könnte ein Problem haben.

Mit Taschenlampe bewaffnet, kniete ich mich vor sie, steckte den Kopf durchs Bullauge und inspizierte, wie ein Sicherheitsbeauftragter, ob ich die Ursache ausmachen und beheben könnte, erreichte aber nichts weiter, als befremdliche Blicke, an mir vorbei gehender Familienmitglieder.

Es half nichts, da mussten Fachleute ran!

Diese bestelle ich mir beim familiären Mittagessen, in Form meines Heimwerkerkönigs Joe und seinem getreuen Gehilfen Till. Beide schmunzeln.

Ein kratzendes Geräusch in der Waschmaschine?

Fast zu profan, um diesen gestandenen Männern zur Herausforderung zu werden, aber, da sie Weib und Mutter nicht zu verärgern gedenken, würden sie sich der Sache annehmen. Ein paar Minuten, wird offiziell als geschätzte Reparaturzeit angegeben und so ziehen sie, nach der Sättigung, mit dem Werkzeugkoffer bewaffnet, in die Waschküche. Etwa eine halbe Stunde später, ruft mich der Experte zu sich, um mir mit ernstem Blick zu versichern, dass meine Schilderungen das Problem möglicherweise beschönigt hätten. Ob ich mir bewusst sei, dass da ein zu erahnender BH-Bügel drohe, die gesamte Waschtrommel zu blockieren? Nur eine sofortige Notoperation brächte überhaupt eine Chance, den Patienten noch zu retten. Der Eingriff sei kompliziert, nicht ohne Tücken, aber man bemühe sich, unter Aufbietung allen Wissens, dem Verletzten zu helfen. Etwa vierhundert Schrauben später steht die Waschmaschine, der man fast sämtliche Verkleidungsstücke vom Leib gerissen hatte, weitestgehend nackt in der Waschküche und sagt schamvoll kein einziges Wort.

Die scharfe Analyse meiner Heimwerker bringt bereits die Erkenntnis, dass der BH-Bügel sich zwischen Schlauch und Trommel verkantet. Ein kniffliges Unterfangen, überhaupt erst einmal bis dort hin vorzudringen. Also ziehe ich mich zurück, denn bekannt ist allgemein ja auch, dass Handwerker sich ungern von rede bedürftigen Hausfrauen aus der Konzentration bringen lassen. Eine weitere Stunde sitze ich also oben und zittere um das Überleben der Waschmaschine.

Wütendes Stampfen auf der Treppe, kündigt meinen Mann an. Mit in die Hüften gestemmten Fäusten, funkelt er mich an.
„Sag Du noch einmal, ich hätte einen Sammeltick! Das sieht da drin aus, als hätte ein Eichhörnchen Vorräte angelegt, falls die Oberweite einmal anschwillt. Zwei Bügel haben wir schon raus, aber ein dritter steckt mindestens noch drin und will sich partout nicht packen lassen.“

So viele Bügel fehlten mir schon?

Das war meiner Aufmerksamkeit glatt entgangen!

Joe schimpft weiter vor sich hin, als dienen die BH-Bügel nur dem Zweck, Männer zu beschäftigen, die Haushaltsgeräte in der Freizeit zu retten hätten, wenn sie eigentlich lieber die Füße aufs Sofa legen würden. Auf dem ganzen Weg in die Waschküche, höre ich mir das Schimpfen an, bis es mir reicht und ich ihn darauf aufmerksam mache, dass wir Frauen BHs ja auch tragen, damit Männer etwas fürs Auge haben.

Meinen Sohn, den unfreiwilligen Zeugen der Diskussion, bemerke ich erst, als eine verzweifelte Stimme, hinter der Waschmaschine, jammert: „Hallo, hier sind Kinder anwesend! Was für Scharfmacher Ihr tragt, will ich gar nicht wissen. Demütigend genug, dass ich hier nach BH-Bügeln grabe. Denkt auch mal einer von Euch darüber nach, wie meine kindliche Seele so etwas verkraftet?“

An Till hatte ich nun fast gar nicht mehr gedacht und so beuge ich mich, teils erschrocken, teils amüsiert, über die entblößte Waschmaschine, um auf meinen Sohn zu schauen, der, auf dem Rücken liegend, den Arm tief in der Waschmaschine hat, blind umher tastet und ein wenig an einen Tierarzt erinnert, der eine Trächtigkeitsuntersuchung an einer Kuh vornimmt. Dabei nuschelt er unaufhörlich vor sich hin, wie froh er doch ist, dass niemand aus seiner Schule ihn sieht oder gar davon weiß, er müsse seine Nachmittage damit verbringen, Teile der Büstenhalter seiner Mutter zu suchen. Mein Mann und ich grinsen. Auch Joe beugt sich wieder weit über den Patienten und mir sitzt der Schalk im Nacken, der sich von einer kleinen Empörung füttern lässt, denn ganz sicher möchte ich mir nicht nachsagen lassen, Schuld an dem Debakel zu tragen, als hätte ich die Waschmaschine absichtlich außer Gefecht gesetzt. „Ich hätte da eine tolle Idee: Warum schmeißt Ihr nicht zusammen und spendiert mir eine Brustverkleinerung? Dann bräuchte ich keine BHs mehr tragen und würde auch die Waschmaschine nicht mehr gefährden. Langfristig bestimmt auch eine gute Rechnung. Zukünftig keine Kosten mehr für Neuanschaffungen der Wäsche, keine Reparaturkosten der Waschmaschine und wenn keine BHs mehr da sind, brauchen auch keine mehr gewaschen werden.“

Während von hinter der Waschmaschine ein interessiert wirkendes Stimmchen fragt, was denn die Brustverkleinerung koste, scheppert es im Inneren der Waschtrommel, in die Joe seinen Kopf gesteckt hat, den er sich, als Reaktion auf meinen Vorschlag, spontan anschlägt. Als hätte er sich verfangen, braucht er einen Moment, um sich aus der Trommel zu schälen, schnellt herum und starrt mich panisch an.

„Bist Du irre?“ setzt er gerade an, als Till, hinter der Waschmaschine, erneut bittet, auf seine zarte Psyche Rücksicht zu nehmen. Der Blick meines Mannes verfinstert sich. „Klappe da hinten und weiter suchen, sofort!“ bellt er meinen Sohn an. Einen Moment führe ich noch ein etwas lauteres Selbstgespräch, dass wir ja auch ohne Brustverkleinerung auf BHs verzichten könnten, wenn ich einfach meine Hupen in die Hose stecke. Habe ich auch oft den Verdacht, Joe hört mir nicht immer sehr gewissenhaft zu, glaube ich doch, einen aufmerksamen Moment bei ihm erwischt zu haben. Keine zehn Minuten später, liegt der dritte Bügel vor mir auf dem Tisch und mein Mann grinst mich bescheiden an, ich solle ihm sein Geschimpfe doch nicht übel nehmen. Selbstverständlich wüsste er, welch Opfer ich brächte, um meine Brüste auch noch optisch ansprechend unter Kontrolle zu halten und er repariere gern die Waschmaschine, um mich zu unterstützen.

Na, wer sagt's denn? Geht doch alles, wenn man nur will!

[SyKo]

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Kolumne: Chaosbande

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