8. Woche - Die Welt der Muster

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Jetzt beginnt dein Baby, Dinge in seinem Blickfeld scharf zu stellen
Jetzt beginnt dein Baby, Dinge in seinem Blickfeld scharf zu stellen
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AutoreninfoKatharina Krause
aktualisiert: 03.12.2018Vierfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung
Mit sieben bis neun Wochen ist es endlich soweit: Dein Baby erlernt neue Fertigkeiten. Wenn der Schub geschafft ist, wird es in der Lage sein, einfache Muster zu erkennen. Es entdeckt nun endlich seine Arme und Beine und kann Stunden damit zubringen, diese zu erforschen. Auch Licht und Schattenspiele erwecken nun seine Aufmerksamkeit.
Das kannst du hier lesen:
  • Erste Anzeichen
  • Probleme
  • Der Schub
  • Zwischenzeit

Alltägliche Dinge werden für dein Kind nun so spannend, dass es kaum noch den Blick davon abwenden kann. Egal ob es sich hierbei um einige Dosen, Kartons oder Klopapierrollen handelt. Auch diverse Geräusche können dein Kind nun stundenlang faszinieren. Meistens handelt es sich bei diesen Dingen um ganz profane Dinge und es fällt nicht selten schwer herauszufinden, was daran nun so spannend für dein Kind ist.
Doch wie bei jedem Sprung bringt dieser nicht nur schöne und vor allem interessante Veränderungen mit sich, sondern er schafft es auch, die Welt des Babys vollkommen auf den Kopf zu stellen, denn es nimmt seine Sinne nun vollkommen anders wahr und somit ist alles neu für dein Kind. Es ist wieder eine Zeit, wo es regelmäßig verwirrt und manchmal auch verängstigt sein kann. Dein Baby braucht einfach Zeit, um die Dinge auf sich wirken zu lassen und alle neuen Eindrücke zu verarbeiten. Dies kann man am besten dort, wo man sich sicher und geborgen fühlt. Bei Mama auf dem Arm zum Beispiel. Diese Phase dauert zwischen wenigen Tagen und zwei Wochen an.

Erste Anzeichen

Das sicherste Anzeichen dafür, dass ein Sprung ansteht, ist das vermehrte Schreien deines Babys. Es wirkt angespannt, unzufrieden und irgendwie vollkommen rastlos. Das Weinen ist derzeit immer noch die deutlichste Art, mit der dein Baby kommunizieren kann. Es hat gelernt, dass sein Weinen immer Aufmerksamkeit erregt und man ihm dann hilft, egal welches Problem es auch hat. Dumm ist hierbei nur, dass du das jetzt auftretende Problem nicht so einfach lösen kannst wie du eine nasse Windel gegen eine frische tauschst oder den Hunger stillst.
Wenn du ein Schreibaby hast, so wird es nun noch deutlich mehr schreien und dich als Mutter oder Vater dabei ziemlich in den Wahnsinn treiben. Das Baby ist in der Regel extrem schwer zu trösten und es kann vorkommen, dass es selbst dann meckert, wenn du es herumträgst. Viele Babys genießen nun ausführlichen Körperkontakt und können davon nicht genug bekommen. Am liebsten sind sie vollkommen von Armen und Beinen umgeben und machen den Eindruck, als würden sie gern in Mama oder Papa "hineinkriechen". Bekommen sie nicht die volle Aufmerksamkeit, werden sie unleidlich und laut. Genauso ist es, wenn man ihnen den Körperkontakt auch nur kurz entzieht.

Probleme

Sorgen sind ganz normal

Es ist völlig normal, dass du dir als Mutter oder Vater Sorgen machst, wenn dein Kind plötzlich mehr schreit und sehr schwierig ist. Wenn du viel Glück hast und ein ruhiges, pflegeleichtes Baby hast, dann wirst du womöglich kaum etwas bemerken. Doch die große Masse der Eltern haben kein einfaches Baby. Ihre Babys schreien öfter und mehr und lassen sich nur noch schwer trösten. Extrem anstrengend ist es, wenn dein Baby zu jenen gehört, die leicht reizbar sind. Diese Babys schreien - auch wenn man das kaum noch für möglich gehalten hat - noch mehr als sonst und strampeln dabei heftig mit Armen und Beinen. In dieser schwierigen Phase ist es nicht selten, dass es zu familieninternen Spannungen kommt.

Natürlich willst du als Mutter oder Vater dahinterkommen, was dein kleiner Schatz denn nun hat. Vielleicht spuken dir auch Fragen durch den Kopf, die dich verunsichern: Habe ich noch genügend Milch? Ist mein kleines Baby vielleicht krank? Stimmt etwas mit dem Bäuchlein nicht? Kann die Windel denn schon wieder nass sein? Habe ich es verwöhnt? Die meisten Eltern kommen irgendwann zu dem Schluss, dass ihr Kind Koliken hat, weil es so unruhig ist. Andere Eltern kommen zu gar keiner Lösung. Es ist nicht unüblich, dass die Eltern irgendwann mit dem Baby gemeinsam weinen oder mit ihm zum Arzt gehen. Auch bei Beratungsstellen kann man Hilfe finden oder sei es nur ein offenes Ohr und jemanden, der einem erklärt, dass es wieder ruhiger wird.

Frust und Ärger sind vorprogrammiert

Bist du verärgert und wütend? Dann geht es dir wie den meisten Eltern in solch einer Phase. Du weißt, dass das Baby gar keinen Grund hat, so ein Theater zu machen und wie eine Klette an dir zu hängen. Wenn du nun der Meinung bist, dein Baby sei verwöhnt und undankbar, dann bist du in guter Gesellschaft, denn diese Gedanken hat wohl jede Mutter mindestens ein Mal in dieser Phase. Am besteb ist es, gar nicht groß darüber nachzudenken, was du falsch gemacht haben könntest, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass du nichts falsch gemacht hast.
Ebenso normal ist es, dass du in dieser Phase müde und erschöpft bist und das Geschrei nicht mehr hören kannst. Auch Freunde und Verwandte sind hierbei nicht unbedingt eine Hilfe, vor allem dann nicht, wenn sie beginnen, das Kind als lästig zu empfinden. Oft hört man auch Ratschläge, dass man nur strenger sein müsse. Doch egal was jemand sagt, Mama kann oft nicht anders, als ihr Baby wieder und wieder zu trösten und das ist auch gut so. Lass dir von niemanden reinreden und höre auf dein Bauchgefühl. Auch diese Phase vergeht irgendwann wieder.

Vorsicht bei Wutanfällen

Kaum eine Mutter wird es zugeben, aber fast alle kommen irgendwann an einen Punkt, wo sie wirklich richtig sauer auf ihr Kind sind. Es wird lauter und genervt mit ihm gesprochen und es wird womöglich auch mal etwas unsanfter abgelegt. Viele Mütter erschrecken dann vor sich selbst. Wichtig ist, wieder ruhig zu werden und sich Entlastung zu suchen. Lass das Kind ruhig schreien und gehe ein paar Minuten in einen anderen Raum, um dich zu beruhigen. Hol dir Hilfe, wenn du merkst, es geht gar nicht mehr.
Auf gar keinen Fall darfst du dein Kind schütteln, auch wenn dir noch so sehr danach sein mag!

Immer wieder Körperkontakt

Es ist normal, dass dein Kind immer bei dir sein möchte und du kannst für dich und dein Baby ruhige Auszeiten schaffen, indem du seinen Wunsch nach mehr Körperkontakt einfach erfüllst. Jedes Kind will in dieser Phase häufiger bei seinen Eltern sein, nur zeigen es einige deutlicher als andere. Auch wenn es nur ein geringer Trost ist: Weinerlich zu sein, ist in dieser Zeit vollkommen normal. Bedenke immer, dass dein Kind in solchen Phasen auch enorme Fortschritte macht.
Rufe dir immer wieder in den Sinn, wie beängstigend die Welt für dein Baby derzeit ist und dass du die einzige Konstante in seinem Leben bist, die ihm Sicherheit geben kann. Stell dir einfach vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du verstört bist und niemand da ist, um dich zu trösten. Babys leiden länger und deutlich stärker unter Anspannung als wir Erwachsenen. Die kindliche Energie fließt vollkommen in diesen Zustand und es fällt ihnen schwer zu erkennen, wo das Problem ist. So geht es übrigens nicht nur dem Baby, sondern auch seinen Eltern in dieser Phase. Das Baby schreit, weil es allein mit den Veränderungen in seiner Umwelt nicht klar kommt. Es wird so lange schreien, bis das Problem gelöst wurde. Dabei wird es all seine Energie verbrauchen. Schwierig hierbei ist nur, dass sich die Umstände, die dein Baby zum Weinen bringen nicht wieder in Luft auflösen. Dein Baby muss lernen, damit umzugehen. Doch solange es schreit, verarbeitet es nicht, was es jetzt wahrnimmt und dieser Umstand zögert die Umstellung unnötig in die Länge.

Bedürfnisse stillen

Meistens fangen Eltern irgendwann an, genau zu beobachten. Sie fragen sich vielleicht, was das Kind hat. Ob es sich vielleicht langweilt oder sie es mit ihrer Fürsorge übertrieben haben. Hierbei fällt ihnen dann meistens auf, dass das Kind etwas Neues kann oder versucht, etwas Neues zu tun. In diesem Entwicklungsschub tritt das Baby das erste Mal in die Welt der "Muster" ein. Hilf ihm dabei, indem du einfach auf seine Bedürfnisse eingehst.

Der Schub

In den ersten Lebenswochen hat dein Baby seine ganze Welt als einen großen Brei wahrgenommen. Es wusste nicht, wo es selbst aufhört und die Welt anfängt. Für das Baby war alles eins. Doch nun beginnt es zu entdecken, dass dieser Brei in bestimmte "Muster" unterteilt ist. Ein lustiges Beispiel: Dein Kind entdeckt erst jetzt, dass es Hände hat. Wenn es realisiert, dass es sie hat, dann beginnt es sie zu erforschen. Es dreht und wendet sie, schaut sie an, kaut auf ihnen herum, untersucht sie und nun, da es erkannt hat, dass es Hände besitzt, will es damit das erste Mal auch etwas greifen. Vorher waren die Hände für dein Kind so etwas wie ein lustiges Spielzeug, das hin und wieder auftauchte und meist schnell wieder weg war, wenn es sich freute und zappelte.
Diese "Muster", die das Baby nun langsam für sich erobert, kann es nicht nur sehen, sondern mit allen Sinnen wahrnehmen. Sie sind plötzlich überall. Innerhalb und außerhalb seines Körpers. Zum ersten Mal nimmt das Baby wirklich bewusst wahr, dass es sich anders anfühlt, wenn es ein Beinchen in die Luft streckt, als wenn es dasselbe Bein einfach hängen oder liegen lässt. Gleichzeitig zu den Mustern nimmt es auch seinen eigenen Körper im Ganzen besser wahr. Es kann nun den Kopf halten, den Rumpf, Arme und Beine bewegen und schneidet nun sogar Grimassen. Auch gelingt es ihm nun immer besser, seine Stimmbänder zu benutzen und seine Augen auf etwas scharf zu stellen.

Im Zuge dieser Entwicklungen legt es jetzt auch Reflexe ab, die es von Geburt an hatte. Diese werden nun durch Bewegungen ersetzt, die bewusster sind. Das Baby kann jetzt zum Beispiel lernen, die Hand bewusst um ein Spielzeug zu schließen. Es lernt, in einer gezielten Bewegung an die Brust zu gehen, statt durch viele Bewegungen einfach darauf zu warten, dass es zufällig auf die Brustwarze stößt. Es verliert quasi langsam die Abhängigkeit von seinen Reflexen. Dies gilt allerdings nur solange, wie es nicht in einen Alarmzustand verfällt. Hat es zum Beispiel Hunger und die frühen Hungerzeichen wurden verpasst, verfällt es wieder in ein reflexgesteuertes Verhalten.
Bewusstere Bewegungen meint übrigens nicht Bewegungen wie ein Erwachsener. Es ist normal, dass die Bewegungen des Babys noch ziemlich steif und hölzern wirken. Es ruckt sozusagen von einer Haltung in die nächste. Dies wird auch noch bis zum nächsten Sprung so bleiben.

Lesetipp: Mehr zum Thema motorische Entwicklung kannst du in unserem Beitrag Die motorische Entwicklung des Kindes von 0 bis 24 Monaten.

Zwischenzeit

Um die zehnte Woche herum ist diese Hürde überwunden und es kehrt eine ruhigere Phase ein. Dann können Eltern die Sorgen vergessen und ihr Baby wieder vollkommen genießen. Vermutlich wird dir sehr schnell auffallen, dass dein Schatz selbstständiger geworden ist. Es verlangt nun nicht mehr Tag und Nacht deine Aufmerksamkeit. Menschen, Tiere und alles, was es sonst sieht, erregen seine Aufmerksamkeit. Auch wollen die meisten Kinder nun nicht mehr den ganzen Tag auf dem Schoß liegen. In der Regel wird es von jetzt an deutlich leichter für alle Beteiligten und auch die Eltern können erst einmal aufatmen. Zumindest bis zum nächsten Entwicklungssprung, der sich mit etwa zwölf Wochen ankündigt.
[KaKra]

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