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4. Wachstumsschub

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Ein Spielzeug in greifbarer Nähe motiviert
Ein Spielzeug in greifbarer Nähe motiviert

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AutoreninfoKatharina Krause
aktualisiert: 27.07.2021Vierfache Mutter und Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung

4. Wachstumsschub: Die Welt der Ereignisse

Zwischen der 18. und 20. Lebenswoche wird es wieder spannend. Vermutlich bemerkst du schnell, dass dein Kind plötzlich Dinge macht, die es vorher noch nie versucht hat.

Um ganz genau zu sein, wird das Baby ab jetzt mit "Ereignissen" spielen lernen. Was das im Einzelnen heißt, wirst du im Folgenden erfahren.

Das kannst du hier lesen:
  • Erste Anzeichen für den 4. Wachstumsschub
  • Probleme
  • Was hat sich verändert?
  • Zwischenzeit

Erste Anzeichen für den 4. Wachstumsschub


Schon in der 14. bis 17. Lebenswoche deines Kindes wirst du die frühen Anzeichen des nun vierten Entwicklungsschubs bemerken können. Wer aufmerksam ist, kann beobachten, dass sich Babys nun deutlich angespannter fühlen und damit signalisieren, dass etwas Neues kommt. Du kannst diese "Aufbruchsstimmung" in der Regel bemerken, bevor du sie an etwas Konkretem festmachen kannst. Diese Phase wird mit fast eineinhalb Monaten recht lange dauern und kürzere Zeitfenster sind eher eine Ausnahme, als die Regel.

Alle Babys, egal ob pflegeleichtere oder ganz anstrengende, werden in dieser Phase mehr als sonst schreien. Sie brüllen eher, länger und zumeist auch lauter als normal und zeigen so auf teilweise sehr eindrucksvolle Weise, dass sie bei Mama bleiben wollen. Gibst du diesem Wunsch nach Nähe und Geborgenheit nach, wirst du feststellen können, dass dein Kind wieder ruhiger wird. Gleichzeitig verlangt es nun aber auch deine ganze Aufmerksamkeit und viele Kinder kommen nicht mehr damit klar, dass du dich nebenher noch mit etwas anderem beschäftigst. In diesem Fall wirst du recht schnell feststellen können, dass dein Kind deutlich launischer reagiert, auch wenn es auf dem Arm ist.

Das Kind entdeckt Ereignisse

Ereignisse sind für uns Erwachsenen vollkommen normal, doch für dein Kind können sie gerade am Anfang unglaublich erschreckend sein. Du kannst aber beruhigt sein: Die Dinge, die dein Kind womöglich im Moment kurzfristig in Angst und Schrecken versetzen, werden es in einigen Tagen oder Wochen total faszinieren. Dein Kind wird nun erst einmal lernen müssen, dass ein Flummi wieder hoch- und runterspringt, wenn man ihn fallen lässt und das so lange macht, bis er schließlich liegen bleibt. Wir wissen bei den meisten Dingen, was als nächstes passieren wird. Dein Baby hingegen weiß dies nicht und somit ist jedes Ereignis, jede Reaktion, die auf eine Aktion, folgt ein wahres Wunder und sehr interessant.

Probleme

Es ist mal wieder eine von diesen schwierigen Phasen, in denen es nicht unüblich ist, wenn du dich müde und erschöpft fühlst. Nicht nur für dein Kind ist diese Schubphase anstrengend, sondern auch für dich. Wenn du über Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, Übelkeit und eine seelische Überempfindlichkeit klagst, dann bist du in guter Gesellschaft, denn das geht vielen Eltern in diesem Altersabschnitt so. Einige Eltern haben alles auf einmal, andere haben womöglich nur Teile davon, aber allen gemein ist in der Regel, dass sie froh sind, wenn die schwierige Phase endlich hinter ihnen liegt. Der Schlafmangel, die körperliche Belastung durch das Tragen des Kindes und die seelische Belastung durch das andauernde Schreien sind nicht zu unterschätzen und sollten auch nicht klein geredet werden.

Einige Eltern zerbrechen sich regelrecht den Kopf darüber, was ihr kleiner Schatz wohl hat und machen sich so doppelt verrückt. Tu dir selbst einen Gefallen und versuche, ruhig zu bleiben. Natürlich ist die Phase sehr anstrengend und das Unwohlsein nicht so leicht in den Griff zu bekommen, doch es wird einfacher, wenn du dich darauf einlässt und vorrangig Mutter oder Vater in dieser Zeit bist und dich viel mit deinem Baby beschäftigst. Du kannst auch zu einem Arzt gehen, doch endet dies meist damit, dass man dir ein Eisenpräparat und ein Rezept für einen Physiotherapeutenbesuch verschreibt, um die Rückenbeschwerden in den Griff zu bekommen. Sonst kann ein Arzt weder für dich noch für dein Kind viel tun, außer dir ebenfalls zu raten, dich darauf einzulassen.

Wenn du dich innerhalb dieser Phase nun irgendwie gefangen und eingeschlossen fühlst, so ist auch dies nicht weiter verwunderlich. Vielleicht glaubst du sogar daran, dass dein Kind mit voller Absicht versucht, dich zur Weißglut zu treiben und das alles nur macht um dich zu ärgern. In dieser Situation ist es verständlich, dass du dir manchmal wünschtest, dass dein Baby irgendwo ganz weit weg wäre und du somit der Habgier deines Kindes mal für einige Zeit entfliehen könntest. Plötzlich erscheint dir womöglich ein ruhiger, kinderfreier Fernsehabend als das erstrebenswerteste Ziel und der Himmel auf Erden. Versuche, es gelassen zu nehmen und immer daran zu denken, dass auch diese Phase nicht ewig anhalten wird.

In dieser turbulenten und anstrengenden Zeit lassen viele Eltern ihre Kinder das erste Mal länger schreien als bisher. Auch muss man sich als Eltern in dieser Phase immer wieder mit den Vorwürfen auseinandersetzen, dass man sein Kind zu sehr verwöhnen würde, wenn man zu oft und zu deutlich auf seine Launen eingehe. Das ist vollkommener Unsinn, denn dein Kind schreit, weil es Angst hat und sich überfordert fühlt und Hilfe sucht, nicht weil es seinen Kopf durchsetzen will. Viele Eltern müssen in dieser Phase aber auch mit Aggressionen kämpfen, denn das andauernde Quengeln und Kreischen zerrt bei allen Beteiligten an den Nerven. Kritisch wird es allerdings dann, wenn du deinen aggressiven Impulsen nachgibst. Solltest du das Gefühl haben, dass dies passiert, solltest du frühzeitig eine Beratungsstelle aufsuchen. Dies sollte immer dann gemacht werden, wenn du den Eindruck hast, dass du mit der Situation allein nicht mehr klar kommst. Auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen darfst du dein Baby schütteln! Damit kannst du dein Kind schwer verletzten und einige Babys sind an einem solchen Umgang schon gestorben! Wenn du merkst, dass gar nichts mehr geht, lege das Baby in sein Bettchen, lass es schreien und ziehe dich zurück, bis du dich beruhigt hast. Bitte Verwandte und Freunde darum, dir das Kind für ein paar Minuten oder wenige Stunden abzunehmen.

Was hat sich verändert?

Um den vierten Monat herum zeigen sich drastische Veränderungen der Hirnstromkurven deines Babys. Der Kopfumfang nimmt zwischen der 15. und 18. Lebenswoche rasant zu. Erst hat dein Kind Muster wahrgenommen, dann den Übergang zwischen den verschiedenen Mustern und nun ist es im Bereich der Ereignisse angekommen. Während es die Übergänge gemeistert hat und diese nun auch mit Augen, Armen und Beinen selbst erzeugen konnte, war nach einem fließenden Übergang immer erst einmal Schluss und dein Baby musste innehalten und einen neuen Übergang starten. Mehr war ihm zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht möglich. Erst mit etwa 19 Wochen ist dein Baby nun in der Lage, Ereignisse als solche wahrzunehmen und auch selbst zu erschaffen. Dies bedeutet, dass es eine kurze Abfolge von fließenden Übergängen sehen, hören, schmecken, fühlen und auch selber machen kann. Diese für uns triviale Fähigkeit wirkt sich aber nun auf alles aus, was das Baby tut und wahrnehmen kann und das bedeutet, für dein Baby ist die Welt wieder einmal eine vollkommen andere, als sie das bis eben noch gewesen war.

Konkret heißt dies, dass dein Baby nun in der Lage ist, mehrere fließende Bewegungen aneinanderzuhängen und damit zu arbeiten. Es kann also zum Beispiel etwas greifen und mit diesem Gegriffenen dann direkt weiterarbeiten. Es ist der erste Schritt, dass nun alles, was in seine Nähe kommt und das dein Kind auch greifen kann, nun ausgiebig untersucht werden kann. Dein Baby kann dieselbe fließende Bewegung nun mehrfach wiederholen und sie sogar leicht variieren. Du wirst zum Beispiel feststellen können, dass dein Baby nun sein Spielzeug sowohl von oben nach unten als auch von rechts nach links schütteln kann. Auch wirst du nun häufiger erleben, dass dein Kind immer wieder auf etwas schlägt, drückt oder hämmert. Zum ersten Mal kann es nun eine fließende Bewegung in eine andere übergehen lassen und beispielsweise ein Spielzeug von einer Hand in die andere nehmen. Spielsachen können nun gedreht und gewendet werden. Besondere Vorsicht ist geboten, da dein Kind ab diesem Zeitpunkt nun auch in der Lage ist, etwas, das es gegriffen hat, direkt in seinen Mund zu stecken.

Sehr schön zu beobachten ist, dass dein Baby nun auch seine Bewegungen an die Stelle anpassen kann, an der das Spielzeug liegt. Es lernt, wie es eine fließende Bewegung in eine andere übergehen lassen kann und diese sogar zu korrigieren, während es sich schon bewegt. Liegt ein Spielzeug zum Beispiel ein Stück weiter rechts als es dachte, so kann es den Arm fließend ein wenig nach rechts führen. Dies kannst du auch beobachten, wenn das Objekt weiter weg oder näher liegt, höher oder niedriger hängt. Dein Baby sieht den Gegenstand also an, greift danach, holt ihn zu sich heran und dies alles in einer einzigen fließenden Bewegung. Jetzt kann das Baby richtig greifen und zufassen. Solange ein Gegenstand nun also in Reichweite ist, kann das Baby ihn auch erreichen und wird nach diesem in der Regel auch angeln.

Doch nicht nur Gegenstände lassen sich in fließenden Übergängen heranholen und untersuchen. Sein ganzer Körper bietet nun eine Vielzahl an fließenden Übergängen. Arme und Beine lassen sich bewegen und dein Kind erkennt, dass es sich womöglich sogar schon drehen kann. Es kann Bewegungen korrigieren und an die Situation anpassen. Nicht selten haben die Kinder nun auch bald heraus, wie sie sich um die eigene Achse drehen können und schon bald wird dein Kind erkennen, wie es das Bein anzieht und wieder durchstreckt und sich somit vorwärts oder auch rückwärts schiebt, denn einigen Kindern fällt es einfacher, sich mit den Armen einfach rückwärts als vorwärts zu schieben.

Auch in der stimmlichen Entwicklung machen sich die fließenden Übergänge nun bemerkbar. Nicht nur sein Körper ist hierdurch beweglicher geworden, auch seine Stimme ist nun deutlich flexibler und lässt mehr Variationen zu. Das Geplapper, mit dem es schon im vorherigen Entwicklungsschub begonnen hat, wird nun deutlich erweitert. Vokale und Konsonanten wechseln sich ab und aus all diesen Lauten werden nun quasi ganze Sätze. Viele Kinder können jetzt lange alles um sich herum kommentieren und sind dabei von ihrer eigenen Stimme so fasziniert, dass sie gar nicht genug davon bekommen können, diese zu hören. Egal woher ein Baby kommt und welche Sprache es hört, in diesem Alter hören sich die Aneinanderreihungen gleich an. Chinesische, französische, russische und deutsche Babys hören sich in den Lautfolgen, die sie in diesem Alter von sich geben alle gleich an. In der weiteren Entwicklung wird das chinesische Baby aus diesem Gebrabbel nun richtige chinesische Worte herausarbeiten und hierbei die französischen, russischen oder deutschen Brabbelworte vergessen. Jedes Baby imitiert die Laute, die in seiner Umgebung gesprochen werden. Ein Grund hierfür ist sicher auch, dass das Baby die meiste Aufmerksamkeit und den größten Lob erfährt, wenn es etwas brabbelt, das in das landeseigene Repertoire passt. Dies sollte für dich nun aber auch ein guter Anreiz sein, viel mit deinem Baby zu sprechen.

Interessant ist, dass in vielen Sprachen unserer Welt die Worte für Mama und Papa gleich klingen. Offensichtlich fühlen sich die meisten Mütter und Väter auf die ein oder andere Art und Weise angesprochen, wenn das Baby Dinge wie "mummum" oder "baba" sagt. Rein technisch gesehen muss man aber sagen, dass Babys nur mit diesen Lauten experimentieren und dabei irgendwann aus diesen Grundversionen das erste richtige Mama oder Papa wird und es in diesem Alter noch keinen echten Zusammenhang zwischen den Lauten und den späteren Worten gibt. Darüber hinaus kann dein Baby jetzt sogar schon erste kurze Abfolgen in Lauten erkennen und darauf reagieren, wie eine Stimme klingt. Es ist fasziniert von der Abfolge ansteigender und abschwellender Geräusche und es kann sogar unterscheiden, ob eine Stimme wohlwollend klingt und es erschrickt vor einer Stimme, die etwas verbietet.

Die Sprache, in der gesprochen wird, tut nichts weiter zur Sache. Das Baby erkennt den Sinn des Gesagten daran, dass es die Unterschiede in der aufsteigenden oder abfallenden Satzmelodie und Tonhöhe heraushört. Darüber hinaus kann dein Baby nun auch schon die ersten Wörter erkennen und eine Stimme inmitten eines Stimmengewirrs heraushören und wiedererkennen. Doch das ist noch lange nicht alles. Ab einem Alter von etwa 19 Wochen ist dein Baby in der Lage zu erkennen, wenn ein Lied vorzeitig beendet wird und das selbst dann, wenn es das Stück vorher noch nie gehört hat. Wenn du das nicht glaubst, kannst du das einfach mal ausprobieren: Mache ein Kinderlied an, welches du deinem Kind noch nicht vorgespielt hast, dann beende es vorzeitig irgendwann und schaue, wie dein Kind auf das Beenden reagiert.

Dein Baby wird sich nun extrem für alles interessieren, was sich bewegt und bei dem es Änderungen in der Bewegung gibt. Das Auf und Ab eines hüpfenden Balls kann dein Kind in wahre Begeisterungsstürme versetzen. Allgemein wirst du feststellen können, dass vieles, was für dich alltäglich ist, für dein Kind unglaublich spannend erscheint. Dein Baby wird dir stundenlang dabei zusehen können, wie du in einem Topf rührst, Nägel einschlägst, Schrauben herausdrehst, dir die Haare bürstest oder einfach nur ein Brot schneidest oder schmierst. Interessant ist, dass wir eine Abfolge immer als Ganzes wahrnehmen. Wir sehen zum Beispiel den Ball in der Luft, am Boden und dann wieder in der Luft und dadurch direkt den springenden Ball. Diese Abfolge wird von uns als zusammengehörig empfunden. Für dein Baby war dies bis zur 19. Woche nicht möglich. Doch nun erhält es die Möglichkeit, bestimmte Abfolgen als Ereignisse zu erkennen und das verändert seine ganze Sicht auf die Welt.

Zwischenzeit

Zwischen der 20. und 22. Lebenswoche wird alles wieder einfacher. Nun ist Zeit, durchzuatmen und seine Reserven wieder aufzufüllen. Dein Baby wird wieder fröhlicher und verwandelt sich in ein kleines Energiebündel. Du bist nun nicht mehr das einzig interessante Spielzeug deines Kindes und es wird seine Umgebung jetzt bewusst erforschen. Es ist ganz definitiv ein wenig selbstständiger geworden. Wenn dein Kind ein Schreibaby war, dann sollte es nun deutlich fröhlicher und leiser werden. Genieße die Ruhe, denn mit 26. Wochen steht der nächste Entwicklungsschub vor der Tür.

Wie du deinem Kind in der Zwischenzeit helfen kannst, erfährst du im Artikel Wie du deinem Kind mit etwa 4 Monaten helfen kannst.

[KaKra]

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