Haben Väter von heute den Vatertag mehr verdient?

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Ein Vater kümmert sich um die Kinder.
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Ein Vater kümmert sich um die Kinder.

Vergleicht man die Rolle des Vaters in der heutigen Zeit mit der scheinbaren Distanz, die Väter vor wenigen Jahrzehnten noch zu ihren Kindern hatten, kommt man schnell in Versuchung, den Menschen Recht zu geben, die sagen, dass der Vater von heute den Vatertag weit mehr verdient hat. Wir glauben oft, dass der herzlichste und innigste Moment zwischen einem Vater und seinem Kind vor 100 Jahren die Zeugung war. Liest man zeitgenössische Überlieferungen, wird man kaum einen Bericht finden, in dem von Vätern erzählt wird, die nachts aufstanden, um ihr Baby zu füttern oder Windeln wechselten. Bedeutet das, dass der Vater von früher keine wirkliche Bindung zu seinen Kindern hatte? Heute nehmen Väter an der Schwangerschaftsvorsorge teil, lernen wickeln, füttern, das Baby zu baden und wissen auch über die wichtigsten Entwicklungsschritte Bescheid. Nicht selten nehmen Väter Elternzeit, um einige Monate ganz und gar für ihre Kinder da sein zu können. Noch vor 50 Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen und sicher kennen viele Eltern die erstaunten Blicke ihrer Großeltern, wenn Papa das Baby zum Wickeln ins Kinderzimmer trägt. Viele rufen dann kopfschüttelnd hinterher: „Zu unserer Zeit hätte es so etwas nicht gegeben!“ Kann man nun pauschal den Stab über die Väter früherer Generationen brechen oder müssen wir dazu ein wenig mehr ihre Lebenssituationen von damals kennen?

Schauen wir uns um, in welch einem technischen Wohlstand wir leben. Für beinahe alle uns lästige Arbeiten gibt es Maschinen oder anderes Gerät, die uns den Alltag versüßen. Ist uns kalt, stellen wir die Heizung an. Dazu mussten Väter früher erst einmal Holz schneiden und hacken, es lagern, trocknen, umschichten, ins Haus holen und dort dann auf das Feuer achten. Eine Arbeitsschicht mit einem Lohn, der im Vergleich zu heutigen Zahlungen lächerlich scheint, dauerte nicht durchschnittlich 7,5 Stunden, sondern oft 12 bis 14 Stunden. Dazu kamen meist lange, beschwerliche Arbeitswege, denn auch im Zeitalter der Automobile konnte sich nur die obere Gesellschaftsschicht auch einen PKW leisten. Zu Hause angekommen wurden die 'Männerarbeiten' des Haushaltes verrichtet. Dazu zählten neben dem Holzmachen, Reparaturen und viele verschiedene Arbeitsgänge, die uns heute kaum noch in den Sinn kämen. Wir greifen lieber zum Telefon und rufen einen Spezialisten, um Reparaturen in Haus und Garten zu erledigen.

So hart das Leben einer Mutter vor 100 Jahren war, hatte ein Mann und Familienvater auch kein Leben im Müßiggang. Beide Eltern waren in der Mühle des Alltags, in einem täglichen Kampf, die Familie ernähren zu können, gefangen. Es blieb nicht viel Raum, ausgiebig mit den Kindern zu spielen. Das war, wenn überhaupt, nur an freien Tagen möglich und auch da ist zu bedenken, dass der Mann vor 100 Jahren meist eine 6-Tage-Woche hatte. Familienväter wuchsen in die Rolle des distanzierten Familienoberhauptes also nicht hinein, weil sie es wollten, sondern weil ihnen meist keine andere Wahl blieb. Viele Groß- und Urgroßväter, die zu ihrer Zeit als Paradebeispiele für einen Vater galten, der alle Belange um Kinder und Haushalt seiner Frau überließ, sagen heute, dass sie die Väter von heute beneiden. Und nicht selten kommen Aussagen wie „Ich hätte auch gerne mehr davon mitbekommen, wie meine Kinder groß werden.“

Man kann also nicht sagen, dass die heutigen Väter den Vatertag mehr verdient haben als jene von früher. Beide tun und taten das ihnen Mögliche, um die Kinder so gut es geht großzuziehen. Denn eines ist wohl nach allgemeiner Einschätzung am wichtigsten: Ein guter Vater ist für seine Familie da, wenn es nötig ist.
Und das taten all die Väter aus vergangenen Generationen genauso wie unsere Väter von heute.

[SyKo]

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