Die Amme, ein Berufsstand in der Geschichte

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Amme mit Baby
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Amme mit Baby

Jahrhunderte und Jahrtausende lang waren Ammen oft die einzige Überlebenschance für Babys. Aus Überlieferungen und Geschichten kennen wir alle den Begriff Amme und verbinden damit eine Frau, die an Stelle der leiblichen Mutter ein Kind stillt und nährt. Oft wurden Frauen zu Ammen, die das eigene Kind verloren hatten.

Heute ist die Amme als eigener Berufsstand längst Teil der Vergangenheit, denn kann oder will eine Mutter ihr Kind nicht selbst stillen, bekommt das Baby Ersatznahrung aus der Flasche. Diese Ersatzmilch gibt es allerdings erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts, so dass allein in Europa bis in die 1930er Jahre Ammen einen festen Berufszweig darstellten. So ist beispielsweise belegt, dass die letzte Lohnamme in der Schweiz erst in den 1950er Jahren in den Ruhestand ging. 
Oberflächlich betrachtet mag der Beruf Amme mit einem Hauch Romantik verbunden sein. Doch betrachtet man die historische Entwicklung, stellt man schnell fest, dass Romantik damit absolut nichts zu tun hatte. Im Gegenteil, so manch dunkles Geheimnis verbirgt sich im Schicksal der Frauen, deren Milch nicht nur Kinder Anderer nährte, sondern auch für sie selbst zum Broterwerb wurde. Der Begriff Amme stammt eigentlich vom Wort stillen ab, das in skandinavischen Ländern auch amme, amma oder amning heißt. Bereits aus der Antike sind Ammen überliefert. Damals bildeten sie noch keinen eigenen Berufsstand, sondern waren Ernährende von Kindern, deren Mütter selbst nicht stillen konnten oder verstorben waren. 
Vor allem dem Einfluss der Kirche verdankt der Beruf Amme seinen Ursprung. Denn zwar galt der Busen einer Frau als Nährquelle des Kindes, doch war Geschlechtsverkehr für eine Stillende allgemein verpönt. Eine stillende Frau hätte sich damit also ihrem Ehemann verweigern müssen, bis ihr Baby alt genug war, feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Nach Ansicht der Kirche war die sexuelle Verweigerung der Ehefrau eine große Sünde, die unter anderem auch den Ehebruch des Mannes provozierte. Zudem hatte die Frau möglichst viele Kinder zu gebären. Eine Frau, die sich verweigerte, nahm dem Mann aber das Recht auf Nachkommen und daher beschäftigte eine Familie, die es sich leisten konnte, ein Amme. So konnte sich die Ehefrau ihren Pflichten gegenüber dem Mann widmen.

Zunehmend entwickelten sich jedoch noch andere Trends, die als besonders vornehm galten, und ebenfalls auf die Notwendigkeit von Lohnammen Einfluss hatten. Ab dem 17. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhundert galt eine sozial-emotionale Distanz zwischen Eltern und Kinder als besonders vornehm. Disziplinierter Abstand und respektvolle Höflichkeit zu den Eltern waren ein Zeichen für Feudalität. Während eine innigere Mutter-Kind-Beziehung eher zwischen Amme und Kind heranwuchs, blieb die leibliche Mutter möglichst distanziert gegenüber den eigenen Kindern. Diese hatten in der Mutter lediglich eine erhabene Autorität zu sehen.

Wie intensiv diese Wand zwischen Mutter und Kind war, zeigte sich sehr deutlich im Paris des 18. Jahrhunderts. Überwiegend wurden Neugeborene für ein bis zwei Jahre zu Bauersfrauen im Umland gebracht, die die Kinder stillten. Dazu wurden regelmäßig Wagentransporte organisiert, die dutzende von wenige Tage alten Babys einsammelten und aufs Land brachten, wo sie unter den zur Verfügung stehenden Bäuerinnen verteilt wurden. Die leiblichen Eltern besuchten die Kinder nur selten, meist gar nicht. Es war nicht "chic", eine innige Bindung zum eigenen Kind zu haben. Es bestand lediglich Kontakt zwischen Eltern und Amme, die dafür zu sorgen hatte, dass das Kind in der Lebensphase mit der höchsten Kindersterblichkeit, mit dem Nötigsten versorgt wurde.

Eine für uns heute wohl erschreckende Zahl stammt aus dem Jahr 1780. Von 21.000 in Paris geborenen Kindern, die registriert wurden, kamen 17.000 zu Ammen aufs Land. Etwa 2.000 bis 3.000 Kinder wurden als Findel- oder Waisenkinder in Heimen abgegeben. Bei nicht einmal 1.000 Kindern leisteten sich die Eltern eine eigene Hausamme und nur bei einer ganz kleinen Gruppe von Kindern ist davon auszugehen, dass sie von ihren Müttern versorgt wurden. Dies war aber meist armutsbedingt gegeben.

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