Während ihrer Entwicklung lernen Babys und Kleinkinder von sich aus viel über ihre Umwelt. Sie wollen am liebsten alles auf ihre Art und meistens allein entdecken. Das macht ihnen viel mehr Freude, als ständig gelenkt zu werden und bereitet ihnen ein wichtiges Erfolgserlebnis: „Ich habe es geschafft“, oder „Ich bin draufgekommen“. Hier gilt also für das Baby folgendes Motto: "Was man mir gezeigt hat, habe ich nicht selber entdeckt."
Babys brauchen viel Zeit, Eindrücke alleine zu verarbeiten. „Was ist was und wozu ist es da?“ Diese Grundsatzfragen lassen sich viel schwerer beantworten, wenn man dabei von den Eltern immer wieder durch ein neues Spiel unterbrochen wird. Einem Baby, das dauernd beschäftigt wird, fällt es schwerer, sich in Sachen zu vertiefen und sich zu konzentrieren. Es wird später darum oft nach Mama und Papa rufen, wenn es ums Spielen geht.
Zum gemeinsamen Spielen mit dem Baby, sind meistens die Zeitpunkte am Besten geeignet, in denen man sich sowieso dem Baby widmet: beim Wickeln, Baden und Füttern. Es geht dabei nicht nur um die spielerische Zuwendung, sondern man kann vor, nach und während diesen Ereignissen, viel mit dem Kind sprechen, es streicheln, verstecken spielen, seine Liebe zeigen und Anregungen geben.
Es ist also nicht unbedingt notwendig, sich andauernd mit dem Baby zu beschäftigen, es ist aber wichtig, dass man ständig in seiner Nähe ist, bei Bedarf zuverlässig reagiert und die gemeinsame Zeit zusammen intensiv und ohne Ablenkung genießen kann. Dabei hat man reichlich Gelegenheit, die individuellen Eigenschaften des Kindes zu beobachten (Habe ich ein Kind, das sofort nach allem greifen will, oder ist es eher ein Beobachtertyp?) und später die Spielumgebung zum alleine Spielen danach richten zu können.
Es ist aber auch wichtig, dass man nebeneinander Zeit verbringt, so dass jeder seiner „Arbeit“ nachgeht. Die Wachzeiten eines Babys kann man auch als seine „Arbeitszeit“ betrachten, lassen wir es also hin und wieder seine Arbeit selber verrichten. Wenn wir seine Spielecke so einrichten, dass sie in der Nähe von unserem Arbeitsplatz, der Küche oder dem Wohnzimmer ist, dann sieht das Kind, dass wir dort meistens beschäftigt sind.
Dadurch wird es ziemlich schnell lernen, dass auch wir unsere eigenen Dinge zu tun haben. Unsere Nähe, ein Lächeln, hin und wieder eine Frage wie es ihm geht, wird ihm die Sicherheit geben, dass wir trotzdem da sind und auf ihn aufpassen. Das wird ihn ermuntern die Welt selber zu entdecken.
Außerhalb der Babypflege und der Fütterung sollten wir dann mit dem Baby spielen, wenn kurz danach ein anderer Programmpunkt folgt. Beispielsweise wenn das Kind schon zu müde ist, um alleine klarzukommen, aber es noch ein wenig warten muss, bis das Abendessen kommt. Der Sinn dahinter ist, dass das Spielen durch die neue Aktivität ein spontanes Ende nimmt, und wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wie wir die Phase abschließen sollten. Unser Zwerg wird mit dem Spielabschluss auch viel besser klar kommen, dadurch werden für ihn die gemeinsamen Spielzeiten übersichtlicher und besser nachvollziehbar.
Wenn wir ein Baby oder Kleinkind erstmal mit einem gemeinsamen Spiel aufputschen und danach sagen: „So, jetzt spiel aber schön alleine weiter“ können wir nicht erwarten, dass das Kind das versteht. Es wird sich denken „Mama hat soeben mit mir gespielt, jetzt geht sie, was hat das denn zu bedeuten?“. Das darauf folgende Weinen ist in diesem Fall völlig nachvollziehbar.