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Privatsphäre – dürfen Eltern schnüffeln?

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Oft siegt die Neugier und Eltern durchsuchen die Sachen ihrer Kinder.
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AutoreninfoSylvia Koppermann
aktualisiert: 12.02.2014Mehrfache Mutter u. Autorin
Medizin, Gesundheit und Erziehung

Auch Eltern sind neugierig

Als Eltern haben wir nicht nur den Wunsch, sondern auch die Pflicht, unsere Kinder möglichst vor Gefahren zu schützen. Doch gerade in der Pubertät wird dies zu einem Unterfangen, das nicht nur Streit, sondern auch Misstrauen in die Familien bringen kann.

Mit jedem Tag, den unsere Kinder älter und erwachsener werden, spüren wir auch, dass sie sich uns entfremden, wir nicht mehr ihre engsten Vertrauten sind und gepaart mit dem Wissen, dass sich Heranwachsende meist sehr experimentierfreudig zeigen und alles ausprobieren, egal ob erlaubt oder verboten, stehen wir selbst oft hilflos da. Wir sind ratlos, wie wir unsere Kinder vor Schaden bewahren sollen. Doch dürfen Sie spionieren?

Lesetipp: Kinder und Handys. Darauf müssen Eltern achten.

Dürfen Eltern in den Sachen der Kinder schnüffeln?

Natürlich tragen wir Eltern Verantwortung. Begibt sich unser Kind in eine Gefahr, die wir hätten absehen können, behaftet uns auch eine gewisse Mitschuld. Das kann bis in den rechtlichen Haftungsbereich gehen. Aber zumindest, wenn wir auch juristisch schuldlos sind, verurteilen wir uns selbst. Mit den Selbstvorwürfen, vielleicht etwas falsch gemacht zu haben, findet bereits unsere eigene Bestrafung statt.

Schutz oder Kontrolle?

Aber primär wollen wir verhindern, dass unseren Kindern etwas passiert. Wie viele Statistiken zeigen, dass Jugendliche unbedarft in Kreise rutschten oder aus dem Reiz des Verbotenen heraus, Substanzen zu sich nahmen, die ihnen körperlich schaden.

Gerade in der Pubertät verweigern sich die Heranwachsenden meist dem ehrlichen Gespräch mit den Eltern. Wie also sollen wir schützen, wenn das Vertrauen beidseitig gestört ist?

Juristisch gesehen ist es da tatsächlich eine Ermessenssache der Eltern, die Sachen ihrer minderjährigen Kinder zu durchsuchen, um mögliche Indizien zu finden, die darauf hinweisen, dass das Kind sich schadet.

Lesetipp: Extra - Kinder und Computer.

Welche Konsequenzen hat das Durchwühlen der Sachen?

Auf jeden Fall wird das ohnehin schon angeknackste Vertrauen zwischen Eltern und Jugendlichen mit dem Schnüffeln in den Sachen weiteren Schaden nehmen. Unabhängig, ob es einen Grund für das Durchsuchen gibt und ob die Eltern tatsächlich fündig werden oder das Schnüffeln ihnen beweist, sie waren im Unrecht, wird der Jugendliche sich in seiner Privatsphäre gestört fühlen. Vor allem, wenn er tatsächlich unschuldig ist, zeigt ihm das Misstrauen der Eltern, dass sie ihm mehr Schlechtes zutrauen, als er zu tun bereit ist.

Das sollten Eltern immer bedenken. Allein der Wunsch, sein Kind zu beschützen, rechtfertigt nicht, ihm jede Möglichkeit zu nehmen, sich auch in gewissen Grenzen frei zu entwickeln und eine Privatsphäre zu haben. Eltern sollten sich immer vor Augen halten, wo für sie die Grenzen liegen würden, bestehe ihnen gegenüber ein Verdacht, sich heimlich falsch zu verhalten und bis wohin sie eine Kontrolle für sich als gesund empfinden würden.

Informationen bekommen, ohne dass das Vertrauen leidet

Doch wie kontrolliere ich den Jugendlichen, ohne Vertrauen zu verlieren? Dies geht am besten, indem von vornherein Regeln aufgestellt werden, dem der Heranwachsende zustimmen muss. Bevor das Handy ausgehändigt wird, sollten Nutzungsarten und Kosten besprochen werden, aber auch, dass die Eltern, im Beisein des Jugendlichen, zumindest bei Verdacht, in das Handy schauen dürfen.

Das Gleiche gilt für die Nutzung des Internets. Gibt es Anlass zur Sorge, besprechen die Eltern diese zunächst mit dem Kind. In vielen Fällen lässt sich dabei schon der Verdacht entkräften. Ist das Kind auf Seiten im Internet angemeldet, auf denen es unter Umständen von Personen belästigt werden könnte, die, unter Angabe falscher Personalien, den Heranwachsenden zur Befriedigung von Trieben missbrauchen wollen, könnten Eltern schon mit einfachen Vereinbarungen ein ständiges Auge auf die Kontakte werfen, ohne direkt in die Privatsphäre einzugreifen.

Mutter oder Vater eröffnet, mit dem Wissen des Kindes, einen eigenen Account und vernetzt sich über Freundschaftsanfrage mit dem Profil des Jugendlichen.

So haben Eltern immer Überblick, wer auf den Freundschaftslisten der Kinder ist und können sich von den Sprösslingen erklären lassen, wer die zweifelhafte Person ist, woher sie sich kennen und in welche Richtung die Kontakte gehen.

Ist mein Kind ehrlich?

Mein Kind ist vielleicht nicht ehrlich und ich muss kontrollieren - was soll ich tun? Natürlich kann es vorkommen, dass die Kinder nicht ganz ehrlich sind und Kontakte haben, die Eltern ängstigen. Auch hier sollte es bereits vor Einrichtung bestimmter Zugänge die Vereinbarung geben, dass Eltern im Zweifelsfall kontrollieren dürfen. Dann aber bitte möglichst im Beisein des Jugendlichen und dann auch nur in die Richtungen gehend, wo tatsächlich Bedenken herrschen.

Es ist völlig unnötig, bei einer Kontrolle den Verlauf von Gesprächen mit dem besten Freund oder der besten Freundin durchzulesen, selbst wenn dort herzhaft über Familie oder Schule geschimpft wird.

Nur den Verdacht prüfen, mehr nicht

Bei Kontrollen sollte es nur darum gehen, den konkreten Verdacht soweit zu prüfen, bis es Entwarnung oder Bestätigung gibt. Nichts weiter! Verweigert sich der Heranwachsende dieser Kontrolle, sollten Konsequenzen folgen. Diese könnten dahin gehen, dass die Handykarte vorübergehend einkassiert oder der Zugang zum Internet gekappt wird.

Vertrauen erhalten, ohne nachlässig zu werden

Es ist ein schmaler Grad für Eltern, die nötige Sorgfalt in die Kontrollen zu legen, ohne dabei das Vertrauen zwischen sich und ihrem Kind zu verlieren. Aber es kann eine Herausforderung sein, an der sowohl Eltern als auch Jugendliche lernen, einander mehr zu vertrauen. Der Heranwachsende wird sich nicht gegen gewisse Kontrollen sperren, wenn er sieht, dass die Eltern selbst dabei Regeln und Grenzen einhalten.

Im Gegenteil: Oft braucht es dann kein heimliches Schnüffeln, denn ein Jugendlicher, derseinen Eltern vertraut, wird meist von selbst auf diese zukommen und berichten, wenn er das Gefühl hat, Hilfe zu brauchen.

Kinder brauchen Selbstständigkeit

Wir erziehen unsere Kinder von klein auf zu Menschen, die später selbstständig und selbstbewusst leben sollen. Das dürfen wir besonders in der Pubertät nicht vergessen und rückläufig in unserer eigenen Erziehung werden. Gerade dann sollten wir uns selbst immer wieder die Frage stellen, wie wir, wären wir an Stelle unseres Kindes, die Kontrolle empfinden würden. Und wir müssen uns fragen, wie die Kontrolle dann aussehen sollte, um nicht den bitteren Beigeschmack des Vertrauensbruchs zu haben.

[SyKo]


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