Warum die abendliche Schreistunde(n)?

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Endlich eingeschlafen

Junge Eltern kennen das nur zu gut: Man hat einen anstrengenden Tag mit dem Baby hinter sich, sehnt nach der abendlichen Ruhe und Entspannung und stattdessen wird es so gegen 18 Uhr (oder später) plötzlich sogar noch viel schlimmer als bisher.

Das Baby schreit und lässt sich nicht mehr beruhigen. Es wird gefüttert, gewickelt, herumgetragen, geschaukelt und abgelenkt - nichts hilft. Das Kind wird immer wieder unruhig, schreit und kommt oft erst wenige Stunden später – wenn die Eltern schon völlig k.o. sind - zur Ruhe.

Und beim Trösten und Herumtragen des Babys fragt man sich oft verzweifelt "Warum jetzt? Warum immer abends?".

Warum immer abends?

Verantwortlich dafür können mehrere Faktoren sein. Die ersten drei Monate im Leben eines Babys werden nicht ohne Grund von vielen Hebammen als das vierte Trimester der Schwangerschaft genannt. Das Baby ist zwar nicht mehr im Mutterleib und ist abgenabelt, aber es ist körperlich noch lange nicht an die neue Umwelt angepasst. Es muss erst im neuen Lebensraum ankommen und dabei müssen sich nicht nur diverse Organe umstellen, sondern auch das Nervensystem.

Reizüberflutung

Die vollkommen neuen Sinneseindrücke überfordern das kleine Wesen oft sehr schnell und da am Anfang alles neu ist, wird das Baby selbst in der ruhigsten Umgebung schnell mit Reizen überflutet. Das Baby ist verunsichert oder sogar verängstigt. Sein einziges Mittel, dieses Unwohlsein kundzutun, ist das Schreien. Also schreit es - lautstark.

Ursachen der Dreimonatskoliken

Es ist zur Zeit noch nicht geklärt, was genau die Ursachen der so genannten Dreimonatskoliken sind. Schreit das Baby aufgrund von Blähungen, die durch die Unreife des Verdauungssystems ausgelöst werden? Oder schluckt es beim Schreien viel zu viel Luft, was dann wiederum zu Blähungen führt? Oder geht es hier um eine Kombination von beidem?

Wie auch immer, es stellt sich immer noch die Frage: warum abends? Einerseits ist klar: Tagsüber erlebt das Baby viel und die Reizüberflutung wird am Abend eskalieren. Aber wie ist es bei Babys, die den Tag durchschlafen und nachts aktiv sind? Gerade kleine Babys haben noch oft keinen Tag-Nacht-Rhythmus.

Das vegetative Nervensystem

Die abendliche Schreistunde kann also – außer Reizüberflutung - noch einen Grund haben. Das vegetative Nervensystem (das für die Steuerung der unbewussten körperlichen Prozesse verantwortlich ist) arbeitet nachts ganz anders als tagsüber und abends stellt es sich vom "Tagesmodus" auf den "Nachtmodus" um. Deshalb sind zum Beispiel viele Krankheiten, Fieber, usw. abends und nachts viel schlimmer zu ertragen. Babys, deren Körper noch nicht ganz auf die Außenwelt umgestellt, bzw. angepasst sind, können sich nachts ähnlich "unwohl" fühlen. Es dauert einige Zeit, bis sie körperlich in unserer Welt ganz angekommen sind.

Nähe, Wärme und Zuneigung

Dabei können wir unsere Babys mit viel Nähe, Wärme und liebevoller Zuneigung unterstützen. Und es ist auch sowohl für Babys als auch für die Eltern ein wichtiger Schritt, dass man jegliche körperliche Beschwerden ausschliessen kann. Denn die "Diagnose Dreimonatskoliken" wird oft viel zu schnell pauschal gestellt. Dabei wird vergessen, dass Unwohlsein auch konkrete körperliche Ursachen haben kann. Viele junge Eltern wenden sich bei diesem Themenbereich neuerdings immer öfters an Osteopathen.

[mmh]

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