U10 und U11 – die zusätzliche Gesundheitsvorsorge für Schulkinder
Übergewicht, Zahnfehlstellungen, Verhaltensstörungen - zwischen der U9 kurz vor der Einschulung und der ersten Jugenduntersuchung, die frühestens mit 12 Jahren ansteht, klafft eine
große Versorgungslücke. Dieser Umstand hat für die Gesundheit vieler Kinder fatale Auswirkungen. Um diese Lücke zu schließen und die Früherkennung möglicher Probleme zu verbessern, wurden die U10 und U11 eingeführt. Der Nachteil: Noch immer werden die beiden Untersuchungen nicht von allen Krankenkassen bezahlt!
Die U10 wird für das 7.
bis 8. Lebensjahr empfohlen und befasst sich unter anderem mit der
schulischen Entwicklung des Kindes. Sie bietet die Möglichkeit, über
Schulprobleme zu sprechen und Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörungen
gezielt erkennen zu können. Auch bei Störungen in der
motorischen Entwicklung oder Sozialisations- und Verhaltensstörungen
wie AD(H)S ist es wichtig, diese so früh wie möglich
festzustellen. Außerdem wird das Kind
auf Zahn-, Mund- und Kieferanomalien untersucht.
Da übermäßiges
Fernsehen nachweislich die Sprachentwicklung von Kindern verzögert
und die Neigung zu Übergewicht fördert, wird der Arzt außerdem
einige Fragen zum Fernsehkonsum sowie sonstigem Medienkonsums (Internet-Nutzung, etc.) des Kindes stellen. Neben Schul- und
Medienberatung sind auch die Aufklärung über die richtige Ernährung
sowie Hinweise zu ausreichender Bewegung und Sportförderung Teil der
U10.
Der Kinderarzt wird nach
bestehenden Allergien fragen und darüber aufklären, wie man der
Entstehung von Allergien vorbeugen kann. Auch der richtige Schutz vor UV-Strahlung wird besprochen. Unfall- und
Gewaltprävention sind ebenso Teil der Untersuchung. Der Umgang mit
Suchtmitteln in der Familie wird bei der U10 ebenfalls thematisiert,
da Eltern stets Vorbilder für das spätere Verhalten ihrer Kinder
sind.
Die U11 ist für das 9.
bis 10. Lebensjahr angesetzt und befasst sich mit ähnlichen
Schwerpunkten wie die 10. Untersuchung. Zusätzlich gehören zu ihrem
Programm auch Suchtprävention und Stressberatung. Falls nötig, können im
Rahmen der beiden Untersuchungen fehlende Schutzimpfungen ergänzt
werden.
Ob und wie die Kosten für
die U10 und U11 erstattet werden, ist momentan noch immer abhängig
vom Service der jeweiligen Krankenkasse und muss dort individuell
erfragt werden. Während einige das Programm in der Zwischenzeit
problemlos übernehmen, lehnen andere Kassen dies nach wie vor ab.
Manche verlangen auch, dass die Eltern des Kindes in Vorleistung
gehen und zahlen die Kosten erst nach Vorlage eines persönlichen Antrags
zurück. Entschließt man sich dazu, die Kosten selbst zu übernehmen,
müssen Eltern mit etwa 50 bis 65 Euro pro Untersuchung rechnen.[BS]