SOS-Kinderdörfer
Wenn man einem allein gelassenen oder Waisenkind helfen möchte, so kann man eine
Patenschaft in einem SOS-Kinderdorf übernehmen. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten, ein Kind in Deutschland oder im Ausland als Pate zu unterstützen.
Fast alle kennen den Begriff "SOS Kinderdorf", doch was steckt eigentlich dahinter? Im Jahr 1949 gründete der österreichische Kinderarzt Hermann Gmeiner in der Tiroler Stadt Imst das erste SOS-Kinderdorf.
Geprägt durch Kriegs- und Nachkriegszeit berührte Gmeiner besonders
das Leid der heimatlos gewordenen Kinder. Verwaiste Kinder, später auch
solche, deren Eltern nicht in der Lage waren, ihnen die nötige
Versorgung zu geben, sollten einen Ort haben, an dem sie sorglos
aufwachsen könnten. Wo sie betreut und geliebt wurden und die Traumata der
Vergangenheit vergessen konnten.
Noch heute unterstehen die SOS-Kinderdörfer weltweit dem gleichnamigen, eingetragenen Verein, dessen zentraler Sitz in Wien und Innsbruck ist. Von dort aus wird über alle wichtigen Belange der internationalen SOS-Kinderdörfer entschieden und der Verein organisiert. Das Leben in den SOS-Kinderdörfern ist nicht ganz vergleichbar mit einer Unterbringung im Heim. Meist hat jede SOS-Kinderdorf Familie ein eigenes Haus, in dem es Gemeinschaftsräume, Kinderzimmer (maximal zwei Kindern) und einen Privatbereich für die SOS-Kinderdorfmutter, bzw. -vater gibt.
Der Beruf der SOS-Kinderdorfmutter ist eher eine Berufung, als eine Arbeit. Denn sie erfüllt wie eine leiblichen Mutter alle Aufgaben 24 Stunden am Tag. Natürlich gibt es auch für eine SOS-Kinderdorfmutter ein Privatleben, in dem sie sich mit Freunden treffen und etwas unternehmen kann. Grundvoraussetzung, um eine SOS-Kinderdorfmutter zu werden, ist ein einjähriges Praktikum. In dieser Zeit können sich die Praktikantinnen ein genaues Bild von ihrem möglichen, zukünftigen Leben machen und die eigenen Belastbarkeit prüfen. Sie unterliegen dabei der ständigen Begutachtung durch die Mitarbeiter.
Anschließend steht der Bewerberin eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin bevor, deren Abschluss eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, um als SOS-Kinderdorfmutter angenommen zu werden. Bringt die Frau diese Ausbildung bereits mit, muss sie lediglich das Praktikum absolvieren und kann dann direkt als SOS-Kinderdorfmutter arbeiten.
Das Gleiche gilt auch für männliche Bewerber, die SOS-Kinderdorfvater werden möchten. Eine SOS-Kinderdorfmutter oder -vater, muss nicht allein stehend sein, der Ehepartner kann mit ins Dorf ziehen und aktiv am Familienleben teilnehmen. Die Kinder werden meist bis zum Alter von 12 Jahren aufgenommen, wobei für Geschwisterkinder häufig Ausnahmen gemacht werden. Denn diese nicht zu trennen ist ein wichtiges Prinzip der SOS-Kinderdörfer.
SOS-Kinderdörfer verfügen über eigene Kindergärten, die meist auch von Kindern der umliegenden Gemeinden besucht werden. Zur Schule gehen die Kinder dann in öffentliche Einrichtungen. Der Verein SOS-Kinderdörfer bietet neben der Kinderbetreuung noch weitere Dienstleistungen wie Ausbildungszentren, Beratungsstellen für Jugendliche und Beratungs- und Mütterzentren an.
Weltweit gibt es derzeit 491 SOS-Kinderdörfer (15 allein in Deutschland), zu denen sich schon bald 32 neue gesellen, die derzeit noch im Bau sind. In ihnen Leben schon mehr als 58.000 Kinder. Dazu kommen noch 396 Jugendeinrichtung für noch einmal etwa 20.000 Jugendliche. Ebenso zählen die 231 Kindergärten, 104 Berufsbildungszentren, 185 Hermann-Gmeiner-Schulen, 575 Sozialzentren, 65 medizinische Zentren, sowie neun Nothilfeprogramme für Menschen in Krisen- und Katastrophengebieten zum Verein.
[SyKo]