Hausgeburt, eine Groteske in 3 Akten 1 Teil

Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer
05.07.2009 | 1 Antwort


1 Akt die Ouvertüre

Vor drei Jahren hatte ich eine Frau in der Betreuung die ihr erstes Kind bekam. Die Schwangerschaft verlief gesund und unauffällig so dass sich das Paar zu einer Hausgeburt entschloss.
Der Geburtsbeginn war nachts und an schlaf war nicht zu denken. Um es kurz zu machen, nach 2Tagen und Nächten mit mal mehr und mal weniger starken Wehen haben wir beschlossen die Geburt in der Klinik zu beenden.
Sie bekam eine PDA zur Erholung und um mal 2 Stunden zu schlafen.
Alle waren am Ende! Dem Mann hatte ich die Matte die unter den Gebärhocker gehört auf den Boden gelegt und der kauerte sich darauf und viel ins Koma. Ich habe mich auf dem K-Bett zusammengerollt und die Frau schlief im weichen Bett.
Nach insgesamt 72 Stunden Wehenarbeit wurde dann Lorena geboren.

Nun meldete sie sich vor ein paar Monaten mit dem zweiten Kind.
Sie wolle wieder eine Hausgeburt versuchen, allerdings wenn sich der sch… Muttermund wieder nicht öffnen würde früher in die Klinik wollen um sich eine PDA geben zu lassen.

2 Akt die Geburt

Am 10 Tag nach E.T. ging gestern Morgen mein Telefon und sie berichtete von beginnenden Wehen. Der werdende Vater öffnete mir mit blankem Oberkörper die Tür. (Da ich zwar Hebamme und 47Jahre alt, aber noch nicht scheintot bin und das Kerlchen einen wirklich netten Body hat, gab es dann gleich einen ersten Spruch von mir!
„ Martin, zieh dir was an!“ Warum fragt er? „ Meine Antwort bestand aus einem:“ Groarrr Wuff!“ Was mir ein breites Grinsen seinerseits und ein“ Ey! Aufpassen getz woll!“ von Seiten der werdenden Mutter einbrachte.
Bei der ersten Untersuchung, gegen 14 Uhr war der Mm 1cm die Wehen noch nicht sehr stark. Die Kleine noch im Haus und ich gab die dringende Empfehlung das Kind zur Oma zu bringen da sonst die Frauen nicht gut loslassen können solange das Kind da rumspringt. Leider hatte Lorena Fieber und als ich um 18:30 wieder gerufen wurde war Oma ebenfalls da um sich um Lorena zu kümmern Die Frau erklärte mir, wenn sie es andersrum gemacht hätten sie noch weniger den Kopf frei bekommt weil dann Martin alle 10 Min. von ihr zum Telefon gejagt würde um nachzufragen ob alles in Ordnung sei.
Die Wehen kamen jetzt ganz gut, allerdings fehlte es noch an Kraft. Der Mm war Jubel! 6-7cm.
In diesem sehr schönen Haus gab es eine Besonderheit. Die große Eckbadewanne befindet sich im Schlafzimmer, nebst einem unberuhigten Wasserbett mit Seegangstufe 8 wenn man sich darauf setzt.
Eine vag. Untersuchung meinerseits hatte zwei Nebeneffekte:
1. ich kam mit meinen wenig zur Hebammerei geeigneten Knubbelfingern von der Länge eines Zahnstochers(nur nicht so spitz) nicht gut an den Mm, weil der Po der Frau knietief in den Wassermassen versank.
2. sobald ich versuchte mich auf die Bettkante zu setzen lag mein Körper in diesem Bett und wurde zum Spielball der Wellen.
Ich brauche wohl nicht erwähnen dass diese Wasserspielerei erheiternd auf alle Anwesenden wirkte. (um nicht zu sagen gackernde Ausbrüche mit sich brachte)
Gut, wir sind hier im Pott da denkt man praktisch…es wurde in der Hocke vor dem Bett untersucht, ging auch.
Es hat allerdings einige Zeit gedauert bis ich meinen 47jährigen Alabasterkörper prustend und gackernd aus dem Bett befördert hatte.
Da die Wehen zwischenzeitlich mal eine weniger gute Qualität hatten und die Fruchtblase mal springen könnte, habe ich die Frau gebeten sich mal für drei Wehen auf die Toilette zu setzen.
Wie man sich unschwer vorstellen kann, gibt das mehr Druck und dementsprechend schwer ist es auf der Toilette auszuhalten. Als sie ins Schlafzimmer zurück kehrte bekamen meine Kollegin und ich dann auch gleich einen passenden Spruch: Ihr seit Monsterhebammen und ich hasse euch!“
Da auf dem Klo sich die Situation aber auch nicht verbessert hatte boten wir ihr an sich noch einmal in die Wanne zu setzen was sie auch tat. Martin saß am Wannenrand und versuchte ihr Mut zuzusprechen. Hier die Wiedergabe des Dialoges der beiden bei Wehen alle 3Min.
Sie:
Du hast da Schlafdreck in den Augen, mach das sofort weg das stört mich!“
Er:
“ Du bist bekloppt Frau, hast du nicht andere Sorgen“
Sie: „
Wieso du sagst doch immer ich soll dir das sagen, und nimm die Uhr ab die stört mich auch, mach das sofort!“

Zwei Hebammen verfolgen diese Szene und lachen sich schlapp. Da Martin nun beschloss es heute mal nicht auf eine völlig überflüssige Diskussion mit seiner Frau ankommen zu lassen, wollte er seinen Hebammen etwas Gutes tun und beschränkte sich auf seine Gastgeberfähigkeiten und erhoffte sich die angemessene Wertschätzung der Hebis !
Wir wurden mit einer monstermäßigen Portion Vanilleeis mit Himbeersauce versorgt. Bahrfuß, eine Bein leger über den Sesselrand gelegt, die Frau in der Wanne beim pusten begleitend, schaufelten sich die Hebis ihr Eis rein. Natürlich über alle Maßen den Überbringer des solchen zu loben und zu huldigen! Den Mund voller Eis brachen wir bei besonders „schönen“ Wehen in wahre Entzückensschreie aus:“ Oh, das ist aber mal eine gute Wehe, ordentlich Dampf dahinter! Die Blicke die wir von der Frau dafür ernteten möchte ich hier nicht in Worte fassen, weil der Brutalitätsgehalt zu schockierend für die geneigte Leserschaft wäre.
Als Tanja merkte sie müsse mal Töne von sich geben, schickte sie Martin nach unten zu Oma und der Kleinen weil sie wollte das Lorena bei Papa ist wenn sie Mama oben schreien hört. Martin ging wie ihm geheißen, er tat mir sehr leid, aber der Wille der Frau geht vor.
Tanja bekam die erste Presswehe und hockte sich zwischen die Beine meiner Kollegin um ihr Kind auf die Welt zu schieben. Mitten in diesem Pressakt, das Köpfchen wurde sichtbar, geht die Schlafzimmertür auf und ein gutgelaunter Martin betrat die Bühne. Auf der Hand balancierte er einen Teller mit belegten Brötchen( schließlich hatte er ja enorme Anerkennung für das Eis erfahren dürfen) Ein freundliches“ Brötchen die Damen?“ übertönte die Pressgeräusche seiner Frau! Leider das ganz falsche Timing! Zwei Hebammen wedeln mit den Händen und weisen ihn aus der Tür, weil Tanja nun endgültig vom Dämon befallen ihn töten wollte! Martin schmiss die Brötchen nebst Teller auf das Wasserbett und suchte das Weite.
Zwei Wehen später um 21:24 erblickte Leander das Licht der Welt.

Fortsetzung folgt
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1 Antwort

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1 Antwort
SUPER SUPER SUPER schön geschrieben
man denkt man steht im Türrahmen und schaut euch zu und unglaublich was Gebärende sich für Gedanken machen
Fabian22122007
Fabian22122007 | 05.07.2009

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