Trauma Schwangerschaft?

Frage von: Evija-Rain
16.09.2014 | 13 Antworten
Hallo, ich habe mich hier angemeldet, weil ich gerne über etwas reden wollte was mich über 10 Jahre nach der Geburt meines Sohnes immer noch stark beschäftigt/belastet.
Ich hatte eine schreckliche Schwangerschaft und komme bis heute nicht damit klar (möchte deswegen auch keine Kinder mehr).
Ich bin damals gerade erst 22 Jahre alt geworden als ich ungeplant schwanger wurde (die Verhütung hatte leider versagt, weil ich aufgrund meines Unistresses kurzfristig nachlässig damit umgegangen bin).
Jeder (Familie des Freundes, meine Familie), außer meinem Freund (mit dem ich heute verheiratet bin) wollte mich dazu drängen abzutreiben.
Die ersten 3 Monate der Schwangerschaft waren die Hölle: morgens ab in die Uni bis nachmittags, abends nach Hause gekommen und bis in die Nacht hinein jeden einzelnen Tag geweint! :-(
Es hat mich niemand getröstet, ich war total fertig.
Dennoch wollte ich mein Kind behalten, denn ich wusste, dass eine Abtreibung mein Leben zerstören würde.
Ich bin ein sehr sensibler Mensch, ich kann so etwas einfach nicht!
Dazu kommt, dass ich leider Eltern habe, die sich nie wirklich um mich gekümmert haben und ich eine total einsame, kalte Kindheit hatte- ich wurde hauptsächlich von meiner Mutter geschlagen, gewürgt, bestohlen...etc.
Das machte das die ganze Situation um die Schwangerschaft für mich nicht unbedingt einfacher.
Nun war ich aufgrund der Schwangerschaft bei einem Frauenarzt, der zunächst meinte, dass es für mich ja besser wäre abzutreiben.
Nach dieser Aussage hätte ich es eigentlich schnallen sollen und mir einen anderen Arzt suchen, was ich leider ncht getan habe.
Lange Rede kurzer Sinn: besagter Frauenarzt merkte wohl, dass ich aufgrund der Umstände sehr labil und schwach war und hat mich einmal während einer Untersuchung sexuell belästigt. :-(
Ich habe aufgrund dieses Übergriffes bis heute Flashbacks, die mich im Alltag mal "einfach so", scheinbar aus dem Nichts heimsuchen und mich emotional völlig lahmlegen.
Manchmalö fange ich auch an zu weinen und kann mich stundenlang nicht mehr richtig beruhigen.
Zu meinen Eltern habe ich keinen Kontakt mehr (sie kennen meinen Sohn nicht).
Meine Mutter schrie mir beim Auszug hinterher: "Hoffentlich bist du bald weg!" und mein Vater rief mich nach der Geburt meines Sohnes regelmäßig an und schrie die verschiedensten Vorwürfe ins Telefon wie z.B. dass ich meinen Sohn mißhandeln würde (was natürlich absolut nicht stimmte- ich liebe mein Kind sehr und habe ihm noch nie ein Haar gekrümmt!).
Während der (sehr schweren und langwierigen) Geburt wollte man mir keine Epiduralanästhesie geben, weil ich bereits sehr lange in den Wehen lag.
Ich hatte solch schlimme Schmerzen und war total verkrampft, so dass ich aufgrund der Krämpfe nicht einmal mehr auf die Toilette gehen konnte.
Zu allem Überfluss machten die Hebammen noch Witze über Ihre "Lieblingssexstellungen".
Und leider bekam ich zu allem Überfluss noch einen Dammschnitt 3. Grades verpasst.
Als mein Sohn dann da war wurde mein Leben leider nicht besser- da wir beide noch studierten und kein Geld hatten (mein Vater hatte mir einfach ohne zuvor Bescheid zu sagen den Unterhalt gestrichen) musste ich mein Studium abbrechen damit wir Hartz4 beziehen konnten.
Diese 4-5 Jahre sind bei mir wie ein "schwarzes Loch".
Alleine das Alles niederzuschreiben macht mich total fertig und ich könnte wieder anfangen zu heulen.
Ich habe es, nach all dem Drama, leider nicht mehr geschafft ein Studium abzuschließen und bin jetzt Hausfrau und Mama.
Mein Mann hat sein Studium mittlerweile schon lange abgeschlossen und verdient sehr gut, wir haben eine große hübsche Stadtvilla auf dem Land gebaut und unser Sohn ist ein glückliches, sehr intelligentes und einfühlsames Kind- aber leider ziehen mich die Erinnerung an diese Erlebnisse immer wieder runter!
Ich finde es auch schade, dass ich aufgrund meines Traumas wohl nie wieder ein Kind bekommen werde (ich möchte es einfach nicht, es würde viel zu viele Wunden aufreißen und ich hätte Angst, dass ich dann "verrückt" würde).

Vielleicht hat hier jemand ähnliches erlebt und weiß wie man über ein solches Trauma besser hinweg kommt?

Ich würde mich total über positive Beiträge/Ratschläge freuen.

Liebe Grüße Evija.

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16 Antworten
Tine2904 | 17.09.2014
1 Antwort
Bestehen auf jeden Fall darauf, zu einer Frau zu kommen. Dann hast du zumindest dieses eine Problem nicht!
Pusteblume201 | 17.09.2014
2 Antwort
Der Arzt kann immernoch angezeigt werden. Die Verjährungsfrist wurde von 3 auf 30 Jahre verlängert und du wirst in solchen Fällen immer sehr Ernst genommen. Klar hast du keine direkten Beweise mehr vorliegen, aber vielleicht ist es dir möglich damit deinen Frieden zu finden. Vielleicht ist der Arzt in der Hinsicht sogar vorbelastet oder aber du schützt weitere Frauen vor Übergriffen. Bezüglich der Flashbacks bin ich weiterhin der Meinung, dass das wahrscheinlich nur mit therapeutischer Hilfe aufgearbeitet und verarbeitet werden kann. Wahrscheinlich hast du durch das erlebte einfach das Gefühl nur als Sexobjekt betrachtet zu werden, obwohl es in Wirklichkeit vielleicht gar nicht so ist. Oder du schaffst es irgendwann drüber zu stehen und stolz darauf zu sein, dass dich Männer attraktiv finden. Ist doch auch ein Kompliment. Klar gibt es hier ganz klare Grenzen und niemand hat das Recht diese zu überschreiten.
Evija-Rain | 17.09.2014
3 Antwort
Danke nochmal für die lieben Worte! Ich habe das Gefühl in meinem Umfeld versteht das alles niemand so wirklich.
Evija-Rain | 17.09.2014
4 Antwort
Hallo, Danke für die vielen netten Antworten! Ich war früher schon mal bei verschiedenen Psychologen und hatte leider immer das Gefühl, dass es nicht passte bzw. ein Psychotherapeut kam mir etwas merkwürdig vor und starrte mir die ganze Zeit auf meine Brüste. Ich bin so angekotzt davon, dass mich Männer häufig nur als Sexualobjekt ansehen. Am schlimmsten sind diese Flashbacks bezüglich dieser sexuellen Belästigung. Kann man so etwas jemals wieder "loswerden"? Meine Kindheit ist sicher auch ein Problem aber mich macht am meisten fertig, dass ich diesen Arzt damals nicht angezeigt hatte.
Gelöschter Benutzer | 16.09.2014
5 Antwort
, Ich kann den anderen nur zu stimmen,
Gelöschter Benutzer | 16.09.2014
6 Antwort
Ich bin therapeutisch ausgebildet und habe spontan mehrere Dinge, die mir einfallen und die ich dir sagen könnte. Allerdings würde das hier den Rahmen sprengen, denn was du da erlebt hast, ist sehr komplex und die Umstände und Ursachen sind vielschichtig. Ich selber habe mein Leben lang Probleme damit gehabt, meinen persönlichen Raum deutlich zu machen und Mitgefühl mit mir selber zu haben. Das liegt in einem Kindheitserlebnis begründet, auf das ich nicht näher eingehen möchte in aller Öffentlichkeit. Ich habe es erst mit 37 Jahren geschafft, das kleine Mädchen, das damals all diesen Schmerz ertragen musste, in den Arm zu nehmen und es überhaupt anzusehen. Das war eine unglaublich einschneidende Erfahrung für mich und seitdem hat sich viel geändert, auch mein Problem, dass ich offenbar meinen persönlichen Raum nicht deutlich gemacht habe. Das hat sich bei mir zwar nicht in Übergriffen geäußert, aber in anderen unschönen Ereignissen, auf die ich ebenfalls nicht eingehen kann. Bitte um Verständnis. Was ich damit sagen will, ist, dass wir, wenn wir unverarbeitete Erlebnisse hatten, die in uns Glaubenssätze geprägt haben, die sich vielleicht auch nur unbewusst festgesetzt haben, diese unser Leben lang von unserer Umwelt gespiegelt bekommen. Deine Mutter hat sicher auch ganze Arbeit geleistet, sodass du auf dieser Basis hinaus ins dieses Leben gegangen bist, das dich auf all diese Glaubenssätze gestoßen hat. Es ist unbedingt notwendig, dass du das mit professioneller Hilfe auflöst. Hab keine Angst, man glaubt, dass man sich bestimmte Dinge nicht noch mal ansehen möchte, aber es ist am Ende viel leichter, als man denkt. Es braucht etwas Mut, aber es ist unglaublich befreiend, wenn man merkt, dass man es sich ansehen kann, ohne zu sterben, dass es auch sehr weh tut, aber dass es befreiend weh tut. Du wirst dich danach besser fühlen, versprochen. Und da ist ein ganz großer Teil in dir, der ganz viel zu geben hat, wenn du ihn ansiehst und in den Arm nehmen kannst. Ich will hier nicht zu psychologisch werden. Geh zu einem Psychologen, am besten einer, der auch mit Hypnose oder Rückführung arbeitet oder andere Arten der Traumabewältigung anbieten kann. Ich wünsche dir ganz viel Mut und Kraft, aber dass du hier davon erzählt hast, zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Du hast dich entschieden, dass du nun genug gelitten hast und dass es Zeit ist, aufzustehen und wieder mehr Freude hinein zu lassen. Und das ist der wichtigste Schritt überhaupt. Jetzt geh diesen Weg weiter und du kannst bald wirklich und wahrhaftig anfangen zu leben. Denn ich glaube, im Endeffekt hat dieses Damokles-Schwert deiner Kindheit mit deiner gewalttätigen Mutter dich immer schon daran gehindert, wirklich frei zu sein. Dein Schwangerschaft- und Geburtstrauma ist da eigentlich nur der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ und dich dahin gebracht hat, dass du weißt, was nun zu tun ist, damit du endlich glücklich werden kannst. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!
nicoles85 | 16.09.2014
7 Antwort
Du bist eine echt starke Person Hut ab. Such dir auf alle fälle richtig Hilfe um mit dieser schlimmen Vergangenheit abschließen zu können. Ein guter Arzt wird es schaffen das es dir danach besser geht und wer weiß vielleicht bekommst du ja doch noch mal Nachwuchs. Man hört ja schon bisschen raus das du noch nicht so richtig damit abschließen möchtest. Alles alles gut liebe ubd gute für die Zukunft. Und das es den Menschen die sowas mit dir gemacht haben ebenso ein fieses leid erleiden werden
Tine2904 | 16.09.2014
8 Antwort
Was du erlebt hast, ist wirklich schlimm. Allerdings lese ich aus deiner Geschichte, das nicht die Schwangerschaft dein traumatisches Erlebnis ist. Du hast in dieser Zeit unfassbare Dinge erlebt, die du deshalb damit in Verbindung setzt. Aber du hast dich für dein Kind entschieden, den Vater sogar geheiratet und jetzt könnt ihr sogar finanziell ein sorglosen Leben führen. Du musst die schlimmen Dinge unbedingt aufarbeiten und zwar ganz schnell. Ich meine auch rauszulesen, dass du eigentlich schon gerne ein zweites Kind möchtest. Wenn du gelernt hast, die schlimmen Dinge davon zu trennen, bist du vll sogar irgendwann bereit dafür. Du hast noch Zeit und kannst dich erst mal dem widmen. Aber hole dir schnell Hilfe, auch deiner Familie zuliebe! Ich wünsche dir alles Gute und hoffe sehr, bald wieder von dir zu lesen!
andrea251079 | 16.09.2014
9 Antwort
Liebe Evija, Dein Hauptthema ist - denke ich zumindest - nicht die Geburt an sich und auch nicht die Schwangerschaft. Die Schwangerschaft macht sicher einen Teil Deines Problems aus: Die Ursache ist jedoch deutlich früher zu suchen: In Deiner Kindheit. Du hast Dich als Kind alleine gelassen und gedemütigt gefühlt und hast eigentlich doch nur Liebe gesucht. Und als Erwachsene wurde dies an Dir fortgesetzt - bis hin zu dem Schlussstrich, den offensichtlich Deine "sogenannten" Eltern gezogen haben. Es ist einfach schrecklich und kein Mensch, vor allem kein Kind sollte derartiges durchmachen müssen. Ich möchte Dich ermutigen, Deine Geschichte in einer Therapie aufzuarbeiten. Ich selbst bin in einer ähnlichen Kindheit groß geworden: Vom richtigen Vater im Kleinkindalter verlassen - er hat nur gesoffen und meine Mutter geschlagen, daran habe ich noch Erinnerungen, obwohl ich erst 2 Jahre war. Dann kam der Stiefvater in mein Leben, der uns Kinder hasste und mich auf jede erdenkliche Weise körperlich und verbal traktierte, bis ich 16 Jahre war. Ich entwickelte eine Essstörung, nachdem ein Missbrauch durch den Vater meiner besten Freundin hinzukam, der über ca. 1.5 Jahre andauerte. Die Menschen, denen ich am meisten vertrauen sollte, haben gnadenlos versagt und stattdessen nur Macht demonstriert. Ich zog mit 16 Jahren aus und war viele Jahre sehr depressiv, bis mir bewusst wurde, dass es nicht richtig sein kann, so traurig durchs Leben zu gehen. Also beschloss ich, um mein Glück zu kämpfen: Ich bemühte mich um eine Therapie, die letztlich 3.5 Jahre dauern sollte. Sie hat bewirkt, dass ich heute eine selbstbewusste Frau geworden bin, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, den Teufelskreis zu durchbrechen und mein Kind nicht zu schlagen oder anzuschreien oder in sonst einer Form zu züchtigen. Es bedeutet mir außerordentlich viel, dass er behütet und geliebt aufwächst. Im Übrigen schaffen viele es nicht, den Kreislauf von Gewalt zu durchbrechen, den sie in eigener Kindheit durchlebt haben. Bei ihnen ist es oft ein Ausdruck von Hilflosigkeit, manchmal auch von Frust oder schlicht und einfach von "ich habe noch nie darüber nachgedacht, was im Kind vorgeht, wenn man z. B. schlägt, wenn sie sich an ihrem Kind vergreifen. Was in Deiner Kindheit geschehen ist bis hin zu Deiner Schwangerschaft, kannst Du nicht ungeschehen machen. Aber Du kannst dafür sorgen, dass es Dir besser geht. NUR DU kannst dafür sorgen, dass Du Dich besser fühlst, indem Du Deine Vergangenheit aufarbeitest. Deine Geschichte ist traurig, aber es hilft Dir nicht weiter, wenn ich jetzt Mitleid habe. Daher lege ich Dir einfach nur ans Herz: Tu' etwas für Dich - kümmere Dich um eine Therapie. Weil Du es wert bist! Alles Gute :)
kathi2014 | 16.09.2014
10 Antwort
Ich kann Pusteblume nur zustimmen. Fühl dich gedrückt! Ich schick dir ganz viel Kraft und Glück und tausende Umarmungen!!! Bitte behalte dir deine liebevolle Art!! Und auch ich kann nur anbieten offene Ohren zu haben für dich! Du packst das!!
Pusteblume201 | 16.09.2014
11 Antwort
willst=wirst
Pusteblume201 | 16.09.2014
12 Antwort
Hallo, Erstmal drücke ich dich ganz ganz ganz doll und schicke dir gaaaanz viel Kraft! Ich glaube, dass du ohne therapeutische Hilfe aus diesem Loch nicht rauskommen willst, auch wenn ich es dir noch so wünsche! Gehe mal zu deinem Hausarzt und schildere ihm dein Problem, musst du auch nicht ganz so ausführlih machen wie hier, aber so ist die Chanve auf einen "schnellen" Termin beim Therapeuten höher, die haben nämlich gerne Wartezeiten von bis zu 2 Jahren... Ich bin mir ganz sicher, dass du das schaffst das alles aufzuarbeiten. Der erste Schritt ist glaube ich auch schon passiert, indem du das Geschehene "erzählen" kannst und bzw schonmal schreiben kannst. Und hey Mami sein ist doch so wunderbar, du scheinst so voller Liebe zu sein, dass es vielleicht das Richtige ist, dass du nicht den ganzen Tag arbeiten bist sondern voll und ganz für deine Familie da bist und wenn es dich nicht erfüllt, dann ist es wirklich nicht mehr ungewöhnlich auch in deinem Alter nochmal anzufangen. Ich wünsche dir weiterhin ganz ganz viel Mut und Kraft und wenn du jemanden mit offenen Ohren suchst biete ich dir meine hier an :-) Auch jederzeit PN
daesue | 16.09.2014
13 Antwort
ICH würde dir raten dir DRINGEND professionelle Hilfe zu suchen! Ein Trauma lässt sch aufarbeiten und dadurch wird es erträglicher! Friss es nicht in dich hinein, sondern lass dir helfen. Das kann nur ein Therapeut! Alles Gute!

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