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Erziehung: Wie würdet ihr denn so reagieren?

fjordmaid
fjordmaid
19.05.2009 | 7 Antworten
Ich beschreib mal verschiedene Konfliktsituationen mit Kindern, die ich hier so im Umfeld erlebe und die mich beschäftigen. Ich wüsste gern mal, wie andere Muttis in ähnlicher Situation mit ihrem Kind reagieren würden. Wie ich reagieren würde, weiß ich, aber ich möcht gern mal sehen, ob verschieden Mütter wirklich so viele verschieden Auffassungen haben:

1. Beispiel: Abendlicher Besuch bei Bekannten. Für den 5jährigen, sehr süßen Sohn ist es an der Zeit ins Bett zu gehen. Die Mutti FRAGT mit freundlicher Stimme: "Jonas möchtest du jetzt nicht mal ins Bett gehen?" Jonas verneint. Mutti erklärt freundlich, dass es aber jetzt wirklich Zeit ist und er doch schon ziemlich müde ist usw. Aber Jonas hat keine Lust, weil ja Besuch da ist und er die Erwachsenengespräche ziemlich interessant findet, was offensichtlich ist. Die Mutti ist hin und hergerissen, denn es gehört zum abendlichen Ritual, dass sie sich solange zu dem Kind ins Bett legt, bis dieser eingeschlafen ist. Das wäre aber nun ziemlich unhöflich uns als Besucher gegenüber, ausserdem, so erklärt der Vater verdrossen, schläft sie meist selbst so fest ein, dass sie gar nicht mehr wiederkommt. Jonas hält also die Stellung und man lässt ihn gewähren, nicht ohne ihn jedoch immer mal wieder auf die Notwendigkeit des Schlafengehens hinzuweisen. Als ich ihn mal kurz darauf anspreche, beschimpft er mich als "Arschloch" und ich soll die Schnauze halten. Die Mutti erklärt sofort entschuldigend, dass der Junge das nicht so meint, eigentlich wüsste er gar nicht, was er da sagt und sie kann sich auch nur erklären, dass er diese Worte im Kindergarten lernt. Sie würden ja schließlich nie so mit ihm reden. Zum Kind sagt sie in leicht ermahnendem aber freundlichem Ton, dass man sowas nicht sagt. Damit ist das Thema für sie erledigt. Wenig später tituliert er seinen eigenen Vater so, worauf dieser ihm Ohrfeigen anbietet. Die Mutti versucht zu schlichten und gebietet ihrem Mann sich zu beruhigen, denn das wäre keine Lösung. Gegen Mitternacht, als das Kind bereits am Einschlafen auf der Couch ist, versucht man ihn dann doch ins Bett zu verfrachten. Es gibt ein ziemliches Theater, er schlägt um sich, schreit wütend und tritt nach seinem Vater. Dieser haut ihm ein paar auf den Hintern. Das Kind heult, Mutti bricht es das Herz und sie verschwindet für lange Zeit. Sie hatte sich dann also doch noch zu dem Kind ins Bett gelegt, bis dieser eingeschlafen war. Der Vater war sichtlich frustriert.

2. Beispiel. Die gleichen Bekannten, zu Besuch beim Kumpel. Der Junge spielt im schick dekorierten Wohnzimmer des Kumpels mit dem großen Gymnastikball. Der Vater sagt, dass er aufhören soll damit hin und herzurollen. Das tut er nicht. Seine Mutter ermahnt ihn daraufhin mehrmals schön vorsichtig zu sein damit. Es kam wie es kommen musste, der Ball rollte gegen einen großen Kerzenhalter, dieser fiel um und mehrere Glaseinsätze gingen kaputt. Der Besitzer war stinksauer. Der Junge lief erschrocken zu seiner Mutter auf die Couch. Der Papa wies den Jonas lautstark zurecht und war total wütend. Jonas fing an zu weinen, worauf ihn die Mutti tröstete und ihren Mann anfuhr, dass er den Jungen in Ruhe lassen solle, denn dieser würde ja nun schon weinen und er hätte das ja nicht mit Absicht getan. Kurze Zeit später durfte er wieder im Wohnzimmer spielen, obwohl der Vater verlangte, dass er sitzen bleibt. Der Ball wurde erneut durchs Wohnzimmer geschoben..

3. Beispiel: Elternversammlung in der Schule. Das Verhalten einiger Kinder wurde ausgewertet. Es wurden viele Situationen beschrieben wo Kinder auffällig geworden waren. Immer mit dabei >Hagen<
Einziger Kommentar zu den Vorwürfen von der gutsituierten Mutter des besagten Jungen: "Unser Hagen macht das nicht!" Die Mutter war nicht zu überzeugen, dass ihr lieber Junge in der lage sein sollte auch nur einen Blödsinn anzuzetteln. Sie fand auch schnell die Schuldigen, denn es waren immer die anderen Kinder und zum Schluss die Lehrerin Schuld, die die Situation nicht richtig beurteilen und einschätzen konnte. Im weiteren Verlauf ergab sich, dass die Mutter ihren Sohn daheim fragte, ob die Vorwürfe stimmten und dieser natürlich alles abstritt bzw. einleuchtende Erklärungen fand, warum er da mitmachen MUSSTE. Die Mutter fühlte sich bestätigt und fand keinen Grund an der Aussage ihres Sohnes auch nur einen Zweifel zu hegen. "Ihr Hagen macht sowas nicht." Und das obwohl alle Eltern ständig von ihren Kindern Klagen über Hagen hörten.

Wer mag, kann gern mal seine Kommentare zu den Situationen abgeben. Wie seht ihr das als Aussenstehender und wie würdet ihr die Situation lösen, wenn es eine Situation mit eurem Kind wäre?

Danke
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7 Antworten

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1 Antwort
.........
zuviel auf einmal
daktaris
daktaris | 19.05.2009
2 Antwort
erziehung
1.: ich würde mein kind gar nicht fragen, ob es ins bett möchte, sondern ich würde festlegen: in einer halben std gehst du ins bett. wenn besuch da ist dürfte das kind ein bisschen länger aufbleiben und das abendritual würde so stattfinden wie immer. somit wären die nachfolgenden situationen hinfällig. aber ein kind zu schlagen geht gar nicht und deswegen braucht der vater sich auch gar nicht wundern, wenn das kind ihn schlägt und wütend wird. 2.: vater und mutter müssen natürlich zusammenarbeiten, es geht gar nicht, dass einer dem anderen reinspielt. es ist sicherlich langweilig für das kind, in einer runde mit erwachsenen zu sitzen. hatte er denn spielzeug dabei? entweder einen geeigneten platz finden, wo er mit dem gymnastikball spielen kann, den ball weg nehmen oder das kind von dem ball wegnehmen. 3.: für die mutter ists eine ganz blöde situation, vor der elternversammlung so bloßgestellt zu werden. klar, dass sie sich vor ihr kind stellt. sowas sollte im einzelgespräch geklärt werden! hinterher würde ich mit meinem kind unter vier augen sprechen und sagen was ich davon halte und dass das so nicht geht.
julchen819
julchen819 | 19.05.2009
3 Antwort
Also
bei den ersten beiden Beispielen sollten sich die Eltern mal zusammensetzen, sie arbeiten gegeneinander! Zu Nr 1: Ich frage mein Kind nicht ob es ins Bett geht . ich kündige rechtzeitig an wann er ins Bett geht! Beim Wort Arschloch ect wäre er sofort gegangen! Zu Nr2: Der Ball wäre schon viel eher aus dem Zimmer verschwunden! Zu Nr3: Die Mutter sollte sich mal mit ihrer Erziehung und ihrem Kind auseinandersetzen! LG
Maxi2506
Maxi2506 | 19.05.2009
4 Antwort
Hi...
BSP. 1 Wieso ist sie dann nicht gleich mit ihm ins Bett gegangen, sie hätte ihm ja ausserdem auch anbieten können, das er sich noch ein Hörbuch anhören darf, vom Bett aus. BSP. 2 Ich hätte meinem Kind den Ball abgenommen, nach dem einen Mal, muss ja nicht sein, das wieder was zu bruch geht. Und ich als Mutter, hätte dem Vater auch nicht verboten mit dem kleinen zu schimpfen. Und wenn ich ihn schon hoch nehme, hätte ich trotzdem zu ihm gesagt, das es sehr böse war, das er den Ball dagegen "geworfen" hat und das ich das nicht richtig finde . BSP. 3 Hält nicht jede Mutter zu ihrem Kind? Ich aber, aus meiner eigenen Erfahrung würde versuchen mit meinem Kind daran zu arbeiten, dass es erstmal weniger wird, bis dahin wo es dann ganz aufhört, mein kind muss aber für den Schritt auch bereit sein, denn sonst fruchtet das nicht. LG Mami
Mami_im_Netz
Mami_im_Netz | 19.05.2009
5 Antwort
Das gibt es öfter..
Eltern müssen sich einig sein, es darf unterschiedliche Ansagen geben. Wenn ein Elternteil etwas gesagt hat müssen es beide Elternteile durchsetzen. Grundsätzlich sollte nicht alles nach dem "Lustprinzip" gehandhabt werden. Schlafenszeit ist Schlafenszeit . Und bei einem 5jährigen noch dabeizuliegen bis er schläft halte ich für befremdlich. Hagens Mutter auf dem Elternabend als Gruppe anzugehen halte ich für problematisch, da fühlt sie sich natürlich sofort angegriffen und verteidigt ihren Liebling. Einzelgespräche wären hier sicher sinnvoller. Wenn diese nichts fruchten geht es dann auf dem Elternabend schon in Ordnung. Grundsätzlich darf man bei der Liebe zu seinem Kind nicht die Erziehung vergessen. Kinder müssen sich an Regeln halten können, damit sie im wirklichen Leben klarkommen.
Unca
Unca | 19.05.2009
6 Antwort
Danke für eure Antworten.
Ich sehe es auch so, dass die Eltern der ersten beiden Beispiele komplett gegeneinander arbeiten. Es gibt keine einheitliche Linie und sie lassen sich aufgrund der gegensätzlichen Konzepte offen von ihrem Kind ausspielen. Der Keil ist längst zwischen den Beiden. Der Junge fungiert als Partnerersatz für die Mutter und hat den Vater längst ersetzt, vor allem im Bett . Die Mutti schläft ja nur noch bei ihm und ihr Mann schiebt Frust allein im Ehebett. Zusammen weggehen ist kaum noch möglich, weil der Junge durch das Verweigern bei der Oma zu schlafen die Eltern zwingt nur getrennter Wege zu gehen. Der Vater spielt die Aussenseiterrolle, weil Mutti in jeder Situation vor ihrem Kind steht. Frecheiten des Jungen werden nicht mehr wahrgenommen und folglich wird auch nicht angemessen reagiert. Im ersten Beispiel hätte es die Diskussion ums Zubettgehen bei mir auch nicht gegeben, genauso wenig, wie es bei mir Rituale gibt, die sich bis zum Einschlafen hinziehen. Ich sehe es als Recht auf Feierabend und Erholung, sowie dem Recht auf Zweisamkeit mit meinem Mann, also Schlafen die Kinder, sofern sie nicht unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, in ihrem Bett allein ein. Notfalls geh ich alle paar Minuten gucken und trösten, wenn es mit dem Einschlafen nicht gleich klappt, aber ich verbringe die Zeit nicht ritualsmäßig stundenlang am Kinderbett. Irgendwann möchte ich auch was für mich tun. Spätestens bei der Frecheit, Jemanden mit Ausdrücken zu belegen, wäre der Abend für das Kind vorbei gewesen. Ich hätte ihm gesagt, dass solche Worte absolut Niemand hören möchte und dass ich darüber richtig böse bin. Welche Bedeutung er dahinter tatsächlich sieht und von wem er das gelernt hat, wäre mir dabei völlig egal. Er hätte anhand meiner Reaktion erlebt, welche Bedeutung dahinter steckt. In jedem Fall hätte ich ihn in sein Zimmer geschickt. Dass Schlagen nicht zur Kindererziehung dient, hätte ich ebenfalls schon längst mit meinem Mann, ohne Beisein des Kindes, geklärt. Einer Ansage meines Mannes würde ich auch nicht widersprechen, sondern es anschließend unter 4 Augen klären, wenn ich eine andere Meinung hätte. Zum 2. Der Ball wäre bei mir auch spätestens nach dem "Unfall" verschwunden. Das Kind hätte ruhig spüren und erleben können, dass es sehr ärgerlich ist, wenn etwas kaputt geht . Anschließend hätte er noch eine Weile auf der Couch sitzen bleiben müssen, um ihm die Chance zu geben, die Situation zu verarbeiten, anstatt diese in einer Bedeutungslosigkeit verpuffen zu lassen, indem man ihn gleich weitertoben lässt. Ja und als Hagens Mutti, würde ich die Aussagen meines Jungen nicht so unkritisch betrachten. Ich habe ähnliche Situationen mit meiner Tochter erlebt, wo immer Indizien dafür sprachen, dass sie eine Sache verbockt hat, aber sie unter Tränen behauptete, dass sie es nicht war. Es ist wirklich ne verzwickte Situation, man möchte seinem Kind ja gern glauben, aber die Erfahrung zeigt mir, dass Kinder die Wahrheit oft gern etwas anders sehen, als wir. Es waren banale Situationen, wo auch keinerlei Strafe oder Konsequenz drohte, wo man nur wissen wollte, wo dies oder jenes abgeblieben ist oder wie man sich kuriose Dinge erklären kann. Vielleicht ist es ein unbewusster Test, wie weit man die Eltern in der Hand und um den Finger wickeln kann. Im übrigen geben die Bücher von Michael Winterhoff einen sehr guten Einblick in die Psyche der Eltern und Kinder. Viele Situationen versteht man danach besser. Dass dieser Mensch mit seinen Thesen Recht hat, zeigen mir diese 3 Beispiele, meine eigenen Erlebnisse mit meinen Kindern und meine Beobachtungen im gesamten Umfeld. Viele Kinder tun mir jetzt wirklich leid, weil sie, so wie Jonas, keine Chance haben, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die ihm ein späteres Bestehen in dieser Gesellschaft ermöglichen. Und das nur, weil seine Mama es einfach zu gut mit ihm meint, aber nicht mehr erkennt, dass ein Kind ausser Liebe und Verständnis auch noch eine Begrenzung des eigenen Ichs durch verantwortungsbewusste Erwachsene dringend benötigt.
fjordmaid
fjordmaid | 19.05.2009
7 Antwort
...
Das erinnert mich so ein bißchen an Winterhoff. Ich würde ganz anders AGIEREN. Ad 1. Ich entscheide, wie wichtig es mir ist, daß mein Kind ins Bett geht. Ist es mir nicht so wichtig, kann er ruhig noch aufbleiben. Ist es mir wichtig, suche ich einen Kompromiß: Er macht sich bettfertig und kann noch eine Viertel- oder halbe Stunde aufbleiben. Daß die Mutter ihn beim Einschlafen begleitet, kann ihm nicht angelastet werden. Ich habe meine Tochter begleitet, bis sie 3, 5 Jahre alt war. Dann stellte ich fest, daß es für mich nicht mehr stimmig ist und ich habe nach anderen Wegen gesucht. Es ist eine Frage der persönlichen Konsequenz, etwas zu ändern, was einen stört. Der Junge ist nicht schuld daran, er hat einfach - hm, ja . - keine Grenzen. Und damit meine ich nicht, daß alles und jedes reglementiert werden muß, sondern daß er lernt, daß andere ihre ganz persönlichen Grenzen haben, die er zu respektieren hat. Ad 2. Genau dasselbe. Man kann durchaus auch regeln, wer "Recht hat", wenn er dem Kind etwas sagt: derjenige, der zuerst reagiert, derjenige, der gerade zuständig, weil anwesend ist . Es wäre Sache des Vaters gewesen, konsequent zu sein. Wahrscheinlich hätte das bedeutet, dem Kind zu sagen: "Dort draußen darfst du." oder den Ball an sich zu nehmen. Nach dem "Unfall" ist doch das Kind schon in den Brunnen gefallen und man hätte viel zu spät reagiert. Ad 3. Schwierig . Dazu kann ich nichts sagen, weil ich noch kein Kind in dem Alter habe.
Backenzahn
Backenzahn | 19.05.2009

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