Schülerin beklagt sich über Schwerpunkte der schulischen Ausbildung

Moppelchen71
Moppelchen71
14.01.2015 | 18 Antworten
Ich bin durch die Nachrichten und einen dortigen Bericht, auf einen Artikel aufmerksam geworden.

Eine 18-jährige Schülerin beklagt sich via Internet (ich zitiere):
"...Ich bin fast 18 und hab' keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen."

Eine Aussage, die nachdenklich macht.
Wie oft haben wir hier bereits diskutiert, ob das, was unsere Kinder und Jugendlichen über Elternhaus und Schule lernen und vermittelt bekommen, sie auf das wirkliche Leben vorbereitet.
Die Frage war meist, ob wir unsere Kinder zu sehr verhätscheln, daran hindern, sich abzunabeln und ihnen die Möglichkeit nehmen, zu lernen, Konflikte selbst zu lösen.
Zieht man zu dieser Frage hinzu, ob unser Bildungssystem eben die Tauglichkeit für ein eigenständiges Leben mit Beruf, Haushalt und eigener Familie fördert und hört die Klage dieser jungen Dame, dann macht das sehr nachdenklich, oder wie seht Ihr das?

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18 Antworten

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1 Antwort
Ich denke für solche Dinge ist die Familie da ... Eltern sollten in der Regel darüber Bescheid wissen und wenn das Kind ins Alter kommt und den Gedanken hat auszuziehen - spätestens dann ist das Thema am Familientisch. In der Schule kann das mal durchgenommen werden im Rahmen des sozialen Unterrichts oder Berufsvorbereitung oder was auch immer - aber der Hauptteil sollte von zu Hause kommen. Diese Schülerin sollte vielleicht mal ihre Eltern darauf ansprechen ... ;)
Solo-Mami
Solo-Mami | 14.01.2015
2 Antwort
Ich sehe das genauso und kommuniziere das auch offen mit den Schülern. Mindestens 50% dessen, was ich nach der 6. Klasse im Deutschunterricht lehre, ich fürn Arsch und völlig sinnfrei für jemanden, der später nichts mit sprachlichem Schwerpunkt machen möchte. Meine Worte sind dann immer: "Die nächsten Wochen beschäftigen wir uns wieder mit einer Thematik, die 95% von euch nie wieder brauchen wird, aber da müssen wir jetzt durch. Ihr wie ich auch. Machen wir das Beste draus." Ich integriere dann in den Unterricht Gespräche und Inhalte, die der Lebenswelt der Kinder eher entspricht. Ich habe dafür nicht viel Raum, weil die Vorgaben für uns so eng sind, dass wir kaum abweichen können von dem, was bis zur Klassenarbeit durchgenommen werden muss, aber in einem kleinen Rahmen geht es und das nutze ich, wo ich kann. Meine Kollegen beäugen mich deswegen mit Argusaugen und es gibt Eltern, die damit nicht gut umgehen können und mich damit konfrontieren. Aber die meisten Eltern finden das gut, die Schüler sowieso. Es ist das Problem unseres Bildungssystems. Jeder Schüler, egal welche Stärken er hat, wird bis zum Ende der 10. Klasse oder auch der 13. Klasse so vorbereitet, dass er alles machen kann. Jemand, der später einen handwerklichen Beruf machen will, weil das genau sein Element ist, wird genau das gleiche lernen müssen wie jemand, der später Medizin oder Jura studieren oder eine Banklehre machen wird. So etwas nennt man Chancengleichheit, wobei hier eine Fehler in der Begrifflichkeit besteht. Denn eigentlich handelt es sich um Gleichmacherei. Deutschland und etliche andere Staaten beschneiden sich auf diese Weise ihrer Spezialisten. Jedes Kind hat Stärken und ist kreativ. Nur über Kreativität kann nachhaltig gelernt werden und das sollte an der Lebenswelt der Kinder passieren. Denn nur das, was für Kinder von Bedeutung ist, kann wirklich gelernt und angewendet werden. Doch genau das Gegenteil wird gemacht. Die Stärken eines jeden Kindes werden zu Gunsten der Gleichmacherei so lange gedeckelt, bis die Kinder ihre Stärken gar nicht mehr kennen. Dabei müsste man eigentlich nicht die Schwächen fördern , sondern es müsste gezielt nach den Stärken gesucht werden und dann Raum für die Weiterentwicklung der Stärken geschaffen werden. Resultat wäre, dass die Kinder sich selber besser kennen würden und später in ihren Berufen glücklich wären, weil sie ihr Element kennen und darin leben würden. Leider ist das fern jeder Realität und man muss sich fragen, warum das so wenige Menschen kapieren, die da oben in den Ministerien sitzen. Aber selbst auf Berufsschulen, von denen man meinen sollte, dass sie gezielt vorbereiten, wird 70% gelehrt, das nichts mit dem folgenden Beruf zu tun hat. Warum muss ein Karosseriebauer Gedichte analysieren? Das ist doch sinnfrei. Eine Basis muss in der Schule für alle geschaffen und danach müssen gezielt die Stärken ganz individuell gefördert werden. Es wird jedoch erst soweit kommen müssen, dass wir uns die Ausbildungskräfte aus dem Ausland holen und unsere eigenen Jugendlichen mit Hartz IV unterstützen müssen, bevor das auch in Deutschland diejenigen kapieren, die am Knöpfchen sitzen.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
3 Antwort
Das macht mich auch gerade nachdenklich. Klar, die schule kann nicht alles auffangen, aber wissen zu steuern, Versicherungen und Miete halte ich auch für wichtiger als gedichtsanalysen. Bei uns in der schule gibt es ab dem 6ten Schuljahr wahlpflichtfächer, unter anderem auch arbeitslehre, wo gelernt wird, wie man sich organisiert, also verschiedene Pläne aufstellt, sein geld, das man zur Verfügung hat am besten einteilt usw. Die Arbeiten da auch praktisch, werden mit Geld u d Einkaufszetteln in diverse Läden zum einkaufen geschickt, damit sie lernen , wo Preisunterschiede sind. Ich denke auch, dass vieles, was man lernt, man im täglichen Leben nicht braucht. Aber irgendwann haben irgendwelche Leute mal festgelegt, dass es wichtig ist, Gedichte analysieren zu können, und deshalb kann die Schülerin das jetzt, sogar in 4 sprachen, wow... Ob man das sinnvoll findet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen
Chrissi1410
Chrissi1410 | 14.01.2015
4 Antwort
Diese 18-Jährige gibt da einen Denkanstoß, der gut ist . Ich finde es so geil, dass sie so einen Hype um die Aussagen einer Schülerin machen, aber deutliche Hinweise von gestandenen Lehrern bestenfalls mit einem Schulterzucken quittieren, weil Lehrer alle ja so doof sind und keine Ahnung von Schule und der Lebenswirklichkeit von Kindern haben. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Seit Jahrzehnten reden gute Lehrer sich den Mund fusselig und keiner hört zu. Es geht hier nicht nur darum, dass die Kinder was über Steuern oder Mieten oder Versicherungen lernen sollten. Es geht hier um viel, viel mehr. Schule erzieht nicht zu selbstbestimmten Menschen, die gerne arbeiten gehen, weil sie das tun, was sie tun wollen. Sie erzieht zu materialistischen Menschen, die sich selber verloren haben und glauben, dass ein gut bezahlter Job, ein Auto und ein Haus zum wahren Glück verhelfen. Das Ganze jetzt auf Steuern und Versicherungen runterzubrechen, führt in weitem Bogen am Problem vorbei, weil es nur einen klitzekleinen Bruchteil der Lebenswelt anspricht. Man sollte seinen Blick mal ein bisschen erweitern, um das Grundproblem zu erfassen, sonst treten wir nämlich noch ein paar Jahrzehnte auf der Stelle. Steuern, Mieten und Versicherungen in das Fach Politik einzubauen, wäre mit einem Fingerschnipsen erledigt. Das kannst du in drei Wochen abhandeln. Und dann hätten wir in etwa 0, 3 Prozent des Problems gelöst.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
5 Antwort
So in etwa, wie die Schülerin, habe ich mich vor ein paar Jahren auch gefühlt, als meine Mutter mich von heut auf morgen auf die Straße gesetzt hat. Ich hatte keine Ahnung von nichts und hätte ich nicht vorher schon Kontakt zu streetworkern gehabt , die mir nen laufzettel in die Hand gedrückt haben, damit ich weiß wer meine ersten Anlaufstellen sind, hätte ich mit Sicherheit binnen 3 Wochen keine eigene Wohnung gehabt. Keine Möbel, hätte wohl mein Abi abgebrochen, meinen nebenjob hingeschmissen usw. Dann zu lernen, wie man mit wenig Geld im Monat auskommen soll, obwohl immer gepredigt wurde: sparen, sparen, sparen! , war auch keine leichte Aufgabe. Aber gut, das ist wohl eher nen Sonderfall. In den meisten Fällen, kann man in solchen Sachen seine Eltern fragen wie das dann abläuft. Und ich stimme mit dem was myrthe über das Schulsystem sagt, im großen und ganzen überein. So viel Perspektivlosigkeit wie ich in meinem Abi-Jahrgang gesehen hab, war unglaublich. Wieviele, mich eingeschlossen, Abitur gemacht haben, einfach weil keiner ne Ahnung hatte was er nach der Schule machen will. Am Ende haben so viele eine Ausbildung angefangen für die diese Qualifikation keine Voraussetzung gewesen ist. Somit wurden andere mit "schlechterer" Qualifikation vielleicht um ihre Ausbildungsstelle gebracht. Ob es wirklich was bringt, Kinder los zuschicken damit sie einkaufen gehen, um zu sehen wo preisunterschiede sind, halte ich eher für kritisch. Je nachdem wie sehr danach analysiert wird, warum es diese preisunterschiede gibt. Und Jungen Kindern erklären zu müssen das beispielsweise das Fleisch bei Aldi billiger ist, weil diese und jene katastrophalen Umstände während der Zucht, dem Transport, der Schlachtung usw. dazu führen, dass es eben günstiger ist, halte ich für sehr fragwürdig. Heißt also, Kinder lernen es ist da billiger, die komplette nächste Generation kauft nur noch billig ein und das Ausbeuten wird nie ein Ende nehmen. aber gut, das ist ein anderes Thema.
gaga89
gaga89 | 14.01.2015
6 Antwort
@gaga89 Das ist sowieso so ein irrwitz, manche meinen, mit der volljährige müssen die Kinder dann alles können und wissen und ihr Leben Bitte selbst in die Hand nehmen und für ihr tun verantwortlich sein. Ist ein sehr interessantes thema. Bin jetzt erst mal raus, weil ich weg muss, schreib aber später bestimmt noch was dazu.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 14.01.2015
7 Antwort
ich hatte es beim meinem jahresgesräch mit der kindergärtnerine meines sohnes auch von schule etc. Sie sagte mittlerweile gibt es ein Projekt " Schule im Aufbruch" sie selbst findet es einfach schlimm das ganze schulsystem. Ich habe mich zu meiner schande noch gar nicht so richtig damit befasst da mein sohn entweder nächstes oder übernächstes jahr in die schule kommt.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
8 Antwort
http://blog.schule-im-aufbruch.de/ hier kann man sich mal rein lesen wer möchte. Ich selbst habe mich noch nicht damit befasst, weiss also auch noch nicht was drin steht
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
9 Antwort
Aufgabe der Schule ist es in meinen AUgen die Kinder und Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten. Je nach Schulzweig auf versch. Arten. Die Jugendlichen auf ein selbständiges Leben vorzubereiten, über den Rahmen hinaus was die Schule macht, isz für mich eindeutig SACHEN DER ELTERN!! Man kann doch nicht alles auf die Schule und unser Bildungssystem abwälzen und den eigenen Kindern nichts an alltagstauglicher Erfahrung mit auf den Weg gehen. einerseits sollen sie so viel wie nur möglich an theoretischem Wissen in sich reinstopfen damit möglichst alle Gymnasium und Studium anstreben. Andererseits wird dann gemeckert wenn Sachen die zum Alltag gehören dabei auf der Strecke bleiben. Ist es denn von ELtern zu viel verlangt wenn sie ihren Kindern erklären was auf sie zukommt im täglichen Leben?? Ist es zu viel verlangt dass Eltern Ihre Kinder auf dem Weg in die Selbstständigkeit an der Hand nehmen und den Schritt mit ihnen gehen?? Was vermitteln die Eltern denn, wo alles herkommt wenn ein Jugendlicher mit 17 jahren noch nicht weiss dass man Miete zahlen muss, oder Versicherungen?? Das ist doch nicht das Problem der Lehrer!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
10 Antwort
@Sabi77 Ich finde schon, dass gewisse Dinge wichtig sind zu lernen, die das tägliche Leben betreffen, z.b. was man bei einem Vertrag beachten muss, was die schufa ist, was bei Steuererklärungen wichtig ist und warum man das macht. Und ich traue Lehrern zu, dass sie das vermitteln können. Ob alle Eltern das können, wage ich zu bezweifeln. Mein Sohn macht im Deutschunterricht im Moment ein Portfolio über götz von berlichingen als Langzeitaufgabe über mehrere wochen. Den ordner, den er erstellt, wird benotet. Wo werden die Schüler in ihrem Leben noch mal in so einer Ausführlichkeit was von gvb wissen müssen, es sei denn, sie wollen Geschichte studieren? Ich finde auch, dass der Unterrichtsstoff näher am leben dran sein sollte.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 14.01.2015
11 Antwort
@Chrissi1410 Ich bin der Meinung es kommt auf die Schule an. Also die Art der Schule. Meine Töchter haben etwas über Versicherungen, Verträge, usw gelernt. Natürlich ist manches nicht für jeden wichtig. Aber wie soll zum Beispiel ein Gymnasium differenzieren? Die müssen doch auf alle Studienzweige vorbereiten, den Jugendlichen Einblicke in die versch. Bereiche geben damit sie später den Studienzweig wählen können der ihnen am meisten liegt. Auf welche schule geht denn dein Sohn? Vielleicht ist ja auch dort jemand der mal Geschichte studieren möchte. Oder dein Sohn möchte Mathematik studieren und hat überwiegend Deutsch gemacht weil andere eltern eben das wichtig finden.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
12 Antwort
Ich sehe die Aussage der Schülerin eher symbolisch, daher beiße ich mich auch nicht an der Gedichtanalyse fest. Auch kann ich nicht sagen, dass ausschließlich Elternhaus oder ausschließlich Schule die Verantwortlichkeit tragen, Kinder und Jugendliche aufs Leben vorzubereiten. Fangen wir im Elternhaus an: Ab wann dürfen Kinder heutzutage selbstständig einkaufen gehen? Für mich war es selbstverständlich, bereits im Vorschulalter, am Samstagmorgen, mit meinem kleinen Zettel in der Hand, Einkaufsnetzt und einem Portemonnaie, Brötchen beim Bäcker um die Ecke holen zu DÜRFEN! Ich durfte nicht nur, ich MUSSTE die knapp 2, 5km zur Schule hin und zurück laufen. Mir wurde auch mal gesagt, dass bestimmte wünsche nicht erfüllbar sind, da das Geld dazu nicht ausreichte. Wenn ich Klamotten haben wollte, dann musste ich schon den praktischen Wert herauskehren. Da gab es nichts, weil ich irgendwelche Trends mithalten musste und ich die 30. Hose mit grünen Querstreifen brauchte, weil die gerade IN ist und ich sonst gemobbt werde. Auch hatte ich nie das Gefühl, als Erwachsene einen Therapieplatz zu benötigen, weil ich nach dem Essen Geschirr abtrocknen musste. Konflikte lösten wir Kinder größtenteils allein, da mischten keine Eltern mit und schon gar nicht die Polizei. So etwas geschah nur in absolute Ausnahmefällen. In der Schule hatte ich noch bis in die Unterstufe regelmäßig auch Samstags und unter der Woche, bis in den Nachmittag Unterricht. Aber nicht, weil dann Hausaufgaben unter Beaufsichtigung gemacht wurden – die folgten dann, oft bis zum Abend, zu Hause - und wir ein Mittagessen bekommen hätten, sondern weil wir Unterrichtsstunden, Pflicht-AGs usw. hatten. Ich lernte, obwohl auch meine Oma mich sehr viel lehrte, in der Schule stricken, häkeln, selbst nähen. Zumindest so, dass ich Grundkenntnisse hatte, um Knöpfe wieder an Jacken zu nähen, statt wegzuwerfen und eine neue Jacke zu kaufen und mir einen Schal zu stricken. Es gab noch „Kochen“ als Unterrichtssfach oder „Schwimmen“... In Fächern wie „Werte und Normen“, „Politik“ und „Sozialkunde“, wurde u.A. der Aufbau unserer Regierungssystems erklärt, seit wann es in dieser Form existiert und auch, wann beispielsweise unser Sozialversicherungssystem eingeführt wurde, wobei wir zwischen den Anfangszeiten und heute verglichen, um Unterschiede zu erkennen. Trotzdem lernte ich auch Dinge, die ich heute nicht mehr brauche und auch nicht wüsste, in welchem Beruf sie notwendig wäre. Ich las in der Schule den „Tell“, „Im Westen nichts Neues“, Der Besuch der alten Dame“, „Das Leben des Galileo“, analysierte klassische Musikstücke wie „Die Moldau“ von Smetana, kann die gesamte Ouvertüre von „Figaros Hochzeit“ mitsingen... Wir wurden gefördert, zu erkennen, dass wir miteinander, wenn jeder sich einbringt, stärker sind, dass jeder seine eigenen Stärken einbringt und damit eine Gruppe insgesamt bestandsfähiger ist. Ob das nun in Form eines Chors war oder durch Gruppenarbeiten in den Unterrichtsfächern. Bei uns standen auch keine Eltern mit Protestschildern vor der Schule und schickten Delegationen zur Schulbehörde, weil wir in „Biologie“ eine Miesmuschel sezieren sollten oder einen Film über die Kriegsverbrechen im Dritten Reich ansahen. Für uns waren Lehrer noch Respektspersonen, denen gegenüber wir zwar unsere Meinung vertreten durften und sollten, dabei aber um die Notwendigkeit gewisser Gesprächsgrundformen in Umgangston und Argumentation wussten. Und wie sieht es heute aus? Kinder werden immer später symbolisch abgenabelt. Unsere Gesellschaft erwartet die Entwicklung zu „Helikopter-Eltern“, die praktisch die Führung des Lebens ihres Nachwuchses in allen Bereichen kontrolliert, führt und ihnen die Selbstständigkeit verweigert, aus falsch verstandenem Schutzdenken. Unsere Kinder bekommen immer seltener ein „Nein“, Grundregeln des höflichen Umgangs werden als psychischer Druck auf arme Kinderseelen betrachtet. Konflikte lösen nicht die Heranwachsenden selbst, sondern deren Eltern, die zur Polizei gehen. Einkaufe gehen? Um Himmels Willen! Sollen die Kinder den Eindruck bekommen, sie trügen die schwere Last der Verantwortung, für die Familie das Futter beschaffen zu müssen? Im Haushalt helfen und grundlegende Dinge fürs Leben dabei lernen, zu wissen, wie man einen Staubsauger hält, dass sich der Mülleimer nicht durch die Macht von Heinzelmännchen leert, sondern sein Inhalt in diese seltsame Tonne hinter dem Haus kommt, die dann entleert wird und Socken nicht von allein zur Waschmaschine wandern, um sich dann, frisch gewaschen, in den Schrank zu legen, sind doch Werte, die viele Eltern ihren Kindern gar nicht mehr vermitteln. Dafür darf ein Kind aber spätestens mit 5 Jahren nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben, weil das unrealistisch ist? Kam in meiner Kindheit eine Beschwerde aus der Schule, dass wir den Unterricht störten und frech zu den Lehrern waren, gab es zu Hause einen Einlauf und Konsequenzen, aus denen wir genug Zeit gewannen, unser Verhalten zu überdenken. Heute werden die Lehrer von Eltern abgekanzelt, sie sollten sich ihr Ausbildungsgeld zurückholen, wenn sie nicht mal wüssten, wie sie Muttis kleinen Engel im Unterricht so huldigen, dass er es nicht mehr nötig hat, sich durch Stören hervorzuheben. Wie viele Schulfächer wurden zusammengelegt und komprimiert? Hausaufgabenzeiten auf unter 30min reglementiert? Wie viel Luft haben Lehrer – wie Myrthe es bereits deutlich sagte – um fürs Leben relevante Dinge in den Unterricht einfließen zu lassen? Ob nun Schule oder Elternhaus, sehe ich – im Vergleich zu meiner Kindheit – einen ganz klaren Unterschied: Damals waren beide Teile zwar streng getrennt, arbeiteten jedoch automatisch Hand in Hand und wir konnten mehr lernen. Heute schieben sowohl Schule, als auch Elternhaus sich gegenseitig die Verantwortlichkeiten zu, werden gesetzlich und gesellschaftlich moralisch, in immer engere Muster gedrückt, die Kinder bewusst klein halten. Und das, obwohl es heute, stärker als je zuvor, Eltern in die Schule mit eingebunden werden. Teilweise kennen Lehrer die Eltern ja sogar besser, als die Schüler! Es ist mir nicht nachvollziehbar, wie da die Bildung, die sich auf Selbständigkeit im Leben bezieht, auf der Strecke bleiben kann. Nicht alles kann im Elternhaus vermittelt werden und das gleiche gilt auch für die Schule. Letztere ist an straffe Pläne gebunden, die – meiner festen Überzeugung nach – dringend überarbeitet werden müssten. Und auch unsere Gesellschaft sollte vielleicht in manchen Punkten einen Entwicklungsschritt zurück gehen. An die Stelle, wo man Kinder noch aufs Leben vorbereitete und ihnen Grenzen zeigte, die sie auch heute noch brauchen und wünschen, denn dadurch erhalten sie mehr Stabilität, als gänzlich ungeführt an der Nabelschnur zu hängen, die dann am Tag der Volljährigkeit durchschnitten wird, um ein körperlich ausgewachsenes Neugeborenes in die Welt zu werfen. Daher bin ich absolut für Reformen in der Schule UND im Elternhaus!
Moppelchen71
Moppelchen71 | 14.01.2015
13 Antwort
@Maulende-Myrthe Individualität fordert. Deshalb sage ich auch das sport Kunst Musik als notenfach abgeschafft werden sollten. Ein mensch ist sportlich musikalisch oder künstlerisch begabt.
daven04
daven04 | 14.01.2015
14 Antwort
@daven04 Aber Mathe soll weiter benotet werden, weil jedes Kind die gleichen Voraussetzungen hat, Mathematik zu lernen? Oder Englisch? Oder Deutsch? Oder oder oder? Ich bin für die generelle Abschaffung von Noten. Ich sehe überhaupt keinen Sinn darin, das für manche Fächer bestehen zu lassen und für andere nicht.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 14.01.2015
15 Antwort
@Maulende-Myrthe Meine Nichten sind in einer Schule, wo eben genau die Abschaffung der Noten schon stattfand. Das genaue Prinzip kenne ich nicht, weil das ja auch neu für mich war, aber ich habe mir die eugnisse angesehen. Keine einzelnen Blätter mit Zahlen, sondern eine Mappe mit vielen Seiten. Praktisch zu jedem Fach, ebenso zum Verhalten insgesamt, wird eine Bewertung geschrieben, worin Stärken hervorgehoben und Schwächen eben nicht als Schwächen dargestellt sind. Grob , wird erklärt, was im Unterricht durchgenommen wurde. Alles in allem ergibt sich dann, aus allen Blättern zusammen, ein individuelles Profil des Schülers. Nicht mehr nach "gut" und "schlecht" eingeteilt, sondern eben um die Stärken zu betonen und zu motivieren. Ich fand das wirklich gut und meine Nichten reflektieren sich dadurch auch objektiver, als vorher, mit den Notensystemen. Das macht sich auch insgesamt auf das Lernverhalten meiner Nichten bemerkbar. Sie sind animierter, engagierter und setzen sich mehr Ziele, was sie lernen wollen. Sie lernen nicht mehr für eine Zahl auf dem Zeugnis, am Schuljahresende, sondern für sich. Allein das ist schon ein beachtlicher Schritt in die Selbstständigkeit, finde ich.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 14.01.2015
16 Antwort
@Maulende-Myrthe Habe doch jetzt noch mal nachgesehen, welches Prinzip man dort hat. Es ist eine IGS. Mag man nicht viel von Gesamtschulen halten, jedoch finde ich an der IGS gut, dass die Kurssysteme die Stärken der Schüler besser hervorheben und die Schwächen individueller fördern.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 14.01.2015
17 Antwort
@Moppelchen71 Hört sich toll an. Ich hoffe, dass sich mehr Schulen an so einem System ein Beispiel nehmen. Auf den Waldorfschulen wird es schon immer so gemacht und das wird nach wie vor belächelt. Es macht Hoffnung, dass andere Schulen nachziehen. Ich wünschte, das wäre hier auch so. Wir können uns die Waldorfschule buchstäblich nicht leisten und haben nach langen, langen Überlegungen eine normale Schule für Luisa gewählt. Dann muss mein Einfluss umso größer sein und ich muss es eben zu Hause gerade bügeln, was die Schule verbockt. Es bereitet mir Bauchschmerzen, meine Kind in dieses bekackte System zu schmeißen. Umso schöner finde ich es, zu hören, dass es auch anders geht und das an einer Schule, die sich nicht alternativ zu nennen braucht. Das könnte weitere Kreise ziehen. Toll! Es hat allerdings mit IGS nicht direkt was zu tun. Es gibt unzählige IGS hier und keine hat so ein Bewertungssystem.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 15.01.2015
18 Antwort
Ich hab den Artikel heute auch gelesen und auch, dass eine Partei dafür ist, dass solche Dinge gelehrt werden. Ich finde auch, dass es wichtig ist, dass jugendliche, die mit der schule fertig sind, wissen, wie z.b. ein Steuerformular aussieht, was zu einer Steuererklärung dazugehört, unterschied zwischen Kaution und Provision bei einer Miete usw. Ich glaube, Eltern würden nicht auf die Idee kommen, einem 16 oder 17 jährigen solche Dinge zu erklären und mal ganz ehrlich, wie hättet ihr reagiert, wenn eure Eltern in dem alter angekommen wären und gesagt hätten, komm, ich erklärt dir jetzt mal, wie man eine Steuererklärung macht? Die schule soll es ja nicht bis zur Perfektion beibringen, aber so, dass Jugendliche sagen können, ja, da hab ich schon mal was von gehört.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 15.01.2015

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