Nehmen wir unseren Kindern die Fähigkeit zu lernen, Konflikte selbst zu lösen?

Moppelchen71
Moppelchen71
24.11.2014 | 8 Antworten
Auf meine Frage komme ich aufgrund einer sehr hitzigen Disskussion bei FB, die auf einem Vorfall basiert, der heute durch die Medien geht.
Heute Mittag löste ein Schüler unseres örtlichen Gymnasium einen Großalarm aus. Er brachte eine Dose mit 40ml Pfefferspray mit in die Schule und versprühte dieses wohl heute Mittag. Nicht gezielt gegen Schüler, sondern wohl allgemein.
Über die Lüftung soll sich das Pfefferspray wohl im Gebäude verteilt haben und einige Schüler wurden vorsorglich ins KH gebracht. Augenreizungen, Übelkeit, Husten.
Aus dem Umkreis von zig Kilometern rückten Feuerwehren, rettungswagen und Katastrophenschutz aus, für den Fall, dass es doch ein Gasleck sein könnte oder es mehr Verletzte gäbe.
Zum Glück war dies nicht der Fall!

Es wurde niemand ernsthaft verletzt, auch wenn die Reizungen, von denen knapp 30 Schüler betroffen sein sollen, nicht heruntergespielt werden sollen.
Der verursachende Junge wird mit Sicherheit ernsthafte Konsequenzen zu erwarten haben, denn allein der Großeinsatz wird teuer. Dazu eben der Besitz des Pfefferspray, dass er als Minderjähriger gar nicht haben darf... Auch die Eltern werden sich verantworten müssen.
Ein wohl wirklich mehr als dummer und unbedachter Jungenstreich, über den man nur den Kopf schütteln kann.

Allerdings diskutieren nun, in einer Gruppe bei FB, Eltern betroffener Kinder, Ortsansässige, nicht-Betroffene und eben alle, die zu dem Thema eine Meinung haben.
Von Anzeigen gegen den Jungen ist die Rede, Schadensersatzforderungen, Schmerzensgeld, ...

Ich sehe es so, dass es diesen Vorfall zwar nicht hätte geben sürfen, aber man im Nachhinien mehr als froh sein kann, dass nicht mehr passiert ist. Der Junge wird sich verantworten müssen, dem klopft niemand die Schulter und zwinkert ihm zu.
Aber ich finde es etwas übertrieben, bei einem glücklicherweise glimpflichen Ausgang, den Bengel auch noc so dermaßen zu kriminalisieren.
Da ist die Rede davon, heute wäre es Pfefferspray, morgen vielleicht ein Amoklauf.
Die Erwachsenen haben sich in den Haaren, kloppen verbal aufeinander ein und die Kinder sitzen morgen bereits wieder zusammen, lachen und verheimlichen ihren Eltern, dass sie sich mit dem Verursacher wieder vertragen haben, weil das ja ein richtig Krimineller ist.
Argumente kommen sinngemäß wie "Meinem Kind war heute Nachmittag übel. Da hat der Verursacher Konsequenzen zu tragen".
Nix mit "Lasst die Kinder ihm sagen, wie scheiße sie sein Verhalten finden", sondern "Ich werf mich vor mein Junges und bin bereit zu töten".
Irgendwo ja auch verständlich, aber nehmen wir damit nicht auch teilweise unseren Kindern die Möglichkeit, selbst Konflikte zu lösen?
In diesem Fall können die Kinder das nicht allein und unter sich ausmachen, das ist - allein durch den Großeinsatz - nicht möglich.
ABer erleben wir nicht immer wieder Situationen, wo unsere Kinder sich beispielsweise streiten, wir uns dazwischen hängen, einmischen und den Kindern jegliche Möglichkeit nehmen, ihre Konflikte auch mal allein auszutragen?
Was lernen unsere Kindern dann, wenn sie sich nicht allein um Konfliktlösungen bemühen dürfen?
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1 Antwort
Ich denke auch, dass der Junge seine Strafe schon bekommen wird. Kann die Eltern aber auch verstehen. Sie müssen den Schock jetzt auch irgendwie verkraften, dann wird Verbal auch mal ordentlich ausgeteilt. Auch den Eltern wird morgen noch ein Licht aufgehen, wenn auch nicht unbedingt allen, aber ich denke viele. Ich hänge mich generell in keine Konflikte meiner Kinder rein. Ich unterstütze sie nur, indem sie mit mir darüber reden können, ich ihnen Ratschläge gebe, wenn sie erwünscht sind, aber mehr auch nicht. Klar ist das wiederum auch Situationsabhängig, aber ich spreche hier mal von normalen Konflikten und keiner Extremfälle.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 24.11.2014
2 Antwort
@SKKJFP Naja, ich kann mich selbst nicht davon freisprechen, mich auch schon mal tiefer hinein gekniet zu haben. Immun ist man da wohl nicht. Aber wenn man es mit Abstand, also als Außenstehender betrachtet, sieht man es irgendwie anders. Eltern sprechen dort von traumatisierten Kindern und sehen das als Grund genug für STrafe. Währenddessen posten diese Kids teilweise bei FB und hören sich so gar nicht traumatisiert an. Eher so "Boah, Alter, das war ja was. Heftig! Mir gehts schon wieder ganz gut und Euch?" Da kam dann von einer Diskussionsteilnehmerin, dass es wirkt, als sind die Eltern stärker traumatisiert, als ihre Kinder. Und so mal die Diskussion und Argumente betrachtet, muss ich sagen, dass es tatsächlich so wirkt. Man fragt sich dann, wie oft man selbst so war oder noch sein könnte und dabei vielleicht unbewusst seinen Kindern Traumata inredet, die sie so gar nicht hätten.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 24.11.2014
3 Antwort
Puh.....generell denke ich, dass Kinder/Heranwachsenden Konsequenzen nicht deutlich genug gemacht werden. Ich kann nur sagen, in meiner Schulzeit währe auf so eine Schnapsidee keiner gekommen. Wir haben auch Äpfel vom Nachbarn geklaut, auch mal derbere Sachen wie eniem unbeliebten Mathelehrer in seine Satteltasche vom Moppet gekackt! Geraucht, mal ne Stunde geschwänzt. Wenn wir erwischt wurden dann hatten wir allerdings richtig Fracksausen. Mein Vater war da echt konsequent....das gab richtig Stress. Wir haben aber nie andere gefährdet. Erziehung fand auch unter uns im Klassenverband statt. Es gab sowas wie Klassenkeile für Verräter oder auch für solche die Schwächere drangsalierten. Es wurde geschnitten und das hatte viel mehr Wirkung als alles andere. Niemand unserer Eltern mischte sich da ein! Im Gegenteil, wer bei Mama und Papa petzte galt als Lusche und hatte Hohn und Spott zu erwarten. Solche Dinge wie das mit dem Pfefferspray ist ernster. Die Frage ist, wie kommt ein Junge auf sowas? Wenn ich was zu sagen hätte, dann würde ich den Jungen Sozialstunden im Krankenhaus ableisten lassen. Aber, ich würde mal nachfragen wie der sich Zuhause wohl fühlt, ob er Beachtung findet? Sollte der glaubhaft machen können, dass Zuhause niemand Interesse an ihm hat, dann gingen bei mir die Eltern mit in die Sozialstunden. Der Aufschrei der Eltern von betroffenen Kindern ist nachvollziehbar aber mal wieder völlig unangemessen. Als wenn sie weniger Angst um ihre Kinder haben weil der Junge den Stempel der Strafanzeige trägt? Deutschland deine Rechtsstaatschreier! Das sind die, die fein weggucken wenn Ausländer verprügelt werden aber die Ersten die nach der staatlichen Gewalt schreien wenns um den eigenen Arsch geht!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 24.11.2014
4 Antwort
Verständlich irgendwie wie die Eltern reden. Und keiner der Erwachsen hat mal dran gedacht, dass es auch hätte sein Kind sein können.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 24.11.2014
5 Antwort
@Heviane Es ist nicht ganz deutlich rüber gekommen, aber der Junge hat wohl das Pfefferspray nicht gezielt gegen jemanden gerichtet. Da nehme ich jetzt mal an, die hatten sich vielleicht drüber unterhalten, ob das wirklich so ein fieses Zeug ist, keiner hatte eine Vorstellung und dann hat das einer mitgebracht und es hieß "Wollen wir mal ausprobieren? Stell Dir mal vor, wenn dann die Lehrer hier rumheulen..." Nur als Vermutung! Klar, wir wissen, was das für ein Teufelzeug ist. Steht ja nicht umsonst seit ein paar Jahren zumindest eingeschränkt im Waffengesetz, soweit ich informiert bin. Aber ich denke eben auch, dass dieser Junge da, möglicherweise angestachelt von Freunden, gar nichts Böses im Schilde führte. In der Diskussion auf FB wird auch spekuliert, wei der Junge an "so etwas Gefährliches" kommen konnte und eine der Antworten bezog sich dann auf das Böse Internet. Da musste ich tatsächlich den Kopf schütteln. Nun ist es wieder das Internet, am Ende Gewaltfilme, blutrünstige Spiele... Dabei bräuchte ein Großteil der Kinder nur an die Jackentasche der Eltern gehen, die eben Pfefferspray grundsätzlich zum Gassigehen mit Fifi mitführen, weil dem mal ein fremder Hund am Hintern schnuppern könnte. Allein da finde ich schon erschreckend, wie man den Kindern auf die Art vorlebt, dass Gassigehen mit Fifi durchaus so gefährlich sein könnte, dass man sich bewaffnen muss. Ich habe seit über 20 Jahren Hunde. Nicht durchgehend, aber eben genug Hundeerfahrung, um mich noch nie "Bewaffnen" zu müssen. Gut, mit meinem Mondkalb sowieso nicht. Aber auch bei den kleineren Hunden hatte ich nie Pfefferspray oder ähnliches. Das beschäftigt mich alles gerade extrem und wirft so viele Fragen auf. Was leben wir unseren Kindern vor, in was für einer gefährlichen Welt wir leben? Damals gab es Pfefferspray überall frei zu kaufen und wir kamen nicht auf die Idee es auszuprobieren. Man sagte uns, was das für ein Teufelzeug ist und wir hatten kein Interesse an einer Begegnung. Ich kenne eion paar Jungs, die es ausprobierten. Aus der einmaligen Erfahrung lernten die was. Da wissen die Eltern bis heute nichts von. Heute wird eben alles mehr oder weniger für die Kinder geregekt, als leben wir das Leben unserer Kinder, damit die um Himmels Willen keine schlimmen Erfahrungen machen müssen, habe ich manchmal den Eindruck. Oder sehe ich das zu eng?
Moppelchen71
Moppelchen71 | 24.11.2014
6 Antwort
@MietzeLietze Doch, es sind auch Eltern betroffener Kinder dabei, die sagen, dass sie froh sind, dass es eben alles glimpflich verlief, kein Amoklauf oder böswillige Attacke war. Aber die Eltern werden teilweise hingestellt, als sind sie Rabeneltern, weil sie den "Täter" nicht zerhacken wollen und meinen, alle könnten froh sein, dass nichts Schlimmeres geschehen ist.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 25.11.2014
7 Antwort
Pfefferspray zum Einsatz gegen Menschen ist eine waffe und unterliegt demnach dem waffengesetz... man kann sowas in entsprechenden läden oder auch im Internet kaufen, aber nich so einfach, wie oftmals gepriesen wird..da is nix mit klick, klick und zack kannst es kaufen.. alles was dem waffengesetz unterliegt, sei es pfefferspray zum Einsatz gegen menschen, Munition, gewehre, Pistolen und co., erfordert den entsprechenden nachweis, i.d.r. der Waffenbesitzkarte oder sonstigen gleichwertigen Dokumenten, die belegen, dass man solche dingen und dann auch nur für diesen einen zweck führen darf.. kauf ich mir ne waffe, meinetwegen ein gewehr, sei es nun im laden oder übers Internet, muss ich meine gültige waffenbesitzkarte und auch meinen gültigen Jagdschein nachweisen, ansonsten brauch ich gar nich dran zu denken, mir sowas anzuschaffen pfefferspray, was als tierabwehrspray dienen soll und dementsprechend auch gekennzeichnet werden muss setzt man sowas gegen menschen ein, ist das gefährliche Körperverletzung, außer, es kann Notwehr nachgewiesen werden ich gehe in dem fall einfach mal davon aus, dass es sich um normales tierabwehrspray gehandelt hat und der junge, 14 jahre oder älter is das spray hätte er führen dürfen, nur eben nicht in der schule.. das wär jetzt der eine punkt, bei dem er gegen die Schulordnung verstoßen hat das rumsprühen würde/könnte als versuchte Körperverletzung ausgelegt werden..ob nun leichte oder schwere, liegt im ermessen der Staatsanwaltschaft... wenn er vorher nich auffälig war, wird da wohl auch nich soooo wahnsinnig viel passieren... n Dudu in form von paar sozialstunden oder ner Geldstrafe und das wars... denke ich jedenfalls und in 20 oder 30 jahren schwelgt man in Erinnerungen und lacht sich schlapp über diese Dummheit, die es, zumindest bei dem was ich aus der Schilderung rauslesen, war.. da jetzt son fass aufzumachen als Eltern, wo niemand groß verletzt wurde und auch nich absichtlich gezielt vorgegangen wurde, find ich maßlos übertrieben... sicher war die aktion nich okay, aber solche Sachen wie gleich nach schadensersatz und Schmerzensgeld schreien, in dem jungen nen potenziellen Amokläufer sehen und ihn kriminalisieren, geht zu weit wäre ja mal gespannt, wer diese ganzen dinge, die er so groß groß rausposaunt, am ende auch in die tat umsetzt...meist is es doch nur heiße luft und Schneegestöber, die aus solchen ecken kommt ich wär als betroffenes Elternteil auch nich erfreut, aber solange niemand ernsthaft verletzt wurde...das wär mir viel zuviel stress wegen sowas solche steine ins rollen zu bringen, was ja dann höchstwahrscheinlich auch noch vergebliche mühen waren, da gar keine Chance auf sowas wie schadensersatz oder Schmerzensgeld besteht..
gina87
gina87 | 25.11.2014
8 Antwort
ich misch mich bei mausi auch nich ein, solange es jetzt nichts schwerwiegendes is sämtliche Streitigkeiten seinerzeit im kindergarten wurden dort geklärt...wenn überhaupt, hab ich mal was zu vorfall x gesagt bekommen, aber mehr auch nich...oftmals wurde das von den Erziehern gar nich erwähnt und auch von mausi kam in all den 5 kita-jahren sehr sehr selten mal was, das irgendwas mit dem und dem gewesen is wurde intern geklärt und gut war und so is es jetzt in der schule auch...solange da nix gravierendes vorfällt, halt ich mich da raus.. auf Spielplätzen oder sonste wo, hab ich mich auch kaum einmischen müssen bisher, obwohl mausi diesbzgl. eher schüchtern und zurückhaltend is und sich manches auch einfach gefallen lässt..jedenfalls in bezug auf kinder, die sie kaum bis gar nich kennt... hat sie ma was mit ihren freunden, sagt sie was und wehrt sich auch..die kennt sie und weiß bis wohin sie gehen kann, was bei fremden eben nich der fall is...letztere meidet sie dann aber eher, als auf Konfrontation zu gehen..sie geht dann halt weg oder spielt eben beim nächsten mal, sodenn man sich nochmal sieht, nich mehr mit besagten/m Kind/ern und gut..
gina87
gina87 | 25.11.2014

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