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Moppelchen71
Moppelchen71
12.01.2013 | 14 Antworten
Eigentlich ist dieses eine Gericht, das mich seit Kindheit begleitete, nichts weiter, als eine günstige Variante, für ein leckeres - wenn man es denn mag – und simples Essen.
Nudelauflauf ohne Soße!
Man nehme Spaghetti, koche sie und lege sie Schichtweise mit frischen, gewürfelten Tomaten, Fleischwurstwürfeln und ganzen Champignons, gewürzt mit Salz, Pfeffer und dünnen Schichten Parmesan, in eine Auflaufform. Ein paar Flocken Butter drüber, ab in den Ofen und dann so richtig lecker backen lassen.
Soweit, so gut.
Ich persönlich könnte mich in dem Auflauf wälzen, kopfüber hinein tauchen, Rückenschwimmen ...
Und man geht ja immer so selbstverständlich davon aus, dass alles, was einem selbst schmeckt, grundsätzlich auch von allen anderen Menschen einfach nur geliebt werden muss.

Heute ist es wieder soweit. Der Auflauf gart, auf Niedrigtemperatur, im Ofen und ich zähle die Stunden, bis es endlich Essen gibt, da schleichen sich diese Bilder in meinen Kopf.
Ich habe sie verdrängt. Über Jahre hinweg, versuchte ich nur, wenn es den Auflauf gab, auf die Teller zu füllen und dann in genießerisches Schlemmen zu verfallen, um nichts um mich herum mitzubekommen, bis ich satt vom Stuhl kippe.
Aber ich muss zugeben, mein Unterbewusstsein hat Frequenzen gespeichert.

Da ist mein ältester Sohn, der den Auflauf so gar nicht mag und mir an Tagen, wo er auf den Tisch kommt – der Auflauf, nicht mein Sohn – immer wieder die Frage ins Hirn brennt „Bist Du Dir sicher, dass er wirklich Dein Kind ist und nicht vertauscht wurde? Die Liebe zum Auflauf, müsste doch genetisch in jede seiner Zellen eingebrannt sein.“
Während ich mir das lange Gesicht vorstelle, dass er machen wird, wenn er nachher heim kommt und hungrig fragt, was es zu Essen gibt, verfinstert sich mein Blick.
Ist es nicht schon blasphemisch, MEINEN Nudelauflauf anzusehen, als stelle er die Tagesaufgabe im Dschungelcamp dar?

Und in die Bilder schrauben sich weitere Szenen. Meine fünfjährige Tochter. Die ihrem ältesten Bruder den Ellenbogen in die Rippen boxt und verschwörerisch flüstert „Tausche meine Pilze, gegen Deine Tomaten“.
Während unter dem Tisch Tomatenstück für Tomatenstück, gegen einen Pilz nach dem Anderen, gedealt wird, sitzt meine vierjährige Tochter mit verschränkten Armen und vorgeschobener Unterlippe schmollend vor ihrem Teller. „Das schmeckt nicht!“
„Romy, Du hast nicht einmal probiert. Woher willst Du wissen, dass es nicht schmeckt?“
Dann folgt eine lange und wirklich theatralisch jammernde Erklärung, dass sie auf keinen Fall Tomate oder Pilze essen würde und sich ja niemand fände, der das alles gegen Wurst tauschen möchte.

Mein Mann, dieser konsequente Ja-Sager, wenn es um die Kröten geht, wird irgendwann wieder resigniert die Gabel sinken lassen, seufzen und Romy jegliches Vegetarische vom Teller suchen, um ihr im Gegenzug seine Wurst zu überlassen, die er zwar selbst auch gern gegessen hätte, aber das Leid seine Jüngsten nicht ertragen könnte, ohne dass ihm seine Wurst im Hals stecken bliebe.
Nur mein zweitältester Sohn und ich, werden wieder so tun, als bemerken wir von all dem nichts, In uns hinein schaufeln, die langen Gesichter ignorieren und uns gegenseitig versichern, wie lecker dieses Essen doch ist und dass wir es wirklich öfter auf den Tisch bringen sollten.

Könnte es sein, dass meine Familie zu 50% gar nicht so begeistert vom Nudelauflauf ohne Soße ist?
Egal, zumindest werde ich mir heute nicht bereits bei der Heimkehr meines Großen anhören, dass er an plötzlich akut auftretender Appetitlosigkeit leidet, wenn er hört „Heute gibt es Nudelauflauf ohne Soße“!
Wenn er fragt, was wir heute essen, werde ich verschwörerisch lächeln und sagen „Tauschbörse!“
Ich kann einfach nicht riskieren, dass er dem Essen fern bleibt, das brächte unser so sorgsam aufgebautes Nudelauflauf-Ritual völlig durcheinander.
Nicht auszudenken, wenn Emmy ihre Pilze nicht gegen Tomaten an ihn weitergeben könnte ...
So bliebe dann ja nur Papa, der zuerst seine Wurst an Romy abtreten und danach die Tomate an Emmy geben müsste, um letztendlich nur noch Pilze zwischen seinen Nudeln zu haben.
Das wäre dann nicht mehr Tauschbörse, sondern Mundraub.

Und in Gedanken gehe ich weiter durch, ob mir noch mehr Beispiele einfallen, wo wir nur als komplette Familie symbiotisch existieren können, es sei denn, wir verzichten auf das Vergnügen dieser Dinge. Ja, zumindest, was den Nudelauflauf angeht, sind wir, das kann ich aus dieser Perspektive sagen, tatsächlich voneinander abhängig.
„The circle of Nudelauflauf“!
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14 Antworten

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1 Antwort
Also für mich wäre das auch was leckeres, aber für meinen Mann wahrscheinlich nicht. Der mag überhaupt keinen Auflauf. Bei uns gibt es auch so Gerichte, die ich jede Woche essen könnte, aber nicht darf, weil meine Männer es nicht mögen.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
2 Antwort
hört sich lecker an, werd ich mal machen, ganz sicher, und dann wird genau das gleiche wie bei dir passieren, TAUSCHBÖRSE
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
3 Antwort
Bis auf die Fleischwurst wäre es auch meins . wenn ich denn mal bei Euch zum Essen vorbeikomme, darfste den Auflauf gerne machen und ich trete meine Wurst an Achim ab . Aber ernsthaft: GOTT bin ich froh, dass ich nur eine Mäkelliese am Tisch sitzen hab! Ich hätte sonst das kochen schon lange eingestellt
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
4 Antwort
@Mama_von_Romy Hah, werde ich Achim sagen, dass Du nun bei uns auf der Ersatzbank sitzt, falls Timo mal ausfällt!
Moppelchen71
Moppelchen71 | 12.01.2013
5 Antwort
@Moppelchen71 Von Nudeln und Pilzen kann MANN ja auch nicht satt werden!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
6 Antwort
Hm, mein Kind passt dann wohl auch nicht in die Runde, da sie alles auf essen würde. Und ich könnte mich da auch reinlegen.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
7 Antwort
wir sind alle auflauflieber bei uns in der familie mein besinderes menü heisst hähnchenpaprika und kann nur von meiner oma und meiner mutter WIRKLICH so lecker zubereitet werden, wie es richtig sein muss daher kann ich gar nicht verstehen warum andere in meiner familie unter anderem meine kinder das nicht annähernd so lieben können wir ich EGAL . bleibt für MICH mehr *hihi*
tate
tate | 12.01.2013
8 Antwort
@tate So isses hier mit grüne Bohnensuppe . Koch ich die, wie ich es von OMA kenne, isst das hier keine Sau. Ersetze ich das Rindersuppenfleisch durch Mettwurst stehen beide Schlange.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
9 Antwort
@Mama_von_Romy ich tausche die Fleichwurst gegen meine Tomaten, ok?
Chrissi1410
Chrissi1410 | 12.01.2013
10 Antwort
Also Moppelchen, ich liebe es Deine Threads zu lesen und möchte Dir ans Herz legen, ein Buch zu verfassen . Von mir aus, nicht nur ein Buch, gerne auch mehrere . Ich würde ein treuer Anhänger von Dir werden . Alles Liebe und lasst es Euch schmecken!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
11 Antwort
Kopfkino .
Kerstin_K
Kerstin_K | 12.01.2013
12 Antwort
Ich möchte auch ein Buch! Bei uns ist es ähnlich, deswegen habe ich " Wunschwochenenden" eingeführt. Jedes WE darf sich der Reihe nach einer was wünschen. Auf die Art komme ich wenigstens ab und zu an Bohnen, Brokkoli oder Blumenkohl.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 12.01.2013
13 Antwort
tja, bei uns wird dieses spiel mit "bohnen mit nudeln" gespielt . es war DAS Gericht meiner kindheit und was ist mit meinen kindern? sie verweigern es und stellen schon die nackenhaare auf, wenn sie nur den ansatz meines kochwunsch hören . ^^ und mein mann? schlägt sich auf die kinderseite . und mädels, es schmeckt wirklich gut . aber na ja, geschmack ist wohl nicht vererbbar . :-)
Mia80
Mia80 | 12.01.2013
14 Antwort
boah toll gemacht. jetzt hab ich Bärenhunger. bist de jetz stolz auf dich?
Irgendwann92
Irgendwann92 | 12.01.2013

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