HartzIV: Denunzionen und Verständnisse

Moppelchen71
Moppelchen71
09.06.2010 | 13 Antworten
Angesichts mehrerer Bitten und aktuellen Informationen, was die Diskussionen über die geplante Anrechnung des Elterngeldes beim HartzIV, zum Zwecke der staatlich notwendigen Einsparungen betrifft, gleichzeitig aber eine erhöhte Anpassung der Bezüge für Politiker und Staats-“Diener“ debattiert wird, stelle ich meinen Thread hier noch einmal ein und betone, dass ich keine politische Intension damit verfolge, sondern lediglich, nach meiner Meinung, an das Denken Einiger hier appelieren möchte.

In der letzten Zeit sehe ich immer öfter und vor allem mit Entsetzen, wie sich hier, im MW, wo wir doch eigentlich einen Ort finden wollten, an dem wir abschalten und Information finden können, die Lager zwischen "Arbeitenden" und "HartzIV-Empfängern" spalten.

Mittlerweile gibt es so viele Pauschalverurteilungen, dass einem übel wird!
Die Medien hetzen gegen HartzIVler, in dem sie sich die extremsten Beispiele herauspicken und dann als Allgemeinbild der HartzIV Empfangenen darstellen.
Das bringt Einschaltquoten, damit machen die Sender Geld.
Und ja, es gibt sie, die Schmarotzer, die meinen, der Staat sei eine Amme, die nur zu nähren hätte, ohne dass man Gegenleistungen erbringen muss.
ABER, das sind zum Glück Ausnahmen.

Jetzt fragt man sich, warum man so viele Ausnahmen zu kennen scheint, aber wenn man einmal gründlich nachdenkt, fällt vielen auf, dass sie selbst diese Ausnahmen eher durch die Medien kennen und nicht persönlich.
Die Meisten, die HartzIV (auch ergänzend) bekommen, schämen sich zu sehr, um darüber offen zu reden und daher fällt ihrem Umfeld oft gar nicht auf, dass sie es mit HartzIVlern zu tun haben.

Es ist nun einmal im Leben so, dass man sich die Extrembeispiele merkt und pauschalisiert.
Denkt doch einmal an andere Situationen.
Gerade ist ein Zugunglück passiert und Ihr fahrt Bahn. Da achtet Ihr auf jedes Geräusch, da Ihr davon überzeugt seid, auch Euer Zug könne jeden Moment aus den Schienen springen.
Beispiele gibt es viele, wo Menschen genau die negativen Dinge abspeichern und das Gesamtfeld aus den Augen verlieren.

Kaum eine Mutter, die in einer sozial schwächeren Position und auf HartzIV angewiesen ist, traut sich hier noch eine offene Frage zu stellen, weil sie gleich zerrissen und abgeurteilt wird.
Aber tut Euch doch mal EINMAL den Gefallen und durchleuchtet, warum der Großteil der HartzIV-Empfänger, überhaupt da hinein gerutscht ist.

Es sind nicht überwiegend die arbeitsfaulen Teenager, die sich gedankenverloren ein Kind nach dem anderen anschaffen, um einen Grund zu haben, sich vor der Arbeit zu drücken.
Unser Staat hat mit seiner Wirtschaftspolitik die Grundlagen dafür geebnet, dass immer mehr Menschen auf Leistungen vom Staat angewiesen sind.

Ich lese immer wieder Sprüche wie "Ich zahle Steuern und unterstütze damit das arbeitsfaule HartzIV-Pack". Da wird einem schlecht, denn meiner Meinung nach bezahlen sie mit ihren Steuern größtenteils die Opfer einer schwachen Politik, die auf Kosten der des "kleinen Mannes" ging.
Eure Steuergelder gehen genauso in die "Gehälter" der Politiker, denen wir das alles hier zu verdanken haben, die irgendwann ihr Amt niederlegen oder nicht mehr gewählt werden, aber lebenslang weiter vom Staat versorgt werden, mit einem Einkommen, dass man davon 10 HartzIV-Familien locker ernähren könnte.

Unser Politik hat die Grundsteine gelegt, dass Klein- und Mittelständische Unternehmen sich nicht mehr am Markt halten können. Großunternehmen werden gefördert, um dann doch auf dem ausländischen Markt zu Dumpinglöhnen produzieren zu können. Das kostet nicht nur Arbeitsplätze bei uns und treibt die ehemaligen Arbeiter in HartzIV, sondern sorgt zusätzlich noch dafür, dass kleinere Unternehmen mit den Preisen nicht mehr mithalten können und bankrott gehen, was wiederum Menschen in die Abhängigkeit vom Staat drängt.

Wen sollte man also beschimpfen, wenn man wütend ist, auf die vielen Milliarden Euros, die für HartzIV drauf gehen?
Sicher nicht die, die darauf angewiesen sind, sondern dann doch wohl die, die die Menschen dahin getrieben haben.

Wenn Ihr Steuerzahler etwas tun wollt, um die Ausgaben für HartzIV zu senken, dann fangt doch da an, wo es den kleineren Unternehmen wieder möglich ist, weiter zu existieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Kauft Eure Möbel beim Tischler, wenn es Euch doch so gut geht. Bei ihm könnt Ihr nicht nur Qualität bekommen, sondern auch sicher sein, dass nicht 90% des Geldes, das Ihr bezahlt, in Mageretagen fließen, die dafür bezahlt werden, die Firmen Gewinnoptimierend zu subventionieren, Arbeiter zu entlassen und im Ausland billig zu produzieren.

Kauft beim Metzger, statt im Supermarkt oder Euer Gemüse auf dem Wochenmarkt, ..
Dann unterstützt IHR wirklich den Staat und die Arbeitsmarktlage, dann könnt Ihr sagen, Ihr tut etwas dafür, dass es diesem Land besser geht.

Das ist alles für Euch unerschwinglich?
Ja, das glaube ich wohl.
Und wessen schuld ist das?
Doch wohl eher die, der Menschen, die große Unternehmen fördern und dabei die Kleinen gnadenlos opfern.

HartzIV wird nach statistischem Bedarf gerechnet. Dabei wird ermittelt, was durchschnittlich die Lebenshaltungskosten betragen. Von diesen zieht man prozentual einen Teil ab und das ist am Ende der soziale Mindestsatz, ausgerechnet, um ein Überleben zu sichern, mehr aber auch nicht.

Mag sein, dass es Familien gibt, die sich Dinge kaufen, die sie sich mit HartzIV nicht leisten können, aber sie schaffen für sich selbst ein Defizit und wenn der Kühlschrank leer ist, können die nicht zum Amt gehen und sagen "Ich habe nichts zu essen, weil ich mir eine neue WII gekauft habe."
Diese Menschen gibt es, ja, aber sie sind Ausnahmen, denn die meisten HartzIVler, egal was auch immer die Medien da wirksam ausgeschmückt als Hetzkampagnen bringen, wissen kaum, wie sie den Alltag bewältigen können.

Sie müssen bei Frischwaren zurückstecken, können nicht allein darauf achten, was gesund ist, sondern müssen täglich kämpfen, um einen bestmöglichen Mittelweg zu finden, die Kinder besser durchzubringen.
Und das sind oft sogar Menschen, die den ganzen Tag arbeiten gehen, jedoch, dank unserer sauberen Politik, Dumpinglöhne bekommen, von denen sie sich nicht einmal den Strick kaufen könnten, an dem sie sich am liebsten aufhängen würden.

Und dann kommen die Glücklichen, die Arbeit haben, die auch noch nach Leistung bezahlt wird und tröten hier rum, dass SIE die HartzIVler mit ihren Steuern füttern und stellen sich arrogant an die Seite der Politiker, die überall sparen, nur nicht bei sich selbst und den Prestigeausgaben, die der Welt suggerieren sollen, welch reiches Land wir doch sind.
Bis eines Tages das Unternehmen, bei dem sie arbeiten, auch in den Bankrott getrieben wird, weil einem Dumpingkonzern , durch unsere Politik, eine Freikarte gegeben wird, sich selbst zu bereichern, auf Kosten Anderer.
Wenn dann genau diese Steuerzahler erst in das Arbeitslosengeld und dann ins HartzIV rutschen, denken sie dann noch immer so wie jetzt?
Schreiben sie dann noch die gleichen Threads hier, in denen sie alle HartzIVler (bis auf seltene Ausnahmen) aburteilen?

Mein Mann hat einen Handwerksberuf erlernt, der heute immer rarer wird. Er ist zum Arbeiter in einer Firma geworden, die genau den Möglichkeiten, die unsere Politiker ausländischen Billigproduktionen einräumte, um außerhalb unserer Grenzen ein großzügiges Gesicht aufsetzen zu können, zum Opfer fiel, arbeitet täglich eine halbe Stunde kostenlos für die Firma, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten, hat auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet und musst eine Lohnkürzung von 32% in Kauf nehmen, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten und gleichzeitig der Firma zu ermöglichen, wirtschaftlich nicht zur Aufgabe gezwungen zu sein.

Auch wir mussten so ergänzend Leistungen beantragen und es ist beschämend.
Aber ich weigere mich, zu denen aufzublicken, die Menschen wie uns, die Arbeitswillig sind und sich unter dem Preis verkaufen, um nicht ganz zum Schmarotzer zu werden, abstempeln und wie eklige Insekten ansehen.
WIR wissen, was es heißt, zu kämpfen, WIR würden uns nicht arrogant und überheblich über andere stellen, nur weil wir Glück hatten, NOCH NICHT betroffen zu sein.
Aber vielleicht sprechen wir uns ja eines Tages wieder und ich bin gespannt, ob die dann noch immer so abwertend über HartzIV reden oder erkennen, dass das Problem ganz anderer Natur ist, nämlich das, was unsere Wirtschaftspolitik verzapft.
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13 Antwort
@Moppelchen71
Schreib das mal genauso an die Herren und Damen Politiker und Konsorten. Die sollen die die Einnahmen von sich und Hartz4 Empfängern mal gegenüberstellen und dann mal nachdenken, ob das reel und gerechtfertigt ist. Sämtliche Politiker sollten mal 3 Monate mit dem Geld eines Hartz4 Empfängers auskommen müssen, dann würden sie bestimmt anders reden undf im besten Fall auch handeln
Chrissi1410
Chrissi1410 | 09.06.2010
12 Antwort
Zum Vergleich mal eine kleine Gegenrechnung
Ein Bundestagsabgeordneter verdient etwa 7.668€ brutto, pro Monat, was zwar noch versteuert werden muss. Dazu kommen dann noch Bezuschussungen für Büromaterial plus jährliche Zuschüsse für Mitarbeiter und Sekretär. Urlaubs-, Weihnachtsgeld und 13. Monatsgehalt fallen weg, dafür muss der Abgeordnete sich selbst Krankenversichen. Dabei reden wir jetzt nur vom reinen Verdienst, nicht den Spesen, Reisekostenvergütungen und absetzbaren Kosten für Transportmittel und Anderes, was jeder Selbstständige zwar auch kann, wohl aber in anderen Doimensionen. Je höher das politische Amt in der Staatshierarchie liegt, je höher ist das Grundgehalt . Zusätzlich ist es Abgeordneten noch begrenzt möglich, weitere Einkommen aus zusätzlicher Arbeit zu erwirtschaften, was dann oft durch Management- oder Aufsichtsratposten der Fall ist. Dazu kommen noch staatliche Pensionen. Bedenkt man, dass Menschen, mit diesen Einkommensverhältnissen den sozialen Mindestsatz berechnen und festlegen, dass eine Person, der nach HartzIV 345, -€ pro Monat zum Leben zur Verfügung stehen, maßgeblich noch zuviel Geld bekommt, fragt man sich schon nach einer plausiblen Relation. Sicher, zu diesem Geld kommen noch Kostenzuschüsse wie Miete, Heizkosten, Krankenversicherung, ... Aber das sind keine Gelder, die ein HartzIV-Empfänger bar in die Hand bekommt, um sich davon ein Luxusleben zu ermöglichen. Damit wird lediglich die minimale Grundversorgung und der Standart abgedeckt, ein Dach über dem Kopf zu haben, nicht erfrieren zu müssen und im Krankheitsfall medizinisch versorgt zu werden. Kürzt man die Gehälter der Politiker nur um 20% , könnten 2 HartzIV-Empfänger annähernd komplett abgedeckt sein und es blieben immer noch ein reines Bruttogehalt von über 6.150€ übrig. Zu wenig, um davon zu leben? Andere Menschen haben nicht einmal 1/3 davon brutto, bei Vollzeitarbeit, versteuern dies ebenfalls und haben nicht die Möglichkeit, Transportmittel, Fahrkosten, Büromittel und Angestellte absetzen zu können, bekommen keine staatlich geförderten Luxusunterkünfte und werden auch nicht mit Einladungen und Beschenkungen überhäuft, die weitere Einsparungen einbringen. Politiker sind Vertreter des Volks! Das sie Mehraufwände haben, im Vergleich zum Fabrikarbeiter, ist völlig nachvollziehbar, denn sie müssen ebenso das Land repräsentieren. Jedoch habe ich, im Gegensatz zu Diskussionen über nötigen und unnötigen sozialen Mindestsatz, noch keine vergleichende Auflistung gesehen, in der errechnet wurde, was für Mindesteinnahmen für Volksvertreter tatsächlich angemessen sind.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 09.06.2010
11 Antwort
@daven04
XSorayaX
XSorayaX | 09.06.2010
10 Antwort
@Metti
Wie ich bereits im Eingangspost schrieb, wissen wir alle, dass es 2 Sparten gibt. Aber gehen wir wirklich großzügig davon aus, dass 30% der HartzIV-Empfänger der Null-Bock-Generation angehören, wären da noch 70% Empfänger, die zumeist aufgrund maroder Wirtschaftspolitik hineingetrieben wurden. Schafft man eine solide Grundlage auf dem Arbeitsmarkt, die es Klein- und Mittelstandsunternehmen wieder ermöglicht, konkurrenzfähig zu bleiben und nicht in die unumgängliche Pleite zu schliddern, erreicht man damit eine wesentlich effektivere Einsparung beim HartzIV, denn es gibt weniger Menschen, die ergänzend bezuschusst werden müssten. Unsere Politiker schieben die Verhandlungen über Mindestlöhne immer wieder von sich, weil sie scheinbar befürchten, damit Großkonzerne zu vertreiben. Gerade diese Großkonzerne, denen man den Weg ebnete, durch Auslandproduktionen, Lohndumping und Entlassungen, unseren Wirtschaftsmarkt mit zu belasten und es Kleinunternehmen vereitelten, bestehen zu können.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 09.06.2010
9 Antwort
naja
das is so ne sache. ich finde das es bei einigen rechtens ist und bei anderen net. da es zwei unterschiedliche schubladen mit den H4 leuten gibt. die eine is voll mit leuten die sich darauf ausruhn und welchen die das amt bescheissen. die andere is halb voll mit leuten die alles tun das sie arbeit bekommen und mit leuten die nicht arbeiten können aus gesundheitlichen gründen. bei der ersten schublade sollte man sparen und nicht bei der zweiten. den der staat steckt alle in eine schublade was nicht ok ist. und selbst das JA findet das nicht ok das bei den familien gespart werden soll. die sollen lieber die familien unterstützen und niemanden der geringverdiener is und noch ergänzend H4 bekommt verbieten das man keine kinder mehr bekommen soll. aber warten wir erstmal ab was am ende raus kommt. die müssen jetzt erstmal den neuen DE presidenten krönen und dann wird alles andere erst weiter besprochen und es gibt schon sehr sehr viele die dagegen arbeiten das es vorallem nicht so ist.
Metti
Metti | 09.06.2010
8 Antwort
@Ivette01
darf ich dich mal was fragen? Warum gibst du zu diesem Thema deine Zustimmung und hast doch vor Tagen dagegen gewettert. Du warst doch die lauteste die schrieb, dass es recht so wäre. Würde mich jetzt echt interessieren.
daven04
daven04 | 09.06.2010
7 Antwort
Vielen Dank
für deinen wundervollen Beitrag! Was machst Du beruflich? Bist rhetorisch sehr begabt, würde ich weiterverfolgen. Und ich wünsche Deiner Familie für die Zukunft nur das Beste! Lg Sandra
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 09.06.2010
6 Antwort
...
ja da kann man nichts mehr zu sagen auser das du volkomen recht hast
Nicki001
Nicki001 | 09.06.2010
5 Antwort
!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 09.06.2010
4 Antwort
recht haste !
:=)
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 09.06.2010
3 Antwort
Wie, Anpassung der Bezüge von Politikern und Staatsdienern?
Das ist ja wohl echt die Höhe, wir kleinen sollen sparen und die großen machen sich die Taschen noch voller? Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ich frage mich, wie das Zusammenpasst. Wenn ich etwas von anderen verlange, muß ich die erste sein, die mit gutem Beispiel vorangehe. Oder esst ihr Schokolade und sagt zu euren Kindern, nein, ihr dürft keine Schoki essen? fWas anderes ist das nicht. Die machen sich so unglaubwürdig und merken es noch nicht mal
Chrissi1410
Chrissi1410 | 09.06.2010
2 Antwort
danke
das ist dann wohl die langeversion von meinen therad...grins...du sprichst mir aus der seele...
big-mama81
big-mama81 | 09.06.2010
1 Antwort
....
und wieder daumen hoch von mir!!!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 09.06.2010

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