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Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer
03.11.2009 | 30 Antworten
Das was ich jetzt schreibe soll keine Entschuldigung oder Rechtfertigung für das Verhalten von Ärzten und Hebammen sein , aber vielleicht hilft es diese Seite nachzuvollziehen.

Niemand, wirklich niemand der oder die in der Geburtshilfe arbeiten Rät oder macht etwas um Eltern weh zu tun oder ihnen zu schaden.
Das was sich für betroffene Eltern wie Kälte, Gefühllosigkeit und Härte anfühlt ist nichts anderes als Überforderung.

Medizinstudenten und auch Hebammen lernen theoretisch, das es zu Totgeburten und Behinderungen in der Schwangerschaft und unter der Geburt kommen kann, aber niemand schult oder supervisiert sie wie sie damit umgehen können. Weder der Umgang mit den Eltern noch mit der eigenen Betroffenheit wird gelehrt.

Hinzu kommt..die Frau ist im Schadensfall immer eine potenzielle Klägerin, heißt die Angst vor unserem Rechtssysthem ist allgegenwärtig und ängstigend. Ich kann das wort "Forensik" nicht mehr ertragen.

Heute bekommen Frauen im Durchschnitt 1, 5 Kinder. ( laut Statistik). Die vergangenen Jahre zeigen, das, je mehr an Untersuchungen und vermeindlicher Sicherheit, angeboten und auch " verkauft " wird umso weniger wird " Schicksal" als ein solches angenommen. es wird primär nach dem oder den Schuldigen gefragt!
Heute wird von Rechtsanwälten und Gutachtern nicht nach gesundem Menschenverstand und bestem Wissen gefragt sondern nach Dokumentation, Aufklärungsbögen und Unterschriften!
In der Regel wird in den Kliniken eine schwierige Geburt, wo das Kind in der Kinderklinik liegt mit ungewissem Befund beschwiegen. Die betroffenen Ärzte und Hebammen beäugen sich misstrauisch. Es wird nicht selten an der Dokumentation manipuliert um sich vorsorglich abzusichern.
Es wird ihnen angeraten nicht den Eltern ihr Mitgefühl auszusprechen weil es ihnen als Schuldeingeständnis ausgelegt werden könnte.
Bei meiner Examensfeier hat mein Prof in seiner Rede an uns junge Hebammen gesagt:" denken sie immer daran, machen sie keine Hausgeburten denn wenn ein Kind behindert zuhause geboren wird dann sind sie schuld"
Hallo? Bin ich Gott oder was? Wenn ein Kind ein Down Syndrom hat dann hat es das in der Klinik und zu Hause!
ich kenne nicht eine Kollegin die sich nach einer dramatischen Geburt nicht 100 Mal die Frage stellt" habe ich etwas übersehen? Hätte ich anders handeln können?"
Immer! Auch wenn niemand auch nur ansatzweise Fehler sehen kann.
Schicksal wird es in unserem Leben immer geben, es gibt immer Unfälle wenn auch die Natur nur selten Fehler macht, manchmal schon und da kann niemand etwas für.
Auch ich habe schon Eltern begleiten müssen deren Kind behindert oder tot war. Ich hab mit ihnen gelitten, geweint, getrauert und auch .. beerdigt!
Die Blicke die ich auf dem Friedhof habe ertragen müssen die will von euch niemand fühlen seit sicher. Nur um die Frage zu beantworten..es war ein Kind mit angeborenem Hirnschaden nicht unter Geburt erworben. Die Eltern sind in der Trauerhalle auf mich zugekommen, haben mich umarmt und gesagt" wie schön das du da bist, du warst da als sie in unser Leben trat und bist da jetzt wo sie geht, wir sind so froh das du uns begleitest, und wir danken dir für eine wunderschöne Geburt." In diesen Momenten möchtest du als Hebamme zusammenbrechen, weglaufen, dich verkriechen. Aber .. auch das gehört dazu.
Unmittelbar nach der Tauerfeier bin ich zur nächsten Geburt gefahren und habe..Lachen, Freude, Zuversicht, und Kraft verbreitet. Denn diese werdenden Eltern haben ein Recht auf eine Hebamme die Lebensfreude und Fachkompetenz vermittelt. Aber auch Hebammen und Ärzte sind Menschen die manchmal an ihre Grenzen stoßen.
Wenn nachweislich grob fahrlässig gehandelt wurde bin ich natürlich dafür die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Aber vergesst dabei nicht .. vieles was sich für Betroffene als nicht nachvollziehbar oder Kalt darstellt muss nicht immer mit Schuld zu tun haben.

Danke für's lesen.

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30 Antwort
@Heviane
Sehr schön geschrieben, ich hätte mir eine liebevolle Hebamme gewünscht, aber wie du ja weißt hatte ich bei meinen beiden Großen Jungs eine Horrorhebamme, selbst nach 20 Jahren schauderts mich noch
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 03.11.2009
29 Antwort
Ich glaube das Schlimme dabei war,
dass ich mich so allein gefühlt habe... Und unfähig, die Dinge selbst zu beeinflussen... Unwissend, weil mir nicht klar wurde, was da passiert...
AliceimWunderla
AliceimWunderla | 03.11.2009
28 Antwort
also, ich hatte bei beiden Geburten
ne Hebamme aus der Klinik, die eben grad Dienst hatte. Beim ersten sogar 2, weil 20Uhr Schichtwechsel war. Und ich fand alle 3 spitzenmäßig. Die haben sich voll auf mich eingestellt und mir echt geholfen. die bei Jule war dann auch zur Nachsorge und war echt top. Es kann aber auch nich jede mit jeder... aber es is schon blöd, wenn es so doof läuft
sinead1976
sinead1976 | 03.11.2009
27 Antwort
@AliceimWunderla
das ist ja das schlimme: du hast genau das erlebt, was niemand erleben sollte. diese kälte übertüncht jede wärme, die du anderst vielleicht hättest erfahren können. @luca24 ich finde es toll, dass diese ausnahmeärztin unrecht behalten hat und ihr dann doch noch von menschen betreut wurdet, die ihren beruf so verstehen, wie er sein sollte, wenn man einen beruf mit dem herzen ausübt und nicht nur um kohle zu machen .
Moppelchen71
Moppelchen71 | 03.11.2009
26 Antwort
Also erstmal vorab
Sohnemann geht es super und er ist jetzt bald 13 Monate alt... Aber ich hätte doch gerne eine Hebamme gehabt, die mit mir sprach... Irgendwie stimmt auch der Satz: Man merkt sich nur, wann man fror. Aber das es bei einer Entbindung so kalt zu geht, hat mich schon enttäuscht.
AliceimWunderla
AliceimWunderla | 03.11.2009
25 Antwort
Hast du
toll geschrieben!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 03.11.2009
24 Antwort
@Heviane
Stimmt!! Deswegen gebe ich dir in deinem Text vollkommen Recht! Muss dazu sagen, dass die Kinderintensiv mit ihrem gesamten Team und auch die Hebis von der Station superklasse waren! Die Hebamme die kam hat mich super beraten und ich konnte Milch für ihn abpumpen, später hat sogar das Stillen geklappt. Die Ärzte haben uns in die Pflege viel miteinbezogen und beraten. Wir wurden auch über alles informiert und die Aufzeichnungen lagen immer neben dem Inku. Auch um unsere Psyche haben sie sich toll gekümmert. Ohne alle diese lieben Menschen hätten wir diese Zeit kaum überstanden. PS: heute waren wir zur Frühgeborenennachsorge und unser Kleiner ist megastolz zu den Ärzten hinmarschiert und als wir die Intensiv besuchten, haben sie sich unglaublich gefreut, dass er sich so super entwickelt.. Sowas hilft, über die erste Zeit hinwegzusehen und es irgendwann mal zu vergessen... Liebe Grüße
luca24
luca24 | 03.11.2009
23 Antwort
@luca24
Vergiss das ich geschrieben habe " immer ein Zeichen von Überforderung und Angst" manchmal ist eben eine Idiotin eine Idiotin und gehört im besten Falle an das Fließband einer Müllsortierungsanlage aber nicht an die Seite einer Frau. LG
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 03.11.2009
22 Antwort
@ luca24
heftig! ja sowas ist kein Einzelfall und Respekt an alle Hebammen und Ärzte was sie leisten aber ich finde sie müssen Kompetenz unter Beweis stellen und empathische Adern haben, ansonsten können sie ... naja egal! Probelm bei sozialen Berufen ist, dass du dieses Nähe Distanzverhältnis wahren musst und da den Grad zu finden ist extrem schwer und psychisch belastend...
elena1702
elena1702 | 03.11.2009
21 Antwort
das problem ist doch, wie in jedem anderen beruf auch, dass es immer schwarze schafe
geben wird, die dafür sorge tragen, dass all die bemühten und engagierten kollegen mit in ein kaltes licht gerückt werden. ich habe bei den geburten meiner kinder und meiner enkelin, zahlreiche hebis und ärzte kennen gelernt überwiegend waren es sehr liebe, einfühlsame menschen, aber wirklich im gedächtnis, blieben die, die sich als schroff erwiesen. der mensch neigt dazu, sich zu merken, wann er fror, aber selten wird jemand sagen "ich habe einen tag gefroren, aber 100 tage war es angenehm warm". aber der mensch hat auch das unstillbare verlangen, in emotional sehr fordernden situationen, schuld zuweisen zu können, in der hoffnung, damit die trauer erleichtern zu können. und ganz besonders dann, neigt man dazu, den falschen anzuklagen . wie du bereits sagtest, das schicksal zu akzeptieren, ist ungleich schwerer, als zu versuchen, jemanden zur verantwortung ziehen.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 03.11.2009
20 Antwort
@luca24
was war das denn bitte für eine kalte Frau? Ich meine, dass man als Arzt sich nicht zu sehr in einzelne Fälle reinsteigern sollte und es mit gewissem Abstand sehen sollte ist ja normal, aber das ist ja das Letzte!! Das geht mal gar nicht...
Biancamaus1986
Biancamaus1986 | 03.11.2009
19 Antwort
@luca24
oha... bin echt sprachlos........ Ich hatte Gott sei Dank ganz nette Hebammen :) ....
Favourite001
Favourite001 | 03.11.2009
18 Antwort
@luca24
ui, das klingt ja echt heftig.... aber es gibt in allen Berufsschichten solche und solche... hab grad den 2. Teil gelesen... schön, dass es deinem Sohn gut geht
sinead1976
sinead1976 | 03.11.2009
17 Antwort
@elena1702
Wie ich geschrieben habe....wenn grob fahrlässig gehandelt wurde sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. LG
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 03.11.2009
16 Antwort
2.Teil
habe mich natürlich für meinen Sohn entschieden. Er hatte die Geburt dann sehr gut überstanden und ist heute ein gesunder, superlieber Junge mit bald 2 Jahren. Über die Ärztin habe ich mich allerdings bei der Klinik beschwert und einen 2-Seitigen Entschuldigungsbrief vom Klinikdirektor bekommen. Sie selbst hat sich nie entschuldigt. Manchmal sollten sich die Ärzte trotzdem Gedanken machen über ihre Patienten, aber grundsätzlich gebe ich dir Recht!! Sorry, das war nun sehr lang.. LG
luca24
luca24 | 03.11.2009
15 Antwort
....
und danke dass du das geschrieben hast
Favourite001
Favourite001 | 03.11.2009
14 Antwort
super geschrieben
Chrissi1410
Chrissi1410 | 03.11.2009
13 Antwort
Hallo
ja du hast vollkommen Recht. Ich habe leider auch so ne gefühllose Gyn.gehabt im KH. Kam mit 24+1S dort an. Sie war vollkommen kalt und abweisend. Als ich angefangen habe zu weinen, hat sie gesagt: ja, heulen sie nur, sie haben allen Grund dazu! Bis dato wusste ich noch nicht wie kritisch die Situation war. Als es klar war, dass mein Sohn noch an diesem Tag geholt werden musste, wollte sie von mir ne Entscheidung wie. Ob KS oder normal. Ich hatte keine Ahnung und habe sie gefragt, was ich machen soll, da meinte sie nur. Ich sage nix, das müsse ich selbst entscheiden. Ich fragte, ob er denn eine Chance hätte, bei einer normalen Geburt. Da meinte sie; nee, dann isser eh tot. Bei KS vermutlich schwerbehindert, wenn er überhaupt überlebt.. Sie rate mir nur zu der Abtreibung, damit ich nicht evtl in einem Jahr vorbeikomme mit einem schwerstbehinderten Kind und mache ihr Vorwürfe, weil ich ihn ja gar nicht haben wolle! Ich war völlig von den Socken, habe nur noch geheult!
luca24
luca24 | 03.11.2009
12 Antwort
ok aber man muss auch sie verstehen,
als Hebamme ist es die Aufgabe eine werdene Mutti zu begleiten. Ich hab in meinem Freundeskreis erlebt, dass eine freundin obwohl sie starke Wehen hatte und im KH lag alleine gelassen wurde. Sie alleine ihr Kind zur Welt brachte und dieses tot war... wo waren die Fachleute???
elena1702
elena1702 | 03.11.2009
11 Antwort
ich konnte mich grad in meine Hebamme versetzten
als ich deinen Text las.... ich hatte auch eine stille Geburt und neben meinem Mann an meiner Seite war auch meine Hebamme und ein ganz tolles Ärzteteam.... ich habe am Anfang auch nach Schuldigen gesucht... nur, den gibt es nicht.... zum Glück es ist nicht einfach sowas zu verarbeiten.... liebe Grüsse
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 03.11.2009

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