Willkommen in Holland für alle, die die Geschichte noch nicht kennen

sinead1976
sinead1976
13.10.2009 | 23 Antworten
Ich werde oft gefragt, wie es ist, ein Kind zu haben, das behindert ist. Um verstehen zu können, welche Gefühle damit verbunden sind, solltest Du versuchen, Dir einmal folgende Situation vorzustellen:
Wenn Du ein Baby erwartest, dann ist das so, als würdest du eine wundervolle phantastische Reise planen. Stellen wir uns einfach einmal vor - nach Italien:
Du kaufst viele Bücher über Italien, liest all diese und machst großartige Pläne. Du möchtest nach Rom fahren und Dir das Kolosseum ansehen, Du willst Dir all die schönen Denkmäler in Florenz anschauen, die wundervollen Gemälde und die Gondeln in Venedig. Du lernst sogar einige hilfreiche und praktische italienische Redewendungen. All das ist unheimlich aufregend für Dich.
Nach Monaten des langen Wartens ist der Tag nun endlich gekommen. Du packst deine Taschen und los geht die Reise. Viele Stunden später landet das Flugzeug. Die Flugbegleiterin begrüßt Dich über das Intercom mit den Worten: „Willkommen in Holland!“
„HOLLAND schreist Du voller Entsetzen. Was soll das bedeuten, HOLLAND. Ich wollte doch nach ITALIEN!“
Ich müsste jetzt eigentlich in Italien sein. Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, nach Italien zu reisen.“ „Es tut mir sehr leid, aber es gab eine Änderung im Flugplan. Nun sind Sie in Holland und hier müssen Sie auch bleiben.“ Das Wichtigste ist ja eigentlich, dass Du nicht an einem entsetzlichen, schrecklichen oder vielleicht sogar scheußlichen und sehr schmutzigen Ort bist. Eigentlich ist es ja nur ein anderes Land.
Also machst Du Dich auf den Weg und kaufst neue Bücher. Außerdem musst Du jetzt eine ganz andere Sprache lernen, als ursprünglich geplant.
Auch triffst Du ganz andere Menschen, als Du gedacht hattest. Ohne die Plan-änderung hättest Du die Leute aber nie kennen gelernt. Eigentlich ist es ja wirklich nur ein anderes Land. Alles ist ein wenig langsamer als Italien. Es ist weniger glanzvoll als Italien.
Aber nachdem Du bereits eine Weile dort bist, beginnst Du Dich umzuschauen. Plötzlich fällt dir auf, dass Holland phantastische Windmühlen hat, wunder-schöne Blumen und sogar sehr berühmte Maler. Auch hier gibt es interessante Städte und auch viele schöne Dinge, die man sich anschauen kann. Aber fast alle Menschen, die Du triffst sind ständig nur damit beschäftigt von und nach Italien zu reisen … und sie alle berichten Dir über die wundervollen Dinge und die schöne Zeit, die sie in Italien hatten. Und Du wirst Dir für den Rest Deines Lebens vorhalten: „Ja, das ist das Land, in das ich eigentlich reisen wollte. Genau das hatte ich geplant.“
Der Schmerz, den Dir diese Tatsache bereitet, wird nie nie nie vergehen, weil der Verlust deines Wunschtraumes, nach Italien zu gehen, so unheimlich groß ist.
Aber … wenn Du den Rest Deines Lebens damit verbringst über die Tatsache zu trauern, dass Du nicht nach Italien fahren konntest, dann wirst Du niemals frei sein und Dich öffnen können, um die schönen und besonderen Dinge zu erleben, die Du finden kannst in … Holland.





Diese Geschichte hab ich von ner Weiterbildung mitgebracht und finde sie so toll, dass ich sie euch zeigen wollte (blinzeln)
Frau Dr.E.Wagner hat sie uns übersetzt gegeben.
Sie ist von Emily Perl Kingsley in Tuttle and Tuttle 1996.

Ich selbst habe 2 gesunde Kinder, arbeite aber mit geistig und schwerst mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen.



ich werde sie in gewissen Abständen immer mal wieder einstellen .. ich hoffe, das stört keinen (zwinker)


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23 Antworten

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23 Antwort
@ich85
was gefällt dir nich? der Vergleich mit der Reise? das is doch gerade das schöne, dass es eben auch Eltern gibt, die eben damit glücklich sind, dass sie jetzt in "Holland" sind die, die es noch nicht sind, müssen es noch lernen aber es is trotzdem
sinead1976
sinead1976 | 14.10.2009
22 Antwort
finds nen ziemlich blöden und schlechten vergleich
sooooooooooooooooo viele eltern von behinderten kindern sind super glücklich, trotz allem... mir gefällts nicht...
ich85
ich85 | 14.10.2009
21 Antwort
@Mami_im_Netz
Meine Schwiegermutter hat eine Nachbarin, deren jüngere Tochter ist 100% geistig und körperlich behindert. Sie ist jetzt Mitte 40. Der Vater von ihr lebt nicht mehr, die Mutter lebt seit einiger Zeit in einem Heim wegen einer Demenzerkrankung. Aber die Mutter ist die ganzen Jahre für ihre Tochter dagewesen, das Zimmer war behindertengerecht ausgestattet und sie war auch tagsüber in einer Behinderteneinrichtung, was ihr sehr gut getan hat, aber sie kam jeden Nachmittag wieder nach Hause. Jetzt ist die Tochter in einem Heim für Behinderte Menschen. Wieviel sie davon mitkriegt und wie sie es versteht, weiß ich nicht. Je nach Behinderungsgrad ist es natürlich eine Lebensaufgabe und man kann auch nicht mehr alles machen, wie große Urlaubsreisen und man kann nicht sagen, irgendwann ist das Kind groß und ich habe wieder mein eigenes Leben. Es ist bestimmt nicht einfach, aber man muß es annehmen, wie es ist.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 13.10.2009
20 Antwort
sehr schöner Text
u.ich bin immer wieder u.immer wieder empört wie vor allem die älteren Leute noch immer urteilen über die Kriegszeiten.Da fallen dann Töne wie zu Hitlers Zeiten gäb es die Behinderten nicht u.s.w.Schön das so ein Text hier immer wieder reingesetzt wird, meinetwegen jeden Tag.Mensch ist Mensch.Finde das es noch viel viel mehr Integration geben muss, besonders an Schulen.Fängt doch in der Grundschule schon an.Im Kindergarten müsste es noch viel mehrere Möglichkeiten geben u.ein miteinander anstatt extra Kitas.Die Welt ist bunt, egal ob weiss oder schwarz, deutsch oder nicht deutsch, behindert oder nichtbehindert.Das WIR zusammen zählt.LG.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 13.10.2009
19 Antwort
@Chrissi1410
Diese Mutter hat noch einen Sohn, welchen sie, weil er 100% Behindert ist, in ein Heim gesteckt hat. Weil sie nicht mit der Situation zurecht kommt. Als ich 15 Jahre alt war, meinte sie, was ich denn machen würde, würde ich ein Behindertes Kind zur Welt bringen!? Ich antwortete:" Es wird sicher nicht leicht sein, aber als Mutter wächst man da sicher rein. Und das ich versuchen würde, das beste daraus zu machen, weil das Kind ja nichts dafür kann." Sie wollte mir unterstellen, dass ich es abschieben würde. Heute frag ich mich mit welchem Recht sie mich danach gefragt hat, wo sie selbst ihren Sohn abgeschoben hat, der übrigens bei jedem Besuch total angeschrieen wird, obwohl er doch nix dafür kann, dass er sie "nicht versteht". LG
Mami_im_Netz
Mami_im_Netz | 13.10.2009
18 Antwort
@sinead1976
genau, man will ein Kind haben, man bekommt eins und nimmt es so an, wie es ist.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 13.10.2009
17 Antwort
@Mami_im_Netz
Das ist wirklich heftig, Eltern MÜSSEN ihre Kinder unterstützen, stärken und ihnen Mut machen, gerade, wenn sie nicht "normal" sind. Aber was ist normal?? Als normal wird bezeichnet, was die Masse ist, kann oder tut. Jeder Mensch ist verschieden, einzigartig und individuell. Es gibt Menschen, die haben keine Arme und malen wunderschöne Bilder mit ihren Füssen oder dem Mund. Man muß jeden Menschen so annehmen wie er ist und jeder gibt seine 100%, so wie er es kann. Aber die meisten haben vor einem anderssein Angst, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und ziehen sich deshalb zurück. Keine Frau ist eine perfekte Mutter, wenn sie ein Baby bekommt, aber jede Mutter lernt ihr Kind zu verstehen und es nach seinen Bedürfnissen zu versorgen und der beste Lehrer ist das Kind selber. Jede Mutter versteht die Tönchen, die ihr Kind von sich gibt und weiß was es will, wo andere nur ratlos gucken und nicht wissen, was gemeint ist.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 13.10.2009
16 Antwort
danke das war schön
und freut auch mcih denn ich habe mir sowas schlimmes ja auch nciht gewünscht aber alles ist überstanden und ich bin froh das ich meine maus habe
Miss_glamour
Miss_glamour | 13.10.2009
15 Antwort
@Maulende-Myrthe
Das hast du schön gesagt. Danke.
Mami_im_Netz
Mami_im_Netz | 13.10.2009
14 Antwort
@Mami_im_Netz
Ich verstehe es eher so, dass man nicht dem hinterhertrauern soll, was man hätte haben können, wenn alles so gekommen wäre, wie man es sich gewünscht hat. Stattdessen soll man lernen, das Schöne an der aktuellen Situation zu sehen. Wenn man sich der Realität verschließt und nur dem "was wäre wenn" hinterhertrauert, dann kann man nicht glücklich werden und man übersieht vielleicht, wie viel einem auch das andere geben kann, was man sich eigentlich nicht gewünscht hat. Ich denke, diesen Text kann man auf alle Bereich des Lebens übertragen. Es kommt häufig anders, als man es sich gewünscht hat. Entweder du trauerst also der Tatsache hinterher, dass du nicht das gesunde Kind bekommen hast, das du dir gewünscht hast, oder du siehst nach vorne und lernst, die Dinge zu akzeptieren. Erst dann bist du in der Lage, auch wunderbare Seiten und Fähigkeiten an deinem behinderten Kind zu entdecken und damit glücklich zu werden.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 13.10.2009
13 Antwort
***********
der text ist ja wirklich toll!!
MamiHanna-lea86
MamiHanna-lea86 | 13.10.2009
12 Antwort
@Chrissi1410
Dann find ich den Text noch schöner...Finde es sehr schade, das manche Kinder unterdrückt werden, nur weil sie eben etwas eingeschränkter sind. Da kenne ich zB ein Mädchen , ihr wird von ihrer Mutter immer eingeredet, dass sie dumm sei, weil sie zurück geblieben ist und dass sie nie so leben kann, wie jmd. der nicht zurückgeblieben wäre. Ich persönlich habe sehr viel Kontakt zu dem Mädchen gehabt und finde, dass zB in Politik sie einem ganz viel vor machen kann, da hab ich nämlich null überblick. Und auch so finde ich, dass sie vllt ein wenig Kindig ist, aber das bin ich auch zwischen durch. Ansonsten finde ich aber das sie total normal ist und finde es unmöglich was ihr ihre Mutter einredet. LG
Mami_im_Netz
Mami_im_Netz | 13.10.2009
11 Antwort
@Chrissi1410
bloß, weil das Kind "anders" ist
sinead1976
sinead1976 | 13.10.2009
10 Antwort
@Mami_im_Netz
ich verstehe es so, daß man nicht enttäuscht, traurig oder entsetzt sein darf, wenn man ein behindertes Kind bekommt, sondern sich auf die neue Situation einstellt und das gute, andere und auch einzigartige in diesem Kind sieht und durch ein behindertes Kind Wege geht, und Dinge kennenlernt, die wahrscheinlich nicht einfach sind, aber die man mit einem nichtbehinderten Kind nicht kennengelernt hätte. So interpretiere ich den Text.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 13.10.2009
9 Antwort
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ein wunderschönes gedicht
julisch79
julisch79 | 13.10.2009
8 Antwort
Schöner hätte man es nicht ausdrücken können!
Auch wenn man es niemanden auf der Erde wünscht!!!!!!
bosna
bosna | 13.10.2009
7 Antwort
Hallo
Ist eine interessante Geschichte u trifft so zu.... Ich hab Respekt vor dir, der Job ist nicht einfach. Ich selbst bin Krankenschwester u hab auch schon überlegt, ob ich dies machen könnt, ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Zutrauen schon , aber es dann wirklich psychisch schaffen....ist ne andere frage, , , Umso mehr sollten einige soo froh sein, ein gesundes Kind zu haben, inclus.ich selbst u es nicht als selbstverständlich hinnehmen..., das fehlt manchem Erwachsenen, wenn sich über banale Sachen aufgeregt wird....
kati3010
kati3010 | 13.10.2009
6 Antwort
Ich finde den Text wunderbar
und gleichzeitig furchtbar traurig. Ich mag diese Texte, Geschichten und Gedichte nicht, bei denen so kitschig auf die Tränendrüse gedrückt wird. Dieser hier ist wirklich alles andere als das. Er geht ans Herz ohne dass man schmerzhaft zuckt, weil es so konstruiert und gekünstelt ist. Er ist so wahr und weise und man fühlt mit, ohne Mitleid zu haben. Toll!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 13.10.2009
5 Antwort
Klasse Geschichte
find ich voll super!
thereallife
thereallife | 13.10.2009
4 Antwort
Das ist eine sehr schöne Geschichte
Ich habe so eine Reise auch hinter mir
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 13.10.2009

1 von 3
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