Zwanzig Jahre..

Frage von: Gelöschter Benutzer
02.09.2014 | 18 Antworten

…..und 1000 mal eine wehende Frau begleitet, 1000 mal waren es meine Hände die ein neugeborenes Kind als erste berührt haben. 1000 mal ist mir die Ehre zuteil geworden, von Eltern auserwählt zu sein, diesen wichtigen und für immer in der Erinnerung bleibenden Moment in ihrem Leben begleiten zu dürfen. 1000 mal vom Wunder beeindruckt, 1000 mal Demut, Dankbarkeit, Respekt vor dem Leben.
Zwei mal von 1000 …..die Begleitung meiner Töchter durch die Schwangerschaft , die Wehen und meine begrüßenden Hände, meines Herzens und meiner Seele an meine Enkelinnen.

Einige male mit Eltern geweint, getrauert und das Kind zu Grabe getragen. Verzweifelt die Frage des „ warum“? nicht beantwortet bekommen.

100derte von malen, Nachts um drei, bei Wind , Eis, Schnee, Sturm aus dem Bett gesprungen und Stunden beigestanden. Wenige male nach der Geburt des Kindes eingetroffen, weil das Kind schneller ans Licht wollte, als ich mein Auto durch den Pott fliegen lassen konnte.
Zwanzig Jahre, Rufbereitschaft, Handy am Bett, Schulveranstaltungen der Kinder nach 5 Min wieder verlassen, oder gar nicht erschienen weil eine wehende Frau mich brauchte. Zwanzig Jahre, keine verbindlichen Zusagen an Familie, Freunde oder sonstige Menschen gegeben weil immer Geburt Vorrang hatte.
Zwanzig Jahre mit immer stärkerem Druck und dem Eindruck mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Zwanzig Jahre unterbezahlt und mit enormer Verantwortung und Unsummen von Versicherungskosten belastet. Zwanzig Jahre einer Entwicklung der Geburtshilfe zusehen zu müssen die nicht mehr meine ist. Zwanzig Jahre für ein Selbstbestimmungsrecht der Frau eingetreten. Zwanzig Jahre versucht, die Unversehrtheit der Frau zu schützen. Zwanzig Jahre mich vor die Kreißsaaltür schmeißen und gegen Windmühlen anrennen.

Nach zwanzig Jahren zu spüren, ich bin am Ende meiner körperlichen Kraft und meines „ geben könnens“
Nach zwanzig Jahren habe ich am 1.9. 2014 als noch eine der wenigen in meinem Umfeld tätigen geburtshilflichen Hebammen meine Arbeit als Geburtshelferin niedergelegt und betreue jetzt nur noch die Vor und Nachsorge.

Danke an alle Frauen und Familien für euer Vertrauen .

Bettina



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21 Antworten
Mona19_84 | 05.09.2014
1 Antwort
Du hast es dir verdient ... euch Hebammen werden auch einfach viel zu viele Steine in den weg gelegt ...
Gelöschter Benutzer | 05.09.2014
2 Antwort
@Moppelchen71 mehr kann ich gerade nicht in Worte fassen.
Moppelchen71 | 05.09.2014
3 Antwort
Meine allerliebste Bettina, ich sitze da und überlege, was ich Dir schreiben möchte. Da sind so viele Gedanken. Und auch wenn ich absehen konnte, dass dieser Tag kommen wird, ist es doch wie ein Schock. Ich bin eine der unzähligen Frauen, die Du in der Schwangerschaft begleitet hast. Mein Weg, Dich kennen zu lernen, war dennoch ein etwas anderer. Wir lernten uns virtuell kennen, neutral, als zwei Frauen, die jede ihre Erfahrungen in der Geburtshilfe mitbrachte. Du, als die Frau, die werdende Eltern begleitet, das in Dich gesetzte Vertrauen als unbeschreiblichen Schatz ansiehst und ich, als die Frau, die öfter als der Durchschnitt, dieses Vertrauen in die Hebamme setzt. Wir freundeten uns an, erlebten unsere Abenteuer, bei denen die Bauchmuskeln mehr trainiert wurden, als ich in 11 Jahren Schulsport, zusammen gerechnet, zuließ und als ich dann unerwartet, wenn auch erhofft, wieder schwanger wurde, war es für mich selbstverständlich, dass ich Dich als Hebamme an meiner Seite haben wollte. Unsere gigantischen, manchmal so verrückten Pläne, was die Geburt betrifft... Mit Dir konnte ich jede Verrücktheit besprechen und war sie zu abstrakt, hatten wir zumindest genug zu lachen. Noch immer sehe ich mich, im Geiste und mitten im Hochsommer, in dem Geburtsbecken auf Deinem Flur, vor dem bollernden Kaminofen, Achim im Weihnachtsmannkostüm und Dich als Engel mit wallenden Korkenzieherlöckchen, bei heißem Kakao, alles festlich Aber auch die realen Pläne, Dein Engagement, wie Du – trotz der Entfernung – alles mit geplant und auch in die Tat umgesetzt hättest, um mir meinen Traum von einer Hausgeburt, mit ganz besonderem Flair, erfüllen zu können. Dabei sehe ich Dich an meiner Seite, wie Du mich, in dunklen Stunden, in eben dieser Schwangerschaft, an die Hand genommen hast, diejenige warst, die mich zu anderen Experten mitnahm, damit diese mir wieder Mut zusprachen und ich meine Liebe zu dem Baby in meinem Bauch, das von einigen wenigen als nicht lebens- und liebenswert erklärt wurde, behalten und wachsen lassen durfte. Unsere Pläne von der Geburt miteinander, waren unerfüllbar und noch heute bin ich traurig darüber. Aber es war eine Entscheidung der Vernunft, der medizinischen Notwendigkeit, auf den Du mich, schweren Herzens, führen musstest. Dennoch warst Du da, fiebertest mit den anderen Freundinnen mit, als Ihr darauf wartetet, dass der kleine Mann nun endlich aus dem Bauch geholt und medizinisch versorgt werden konntest. Du warst in seinem kurzen Leben allgegenwärtig, zaubertest ihm einen Adventskalender... Ich werde nie vergessen, wie ich auf die Intensivstation kam, dort das Paket stand, adressiert an Yorik, gefüllt mit den Säckchen und Schriftrollen. Jeden Tag im Advent einen weisen und herzlichen Wunsch, dazu das passende Symbol, um ihn nicht vergessen zu lassen, dass seine Bettina immer bei ihm ist und so viel Mut, Kraft und Stärke, aber auch Liebe schickt. Dies war immer um ihn und blieb es, bis zum Schluss. Du kamst zu ihm, lerntest ihn kennen, nahmst ihn so herzlich auf, in den Kreis „Deiner“ Kinder und machtest den Abdruck seines Fußes, der Jahr für Jahr die Spitze unseres Weihnachtsbaumes krönt. Und Du warst, zusammen mit den anderen Freunden, an unserer Seite, bei Yoriks Taufe in der Klinik, seiner Beerdigung, wo Ihr dem kleinen Wikinger einen Abschied bereitetet, der all die Liebe, die Ihr uns schenktet, in so vielen Gesten ausdrückte. Nicht einmal ein Jahr später, begleitetest Du mich auf dem nächsten schweren Weg, der mit so viel Hoffnung begann und doch in Tränen endete. Du warst die Einzige, die mir bei der Fehlgeburt zur Seite stand, mir den Mut gab, selbstbestimmt zu bleiben und mir half – obwohl die Trauer unendlich war – diesen Verlust zur Heilung meiner Seele verwenden zu können. Und dann sehe ich uns, an langen Abenden, in denen wir lachten und schimpften, Spaß hatten und einfach nur zwei verrückte Hühner waren. Das werden wir immer bleiben und für mich warst und bist Du immer zuerst meine Freundin und an zweiter Stelle die für mich beste Hebamme, der ich begegnen konnte. Auch wenn ich ein wenig traurig über Deinen Entschluss bin, da er bedeutet, dass die Geburtshilfe eine der wenigen und letzten Hebammen verliert, die mit so viel Herzblut dabei war, nicht den Job sah, sondern die Berufung, verstehe ich Deine Entscheidung und begrüße sie als Freundin, die erleben musste, wie die Bürokratie und Politik Dich und Deinen Berufsstand zu zerbrechen droht. Man hat in Dir zu zerbrechen versucht, was Dich ausmacht. Deine Leidenschaft hinter eine Mauer geschoben, hinter der man sie ins Exil schicken wollte. Ja, ich bedaure, bin wütend, dass man selbst Dir Deinen Enthusiasmus genommen hat. Für mich sieht die Geburtshilfe nun so grau aus, denn Deine Leidenschaft wird ihr so viel des hellen und strahlenden Lichts nehmen. Ich bin so dankbar, Dich meine Freundin nennen zu dürfen und traurig, „meine“ Hebamme gebrochen zu wissen. Von Menschen, die meist nicht einmal das Wunder der Geburt selbst miterleben konnten und nur wirtschaftliche Lukrativität im Beginn eines jungen Lebens sehen. Aber ich bin froh, dass Du nicht alles aufgibst, begleitend bei den Familien, vor und nach der Geburt bleibst und sei versichert, dass, wenn weiterhin alles gut verläuft, wirst Du wieder eine Deiner anstrengensten Freundinnen in Betreuung haben. Bei Dir weiß ich, dass ich vertrauen kann, brauche es nie zu hinterfragen und erhalte so viel mehr von Dir, als ich zurückgeben könnte. Du bist die, die mir den Kopf gerade rückt und ich bin froh, dass es Dich gibt. Liebe Bettina, ich weine darüber, dass die Geburtshilfe eine der besten Hebammen verloren hat, die ich mir vorstellen kann und ich freue mich, als Freundin, dass Du nun hoffentlich wieder öfter lachen kannst, weil Dir niemand mehr zu nehmen vermag, wofür Du zwanzig Jahre gekämpft hast. An welche Macht wir auch glauben, an alle zusammen, ich danke, Dich kennen zu dürfen und Freundin nennen zu können. Du bist mir so lieb und teuer geworden, daran kann kein Politiker oder Versicherungsgesetz etwas ändern. Nein, Du bist eine Powerfrau und ich bin überzeugt davon, dass dieser Weg Dich in eine neues Abenteuer führt, bei dem Du die Welt mit Deiner Entschlossenheit und Deinem Lachen heller, wärmer und liebenswerter machst und ich sage Dir etwas, was mir sonst schwer fällt, jemandem zu sagen: „Ich liebe Dich, Bettina, Freundin, und bin stolz, dass es Dich gibt!“
daesue | 05.09.2014
4 Antwort
@Heviane DU hast es dir verdient! Du hast einen wahnsinns Job gemacht und die Vor- und Nachsorge ist auch sehr wichtig!!!!
Gelöschter Benutzer | 03.09.2014
5 Antwort
@Zaza82 So....nun heule ich auch Ich danke euch sehr. Grüße mir meine fast Kollegen!
Zaza82 | 03.09.2014
6 Antwort
Liebe Bettina, ich bin sehr traurig, das zu lesen, aber ich kann dich auch verstehen. Und auch ich möchte dir nochmal unendlich danken! Danke, dass ich durch dich diese wunderbare Erfahrung einer Hausgeburt machen durfte! Danke für deine tolle Begleitung vor, während und nach der Geburt! Danke, dass ich dank dir auf das Tragetuch gebracht wurde! Danke, dass du uns auf die richtige Behandlung wegen dem KISS gebracht hast! Danke, dass ich immer noch die lustige Geschichte erzählen kann, dass AndreAngst hatte er müsse Marlon auf die Welt bringen ! Danke einfach für Alles! Die Geburtshilfe verliert die beste Hausgeburtshebamme die man sich vorstellen kann!
Gelöschter Benutzer | 03.09.2014
7 Antwort
@blaumuckel
blaumuckel | 03.09.2014
8 Antwort
*Gänsehaut und Pipi in den Augen* Ein DiCkES DANKE an Dich !!! Auch wenn die beiden schon schlafen. Luca und Miko sind dankbar für die tolle Betreuung, von ihrer Mama und auch für die Hilfe danach. Luca nennt die Frau im Heft , was sie von dir bekam immer noch Bettina. Hat dich nicht vergessen. "Bettina hat mich und Miko aus Mamas MUMU geholt, wie da im Buch." So eine wie Dich gibt es nur 1x. Es ist verdammt, scheiße schade , dass es andere Muttis nicht mehr miterleben, wie schön eine Geburt sein kann.Wenn die EINE, richtige Hebamme bei Seite steht. Danke Danke Danke Danke Weiterhin alles Gute
Zypta | 03.09.2014
9 Antwort
Du hast so viel geleistet, so viel gegeben und kannst auf eine bewegte und schöne Zeit zurück blicken. Und auch wenn nun ein Umbruch ansteht, hoffe ich, er bringt für dich viel positives.
andrea251079 | 02.09.2014
10 Antwort
Du hast so vielen Frauen zum Glück verholfen, ihnen beigestanden, sie angefeuert, ihnen Mut zugesprochen. Schade, dass diese wichtige, ZUKUNFTSSICHERNDE Arbeit es offenbar nicht wert ist, entsprechend entlohnt zu werden. Ich kenne Dich leider nicht persönlich, aber ich lese hier gerne, wie offen Du eine sehr solide Meinung vertrittst, klare Worte sprichst, bei Fragen mit Deinem Wissen hilfst und den Frauen hier Mut machst. Ich bin ganz sicher, dass es ein großer Verlust ist, dass Du nicht mehr als Geburtshelferin tätig bist. Schade!
Gelöschter Benutzer | 02.09.2014
11 Antwort
Das es so weit gekommen ist, ist eine der größten schade der Menschheitsgeschichte , nach 1000 senden von Jahren den mit Ältesten Beruf von ignoranten Menschen ausradieren zu sehn iss so schlimm dafür gibt es keine Worte. Ich wünsche Dir für dein weiteres leben alles gute und hoffe für viele noch werdenen Mamis das Du zumindest uns hier im mamiwep erhalten bleibst.
Chrissi1410 | 02.09.2014
12 Antwort
Liebe Bettina, Für 1000 Familien bist Du ein wichtiger Teil ihres Lebens, weil Du in einer Lebensverändernden Situation zuverlässig an ihrer seite warst. Darauf kannst, darfst und sollst Du Dein Leben lang stolz sein. Du hast Dich auf Grund von Umständen, die Du nicht tragen, aber auch nicht beeinflussen oder ändern kannst, entschieden, deinen Weg zu ändern. Das ist Dein gutes Recht und ich weiss, dass Dir diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Ich wünsche Dir für Deine berufliche Zukunft alles Gute.
Tine2904 | 02.09.2014
13 Antwort
Genauso wie du es geschrieben hast, kannst du stolz auf die letzten 20 Jahre sein. Du und deine Kolleginnen seid vor, während und nach der Geburt einer der wichtigsten Menschen. Ich hoffe sehr, dass du mit einem fröhlichen Gedanken deine Arbeit beenden kannst, auch wenn die Windmühlen dir oft die Kraft geraubt haben und dich letztendlich zu dieser Entscheidung zwingen. Wir freuen uns sehr, dich hier bei uns zu haben!
Gelöschter Benutzer | 02.09.2014
14 Antwort
hast du wunderschön geschrieben. Es ist echt eine tolle arbeit die ihr Hebammen verrichtet. Wünsch dir weiterhin alles gute.....
juliia20 | 02.09.2014
15 Antwort
Sehr schön geschrieben. Hebammen sind nach mann und Familie die, wichtigsten Menschen um eine werdende Mama zu unterstützen!!
delila | 02.09.2014
16 Antwort
Das hast Du wunderschön geschrieben! Im Namen aller Muttis ein dickes Dankeschön an dich und alle deine Kolleginen... Für so viel Beistand, vertrauen und Zuversicht. Ich wünsch Dir alles, alles gute für deinen weiteren Weg!
rosafant1980 | 02.09.2014
17 Antwort
Schön geschrieben alles gute weiterhin für deine Zukunft
Gelöschter Benutzer | 02.09.2014
18 Antwort
Na toll, jetzt sitz ich hier mit Tränen in den Augen ... Andererseits glaube ich, dass es die einzig richtige Entscheidung gewesen ist, die Du für Dich und Deine weitere Zukunft treffen konnst!!! Auch wenn ich natürlich trotzdem irgendwie ein wenig traurig bin. Ich wünsche Dir auf jedenfall alles, alles Gute für Deine weitere Zukunft!!!

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