Einfach mal lesen und eure Meinung posten

Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer
18.07.2011 | 11 Antworten
Habe grade diesen Bericht gelesen und war total geschockt. Was denkt ihr? Ich habe damals meine Tochter auch mit 16 bekommen und ich weiß, dass meine Eltern mich auch versucht hätten zu überreden, wäre ich nicht schon 16. Woche gewesen, als ich es erfahren habe. Das Mädchen tut mir so leid!

Vorab zu mir: Ich bin 16 Jahre alt und führe seit mehr als zwei Jahren eine eigentlich sehr harmonische Beziehung. Ich besuche ein Gymnasium und möchte später gerne mal Medizin studieren, wenn es machbar ist. Mein Vater ist ebenfalls Mediziner, Frauenarzt, um genau zu sein. Deswegen hatte ich es immer schon ein bischen schwerer als andere Mädchen in meinem Alter, die mit ihrem Frauenarzt normal über Verhütung usw. reden können. Allerdings hat die Sache auch viele Vorteile.




21.06.11


Juhuu, Markus ist in der "2.Runde".
Die wunderschöne, renovierte 3-er Wg, die noch einen Mitbewohner sucht, möchte, dass Markus noch einmal vorbeikommt, um auch den anderen Mitbewohner noch kennen zu lernen, bevor die endgültige Entscheidung getroffen wird, wer der 10 Bewerber denn nun einzieht.
Also sitzen wir um halb 9 morgens am Bahnstein um die zweieinhalbstündige Zugfahrt anzutreten.
Eigentlich ist noch Schule, zumindest für mich, aber in zwei Tagen gibt es ohnehin Zeugnisse, da kann ich mir das erlauben, auch wenn meine Eltern nichts davon wissen.
Markus hat in Karlsruhe einen super Ausbildungsplatz bekommen und dafür ohne Ende gekämpft, als Jahrgangsbester seinen Gewerbeschulabschluss bestanden! Nur die passende Wohnung fehlt eben noch.

Nach einer ziemlich flotten Zugfahrt mit nur einem Umstieg erreichen wir Karlsruhe.
Erst einmal über die Brücke hin zur S-Bahnhaltestelle. Wir treffen uns erst um 7 in der Wohnung, jetzt ist es 12, also haben wir noch schön Zeit zum bummeln.
Ein paar Stunden und zwei Mittagessen später sind wir schließlich im Einkaufszentrum. Während Markus auf dem Massagesessel sichtlich müde sitzen bleibt, flitze ich noch schnell in den DM, Fotos ausdrucken und einen Kamm besorgen.
Und einen Schwangerschaftstest. Aber davon soll er nichts wissen. Er wird sowieso negativ sein und ich möchte ihm keine Sorgen bereiten, wo er doch nun bald umzieht. Jedoch habe ich meine Tage nicht bekommen, obwohl es sich ständig so anfühlt. Ich bin mir aber eigentlich sicher, dass nichts ist, schließlich ist mir nicht schlecht, meine Brüste sind zwar irgendwie anders als sonst, aber nicht größer oder fester.
Nun gut, alle Bilder sind ausgedruckt und samt billigstem Schwangerschaftstest den es gab im Schlepptau erreiche ich wieder die Massagesessel.
Markus will etwas essen gehen, also fahren wir zum Bahnhof und gehen in McDonalds. Trifft sich gut, ich muss unglaublich dringend zur Toilette und wenn ich den Test gleich in Karlsruhe mache, dann hab ich direkt Gewissheit und brauche mir keine Sorgen mehr zu machen!
Während Markus sich hinsetzt gehe ich zur Toilette. Das heißt, ich muss erst mal kurz warten, wie das immer so ist beim Damenklo.
Mist, mir fällt ein, dass ich nur eine Flasche dabeihabe um den Test zu machen, keinen Becher und nichts, also pinkele ich notdürftig hinein und halte den Test so gut es geht in den Urin.
Sofort nach Eintauchen erschien im Kontroll-Feld der Streifen, so wie das ja immer sein muss. Dann zog der Urin jedoch weiter den SS-Test hoch und ich erkannte, dass der Kontrollstreifen sich ERST JETZT färbte!
Zwei richtig fette Streifen nebeneinander, der Teststreifen sogar dicker und dunkler als der Kontrollstreifen! Ich bin schwanger!
Sofort fange ich an zu zittern, kann kaum danach greifen, stecke den Test aber trotzdem in der Rucksack und verlasse sofort die Toilette.
Notgedrungen gebe ich der Dame, die die Toiletten reinigt 50 Cent und gehe zu Markus.
Meine Lippen zitterten, mein ganzer Körper zitterte eigentlich und ich konnte mich einfach nicht mit ihm hinsetzen und so tun als wäre nichts.
Ich sage zu ihm, dass wir doch gehen sollen und während wir in Richtung eines Parks gehen, mitten auf der Straße, sage ich es ihm.
Ich drehe mich um, nehme ihn in die Arme.
"Markus, du weißt doch, dass ich meine Tage nicht bekommen habe, nicht wahr?"
"Ja! Wieso? Bist du schwanger?"
Dann kam von meiner Seite nur noch ein Nicken und das für die nächsten 20 Minuten.
Solange hat mich noch niemand ruhig gestellt, aber ich war so perplex und verwirrt, dass ich einfach nichts sagen konnte.
Wir saßen auf einer Parkbank, Markus hielt den Test in der Hand, verstand, dass zwei Streifen wohl schwanger bedeutet und warf den Test zu Boden.
Er nahm mich in den Arm und während mein Kopf leer war fing er an, darüber zu reden wie es nun weitergeht.

Irgendwann standen wir auf, ich musste ständig zur Toilette (Natürlich, kaum weiß man es, setzen die Schwangerschaftsanzeichen ein) und wusste eigentlich gar nicht, was wir machen sollten! Es war 5 Uhr und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile lang. Ich habe die Pille nach der Pillenpause zu spät genommen, habe mit der neuen Packung dienstags anstatt Sonntags angefangen.
Wir fuhren schließlich noch durch die Stadt, dann schon mal in die Nähe der Wohnung für die wir eigentlich nach Karlsruhe gekommen waren, dort setzen wir uns wiederum auf eine Bank.
Markus schlug mir vor, ich sollte mit ihm nach Karlsruhe kommen, dann könnte ich mich um das Baby kümmern, er verdient das Geld, wenn es auch nicht allzu viel ist, aber dann ist das Kind wenigstens bei seinem Vater.
Meine Eltern werden das niemals erlauben, widerspreche ich, außerdem möchte ich das auch nicht. Ich wollte, dass er nicht nach Karlsruhe geht, wenn es irgendwie möglich ist. Aber er hatte so viel für diesen Ausbildungsplatz getan, nirgendwo würde er sonst ein so gutes Angebot finden.
Er würde bei Siemens arbeiten, eine Ausbildung machen die ein Berufskollege einschließt, danach könnte er direkt studieren. Sein Traum.

Als es schließlich Zeit wurde, gingen wir in die Wohnung zur Besichtigung, sie war wirklich wunderschön und für einen Moment waren wir beide abgelenkt. Die beiden Jungs wirkten freundlich und ich war sicher, dass Markus gut aufgehoben wäre.

Um 10 Uhr ging unser Zug, gegen 9 trafen wir am Bahnhof ein und setzen uns erneut in McDonalds.
Ich aß etwas, obwohl ich keinen Hunger hatte. Wir unterhielten uns, wir waren beide gereizt und der Nachbartisch schaute ständig zu uns rüber. Es war mir egal.
Michael meinte, ich könnte die Schule unter keinen Umständen beenden und er wollte unbedingt, dass ich nach Karlsruhe komme. Wir kamen natürlich zu keinem Ergebnis.

Im Zug schließlich sprachen wir weiter, jedoch beruhigte Markus sich wieder etwas und nahm mich irgendwann in den Arm, als ich nur noch genervt und verzweifelt auf meinem Sitz kauerte.
Er sagte, er würde sich um "uns" gut kümmern, was ein warmes Gefühl in mir hervorrief.
Ich war nicht unbedingt glücklich, aber ich war auch nicht endlos traurig, ich wusste, dass ich im nächsten Jahr ein Kind zur Welt bringen würde, mein Kind. Ich wusste, dass es sehr anstrengend werden würde und ich hatte blanke Angst. Aber in mir drinnen war auch eine Freude, die ich selber als naiv abstempelte, jedoch auch heimlich genoss. Was hätte es gebracht, zu fluchen? Ich war mir absolut sicher, das Abitur zu schaffen, da ich eine sehr gute Schülerin bin. Ich habe bisher nie lernen müssen, mir alles irgendwie angeeignet und immer gute Noten gehabt.
Klar wird das mit Kind anders. Aber das Abitur wäre trotzdem machbar!

Das Zugfahren war unglaublich anstrengend, ich hatte extreme Rückenschmerzen, hinzu war es Mitternacht und wir mussten in der Kälte am Bahnhof sitzen und auf den nächsten Zug zu warten.
Gegen zwei Uhr kamen wir endlich im Heimatort an und wurden von Markus Vater abgeholt.




22.06.11

Halb Sieben. Ich fahre mit dem Fahrrad los zur Schule.
Nun, nicht ganz. Die Schule beginnt erst um zehn vor acht und ich brauche nur zwanzig Minuten mit dem Fahrrad. Ich fahre noch einen Schwangerschaftstest kaufen, einen besseren. Ich habe die Theorie, dass er vielleicht verfälscht war, weil ich ihn ja in einer Flasche gemacht habe, in der vorher so ein Fitnessdrink war. Vielleicht hat der irgendwie mit dem Test reagiert! Schließlich war der Test sofort total fett positiv, was heißt, dass mein HCG- Wert sehr hoch sein muss. Ich kann aber frühestens in der 6. Woche sein, am höchsten ist der Wert meinem Wissen nach in der 8. Woche! Ich habe schon oft gehört, dass der Test „ganz schwach positiv“ war. Als ich in der Praxis meines Vaters Praktikum machte, habe ich auch mal einen Test für eine Schwangere durchgeführt. Erst nach 4 Minuten hat man einen schwachen Strich gesehen, sie war in der 6. Woche! Dann kann das doch nicht stimmen!
Also stehe ich als erste an der Kasse, den Test für 5 Euro in der Hand, einen Becher in meinem Ranzen.
Auf der Kundentoilette führe ich den Test durch, doch wieder: Bevor der Urin überhaupt den Kontrollstreifen erreich hat, ist der Teststreifen bereits sichtbar! Wieder absolut positiv.
Nun gut, ich habe mich gestern Abend entschlossen, mich meiner Lehrerin anzuvertrauen, sollte ich wirklich schwanger sein. Das werde ich nun gleich tun. Sie ist in diesem Jahr meine Englischlehrerin gewesen, ich hatte sie in der achten Klasse bereits in Deutsch, und auch damals habe ich mich ihr anvertraut, als ich ein Problem hatte.
Eigentlich ist sie mit Schülern eher auf Distanz, nicht so wie manch anderer Lehrer, der von uns Schülern aus Versehen mal geduzt wird.
Aber ich vertraue ihr mehr als allen anderen Lehrern, mehr als unseren Vertrauenslehrern!
Ich weiß auch nicht wieso, sie macht einen kompetenten Eindruck.

Also fahre ich zur Schule, stelle mich zu meinen Klassenkameraden, umarme meine liebste Freundin Anna und wir sprechen über die Abschlussfahrt unserer Klasse der letzten Woche.
Als ich schließlich das Auto meiner Lehrerin um die Ecke biegen sehe, verabschiede ich mich unter dem Vorwand, noch was nachsehen zu müssen und mache ich auf den Weg Richtung Lehrerzimmer.
Da kommt sie mir im Flur entgegen, zusammen mit einem ihrer Kollegen.
„Hallo, zu Ihnen wollte ich eigentlich grade, ich bräuchte mal einen Rat“
„Okay, kein Problem, wann möchtest du denn mit mir sprechen? Das Problem ist, ich feiere heute meinen Geburtstag und muss nach der dritten Stunde direkt weg“
„Oh haben Sie Geburtstag?“
„ Ich hatte gestern“
„Dann herzlichen Glückwunsch“
„Dankesehr … Dann sprechen wir jetzt gleich, geh schon mal vor ins Sekretariat, okay?“

Also gehe ich schon mal vor, stehe vor dem Sekretariat und warte auf sie. Durch die Fenster kann ich meine Klasse sehen, heute ist unser letzter gemeinsamer Schultag, im nächsten Jahr werden wir in Kurse aufgeteilt.
Da kommt meine Lehrerin, fragt, wohin wir gehen sollen und ich schlage das Elternsprechzimmer vor.
Erst einmal stehen wir beide vor dem Tisch, ich weiß nicht wie ich anfangen soll.
„Was ist denn los?“ fragt sie mit freundlicher Stimme.
Ich musste es einfach plump raussagen „ Ich bin schwanger“.
Ich kann ihren Gesichtsausdruck nur schwer beschreiben.
Sie hat gelächelt. Aber es war diese Art von lächeln, die man nicht unterdrücken kann. Diese Art von lächeln, die eigentlich gar kein Lächeln sein soll. Wenn man fassungslos ist.
Sie greift nach meiner Hand und wir setzen uns.
Ich erzähle ihr alles, was sie wissen will.
Seit wann ich es weiß, also seit gestern, wer es weiß, also nur mein Freund und nun sie.
Ich sage ihr, dass ich nicht weiß, wie ich mit meinen Eltern darüber sprechen soll, erkläre ihr die Problematik, dass mein Vater Frauenarzt ist. Sie sagt mir, dass er damit wohl umgehen kann, da er solche Fälle ja öfter hat, wenn es bei persönlichen Dingen auch etwas anderes ist.
Sie schlägt mir vor, dass wir meine Mutter anrufen, sie sagt, sie schickt einen anderen Lehrer in ihre Klasse um mir zu helfen. Ich verneine, meine Mutter wäre wohl eher sauer und würde sich vorgeführt vorkommen. Sie gibt mir ihre Nummern, sowohl Festnetz als auch Handy und sagt, ich kann jeder Zeit anrufen. Sie empfiehlt mir, heute noch mit meinen Eltern zu sprechen, da wird morgen zusammen in den Urlaub fahren und die Familie sich dann dort an den Gedanken gewöhnen kann.
Während ich anfangs total dagegen war, erscheint mir dieser Weg nun plausibel und ich entscheide mich ihrem Rat zu folgen.
Es gongt zur ersten Stunde, wir stehen beide auf, sie drückt mich und sagt, sie lässt mir alle mögliche Unterstützung zukommen.
Ich gehe also in meine Klasse, muss jedoch erstmal feststellen, dass wir in einem anderen Raum sind und Bilder der letzten gemeinsamen Jahre anschauen, schließlich ist es ja der letzte Schultag.
Ich konnte nicht über die Videos lachen, auf denen wir alle noch so anders waren, auch die Bilder ließen mich kalt.
Ich saß still neben Anna, lächelte zwischendurch falsch und ihr war klar, dass etwas nicht stimmte.
Wir vereinbarten still, dass wir später draußen reden würden.
Anna hat mir schon auf der Klassenfahrt ins Gewissen geredet, ob ich mir sicher sein kann nicht schwanger zu sein. Ich war mir eigentlich absolut sicher.
Wir verließen beim Gong sofort das Gebäude und standen vor der Kantine.
Ich erzählte ihr vom positiven Test.
„oh nein… Was machst du denn für Sachen!“ bestürzt, mitfühlend und sogar etwas sauer war Annas Gesichtsausdruck. Sie nahm mich in den Arm und machte mir Vorwürfe, versprach mir, nichts zu erzählen. Zur zweiten Stunde mussten wir wieder in den Klassenraum, letzte Französischstunde bei unserem Lehrer. Er ist verdammt jung und hat uns das Jahr über eigentlich nicht viel beigebracht (außer welche die besten Clubs der Umgebung sind…), aber wir haben ihn trotzdem gerne.
Wir redeten über das Abschlussfest, das an diesem Abend stattfinden würde, und dann wurde mir bewusst, dass ich absagen muss. Meine Eltern werden mir niemals zustimmen, dorthin zu gehen, wenn ich mit ihnen gesprochen habe. Unter dem Vorwand, dass ich Hausarrest habe, erklärte ich meiner Klasse dann, dass ich nicht kommen kann. Die 10 Euro die ich für Miete bzw. Getränke bezahlt habe, überließ ich der Klasse natürlich, das war mir zudem ziemlich egal, liebend gerne hätte ich noch einmal gefeiert, bzw. In meinem Zustand nur das Grillfest genossen, aber als werdende Mutter in meiner Situation….
Ich habe in meiner Schwangerschaft schon genug getrunken. Eigentlich trinke ich selten, ich war auch noch nie total betrunken oder ähnliches, aber ziemlich genau seit einem Monat war ich jedes Wochenende weg. Einmal war ich auf einer Party, dann war Schulparty bei der ich mit 3 Freunden eine Flasche Korn gekillt habe. Auf der Klassenfahrt habe ich abends gerne mal ein Bier, und am letzten Abend sogar einen Cocktail getrunken, der hauptsächlich aus Wodka bestand. Hab danach nichts mehr getrunken, da war schon zu viel Alk drin.
Super Voraussetzungen für eine Schwangerschaft.

Nun gut. Nach der dritten Stunde bin ich direkt heimgeradelt, kam äußerst verschwitzt und zittrig zu Hause an, keiner da. Meine Mutter war wohl noch arbeiten. Ich rief Markus an, damit er vorbeikommt.
Zum einen sollte er den Koffer mitbringen, da wir ja am nächsten Tag in den Urlaub fahren würden, zum anderen musste ich ihm nun aber von der Vorgehensweise erzählen, die meine Lehrerin mir ans Herz gelegt hatte.
Zuerst sagte er nein, aber bei näherer Erläuterung stimmte er mir zu und wir warteten angespannt auf meine Mutter. Als sie kam, nahm ich mein Zeugnis und stürmte die Treppe runter.
Ich gab es ihr (wie üblich fiel das Lob für meinen Schnitt von 1, 3 mäßig aus) und fing an, ihr zu erzählen, dass ich meine Tage nicht bekommen habe, mich ganz komisch fühle und glaube, dass ich schwanger bin.
Ganz genau, wie ich es vorausgesagt habe, sah sie mich wütend an: „ Nein, oder?! !Dann fahren wir sofort in die Praxis!“
Klar, ab zu meinem Vater.
Markus saß kleinlaut hinten im Auto, während ich vorne neben meiner Mutter saß, die sich grade abreagierte und wie eine Bescheuerte durch den prasselnden Regen fuhr. Nach 5 Minuten waren wir da.
Mit den Arzthelferinnen verstehe ich mich super, im Praktikum und auch sonst waren sie immer sehr nett zu mir. Ich weiß nicht, ob sie realisiert haben, warum ich da war, aber ich denke schon.
„komm, gib mal Urin ab“ sagte meine Mutter mit drängender und immer noch wütender Stimme.
Mein „Ich kann nicht!“ überhörte sie. Die drei Tropfen, die schließlich im Becher waren (wirklich drei Tropfen) nahm sie mit der Pipette und benetzte den Schwangerschaftstest damit.
Ich wusste genau was nun kommen würde. Und so standen wir im Labor der Praxis, in der ich während meines Praktikums selber schon so oft Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen bei anderen Frauen durchgeführt habe. Komischerweise hatte Mama noch Zeit, die Uhr zu stellen (man soll ja mindestens 5 Minuten warten, um Gewissheit zu haben), erst dann war der Test positiv. Dafür aber wieder extrem positiv!

Ich wünsche keiner Person auf dieser Welt, nicht meinem schlimmsten Feind, dass er jemals den Blick ertragen muss, mit dem meine Mutter mich strafte! Den Kopf angehoben, leicht schief gelegt funkelten mich ihre grünen Augen an, ich kann es nicht beschreiben.
„ Ja, schwanger. Und du bist schon weiter, der ist direkt positiv!“
Ich seufzte, und sie weinte fast.
„Du gehst direkt zum Papa rein, komm!“ drängte sie mich, und so war ich schon in der kleinen Umkleideecke. Markus wusste gar nicht was er machen sollte, ich bedeutete ihm ins Sprechzimmer zu gehen, aber dann kam meine Mutter und sagte ihm er soll da bleiben. Super. Da liege ich dann. Habnackt auf der Untersuchungsliege meines Vaters, vor dem Bildschirm stehen Freund und Mutter, beide mit verstörten Gesichtsausdrücken.
Mein Vater gibt mein Geburtsdatum falsch ein und so findet mich der Rechner nicht. Es handelte sich nur um Sekunden, aber für mich wurde es mit jeder Einzelnen schlimmer.
Der Ultraschall, natürlich vaginal, war mir so unangenehm wie sonst nie. Schon öfter hatte mich mein Vater wegen Eierstockzysten etc. untersucht, doch dieses Mal drückte es unglaublich. In meinem Körper hatte sich schon einiges getan.
Nach kurzer Zeit sah ich auf dem Bildschirm ein kleines Pünktchen, mir war klar, dass das die Fruchthöhle sein musste. Ich hatte meinem Vater schon oft beim Ultraschall zugesehen, ich konnte die Fruchthöhle lokalisieren, rechts oben in der Gebärmutter saß der Punkt, der in wenigen Wochen deutlich als Baby erkennbar sein würde.
Ich habe in diesem Moment, wenn ich ehrlich bin, nicht viel empfunden. Im Nachhinein habe ich das Bild fest im Kopf, aber in diesem Moment habe ich nur noch auf die Stimme meines Vaters geachtet. Ich habe gehofft, dass alles okay ist mit dem kleinen Wesen.
„ Intakte Gravidität in der 6. SSW. 5 Wochen und 3 Tage, die Befruchtung war Ende Mai“.
Mein Vater untersuchte die Fruchthöhle ewig lange.
„ Mal sehen, ob wir Herztöne haben…“
Es waren noch keine Herztöne da. Völlig normal für die 6. Woche. Eine Fruchthöhle mit Dottersack. Mein Vater beendete den Ultraschall, ich zog mich an und setze mich zu ihm auf die Untersuchungsliege, wo er noch fassungslos saß. Meine Mutter sowie Markus standen noch genauso da wie vorher.
„Herzlichen Glückwunsch“ sagte meine Mutter, sie schien sich wieder beruhigt zu haben, glücklich war sie aber natürlich trotzdem nicht.
„ ist es anfangs nicht noch sehr unsicher, könnte es nicht zu bis zu 60 % sein, dass sich das noch erledigt?“ fragte Markus, nachdem meine Mutter erklärte, sie werde sich um das Kind kümmern, wenn ich in der Schule bin. Mein Vater verneinte das und meinte, dass es bei mir sehr gut aussehen würde, die Eizelle habe sich gut eingenistet und ist auf gutem Entwicklungsstand. Zudem hatte in meiner Familie noch niemand eine Fehlgeburt, die Frauen zeichnen sich durch hohe Fruchtbarkeit aus.
Mein Vater fing plötzlich an zu lachen. Einfach weil es so grotesk war. Nun gut, er lachte nicht wirklich, er stütze den Kopf in die Hände, sah meine Mutter an und sagte „Meine Tochter, ausgerechnet meine Tochter, was werden die Leute sagen“.
„Da stehen wir drüber“ sagte meine Mutter.

Zuhause angekommen wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich war immer noch mit meiner Mutter und Markus alleine. Markus und ich gingen nach oben, meine Mutter hatte nasse Augen.
Wir sprachen darüber und sagten doch nichts. Mein Kopf war leer, ich konnte nicht denken, es ging nicht!

Als meine Mutter uns zum Essen rief versuchte ich ein Gespräch zu beginnen, es war mir tierisch unangenehm, nur am Tisch zu sitzen und zu essen.
Ich fing an über den bevorstehenden Urlaub zu reden, sie sagte nur „Ist doch jetzt egal, wir haben jetzt wirklich andere Sorgen“.
Okay, kann ich verstehen. Aber es spricht ja keiner drüber!
Wortlos aßen wir also weiter und ich ging wieder hoch.

Nach einiger Zeit kam meine Mutter in mein Zimmer, verweint, das Telefon in der Hand.
„Caroline möchte mit dir sprechen“

„Hallo Schwesterlein, was hast du denn gemacht!“ begann sie.
„ich bin schwanger“ sagte ich, obwohl mir klar war das sie es bereits wusste.
„Und was willst du jetzt machen?“ fragte Caro
„Ich will das Kind auf jeden Fall behalten“

Und dann ging es los. Caroline sagte mir, stets mit etwas wütender Stimme, dass es doch heute so viele Möglichkeiten gibt, dass es noch kein richtiges Kind ist, sondern nur ein Zellhaufen, der noch keine Gefühle hat. Ich müsste nur eine Pille nehmen, dann würde alles von alleine gehen und ich könnte von vorne anfangen.
Ich habe ihr zugehört, aber ich wollte es nicht hören. Ich war nur genervt und froh, als wir uns verabschiedeten. Warum rät sie mir zur Abtreibung?
Markus war auch erst mal verdutzt.

Schließlich kam mein Vater nach Hause, wir saßen zusammen im Wohnzimmer.
Ich habe mit ihnen darüber gesprochen, was Caro sagte und das es für mich nicht in Frage kommt.
Wir haben überlegt, wie es weiter gehen soll. Meine Mutter sagte mir, ich muss eine Ausbildung machen, Markus dachte selbiges. Für ihn kommt nicht in Frage, dass ich Abitur mache und studiere, er möchte finanzielle Unabhängigkeit so schnell es geht. Ich muss eine Ausbildung machen.
Ich habe mich dagegen ausgesprochen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, alles umzukrempeln, was ich mir vorgenommen hatte. Klar, das Medizinstudium konnte ich mir an den Nagel hängen, aber ich wollte etwas anderes machen. Abitur fertig machen, dann noch ein Jahr lang nur Mama sein, bis das Kleine in den Kindergarten gehen kann. Dann studieren. Etwas „einfacheres“, was ich auch später gut mit Kindern verbinden kann. Lehramt vielleicht. Ich habe noch nie über Ausbildungen nachgedacht und es erschien mir einfach so, als wäre das keine Lösung.
Mein Vater sah das ähnlich. Er wollte auch, dass ich Abitur mache. Nun gut, er ist darauf erpicht, dass ich Medizin mache, er sagt mir ständig, wie viel Potenzial ich habe, es nervt richtig, wenn es auch ein Lob sein soll.
Als ich da aber zunächst verneinte eine Ausbildung zu beginnen, weil ich mir das in diesem Moment nicht vorstellen konnte, war für meine Mutter klar: Ich kann das Kind nicht bekommen.
Genauso für Markus, auch wenn er es nie wirklich sagte. Für ihn war ich viel zu naiv, Abitur machen und studieren. Abhängig sein in den nächsten zehn Jahren. Für ihn nicht vorstellbar.
Ich wehrte mich. Die Vorstellung, dass man mir das Kind einfach aus dem Leib entreißt, das hat kein Kind verdient. Ich sagte, dass das Kind, wenn es kommen kann, kommen darf. Soll heißen: Habe ich keine Fehlgeburt, werde ich mich darum kümmern, ich werde alles geben um eine gute Mutter zu sein.
Das hat niemand verstanden. Mein Vater war während der ganzen Sache eigentlich im Hintergrund. Klar, es ist sein Job, er ist ständig mit Mädchen konfrontiert, denen so etwas passiert. Jetzt ist es seine Tochter. Ich wusste, dass er mir innerlich nicht zu einer Abtreibung rät. Ich hab es ihm angesehen. Er ließ meine Mutter reden und schwieg.
Diese befahl mir dann, meine Schwester Helena anzurufen. Ich wollte es nicht und war froh, als keiner ran ging. Kurz später rief sie zurück. Ich stand im Arbeitszimmer und sagte das ich schwanger bin.
„Krass.“ War ihre Antwort. Hört sich irgendwie asozial an, aber Helena ist der besonnenste Mensch den ich kenne und für sie war in dieser Aussage alles Gefühl vermischt.
Sie sagte mir sofort, dass es kein Weltuntergang ist, erzählte mir von Studenten an ihrer Uni, die auch Kinder haben und das gut hinkriegen. Sie machte mir Hoffnung.

Wieder zurück bei meinen Eltern war meine Mutter offensichtlich gar nicht damit zufrieden, dass Helena mir Hoffnung gemacht hat.
Meine Mutter erzählte mir, dass es schrecklich sein wird in den nächsten Jahren.
„ So schnell positive Tests, das gibt es nur in unserer Familie. Ich sehe es ja täglich, bei anderen Frauen dauert es ewig bis der Test anschlägt. Bei uns sind die Hormone direkt so viel am Arbeiten. Es wird dir mies gehen! Dir wird furchtbar schlecht sein über Monate. Du kannst die Schule nicht machen. Du wirst dazu nicht in der Lage sein. Jeder wird über dich reden, das hältst du nicht aus!“
Ich wollte davon nichts hören, für einen kleinen Menschen würde ich das schon in Kauf nehmen. Ich bin sehr selbstbewusst und habe mir noch nie etwas daraus gemacht, was andere sagen oder denken.

Meine Mutter ist damals mit meiner jüngeren Schwester ungewollt schwanger geworden und war sehr unglücklich. Sie kann kein Baby schreien hören, eines bei sich zuhause kann sie sich absolut nicht vorstellen.
Das war eine Argumentation. Ich wusste ja wie meine Mutter ist. Sind wir in einem Restaurant und freuen uns, wenn wir ein Baby sehen, ist sie kalt in der Hinsicht. Schreit eines, und wir finden das „süß“ auf irgendeine Art und Weise, steht meine Mutter meist vom Tisch auf bis das Geschrei aufhört.

Ich flüchtete samt Markus im Schlepptau in mein Zimmer. Ich weinte. Ich war verzweifelt. Ich wollte dieses Baby haben! Ich war mir bewusst, dass ich mir das zu einfach vorstellte. Ich wusste aber auch, dass ich es mir nicht schwerer vorstellen kann. Ich war hundert prozentig naiv, aber ich glaube, dass ist jede Frau, bevor sie ihr erstes Kind kriegt. Hat man einen Kinderwunsch, sieht man hauptsächlich die schönen Zeiten mit einem Kind. Ich habe im Grunde auch einen Kinderwunsch. Ich war immer schon sicher, dass ich Kinder haben werde, ich freue mich beim Anblick eines Säuglings. Jetzt ist es jedoch etwas ungünstig. Wäre das Ganze ein halbes Jahr früher passiert, wäre es komplett anders.
Dann hätte Markus hier eine Ausbildung anfangen können, ich hätte ihn in meinem Rücken gewusst.
So geht er weg, mein Kind wird seinen Vater nur selten sehen. Finanziell wird es extrem knapp. Niemals werde ich meinem Kind bieten können, was es verdient.
Hinzu habe ich das Bild eines Klassenkameraden im Kopf, den seine Eltern mit 17 bekamen: Als Kind, erzählte er mir, hat er von morgens 7 bis abends 5 in der Kita verbracht und immer am Zaun gestanden und als letztes Kind auf seine Mutter gewartet, die zuhause dann noch weiter lernen musste, da sie studiert hat. Er bekam nie wirkliche Aufmerksamkeit, seine Eltern sind total verbissen und schwierig, auch wenn er gut geraten ist, so wird er es später wohl niemals einfach haben, eine Frau zu finden, nicht mit den Schwiegereltern in spe, die ihren eigenem Sohn drohen, ihn rauszuschmeißen, wenn er ein Mädchen mit nachhause bringt ( er ist nun fast 18).

Natürlich habe ich mir gesagt, wir werden anders sein, doch mein Freund hat das ständig verneint.
Vielleicht hatte er Recht, vielleicht nicht.

Helena rief an.
Bei unserem ersten Telefonat hat sie mir ja noch Hoffnung gemacht, ihre Meinung hatte sich aber offenbar geändert.
Ich solle mir das genau überlegen, froh sein, dass es solche Möglichkeiten gibt. Ich soll für mich selber ausmachen, ab wann man etwas als lebend bzw. als Mensch bezeichnen kann. Sie erzählte mir von Philosophen, die ein Kind erst ab der Geburt als lebend ansehen. Sie schlug mir vor, eine Liste zu machen, pro und contra, und mir im Urlaub genau zu überlegen, wie ich die einzelnen Argumente gewichte und zu einem Entschluss zu kommen.
Das klang gut. Ich hätte ein wenig Zeit, darüber nachzudenken, ebenso meine Eltern.

Michael fing direkt an, solch eine Liste zu machen.
Wir wurden erneut runtergerufen, meine Eltern sprachen sich beide klar für eine Abtreibung aus. Meine Mutter jedoch eher als mein Vater. Sie sagten mir, da noch keine Herztöne da sind, könnte man es als missed abortion abstempeln und ich könnte noch am nächsten Tag ins Krankenhaus und meine Schwangerschaft beenden. Mein Vater würde einen Freund von uns anrufen, ebenfalls Gynäkologe, der früher bei profamilia gearbeitet hat und Ausschabungen macht.
Das klang absurd für mich. Ich fand es krank. Im Grunde würde ich lügen um mein Baby zu entfernen.
Ich flüchtete erneut nach oben und weinte. Ich war verzweifelt.
So stand ich da: Eine Mutter, die es nicht erträgt, wenn ein Kind im Haus ist, eine Schwester, die mir abrät, einen Vater, dessen ruf auf dem Spiel steht und eine andere Schwester, die für mich eigentlich immer Recht hat, die sagt, ich soll mir das genau überlegen, die aber auch eher zur Abtreibung tendiert.
Ich konnte es nicht entscheiden. Mein Kopf war leer, ich konnte nicht denken. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es werden soll. Bei meiner Familie könnte ich in keinem Fall bleiben. Niemand, außer meiner Lehrerin hat mir Hoffnung gemacht, dass es anders geht. Nicht einmal mein Partner!
Eine halbe Stunde etwa habe ich Zeit, mich zu entscheiden, denn es ist schon Abend, es muss alles klar sein für den eventuellen Op-Termin morgen.
Michael macht mir plötzlich Vorwürfe, sagt mir, es wäre besser das Kind nicht zu kriegen.
Ich sage ja zur Abtreibung. Mein Kopf ist leer, keine Träne fließt mehr.
Ich sage es meinen Eltern, mein Vater immer noch bestürzt, spricht mit seinem Kollegen.
Meine Mutter wäre mir am liebsten um den Hals gefallen.
Ich hab nichts gespürt. Ich war nicht lebendig in diesem Moment.
Ich habe die Wahrheit verdrängt.


23.06.11

Heute Morgen fuhren wir zunächst in die Praxis des Frauenarztes, der meine Abtreibung vornehmen würde.
Ich war immer noch betäubt. Konnte nichts sagen.
Markus und mein Vater begleiteten mich in die Praxis, während Markus im Wartezimmer Platz nehmen soll, gehen mein Vater und ich ins Sprechzimmer.
Ein großer, ziemlich leerer Raum, verglichen mit dem Sprechzimmer meines Vaters.
Ich werde nach meiner letzten Periode gefragt. Der 28.4.11. Daraus macht der Arzt dann den 15.4.11.
Demnach müsste ich schon in der neunten Woche sein, hätte ich einen regelmäßigen Zyklus.
Mir wird erklärt, was die Absaugmethode ist und wie es gemacht wird. Ich habe immer noch nichts gefühlt und nur genickt.
Dann noch einmal zum Ultraschall, bestätigen, dass keine Herztöne da sind. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass welche da sind. Für die 6. Woche ist es normal, wenn keine Herztöne vorhanden sind, aber ich habe gehofft, dass Krümel sich schneller entwickelt als andere. Leider nicht.
Keine Herztöne, also alles okay.
Meine Mutter sagte mir noch, ich solle nicht auf den Bildschirm gucken, ich habe es getan. Das Bild hat sich eingeprägt und das ist auch gut so.
Im Anschluss bin ich direkt rüber ins Krankenhaus.
Ich habe mich mit dem Anästhesisten unterhalten, Fragebogen ausgefüllt und mit einer kleinen Unterschrift die ganze Prozedur bestätigt. Ich liege im Krankenzimmer, bekomme OP-Kleidung und mir wird ordentlich Blut abgezapft. Zur Blutgruppen- bzw. Rhesusfaktorbestimmung.
Ich wollte nicht klugscheißen, aber eigentlich ist es unnötig gewesen. Markus ist Rhesusfaktor negativ, wenn ich also auch negativ wäre, könnte gar nichts passieren, wenn ich positiv wäre, dann sowieso nicht.
Egal was Krümel hat, er kann niemandem damit schaden!

Nun gut, ich werde schließlich in den OP gefahren. Die Schwester war sehr nett. Nur im OP war es total kalt, ich fing an zu zittern.
Ich wurde schon zweimal operiert, aber jedes Mal war ich nur im Vorraum des OPs um die Narkose zu kriegen, dieses Mal war ich im OP, auf dem gynäkologischen Stuhl, die riesigen Leuchten vor mir. Der Arzt, der assistierte stellte sich mir vor, fragte wie ich heiße und als ich meinen Vornamen sagte, lachte er und stellte sich mir als Ferdinand vor.
Er fragte was los sei und wie es dazu kam und ich hätte ihm fast die Wahrheit gesagt.
Dann kam der Anästhesist und setzte mir die Maske auf, mit der die Narkose begann.
Ich wollte zunächst nicht atmen, sagte „nein“, spürte aber, wie das Gas in meinen Lungen brannte.


Ich wachte auf und war total benommen. Ich hörte, wie sich der Anästhesist und Ferdinand unterhielten, ersterer beschwerte sich über irgendetwas. Ich war lange Zeit zu geschafft um die Augen zu öffnen, als ich es aber doch tat war ich in einem kleinen Raum, es war immer noch sehr kalt, ich konnte die Uhr sehen. Es war 20 vor 12. Ich habe mit dem Anästhesisten gesprochen. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, aber er hat mich getröstet und gesagt, dass nun noch viele Chancen auf mich warten.
Als ich wieder zurück auf die Station gefahren wurde, habe ich meinen Vater erkannt. Ich muss wohl gedacht haben, ich wäre tot, denn ich habe meinen Vater gefragt, ob es ca. viertel vor 12 ist, und als er bejahte habe ich dann wohl geseufzt, dass ich noch lebe.
Im Zimmer angekommen rief ich sofort nach Markus, den ich verschwommen in der Ecke wahr nahm. Mein Vater war davon wohl etwas gekränkt, da dieser an meinem Bett saß und ich nur meinen Freund bei mir haben wollte.
Mein Vater verabschiedete sich dann, sagte, er kommt um 5 Uhr wieder und ich war mit Markus alleine. Ich bin nicht mehr eingeschlafen, ich wurde mit jeder Minute wacher und habe schon gehen halb 2 nach Mittagessen verlangt.
Ich habe rational gedacht und Michael gesagt, dass es so besser ist.
Auf meinem Zimmer lag eine andere Frau, die am nächsten Tag operiert werden würde, deren Enkelin kam mit ihrem Mann vorbei. Dieser sagte mir dann, dass ich viel besser aussehe als am Morgen. Nun ja.
Ich rufe meine Lehrerin an, erzähle ihr aber, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt und der Embryo hätte sich nicht weiter entwickelt. Sie fragt mich wie es mir geht und sagt mir, dass es ihr leid tut, dass es aber vielleicht nicht so schlimm ist, wie wenn eine Frau ein Baby verliert, das sie sich sehr gewünscht hat. Ich dachte nicht über ihre Worte nach, ich hatte keine Lust, mich damit zu beschäftigen.
Michael und ich liefen im Krankenhaus rum, nachdem ich gegen 3 Uhr mein Essen bekam.
Ich schaute mir Babybilder an und freute mich über das Babygeschrei eines grade geborenen Säuglings. Jedoch blieb ich kalt.

Als mich nachmittags dann meine Familie abholen kam ging es mir blendend! Ich war sogar traurig, dass ich mit meinem Freund und dessen Familie nicht essen gehen durfte. Ich hätte mich so gefreut, seine Schwester zu sehen. Meine Eltern hatten mir verboten, mit jemandem über meine Schwangerschaft zu sprechen, aber Sandra hätte ich es erzählt.

Meine Mutter bemerkte abends auch noch, dass sie sich wundere, dass ich alles so gut wegstecke, ich antwortete ihr nur, dass ich einfach nicht darüber nachdenke, was in diesem Moment auch so war.

24.06.11

Heute ging es ab in den Urlaub. Mit einem Tag Verspätung.
Morgens früh hat Papa mich noch untersucht, einen Ultraschall (Bauchdecke) gemacht, er meinte es sieht „alles gut“ aus. Ich hab mich dann noch mit ihm ins Sprechzimmer gesetzt, da liefen mir die Tränen. Ich wollte das alles nicht, es tat mir so unglaublich Leid, was ich gemacht habe.
Papa nahm mich in den Arm, fragte mich, ob ich das Kind gerne ausgetragen hätte. Ich sagte nur, es sei besser so.
Ich fasste mich wieder, schließlich fuhren wir heute in den Urlaub, meine Mutter war überglücklich, dass sich für sie alles zum Guten gewendet hatte und um neun Uhr stand ich auf der Fußmatte vor unserem Haus und wartete auf Markus, um noch kurz mit ihm zu reden.
Mir kamen schon wieder die Tränen. Ich realisierte, dass die Entscheidung, die ich getroffen hatte, eigentlich gar nicht meine Entscheidung war. Auf der Autofahrt schluchzte ich in seinen Armen.


In unserem 9-tägigen Urlaub realisierte ich mit jedem Tag mehr, dass ich über die ganze Zeit hinweg „manipuliert“ worden war und diese Erkenntnis brachte eine enorme Wut auf meine Eltern, spezieller auf meine Mutter. Ich hatte an dem Tag, an dem mein Vater mir die Schwangerschaft bestätigte, nicht eine Minute für mich gehabt. Ständig war jemand um mich rum, Markus war die ganze Zeit da (wofür ich aber auch sehr dankbar bin), meine Schwestern riefen andauernd an und jeder hat eigentlich nur seine Seite geschildert. Nach einer halbstündigen Argumentation, was alles für eine Abtreibung spricht, wurde zwar meist noch hinzugefügt : „ Aber wenn du dich anders entscheidest, müssten wir das auch akzeptieren“. Hintendran kam jedoch dann meist von Markus, dass ich zu infantil denke, wenn ich davon ausgehe, es könnte doch alles irgendwie klappen.
Ich hatte nur ganz kurz Zeit, mich zu entscheiden. Dann war der Druck so groß, dass es nicht einmal meine Entscheidung war. Ich hätte mich mit einer Entscheidung für das Kind gegen alle Menschen gestellt die ich liebe.
Wäre ich nicht die Tochter eines Frauenarztes gewesen, so hätte ich 3 Tage Zeit gehabt, ein Beratungsgespräch machen müssen und mich dann entscheiden können. Aber so kam es mir dauernd vor, als hätten meine Eltern die Situation schamlos ausgenutzt, meine Mutter, die mir sagte ich solle eine Ausbildung machen…. Als ich Nein sagte, war ich wieder zu kindisch, da war für meine Mutter klar, ich kann noch kein Kind versorgen.
Jetzt wäre ich bereit, eine Ausbildung zu machen. Jetzt. Zwei Tage nach der Abtreibung. Nachdem sich der „erste Schock“ gesetzt hat. Ich weiß, dass es nur so gegangen wäre, da ich ja noch zwei Jahre bis zum Abitur gehabt hätte. Ich wäre bereit, eine Ausbildung zu machen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich mich so entschieden. Wie soll ich bitteschön in einer Minute mein ganzes Leben umdenken? Ich konnte mir nicht vorstellen eine Ausbildung zu machen! Ich habe noch nie darüber nachgedacht! Markus wirft mir vor, er konnte es sich auch vorstellen. Aber er hätte es trotzdem nicht gerne gemacht. Wenn man ehrlich ist, war er absolut für die Abtreibung.
Nunja. Hätte hätte hätte, dann…
Das bringt nun auch nichts mehr.
Ich bin eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch, selten weine ich, und wenn dann eher vor Freude. Aber in diesem Urlaub habe ich jeden Tag geweint, aus Trauer, aus Wut auf mich selber, auf meine Eltern. Das ich nicht gefordert habe, 3 Tage Zeit zu haben. Markus erklärt mich ständig, dass es besser so ist, ich verstehe das dann auch, für ein paar Stunden bin ich wieder „normal“, dann weine ich wieder. Es ist schrecklich. Und er ist genervt, dass er mir ständig dasselbe vorhält. Ich kann ihn verstehen und es tut mir auch entsetzlich leid, dass er so einen Jammerlappen dabei hat, aber ich kann einfach nicht froh sein.

Am 3. Juli fahren wir also heim, mit dem Zug. Nur Markus und ich. 12 Stunden Zug fahren, abends um sechs kommen wir an, seine Mutter holt uns ab. Wir fahren zuerst zu ihm, ich freu mich schon auf meine Hasen. Maggie ist trächtig, also bereite ich ihr direkt den Stall vor und trenne sie von ihrer Tochter. Es wird wohl in den nächsten Tagen losgehen. Ich bin glücklich. Zum ersten Mal seit Tagen.
Ich packe meinen Koffer notdürftig aus, lüfte das Haus, lasse die Hasen raus auf die Wiese und genieße es, alleine zu sein. Gleich werde ich Eis essen gehen, mit Markus Familie, die irgendwo auch schon meine Familie sind. Ich bin so im Stress, dass ich gar nicht mehr an mein Kind denken kann.
Beim Eis essen erzählen wir vom Urlaub, lassen uns nichts anmerken. Wieder zu Hause packe ich weiter aus und rufe Markus ein, da ich meine kleine Häsin nicht mehr eingefangen bekomme. Bis er kommt dauert es noch etwas, also habe ich wieder Zeit meine Trauer durchringen zu lassen.
Ich habe mich schon den ganzen Urlaub gefragt, ob ich meine Lehrerin anrufen soll. Sie hat schließlich gesagt, ich kann jederzeit Bescheid sagen, wenn mir etwas fehlt. Sie gibt guten Rat, also schriebe ich ihr eine sms, dass alles ein wenig anders gelaufen ist, als sie denkt.
In der Zwischenzeit telefoniere ich mit meiner Schwester Helena, die mir damals sagte ich solle mir im Urlaub eine Liste machen, und mich nach einiger Zeit entscheiden. Am Telefon sagt sie mir, wie sauer sie auf meine Eltern ist, dass ich keine Zeit hatte mich zu entscheiden, dass meine Mutter für mich entschieden hat. Sie sagt, dass es große Folgen in der Zukunft haben wird und unsere Beziehung stark schädigen wird. Ich mag meine Mutter, ich weiß, sie wollte nur das Beste, aber ich bin wirklich manchmal sauer auf sie. Helena ist außer sich. Sie denkt wie ich: Es hat doch einen Sinn, dass es diese Drei-Tage-Frist gibt. Wir telefonieren 20 Minuten und ich bin sehr froh, dass sie genauso denkt. Bisher dachte ich, vielleicht übertreibe ich etwas, und in Wirklichkeit wäre ich doch in der Lage gewesen, eine Entscheidung zu treffen. Aber sie meint auch, der Druck wäre zu groß, ich weine, beruhige mich aber wieder.
Als ich auflege rappelt mein Handy. Meine Lehrerin hat zurück geschrieben. Sie schreibt, dass sie sich so was schon gedacht hätte und wann wir uns wo treffen sollen. Da Markus grade klingelt, kann ich ihr nicht zurück schreiben, weswegen sie mich wenig später anruft. Ich schlage ihr vor, dass sie am nächsten Morgen zu mir kommen kann,
Wir verabreden uns um 10 Uhr, ich entschließe mich bei Markus zu schlafen, ich bin zu aufgeregt


2011-07-04

Um sieben Uhr stehe ich auf, Markus ist seit 5Uhr arbeiten, ein Ferienjob. Ich setzte mich noch kurz an seinen PC, mal wieder bei Facebook rein, meiner liebsten Anna eine Nachricht schreiben, dass ich mich freue, wenn sie heute Nachmittag kommt.
Dann aber auch schnell nach Hause. Essen kann ich nichts, keinen Hunger. Ich räume zuhause auf, als ich dem Staubsauger begegne höre ich aber auf. Es ist neun Uhr, in einer Stunde kommt meine Lehrerin. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, ihr die Situation zu erklären.

Als sie dann pünktlich kam, biete ich ihr zunächst einen Kaffee an. Sie lehnte am Küchentisch, während ich die Maschine betätigte und fragte mich, was denn los sei. Ich konnte ihr nicht antworten, ich wusste nicht wie. Ich fragte sie, was sie denn damit gemeint hat, mit „so was habe ich mir schon gedacht“. Sie fragte mich darauf hin, ob es stimmt, das ich mit meinen Eltern geredet habe, und das ich im Krankenhaus war und das Kind nicht mehr gelebt hat. Ich nicke, sagte aber, dass das Kind nicht tot war. Sie verstand und sagte, dass sie davon ausgegangen ist.

Wir setzten uns an den Esszimmertisch, nachdem ich ihr Zucker und Milch gab. Ich erzählte ihr alles, vom Blick meiner Mutter beim Anblick des Tests, wie es ablief mit dem Ultraschall, wie es danach war. Sie hörte mir geduldig zu und musste dann erst mal schlucken. Sie schien etwas perplex und war auch der Meinung, dass meine Eltern falsch gehandelt haben. Sie sagte mir aber immer wieder, dass meine Eltern wohl nur das Beste für mich wollten. Aber sie hat mich verstanden. Sie machte sich glaube ich sogar Vorwürfe, sie meinte, hätte sie gewusst, wie meine Eltern mich eigentlich gedrängt haben, und dass ich nicht mehr Zeit hatte zu überlegen, wäre sie vorbeigekommen, egal, ob es ihnen gepasst hätte oder nicht. Ich sagte ihr, sie solle sich keine Vorwürfe machen, schließlich war es ihr dreißigster Geburtstag.
Sie fand es nicht gut, dass ich nun eine Woche alleine daheim bin, schlug mir vor, meine Schwester anzurufen um mich zu besuchen. Vielleicht werde ich das auch noch tun, jedoch hat Helena momentan Examensprüfungen, da möchte ich sie eigentlich auch nicht stören.
Sie legte mir ans Herz, mit meinen Eltern zu sprechen und dabei vor allen Dingen zu sagen, wie ich mich fühle, nicht aber jemandem die Schuld geben. Ich soll sagen, dass es mir schlecht geht, dass ich Hilfe brauche. Mir kamen die Tränen, während sie mit mir sprach.
Als ich sie schließlich noch fragte, ob sie denkt, dass ich etwas falsch gemacht habe, dass ich mich auch hätte entscheiden können, sagte sie nein, sie müsse mir aber auch ganz ehrlich mitteilen, dass es für sie so aussieht, als würde Markus es sich ganz schön einfach machen, wenn er sagt „ Du hättest sagen können, dass du das Kind willst“ oder „ Hättest du gesagt du machst eine Ausbildung, wäre das alles anders verlaufen“, wenn er mir also die Schuld gibt. Und das stimmt auch. Ich bin auch verletzt, enttäuscht. Enttäuscht, dass er die Sache nicht genauso sah wie ich. Dass er das Kind gar nicht wollte, dass er mir die Schuld in die Schuhe schiebt.
Ob ich Selbstmordgedanken habe, fragte mich meine Lehrerin zuletzt noch. Ich denke sie glaubte mir nicht, dabei sagte ich die Wahrheit. An so etwas würde ich niemals denken, das ist absurd.
Bevor sie ging, fragte ich noch, wie sie darauf kam, dass ich beim Telefonat gelogen hatte.
Sie meinte es wäre ein Gefühl gewesen. Mein Vater, der an der Quelle sitzt, ich, die im Krankenhaus viel zu gut gelaunt geklungen hat.
Sie sagte mir, dass sie damals überlegt hat, mich noch mal anzurufen und nachzuhaken,
jedoch dachte sie sich, wenn ich mich für eine Abtreibung entschieden habe, dann lässt sie es so.
Sie drückte mich, als sie ging, fragte, ob sie noch bleiben soll.
Ich bedankte mich, ich war froh, mich ihr anvertrauen zu können.

Wenn ich ihren Rat befolge, dann soll ich mit meinen Eltern sprechen, eventuell eine Beratungsstelle aufsuchen, mit meinem Freund sprechen, ihm sagen, was ich empfinde und mir überlegen, ob er der Richtige ist, wenn er weiterhin so gefühlskalt mit meinen Ängsten umgeht.




Am Nachmittag kam Anna vorbei. Ich freute mich sehr auf sie und dementsprechend viel die Begrüßung aus. Wir würden uns nun 3 Wochen nicht sehen, da sie in Urlaub fährt. Sie erzählte mir von allen Dingen, die ich verpasst habe. Der Klassenabschlussparty, Geburtstagsfeiern und so weiter.
Schließlich erzählte ich ihr alles. Obwohl es mir verboten wurde. Ich erzählte es aber ohne Gefühl. Ich war so glücklich, sie zu sehen, dass ich es in der Kurzfassung machte. Sie verstand trotzdem die Problematik und wusste, dass ich damit zu schaffen hatte, sie kannte mich. Als ich sie nach ihrer Meinung fragte, kannte ich die Antwort schon. Sie findet es besser so. Aber das wollte ich hören. Wir hatten einen super Nachmittag zu zweit, wenn ich auch an der Kasse im Schlecker um 5 Euro betrogen worden bin, leider viel mir das erst später auf. Wir waren noch Eis essen, haben bei mir im Garten gesessen und etwas getrunken. Es war wunderschön. Abends kam uns Markus abholen, er fuhr Anna heim und mit mir einkaufen, schließlich hatte ich nichts im Haus. Leider mussten wir uns beeilen, da ich abends noch Vorstandssitzung meines Vereins hatte und anwesend sein musste. Ich war so im Stress, aber auch noch so glücklich von dem tollen Nachmittag, dass ich keine Zeit mehr zum Trauern hatte. Meine Lehrerin schrieb mir noch eine sms, wie es mir geht und ob ich meine Schwester erreicht habe, ich rief sie später zurück und erklärte ihr, dass ich keine Zeit hatte an diesem Tag, mit meinem Freund auch nicht reden will, weil ich ihm keine Sorgen machen will, und alles auf morgen verschiebe.




06.07.11

Ich hatte heute einen Nervenzusammenbruch.
Während ich heute früh noch meinen Pflichten nachging, also die Blumen goss, die Tiere versorgte und das Haus säuberte, heute Nachmittag noch einkaufen war, so bin ich zuhause fast ausgerastet. Ich habe rumgesessen, über die Sache nachgedacht. Über die Alpträume, die mich nachts verfolgen. Über die Schuld, die ich nun trage. Über meine Mutter, wie falsch sie doch gehandelt hat. Ich konnte nicht mehr. Ich fing fürchterlich an zu weinen, beruhigte mich nicht mehr und rannte schließlich noch zu Markus.
Dieser hatte aber überhaupt kein Verständnis für mich, bezeichnete mich als lächerlich als ich ihm erklärte, dass ich Schuldgefühle habe, weil ich einem Wesen das Recht aufs Leben nahm.
Ich war am Boden zerstört und telefonierte mit meiner Lehrerin. Sie beruhigte mich am Telefon, sagte mir das Markus quatsch erzählt und wollte noch bei mir vorbeikommen. Es war schon nach 10 Uhr, weswegen ich ihr sagte, dass ich das nicht annehmen kann, aber sie kam doch.
Ich lief von Markus weg, sagte ihm, ich kann das nicht und werde zuhause schlafen.

Zuhause angekommen zitterte ich furchtbar, mir war endlos kalt. Ich saß im Wohnzimmer und wartete. Als meine Lehrerin klingelte machte ich ihr auf, sie nahm mich in dem Arm und ging mit mir ins Wohnzimmer. Wir unterhielten uns, sie erklärte mir, ich müsse versuchen darüber hinwegzukommen, sagte mir, dass Markus einfach keine Ahnung hat. Ich beruhigte mich nach einiger Zeit. Sie war froh zu hören, das meine Schwester am nächsten Tag kommen würde.
Sie brachte mir Tee und Schokolade mit, als Nervennahrung und wir tranken zusammen einen Tee. Es war so lieb, sie war die einzige, die sich um mich kümmerte.
Zum Schluss war ich wieder einigermaßen locker, sogar etwas müde. Ich bedankte mich bei ihr und hatte schon wieder Schuldgefühle, dieses Mal, weil ich sie eine Feier wegen mir verließ.




Zum Abschluss:

Ob man sich für oder gegen eine Abtreibung entscheidet, liegt immer bei den zukünftigen Eltern, bei der Mutter noch eher als beim Vater. Ich wurde zu meiner Abtreibung gedrängt, ich musste mich in wenigen Minuten entscheiden, was ich will, ich wurde von allen möglichen Leuten „beraten“, aber einzig meine Lehrerin hat mir Hoffnung gemacht und wäre für das Kind gewesen. Deswegen rate ich jedem: Sucht euch eine neutrale Außenperson, jemandem, dem ihr Vertrauen schenken könnt. Das musst niemand sein, den ihr besonders gut kennt, sondern einfach jemand, bei dem ihr wisst, ihr seit gut aufgehoben. Ich wollte das Kind auf jeden Fall bekommen, ich war froh, als sie so fürsorglich war. Sie hat mir geraten das Kind zu bekommen, hätte aber auch jede andere Entscheidung akzeptiert.
Meine Eltern und Geschwister hingegen haben mich nicht wirklich beraten, sondern eher gedrängt. Ich durfte mit niemandem darüber sprechen, und das ist FALSCH! Natürlich soll es nicht direkt die große Runde machen, aber wendet euch an jemanden, der nicht zur Familie gehört, dem ihr vertrauen könnt,
Lasst euch alle Zeit, die ihr wollt, es können auch mehr als 3 Tage sein! Dass ich keine Zeit hatte, hat mich kaputt gemacht. Hätte ich mich von mir aus für eine Abtreibung entschieden, so wäre die Beziehung zu meinen Eltern nicht so geschädigt, wie sie jetzt ist. Ich hätte es mit mir ausmachen müssen. Lasst euch auch nicht vom Kindsvater etwas einreden, Männer sind so mies in dieser Hinsicht und können sich einfach nicht in werdende Mütter reinfühlen.
Ich trauere nun täglich um mein Kind, zünde eine Kerze an und entschuldige mich. Mir wurde oft gesagt, dass ich mich in dieser Situation mit 16 Jahren nicht gegen alle Personen stellen konnte, die mir sonst so viel bedeuten. Es ist unfair, mein Baby wäre in „guten Verhältnissen“ aufgewachsen. Finanziell wäre es kein Problem gewesen und auch sonst wäre zumindest immer jemand zuhause gewesen. Mein Baby hätte nicht in die Kita gemusst, es hätte eine Mutter gehabt, die um einiges reifer ist, als andere in ihrem Alter.
Aber nun kann ich es nicht mehr ändern.

Ich bin allgemein gegen Abtreibung gewesen. Ich hatte Prinzipien und hätte gegen diese nicht verstoßen sollen. Mein Baby hatte noch keine Herztöne, es war noch kein Embryo erkennbar. Diese Vorstellung erleichtert es mir ein wenig. Meine Eltern wussten, wäre ich 2 Wochen weiter gewesen, hätte man schon ein kleines Menschlein sehen können. Dann hätten sie mich nicht mehr überreden können. Deswegen haben sie mich so gedrängt.
Ich bin sauer, irgendwie, und irgendwie auch nicht.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich diese Trauerphase überwunden habe. Ich werde fremde Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Ich sage jetzt, dass ich niemals abgetrieben hätte, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte. Ob es stimmt, kann ich nicht sagen. Ich denke schon. Ich verurteile niemanden wegen einer Abtreibung, weil ich denke, dass viele Kinder sehr sehr schlechte Startchancen haben. Wenn man aber aus einigermaßen guten Verhältnissen kommt und sich als junge Frau ein Leben mit Baby vorstellen kann, würde ich jedem raten, sein Baby zu bekommen. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich noch während der Schwangerschaft von zuhause ausgezogen wäre. Ich hätte entweder bei meinem Freund gewohnt oder wäre in ein Mutter-kind-heim gegangen. Ich hätte eine Ausbildung gemacht und mein Baby großgezogen. Es wäre anstrengend gewesen, wahrscheinlich hätte ich mir oft gewünscht, es wäre anders, aber ich weiß, dass ich im Endeffekt sehr glücklich und auch stolz gewesen wäre.


Das ist meine Geschichte. Ich hoffe immer noch, dass bei der nächsten Ultraschalluntersuchung vielleicht rauskommt, dass der Arzt geschludert hat, und mein kleines Baby noch da ist. Alles Gute für alle werdenden Mütter dieser Welt und auch für alle, die ein ähnliches Schicksal wie ich haben, und ihre Abtreibung zutiefst bereuen!






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11 Antwort
@Engels_Mama2010
Der Meinung bin ich auch, die Familie ist dafür da dass sie einen Unterstützt egal was kommt. Wen kann man denn überhaupt vertrauen, wenn nicht seinen eigenen Eltern? ... Klar wolln Eltern "nur das Beste" aber, dabei denken viele nicht darüber nach, was in dem Innersten der Kinder passiert. In dem Fall sieht man ja, sie haben das Innerste von dem Mädchen zerstört, sie wird darüber hinweg kommen, es geht immer weiter. Doch sie wird sich IMMER vorwerfen, dass sie sich beeinflussen ließ. Es ist zwar verständlich, aber es HÄTTE anders gehen KÖNNEN, und das ist ihr so wie jedem der das hier ließt bewusst. ---Soviel zum Thema "Teene Mamas", - da sieht man mal wieder was einige Menschen anrichten damit, dass sie über so junge Mütter urteilen ohne die Hintergründe zu kennen...
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 19.07.2011
10 Antwort
lange gedauert...
..aber ich verstehe es sehr sehr gut und bedauere zu tiefst was da vorgefallen ist! Bin auch mit 16 Mama geworden und bin sehr happy mit dem wie es ist, ich bin stolz darauf und nun kommt sogar das 2te Kind, bin mittlerweile 19 und bei einem SEHR VIEL besseren Partner wie damals. In der vorherigen Beziehung ging es mir furchtbar, und wäre mein Sohn nicht gewesen, - ich hatte selbstmord Gedanken, aber der Gedanke 'ich kann mein Kind doch nicht bei DEM zurück lassen, ich muss für ihn da sein' brachte mich dazu weiter zu machen, bis ich die Kraft hatte mich zu trennen. Ich verstehe das Mädchen in dem Bericht aber sehr sehr gut, ich kenne das Gefühl dabei zu gut, und ich kann bis heute mit absolut niemanden außer meinem Freund drüber reden. Das was sie zum Schluss schrieb, unterschreibe ich sofort. Sie hat völlig recht und ich bin genau der selben Meinung. LG Sigi
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 19.07.2011
9 Antwort
heftig
man denkt immer in so jungen mädels stecken noch kinder die sich nicht um klein kinder kümmern können. dabei sind mädels in dem alter oft erwachsener als manch erwachsene frau!!!!!!! auf der einen seite traurig auf der andren seite schön sowas mal gelesen zu haben. die eltern sollten sich jedenfalls in grund und boden schämen. wäre das mein kind würd ich es in allem unterstützden , denn genau darum geht es bei einer eltern kind beziehung. vertrauen und absoluter verlass!!!!!!!!!!
Engels_Mama2010
Engels_Mama2010 | 19.07.2011
8 Antwort
Hi
wieso heißt denn ihr Freund mal Markus mal Michael? Schon traurig sowas und vor allem, wenn man denkt, dass man alleine dasteht, dann passiert es ganz schnell das man sich zu einem Abbruch überreden lässt. Ich kann aber nicht sagen "selber schuld" wenn man in so einer Situation ist, dann spielt dein Hirn verrückt und man weiß echt nicht was man machen soll und wenn dann solche Leute kommen wie ihre Familie und ihr eine Gehirnwäsche verpassen, dann ist es kein Wunder wenn sowas rauskommt.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 19.07.2011
7 Antwort
*puh*
Bin durch, man lang lang aber GUT!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 18.07.2011
6 Antwort
re
Ich bin mit 17 schwanger geworden...mir hätte niemand etwas zu sagen gehabt... Hätte ich mich FÜR eine Abtreibung entschieden, wäre es damals auch ok gewesen, wenn es meine EIGENE Entscheidung gewesen wäre.. Aber ich habe mich selber FÜR das Baby entschieden..zum Glück
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 18.07.2011
5 Antwort
re
Naja, was soll man dazu sagen??? Man muss die Entscheidung selber treffen und sich nicht bequatschen lassen ..selber schuld, denke ich, dass sie es nun zutiefst bereut
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 18.07.2011
4 Antwort
ja zu lang
-, ,
Cilek
Cilek | 18.07.2011
3 Antwort
@Maxi2506
Kann ich verstehen, aber es lohnt sich. :)
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 18.07.2011
2 Antwort
XXX
ich schaffe das heute abend nicht zu lesen-aber mit diesem Komi finde ich es ja wieder.........
AnnaLuisaPüppi
AnnaLuisaPüppi | 18.07.2011
1 Antwort
sorry meine meinung
viel zu lang um es hier und jetzt zu lesen :-) später vielleicht...aber nun habe ich einfach keine lust für soooo viel text :-) lg
Maxi2506
Maxi2506 | 18.07.2011

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