Unser kleiner Sonnenschein ist da (3

Lena_Jamiro
Lena_Jamiro
21.11.2013 | 32 Antworten
"Lieber Jamiro Noel,
deine ersten Schritte ins Leben
haben bei uns einen bleibenden
Eindruck hinterlassen."

Datum: 19.November 2013
Uhrzeit: 2.56
Gewicht: 3400 g
Länge: 51 cm
Kopfumfang: 35 cm
Hebamme: %
Arzt: %

.... steht auf seinem Geburtskärtchen geschrieben.
Und dieser Spruch passt im wahrsten Sinne des Wortes, denn einen bleibenden Eindruck hat der kleine auf jeden Fall mit seinem eigenwilligen Start in's Leben bei allen Beteiligten hinterlassen.

Was genau ist passiert?

Nun, wie einige hier mitbekommen haben, "wehte" ich einige Tage bereits mehr oder minder vor mich hin. Am Montag gegen Nachmittag hatte sich mein Bauch immer wieder als ich bequem auf dem Sofa saß so derbe angespannt, dass er sich fast wie ein Felsen anfühlte.
Bin ich aber gelaufen, war es nicht mehr so extrem.
Ich beschloss nach einer Weile baden zu gehen. Im warmen Wasser entspannte sich das ganze und schlimmer wurde auch nichts von den wehen her. Eher trat das Gegenteil ein.
Somit hatte ich ein paar Stunden Ruhe gehabt.

Dann gegen 19 Uhr fing es wieder an, mein Bauch wurde wieder fest wie ein Felsen. Lief ich dann wieder etwas herum wurde es besser.
Dann gegen 22 Uhr war immer noch dieses Ziehen im Bauch und als er sich wieder entspannte ging dieses Ziehen leicht in die rechte Rückenhälfte über. GFür mich war dies alles noch nicht wirklich ein Grund um mir nun ernsthaft Gedanken zu machen, ob ich mich auf den Weg in die Klinik machen sollte, da ich den ganzen Geburtsvorgang ganz anders in Erinnerung hatte aus meinen vorherigen Schwangerschaften.
Also beschloss ich gegen 23 Uhr ein wenig zu schlafen, obwohl ich nicht wußte, ob es gelingen wird.
Letztlich habe ich tatsächlich bis 1 Uhr in der Nacht schlafen können.
Als ich aufwachte, war dieses Ziehen im Bauch aber immer noch da, aber nicht sehr stark. Somit bin ich ganz ruhig geblieben.

Dann gegen halb 3 entschloss ich mich doch meine Tochter aufzuwecken, denn irgendwie wurden die Schmerzen plötzlich wie aus dem nichts kommend so unerträglich dass ich dachte ich muss jeden Moment sterben.
Gegen 2.45 Uhr rief sie dann den RTW hinzu.
Zur gleichen Zeit entschied ich mich zum WC zu gehen weil ich das Gefühl hatte, ich muss ... Aber ich bin auch gleich wieder rauf, weil ich es noch unangenehmer von den Schmerzen her empfand als ich auf dem WC saß, als es sowieso schon war.

Ich hörte nur noch wie jemand am Telefon meine Tochter fragte, in welchen Abständen die Wehen kämen. Ich überlegte kurz und ich hatte das Gefühl eine Wehe folgte der nächsten in diesem Moment und sagte dann, "Abstände?! ... Ich glaube es gibt keine Anstände mehr...."
Und somit wurde sofort ein RTW zu mir geschickt welcher nach einigen wenigen Minuten auch bei mir eintraf.
In der Zwischenzeit ging ich in die Küche, trank noch ein Glas Wasser, weil ich der Meinung war, in der Wohnung sei es heiß, als hätten wir fast 40 grad im Schatten und ich verdurste jeden Moment.
Ich stand am küchentisch stützte mich ab, um die Schmerzen zu ertragen, und dann passierte etwas was ich nicht erwartet habe...
Ich merkte, wie der kleine auf einmal kam.
Ich dachte nur, hoffentlich ist der RTW bald hier... und machte mich aus irgend einem Grund auf ins Wohnzimmer.
Weit kam ich nicht, denn am Sessel angekommen, schaute sein Köpfchen aus mir heraus.
Meine Tochter meinte zu mir, der RTW sei da... Ich sagte zu ihr, das ist gut, aber dein Bruder ist auch da und ging in richtung Sofa, und merkte, wie der kleine wieder ein stück tiefer rutschte, ich wollte in diesem moment nach ihm greifen, damit er nicht runter fällt, als ich nach ihm griff platzte die Fruchtblase und er plumpste auf das Sofa.
Eigentlich wollte ich mich gesetzt haben aber ich dachte: Halt stop, also schaute ich nach dem kleinen bzw wo er denn überhaupt ist, ich sah nur viele schwarze Haare und mir war klar, ok, Baby. Ich hob ihn auf, kämpfte dabei etwas mit der nabelschnur weil sie irgendwie um sein beinchen gewickelt war, und sagte zu meiner Tochter, sie solle doch erst mal Licht machen im Wohnzimmer, drehte mich um weil ich erst mal sitzen wollte, doch wohin mit mir und dem kleinen... Egal dachte ich einfach rein in das ganze geschlabber hauptsache sitzen.
Meine Tochter war in dem Moment Multitasking wie nie zuvor,
-raus aus dem Wohnzimmer- im vorbei gehen Licht angemacht, tür auf gemacht, durch das treppenhaus gerufen, "ganz oben links"
-in's Badezimmer
- in Windeseile wieder zurück zu mir und dem kleinen und legte ihm ein großes Handtuch über.

Mein Wohnzimmer war auf mal regelrecht belagert von Sanitätern. Einer schaute sofort nach mir und dem kleinen, alles war gut der kleine schimpfte wie ein kleiner Rohrspatz, und da der kleine ja bereits da war, musste natürlich noch fix ein Notarzt her, also diesen Gerufen und auf Grund das mit uns beiden alles gut war, erst mal gar nix mehr gemacht außer nett geplaudert.

Bei der Gelegenheit schaute ich mich dann mal in meinem Wohnzimmer um und schaute auch mal mehr oder weniger auf mich. Ich muss sagen ich sah aus, als hätte ich jemanden brutal nieder gemacht. Aber das war mir egal, wichtig war mir in der Situation zu schauen, das ich den kleinen irgendwie sicher raus bringe. Meinen weißen lieblingspulli war zwar reif für die Mülltonne, da die ganzen Flecken absolut nicht raus gehen wollten aber egal, es ist nur ein Pulli. Im Gegenzug habe ich ein gesundes Kind auf die Welt gebracht.

Als der Notarzt dann eingetroffen war, durfte meine Tochter die Nabelschnur durchschneiden. Ein Sanitäter packte den kleinen dann in Handtücher und in eine warme kuschelige Decke und sagte zu ihm : "Nun kleiner Mann, einen Vorteil hast du mir gegenüber, du kommst auf die Welt und hast viel mehr Haare als ich." Und wir machten uns auf den Weg in die Klinik.
Dort angekommen hörte man nur noch eine Hebamme sagen, es sei ja auch mal was neues, dass der Arzt das Baby rein trägt.
Denn er hatte ihn an sich genommen, um nicht noch mehr Decken unnötig für die Tonne zu bestimmen, und es war auch völlig in Ordnung für mich, weil ich immer noch irgendwie ganz perplex war, obwohl ich mich recht gut fühlte.
Im Kreißsaal erfuhr ich dann dass ich ziemlich mies gerissen sei, und ich dachte mir hmm.. ok, das erklärte wohl, warum ich blutete als ich das letzte mal auf dem WC war.
Ich fragte zwar wo ich gerissen sei, und man sagte mir am Damm. Aber so ewig wie genäht wurde vor allem an Stellen welche schlecht zu erreichen waren für die Ärztin wollte ich nicht mehr wirklich wissen, wo ich tatsächlich gerissen bin.
Letztlich war auch das mir egal, denn für mich war nur noch wichtig das es dem kleinen auch wirklich gut geht, und er gut versorgt ist. :)

Eine Kinderärztin trat dann als sie den kleinen untersucht hatte an mich heran und fragte mich, ob ich evtl gesehen habe, wie das Fruchtwasser aussah, da sie den Verdacht hat, daß es grün war. Auf Grund dass der kleine auch schon seinen ersten Stuhlgang bei mir zu hause hatte ( quasie auf mir )
Ich erinnerte mich an so eine komisch braune Suppe und sagte dies auch so der Kinderärztin.
Darauf hin sagte sie ok, zur Sicherheit will man dem kleinen auf 2 aufeinander folgenden Tagen Blut abnehmen, um seine Entzündungswerte im Auge zu behalten.
Gestern sagte man mir dann, daß seine Werte leicht erhöht sind, nichts bedrohliches aber er würde nun sofort auf die Intensiv gebracht und behandelt für 5 Tage.
Nun gut, der kleine Schatz ist dort in guten Händen, und es dient nur zu seinem besten...es hätte auch schlimmer sein können. Somit habe ich mich erst mal selbst entlassen, weil ich gerade eh nicht ganz so viel für ihn tun kann, ausser zu den "Pflegezeiten" zu ihm zu gehen 3 mal am Tag.
Aber so muss ich nicht mit ihm durch die eises Kälte um ihn anzumelden etc.

Gestern sprach ich dann noch kurz mit meiner Hebamme über das ganze Geschehen, erklärte ihr auch, dass ich der Meinung war, ich sei irgendwie mitten in der sogenannten "Eröffungsphase" obwohl ich wohl bereits mitten in der Austreibungsphase gewesen sein muss, weil ich auch nicht wirklich Presswehen versührt hatte, es fühlte sich eher an als hätte den jemand den kleinen geschubst, nach dem Motto: "Du kommst da jetzt raus..." Und sie sagte, solche Geburten passieren hin und wieder schon einmal bei Frauen, welche bereits mehrere Geburten hinter sich gebracht haben. Und das Empfinden für die Wehen/Schmerzen sei dann manchmal auch nicht mehr so stark wie zum Beispiel beim ersten oder 2. Kind.
Ich sagte ihr auch, dass ich irgendwie fast gar keine Schmerzen hatte, wie der kleine kam. Und sie sagte, dass auf Grund dass die Fruchtblase noch nicht gesprungen war sondern erst als ich nach ihm greifen wollte, ist das Schmerzempfinden nicht so hoch, als wenn keine Fruchtblase mehr da ist.

Nun gut. Hieran sieht man einmal wieder mehr, das alles anders laufen kann wie geplant.
Über eine Hausgeburt dachte ich nach, traute es mir aber absolut nicht zu.
Letztlich ist es doch eine Hausgeburt geworden. Zwar eher unfreiwillig, aber der kleine Mann hat es so entschieden. :-)

Alles in allem hat mir diese Erfahrung gezeigt, dass der Mensch in der Lage ist weit über seine Grenzen hinaus zu gehen und instinktiv zu handeln.
Dennoch bin ich froh, dass es nicht meine erste Geburt ist, denn ich denke in dem Fall hätte ich nicht so "gelassen" reagiert, sondern wäre womöglich in Panik geraten, völlig überfordert mit der Situation aus den Socken gekippt.

So, ihr lieben ;) Ich gönne mir erst mal einen Kaffee, bevor gleich der Behörden-Marathon los geht.

Liebe Grüße
Lena


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32 Antworten (neue Antworten zuerst)

12 Antwort
Übrigens ein toller Name ;) Mein großer heißt Neo Jamiro :)
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 21.11.2013
11 Antwort
Wahnsinns Geschichte!! Herzlichen Glückwunsch, ich wünsche euch alles Gute!!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 21.11.2013
10 Antwort
Wunderschöne Geschichte ...ich wünsch Dir alles gute und eine schöne Kennlernzeit
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 21.11.2013
9 Antwort
Wooow.herzlichen glückwunsch. Kann mich maulende-myrthe nur anschliessen.... Alles gute euch :)
MamavonSamira
MamavonSamira | 21.11.2013
8 Antwort
Erst mal herzlichen Glückwunsch zu deinem Sohn. Ich finde deine Geschichte ganz wunderbar. Genau aus dem Grund, den du oben nennst. Nämlich dass wir unserem Körper vertrauen können, dass er alles hinkriegt, ohne zig Ärzte und Profis um sich rum stehen zu haben. Dennoch ist es natürlich eine ganz außergewöhnliche Geschichte, weil der Verlauf eben so untypisch war. Du kannst so stolz au dich sein, dass du deinen Sohn ganz alleine auf die Welt gebracht hast. Ich beglückwünsche jede Mama zu der Leistung einer Geburt, aber du verdienst einen besonderen Respekt. Ich glaube, wenn wir in solchen Ausnahmesituationen sind, reagieren wir sowieso ganz anders, als wir meinen, wenn wir nicht in so einer Situation stecken. Da schalten wir auf Automatik und tun instinktiv, was richtig ist. Und du hast genau das gemacht, obwohl du in einer Gesellschaft groß geworden bist, in der die Meinung vorherrscht, dass wir Ärzte brauchen, um gesund zu sein und um Kinder auf die Welt zu bringen. Du beweist hier das Gegenteil. Und auch deine Tochter verdient großes Lob. Es ist nicht selbstverständnlich, dass sie so verantwortungsvoll reagiert hat. Aber sie ist vermutlich nicht umsonst deine Tochter. :) Ich wurde bei der zweiten Geburt mit dem Leiterwagen aus dem ersten Stock geholt, weil die Blase gesprungen war, obwohl der Kopf noch nicht im Becken lag und man mich nicht liegend durchs Treppenhaus transportieren konnte. Und es war auch das zweite Kind und keiner vertraute meinem Gefühl an diesem Tag, dass ich wusste, dass das Kind jetzt kommt. Man hat mir so lange eingeredet, dass es noch nicht so weit ist, bis ich es geglaubt habe und ebenso locker wie du durchs Haus geturnt bin. Ich hatte im KH auch nur 45 Min. richtige Wehen und ich fing an zu pressen, nachdem die Ärztin meinte, der Befund sei total unreif und ich solle jetzt zum Ultraschall 30 Meter über den Gang gehen. Bis zum Schluss glaubte keiner, dass das Kind jetzt kommt und nach 6 Minuten war es da. Wir sollten unserem Gefühl und unserer Kraft, die wir alle in uns haben, viel mehr vertrauen lernen. Back to the Roots. Ich wünsche dir eine tolle Zeit mit deinem Baby. Eine tolle Geschichte, die du ihm später noch oft erzählen wirst.
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 21.11.2013
7 Antwort
Wow, krasse Geschichte. Alles Gute Euch und eine schöne Kennenlernzeit!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 21.11.2013
6 Antwort
Ehrlich gesagt macht mir die Geschichte etwas Angst.
Phanthera
Phanthera | 21.11.2013
5 Antwort
Herzlichen Glückwunsch viel Spaß mit dem kleinen und hoffe ihn geht's besser :) ich warte auch auf meine kleine. Will nicht :( Et+8
Phanthera
Phanthera | 21.11.2013
4 Antwort
Herzlichen Glückwunsch, toll geschrieben.
wossi2007
wossi2007 | 21.11.2013
3 Antwort
Wow, Herzlichen Glückwunsch
kikisunny
kikisunny | 21.11.2013
2 Antwort
Wow. Was ne Geburt! Herzlichen Glückwunsch! Wie geht's deinem kleinen denn? Ist die Entzündung überstanden?
Zenit
Zenit | 21.11.2013
1 Antwort
Das ist ja eine tolle Geschichte, die du dem Kleinen später mal erzählen kannst. Herzlichen Glückwunsch! :)
sunshine296
sunshine296 | 21.11.2013

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