Hepatitis C sorry langer text, aber ihr habt gesagt ich solle mich schlau machen

Schindler
Schindler
26.02.2009
Infos zu gestern:Hepatitis C: heimtückisch, weil oft unerkannt

Etwa 800 Deutsche leiden an der Lebererkrankung Hepatitis C. Laut einer Schätzung des "Deutschen Hepatitis C Forums" könnten es doppelt so viele sein, die nichts von ihrer Infektion wissen. Denn es gibt keine spezifischen Symptome, die auf die heimtückische Krankheit hinweisen.


Modell eines Hepatitis-C-Virus'Der Erreger, das Hepatitis-C-Virus (HCV), entzog sich lange dem Nachweis. Erst 1989 wurde er zum ersten Mal genau beschrieben. Bis dahin galt die Erkrankung als "Non-A-Non-B-Hepatitis" (NANB). Von allen sieben Hepatitis-Erregern, die nicht A und nicht B auslösen, ist das Hepatitis-C-Virus das dominierende. Und es ist auch das gefährlichste, weil die Erkrankung häufig chronisch verläuft und schwere Leberschäden verursachen kann. Zudem gibt es im Gegensatz zu Hepatitis A und B derzeit keine wirksame Impfung.

Die Übertragungswege sind noch längst nicht vollständig erforscht. Sicher ist: Das Virus überträgt sich auf dem Blutweg, beispielsweise bei Bluttransfusionen (gefährdet: Personen, die vor 1990 eine Transfusion erhalten haben), bei unmittelbarem Kontakt zweier offener Wunden miteinander oder durch verunreinigte Spritzen. Aus diesem Grund sind Drogenabhängige besonders gefährdet. Außerdem Berufsgruppen, die häufig mit infiziertem Blut in Berührung kommen (z.B. Ärzte und Laboranten). Weitere Risikofaktoren für die Infektion sind Tätowierungen oder Piercing. Eher selten geschieht die Übertragung von der Mutter aufs Kind während der Geburt oder durch sexuelle Kontakte.

Wie sieht das Krankheitsbild aus?
Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 26 Wochen treten bei den Betroffenen Allgemeinsymptome auf, wie Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen und leichtes Fieber – ähnlich den Beschwerden bei einer Grippe. Manche Patienten entwickeln auch eine Abneigung gegen bestimmte Speisen, berichten über Appetitlosigkeit, Übelkeit und Druckschmerzen im rechten Oberbauch. Nur bei etwa 30 Prozent der Infizierten treten Symptome auf, die direkt an eine Lebererkrankung denken lassen: Es zeigt sich die typische Gelbfärbung der Haut, der Schleimhäute und Augen, eine Entfärbung des Stuhls und Dunkelfärbung des Urins.


Illustration einer zirrhotischen LeberIn der Regel heilt die akute Krankheit nach zwei bis acht Wochen aus. In 50 Prozent der Fälle geht sie jedoch in ein chronisches Stadium über, das Jahrzehnte schleichend verlaufen kann. Meist, weil die Erkrankung nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt wird. Auch bei dieser Form sind die Symptome eher mild. Die Betroffenen fühlen sich müde und abgeschlagen; einige klagen über Oberbauchbeschwerden und Gelenkentzündungen. Bei 20 Prozent dieser chronisch Infizierten bildet sich nach Jahrzehnten eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) aus, die wiederum ein häufiger Auslöser für Leberkrebs ist.

Wie kann man die Erkrankung nachweisen?
Die Diagnose kann über die Untersuchung einer Blutprobe gestellt werden. Zunächst wird überprüft, ob sich im Blut Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Da sich diese auch noch Jahre nach überstandener Erkrankung im Blut befinden können, muss zur Bestätigung ein so genannter PCR-Test gemacht werden. Er kann direkte Virusbestandteile im Blut nachweisen. Die gefundene Menge gibt auch Auskunft darüber, wie aktiv der Virus im Körper ist, also wie schnell er sich vermehrt und wie ansteckend die Person ist.

Wie wird behandelt?
Noch Mitte der 90er Jahre wurde die Krankheit durch eine mehrwöchige Therapie mit Interferon alpha behandelt. Interferon alpha ist ein körpereigener Stoff, der zur Abwehr von Fremdstoffen gebildet wird und als Medikament das Immunsystem stimuliert. Dieses Medikament musste dreimal wöchentlich gespritzt werden. Viele Patienten hatten mit erheblichen Nebenwirkungen zu kämpfen. Sie klagten über Müdigkeit, Appetitlosigkeit, grippeartige Beschwerden, Fieber oder Haarausfall. Ende der 90er Jahre wurde zusätzlich das Medikament Ribavirin als Kombinationspartner für das Interferon eingeführt. Damit verdoppelten sich die Heilungsraten auf 25-40 Prozent.

Heute gibt es die moderne Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alpha (an das Interferon-alpha-Molekül sind PEG-Ketten angekoppelt) und Ribavirin. Die Vorteile: Die PEG-Ketten des neuen Interferons dienen als Schutzmantel, die das Interferon vor einem zu schnellen Abbau schützen und für einen gleichmäßig hohen Wirkspiegel im Blut sorgen. Nebenwirkungen, die früher durch das ständige Schwanken des Medikamentenspiegels im Blut ausgelöst wurden, treten heute nicht mehr so stark auf. Pegyliertes Interferon alpha muss außerdem nur noch einmal pro Woche unter die Haut gespritzt werden.

Die Heilungschancen sind mit den heutigen Medikamenten besser geworden: Sie liegen bei konsequenter Therapiedurchführung - abhängig von Alter, Immunlage und Schwere der Erkrankung – bei 50 bis 90 %. Dabei gilt: Je früher die Therapie einsetzt, desto besser.

Worauf als Betroffener achten?
Erkrankte müssen darauf achten, dass sie keine Substanzen zu sich nehmen, die die Leber weiter schädigen (z.B. Medikamente oder Alkohol), und dass sie sich körperlich schonen. Da eine gewisse Gefahr besteht, bei sexuellen Kontakten andere anzustecken, sollten Personen zum Schutz Kondome benutzen.

Aussicht
Da die derzeit bekannten Therapien nicht bei allen Patienten "anschlagen" und es auch weiterhin zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen kann, wird deshalb intensiv an einem Impfstoff geforscht. Amerikanische Wissenschaftler der Universität in St. Louis testen schon seit 2003 in verschiedenen Studien einen Impfstoff am Menschen.

Ein kanadisches Forscherteam ist dabei, eine Impfung zu entwickeln, die sowohl als vorbeugender Schutz als auch als Immuntherapie eingesetzt werden könnte. Bisher wurde die Wirksamkeit allerdings nur in einem Experiment mit Mäusen nachgewiesen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Journal of General Virology" (Bd. 87, S. 1) vorgestellt.

Stand: 19.05.2008

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