Das Arbeitsamt mit Humor verstehen

Moppelchen71
Moppelchen71
16.03.2011 | 11 Antworten
Wer auf das Arbeitsamt angewiesen ist hat selten viel Positives zu berichten. Das musste mein Mann am eigenen Leib feststellen, als sein Arbeitgeber ihn und 200 weitere Mitarbeiter pünktlich zu Weihnachten entließ.
Vier Jahre Kampf durch Firmeninsolvenz, Kurzarbeit, kurze Lichtblicke und dann wieder Beschneidungen am Lohn, waren vorbei.

Natürlich fällt man dann erst einmal. Wie soll es weiter gehen? Hat man mit 40 Jahren noch große Chancen auf dem Arbeitsmarkt? „Wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Arbeitsamt. Dort ist man bereits informiert und vorbereitet. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft!“
Die Freistellung von der Arbeit war dann auch schon ab Anfang Dezember, obwohl die Kündigung erst zum 31.01. ausgesprochen wurde. So als pflichtbewusster Mensch ging mein Mann natürlich gleich zum Arbeitsamt, um sich zu melden.
Eine Welle des Fleißes und Arbeitseifer durchzuckte seinen Sachbearbeiter. Wie ein Shanghai-Major saß dieser hinter seinem Schreibtisch, rieb sich die Hände und kicherte in s sich hinein. „Ja, schön dass Sie da sind, Herr K.! Dann wollen wir doch gleich mal sehen, was wir für Sie tun können .. Ah, hier habe ich auch schon etwas für Sie: Einen EDV-Grundkurs, bei dem Sie auch lernen Bewerbungsschreiben zu erstellen. Beginn gleich Anfang Januar, Dauer 3 Wochen .. “

Mein Mann erklärte dem guten Sachbearbeiter nun, dass er genau diesem Kurs bereits 3x absolviert habe. Zuletzt im vergangenen Sommer, da in dem Zeitraum wieder einmal Kurzarbeit in der Firma war und er diese zur Weiterbildung nutzte, um noch weiter Fachscheine zu erwerben. Als Grundvoraussetzung musste er dazu zum 3.x den EDV-Grundkurs machen und wenn er diesen nun noch einmal mitmachen müsse, bräuchte das Arbeitsamt sich bald nicht mehr bemühen, ihm einen Job zu vermitteln, denn dann würde mein Mann selbst anfangen EDV-Grundkurse zu geben.
„Das ist aber bei uns so. Das machen wir immer.“ kam die prompte Antwort „Ohne den Kurs können wir Ihnen keine anderweitige Weiterbildung anbieten.“

OHNE den Kurs insgesamt ist ja verständlich.. aber notfalls im Halbjahrestakt?
Persönlich würde ich das mal Verschwendung von Geldern nennen!
Egal. Mein Mann erinnerte dann daran, dass seine Arbeitslosigkeit offiziell erst zum 01.02. beginne und warum er dann im Januar schon in den Kurs solle. „Damit Sie gleich zum 01.02. bestens vorbereitet sind und wir Sie vermitteln können, wenn eine Stelle rein kommt.“
Versteht mich nicht falsch, aber genau hier schmunzle ich bereits übers ganze Gesicht. Der Clou ist nämlich, dass es seitens unseres Arbeitsamtes so gut wie keine Stellen gibt. 99% derjenigen, von denen ich weiß, dass sie aus der Arbeitslosigkeit wieder raus kamen, haben sich ihre Stellen selbst besorgt. Und in unserer Gegend munkelt man schon, dass der einzig sichere Platz auf Stabilität bei uns ist, wenn man beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet ist. Wer da hängt, hängt wirklich.

Nun gut, nach langem Hin und Her, einschließlich einer längeren Erkrankung meines Mannes, die dann im Januar den Beginn des EDV-Grundkurses verhinderte, einigte man sich bereits im Februar darauf, dass mein Mann dann ab April den Kurs besuchen sollte.
Ich will nicht kleinlich sein, aber moralisch baute es meinen Mann nicht besonders auf, dass das AA so weit in die Zukunft plante und von längerer Arbeitslosigkeit ausgehen wollte. Und kenne meinen Schatz .. seine Loyalität ist begrenzt, wenn er merkt, sie wird nicht gewürdigt.

Also brach er die Treue gegenüber dem AA und machte sich heimlich auf Arbeitssuche. Das Ergebnis kam dann auch überraschend schnell: Er sollte in einer Firma Probe arbeiten. 4 Tage. Und wenn dabei alles gut läuft stehe ihm die Einstellung bevor. Jubelnd und triumphierend zog mein Mann nun zum AA und berichtete dem Sachbearbeiter davon. Man will sich ja absichern, nicht dass es nachher heißt, man habe nicht früh genug von Eventualitäten gesprochen, um sich so lange wie möglich die Unmengen an Arbeitslosengeld zu erschleichen.

Verblüfft starrte der Sachbearbeiter meinen Mann an „Wie haben Sie denn DAS hinbekommen, das Sie da eventuell anfangen können?“
Mein Göttergatte weigerte sich beschämt zu Boden zu gucken und reckte trotzig das Kinn nach oben. „Ich habe mich beworben!“ sagte er nur knapp und der Sachbearbeiter schüttelte nur verwundert den Kopf.
„Mhm .. wenn Sie da jetzt Probe arbeiten und eventuell eingestellt werden .. dann werde ich Sie aber nicht diesen Kurs im April machen lassen.“ jetzt zickte scheinbar der Sachbearbeiter beleidigt rum. Das hatte was von „Du-hast-mit-dem-anderen-Kind-gespielt-jetzt-spiel-ich-nicht-mehr-mit-Dir“ (kichern)

„Gut, “ erwiderte mein Mann „dann werde ich eben zusehen, bei der Arbeit Trost zu finden, sollte ich genommen werden. Ich wollte sowieso nur hier angeben, dass ich eventuell die Stelle in Aussicht habe. Davon habe ich Sie jetzt informiert und nun einen schönen Tag noch.“
An dieser Stelle könnte die kurze Romanze mit dem AA zu Ende gewesen sein. Es hätte eine so saubere Trennung werden können, .. wenn nicht das gebrochene Herz des verlassenen Partners manchmal irrationale Versuche starten lassen würde, um den Geliebten irgendwie zu halten.
„So einfach, wie Sie sich das denken, Herr K., ist das jetzt aber auch nicht .. “ und während er bereits den Drucker anwirft und mit einem Stapel leerer Blätter bevorratet, erklärt er meinem Mann, die einzelnen Formulare, die auszufüllen sind. Einige vom potentiellen neuen Arbeitgeber, andere wieder von meinem Mann. Alles nur, um abzusichern, dass mein Mann weder einen vom Pferd erzählt noch eventuell eine Doppelbeziehung zwischen AA und neuem Arbeitgeber führen könnte.

Zu Hause schüttelte mein Mann den Kopf über all die Papiere, die auszufüllen sein sollten. Nach Formblatt 5 oder 6 sagte er nur „Ich habe das Gefühl, ich beantrage hier gerade die Entlassung aus einer Leibeigenschaft.“
Ganz unten, unter dem letzten Formblatt, schielte schließlich ein Blatt mit Rechtsbelehrung hervor, das im Wesentlichen folgendes aussagte: Sollten Sie diese Probearbeiten selbst verschuldet versauen, droht Ihnen eine Sperre der Leistungsbezüge.
Während mein Mann mir vorlas, brach ich lachend am Tisch zusammen. Er schaute mich pikiert an „Wie Du darüber lachen kannst, möchte ich mal wissen! Was bilden die sich denn ein? Ich suche mir selbst eine Stelle und die tun jetzt so, als hätten sie mir die verpasst, oder wie?“

Bis ich mit lachen aufhören konnte, dauerte eine Weile. „Tja, Schatz, so ist das nun einmal, wenn man in einer Beziehung ist, bei der die eine Seite nur eine vorübergehende Zeit plant, während die andere Seite schon von einer lebenslangen Zukunft träumt! Vielleicht hat Dein Sachbearbeiter ja schon vor Augen gehabt, wie Ihr beiden, an Eurem letzten Tag vor Rentenbeginn, ein letztes Mal gemeinsam im Büro sitzt und danach Händchen halten das AA verlasst, um ins Licht der Pensionierung gehen zu dürfen. Also ich könnte da schon verstehen, warum Dein Sachbearbeiter da nun zickt. Schließlich lässt Du ihn einfach sitzen.“

Während mein Mann nun beim Probearbeiten hofft und betet, dass er eingestellt wird, warte ich im Inneren ein wenig auf Liebesbriefe, Rosen am Türknauf oder auch zerstochene Räder am Roller. Mein Mann hatte, in den Augen des Sachbearbeiters schließlich so viel Potential ein Lebenspartner zu werden. Und wer weiß: Kommt da nicht ganz schnell eine neue große Liebe ins Spiel, könnte ich mir vorstellen, das mein Mann öfter am Telefon, das nachts klingelt, sagen muss „Nein, ich komme nicht zu Dir zurück! Ich bin glücklich vergeben, kapier das endlich. Was die hat, was Du nicht hast? Sie zahlt mir, was ich leiste und engt mich nicht ein, mit EDV-Grundkursen.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf den Humor unseres Arbeitsamtes! (happy02)
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11 Antworten (neue Antworten zuerst)

11 Antwort
...
Amancaya07
Amancaya07 | 16.03.2011
10 Antwort
ICH LIEBE DEINE GESCHICHTEN
AnnaLuisaPüppi
AnnaLuisaPüppi | 16.03.2011
9 Antwort
ja,
manches kann man nur mit Humor nehmen, weil man es sonst nicht erträgt.
Chrissi1410
Chrissi1410 | 16.03.2011
8 Antwort
............
der war doch bloß beleidigt das er nun kein Anrecht auf Provision für ne vermittelte Stelle bekommt jaja das ist schon ein genialer Haufen, da hat mein Mann auch erfahrung mit. den Grundkurs in EDV und Bewerbungen musste er übrigens auch machen. er war die ganze Zeit bei ICQ online und wir haben gechattet
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011
7 Antwort
re
Genial
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011
6 Antwort
hahahahahaha
da sist ja mal genial geschrieben.wenn hier alle ihre aa erfahrungen so bildhaft schildern würden müssten wir uns keine witze mehr im internet raussuchen. aber im prinziep haben hier ganz viele ähnlich erfahrungen gemacht. hahahahahaha aber daumen drück für dein mann und seien neue liebe-die arbeit;-)
pueppivw
pueppivw | 16.03.2011
5 Antwort
Du
solltest ein Buch schreiben. Herrlich!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011
4 Antwort
löl
Dein Text liest sich wie ein Roman... von mir aus hätte er noch ein paar Seiten weitergehen können ;-) Wir haben das gleiche durch, aber schon ein paar Jahre her und es lieft fast genauso ab. Was ja wirklich eine Frechheit ist und das AA wirklich fast IMMER alles so hinstellt, als wenn wir, die fleißigen AN alles selbst verschulden und das AA ja nur drum bemüht ist, seine Arbeit zu tun, ohne Wenn und Aber, ohne Rücksicht auf Verluste könnte man fast meinen. Ob Recht oder Unrecht spielt dabei keine Rolle.. OMG.. Einfach nur zum Kopf schütteln....
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011
3 Antwort
Tja
Wo kommen wir denn dahin, wenn da einfach jeder Eigeninititve zeigen wollte!!!!
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011
2 Antwort
hihi
wiedermal super lustig und spitze aus dem leben erzählt...
aykamaus
aykamaus | 16.03.2011
1 Antwort
...
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 16.03.2011

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