Wg, der Verwirrung zum gemeinsamen Sorgerecht unverheirateter Eltern

Moppelchen71
Moppelchen71
04.08.2010 | 6 Antworten
Die Schlagzeilen sorgen derzeit für großer Verwirrung und lösen teilweise Bestürzung bei allein erziehenden Müttern aus, deren Kindsväter bisher nicht gerade eine Vaterrolle übernehmen wollten/konnten.
Es scheint der allgemeine Irrglaube zu herrschen, dass nun automatisch JEDER Vater, auch wenn er nicht mit der Mutter verheiratet ist, das gemeinsame Sorgerecht (SR) erhält.
Dem ist nicht so und ich möchte hier kurz erklären, was mit den aktuellen Urteilen gemeint ist, die durch Zeitungsberichte gerade so viele Missverständnisse aufkommen lassen.

Früher war grundsätzlich nur dann überhaupt ein gemeinsames SR für unverheiratete Eltern möglich, wenn die Mutter dazu eine schriftliche Einverständniserklärung ablegte.
Diese wurde beim JA abgegeben und von dort auch ans Familiengericht weiter gegeben.
Normalerweise eine reine Formsache, da ja Einigkeit zwischen den Eltern bestand.

Nun gibt und gab es aber auch immer wieder Fälle, wo sich die unverheirateten Eltern trennten.
Selten geschieht eine Trennung in freundlichem Einvernehmen und oft wird diese auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.
So häufig es leider Kindsväter gibt, die nach der Trennung weder von Ex-Partnerin noch Kind etwas wissen wollen, so häufig gibt es aber auch Väter, die sich ihrer Verantwortung, den Kindern gegenüber, bewusst sind, die an deren Leben teil haben möchten und die gleichen Rechte und Pflichten wahrnehmen wollen, wie auch die Mutter.

Verweigerte die Mutter in einem solchen Fall bisher das gemeinsame Sorgerecht, konnte sie das unbegründet tun.
Theoretisch auch als Rache gegenüber dem Ex oder weil sie meinte, wenn der KV in ihrem Leben keine Rolle mehr spielt, habe er das auch nicht im Leben des Kindes zu tun.
Dem unverheirateten KV blieb also nichts anderes übrig, als sich von der Gunst der Mutter abhängig zu machen, wollte er seiner Vaterrolle gewissenhaft nachkommen.

Die neuen Beschlüsse sollen nun den unverheirateten Kindsväter, die gewillt und bestrebt sind, ihren väterlichen Aufgaben und Pflichten nachzukommen, eine Chance geben, ohne dabei allein von der Gunst der Mutter abhängig zu sein.

Sie bekommen NICHT automatisch das geteilte Sorgerecht!
Nach wie vor bekommt dies, bei unverheirateten, volljährigen Eltern, die Kindsmutter.
Möchte der KV nun das geteilte SR haben und die Mutter verweigert dieses, KANN er beim zuständigen Familiengericht einen Antrag auf gemeinsames SR stellen.

Dieser Antrag wird sorgfältig geprüft.
Dazu wird zumeist das JA hinzu gezogen, das mit beiden Elternteilen Gespräche führt und sich sowohl die Gründe anhört, warum der KV das geteilte SR haben möchte, als auch mit der Mutter in Kontakt steht, die nun ihrerseits begründen kann, warum sie dagegen ist, sich das SR mit dem KV zu teilen.

Hat der KV bisher keinerlei Interesse an seinem Kind gezeigt, ist offensichtlich, dass er das gemeinsame SR nur haben möchte, um eine Machtposition auszuüben und kein Familiengericht wird ihn seinen SR-Anteil zusprechen.
In dem Fall würde man ihm nahe legen zuerst einmal ein engeres Verhältnis zu seinem Kind aufzubauen.

Auch wenn die Mutter erklärt, der Vater lebe in desolaten Verhältnissen, die eine Verwahrlosung des Kindes bedeuten könnten oder er hat ein erhöhtes Aggressionspotential, wird er das gemeinsame SR nicht bekommen.
Das JA würde in dem Fall genau die Lebensumstände des KV prüfen und ob der Vater nun verwahrlost haust, regelmäßig trinkt, aggressiv wird oder sonst einen schlechten Einfluss auf das Kind ausüben könnte, würde sich sicher beweisen lassen.

Die gesamten Eindrücke des JA werden als Art Gutachten ans Familiengericht weiter gegeben.
In dem "Gutachten" befindet sich auch eine Empfehlung des JA ans Familiengericht.
Sieht das JA keinerlei Bedenken, dass ein gemeinsames SR dem Kindswohl schaden könnte, ist es möglich, dass das Familiengericht dem KV das geteilte SR zuspricht.
Da es diesbezüglich noch keine genauen Grundlagen und Urteilssprüche gab, wird sich kein Familiengericht zum gemeinsamen SR aussprechen, wenn auch nur ein kleiner Verdacht besteht, dass der KV das gemeinsame SR nur haben möchte, um eine Machtposition zu erhalten.

Andersrum kann aber eine Mutter dem tatsächlich bemühten KV auch nicht mehr einfach aus dem Leben des gemeinsamen Kindes verbannen, nur weil sie persönlich mit ihm abgeschlossen hat.
Einzig das Kindeswohl ist relevant für die Entscheidung des Familiengerichts.
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6 Antwort
@Solo-Mami
Ja, das stimmt. Habe mir auch eben schon entsprechende Links gezogen und werde mich dann gleich an den Artikel setzen, damit er heute noch in die Redaktion kann. Weitere Entscheidungen, ob der Artikel ins Magazin kommt und wenn ja, wann, liegen dann wie immer allein bei der Redaktion
Moppelchen71
Moppelchen71 | 04.08.2010
5 Antwort
@Moppelchen71
Und zum Thema Recht ist einfach eh noch zu wenig drinne
Solo-Mami
Solo-Mami | 04.08.2010
4 Antwort
@Moppelchen71
Der Europäische Gerichtshof hatte ja schon entschieden und die Länder müßen nun nachziehen. Auch wenn es jetzt ein vorrübergehender Entwurf ist, Deutschland muß sich am EU-Urteil orientieren. Das Gesetz wird sicher in der aktuellen Legislaturperiode noch verabschiedet werden .. darauf könnte man im redaktionellen Artikel hiweisen
Solo-Mami
Solo-Mami | 04.08.2010
3 Antwort
@Solo-Mami
Darüber habe ich schon nachgedacht, wollte allerdings zuvor noch den Artikel umarbeiten. Außerdem sehe ich momentan etwas problematisch, das Ganze als feststehend in einem Artikel zu deklarieren, da es noch keine entsprechend festlegende Gesetzesentwürfe gibt. Momentan befindet sich das Ganze ja noch in einem theoretischen Niemandsland und es ist noch keine Gewissheit, ob es tatsächlich feste Gesetzesaussagen dazu geben wird. Muss ich mit der Redaktion dann besprechen, ob wir den vorläufigen Stand mit aufnehmen wollen.
Moppelchen71
Moppelchen71 | 04.08.2010
2 Antwort
Super .......
schöne Zusammenfassung . am besten gleich in die Redaktion hier weiterleiten
Solo-Mami
Solo-Mami | 04.08.2010
1 Antwort
...
Danke, dass du das mal schreibst. Die drehen hier ja voll ab. Anscheinend wissen die Menschen nicht, dass in Deutschland Gewaltenteilung herrscht und es Judikative, Exekutive und Legislative gibt...
Gelöschter Benutzer
Gelöschter Benutzer | 04.08.2010

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