Wenn Windeln tief fliegen, ist mit nassen Betten zu rechnen!

Wir versuchten alles! Auf Augenhöhe führten wir Frauengespräche, dass man zum Pullern vielleicht nicht das Bett sondern das Töpfchen nutzen sollte. Ich erntete ein gelangweiltes Schulterzucken und den Hinweis das doch bitte nicht ihr, sondern Mampfi zu erzählen und dann eine Strafpredigt wie ich mich erdreisten könnte Pipi in ihre Schatztruhe füllen zu wollen. Da Mampfi nun aber regelmäßig seine Runden in der Waschmaschine drehte und somit nicht für jedes Pfützchen zur Verantwortung gezogen werden konnte, eröffnete sich uns nach und nach ein wahrer Ring der organisierten Bei-Emmy-Ins-Bett-Pullern-Mafia. War es nicht der Mampfi, der dort hinein strullte, zählte sie uns alle möglichen Mitglieder der Organisation auf, die sich heimlich einschlichen, um in ihr Bett zu machen und dann wieder verschwanden, um sie dastehen zu lassen, als sei sie eine kleine Bettnässerin. Mal war es ihr ältester Bruder, den wir eigentlich in der Schule wähnten, ein anderes Mal der Papa, der diese Frevel per Telepathie von der Arbeit aus beging und schließlich sprach sie sogar den Verdacht gegen die Supermarktverkäuferin aus, die ihr hin und wieder einen Schokoriegel zusteckte.

Emilys Phantasie kannte keine Grenzen und so gingen wir auf ihr Spiel ein. Wir hätten da ein Zaubermittel, das die bösen Bettpullerer ganz bestimmt fernhielte, erklärten wir ihr. Die Windel! Bisher habe es noch keiner gewagt in ein Bett zu pullern, wenn dort eine Emmy mit Windel saß. Sie nickte, wir triumphierten über unser verständiges Kind und standen ratlos am nächsten Tag vor dem nassen Bett, der nackten Emily und einer Windel mitten im Zimmer, zu der unsere Tochter uns erklärte: “Die geht imma ab un fiegt weg!”. Fliegende Windeln muss man verankern, erklärten wir und griffen zum unkonventionellen Klebeband. Mit einem breiten Streifen klebten wir die Klettverschlüsse über... Die Windel büchste trotzdem aus, während Emmy trocken bemerkte “Klebt nich! Die Windel is sooo stark, macht alles ab!” Nach und nach kauften wir alle möglichen Sorten an Klebeband, selbst solches, das laut Hersteller stärkeren Halt als Sekundenkleber versprach. Wir klebten nicht nur kleine Streifen über die Klettverschlüsse, sondern wickelten meterweise Klebeband um den Windelbund, so dass mein Mann vorsichtshalber den Werkzeugkoffer und das Schweißgerät in Reichweite stellte, um unser Kind wieder aus der Windel zu befreien. Nichts half, die kleinen Pinzettenfinger von Emmy verliehen ihr die Macht eines Harry Houdini.

All unser Verständnis, die Versuche sie sanft dazu zu bewegen mit dem Bettnässen aufzuhören, trugen keine Früchte. Immer wieder überlistete sie uns. Letztendlich half nur eines: nun endlich zu drastischen Maßnahmen zu greifen! Innerhalb von zwei Tagen rüsteten wir auf, indem wir uns mit vier neuen Garnituren Bettwäsche bewaffneten, einem zweiten, wasserdichten Matratzenschutz und einem weiteren Kinderbett Komplettset. Rituell wird nun nach jedem Schlaf das Bett neu bezogen, über die Bettpullerer-Mafia geschimpft und täglich ein bis zwei Mal Kinderbettwäsche gewaschen. Abends huldigen wir der Waschmaschine für ihre Treue, indem wir sie regelmäßig mit Leckerli aus Entkalkern füttern und das Internet nach Windeln mit Zahlenschlössern oder Iris-Scan-Schließvorrichtungen durchsuchen. Zwischen all dem versichern wir Emily, dass wir absolut hinter ihr stehen und einen Weg finden wie ihr Bett trocken bleibt, was uns allerdings eher “das-will-ich-auch-hoffen”-Blicke einbringt.

Und ich bin mir ganz sicher an dem Tag, an dem wir endlich die perfekte Lösung finden Emmy in der Windel zu halten, schallt ihr Ruf durchs Haus “Maaaamaaa, komma, Emmy will Pipi im Topf machen!” An dem Tag werden wir unser mobiles Einsatzzelt “Rettet die Betten vor Pipi” abbauen und nahe dem anderen Kinderzimmer deponieren. Denn ich bin mir ganz sicher, dass auch unsere Jüngste das Trockenwerden mit ähnlicher Belustigung wie ihre Schwester erleben will.

Hier geht´s weiter:



Magazin durchsuchen

Verlinke mich

Kolumne: Chaosbande

Magazin durchsuchen

Verlinke mich

Kolumne: Chaosbande
uploading