Wenn Windeln tief fliegen, ist mit nassen Betten zu rechnen!
Soll ich die Hose runterlassen?
Ich weigerte mich vom ersten Kind an mir die stundenlangen Vorträge anzuhören, dass es nun an der Zeit sei meine Kleinen auf die Plastikschüssel zu pflanzen sobald sie sitzen konnten und legte mich mit Heerscharen von Sauberkeitserziehungswütigen an, die immer wieder betonten ihre eigenen Kinder mit neun Monaten trocken gehabt zu haben. Ich wollte meinen Kindern die Zeit geben, die SIE brauchten und lehnte die Wettkämpfe ab, wer das jüngste windellose Baby hat und dafür in den Chroniken der Erziehungsratgeber namentlich genannt zu werden hoffte. Bei meinen drei ältesten Kindern gab es keinerlei Probleme. Mit etwa gut zwei Jahren forderten sie von sich aus die olle Stinkebuchs loszuwerden, wollten “groß” sein, in Toilettentrainer pullern, um die dann die ganze Familie herumtanzte, als gelte es den kleinen Pfützen rituell zu huldigen. Natürlich passierten weiterhin noch Malheure, aber was erwartete ich denn? Eine nasse Hose ist doch für das Kind schon unangenehm, warum sollte ich da noch schimpfen?
Nach nun also drei recht einfach trockengelegten Kindern kam unsere Emmy auf die Welt. Ein Kind, nach dem man Lehrbücher hätte schreiben können! Sie hatte von Anfang an den hoch gelobten 4-Stunden-Rhythmus, schlief nachts durch, entwickelte sich stets sprunghaft, jedoch meist etwas früher als Gleichaltrige. Wir Eltern berichteten immer wieder stolz, was für ein kleines Supertalent wir doch in die Welt gesetzt haben, das mit seinen knapp zwei Jahren bereits ganze Sätze sprach, recht sauber am Tisch mit aß und uns mit seinem Lerneifer in täglich neues Erstaunen versetzte. Durch den Einfluss der älteren Geschwister, ahmte sie viel nach, wollte ihnen alles gleichtun und so gingen wir davon aus, dass der zweite Geburtstag zum Meilenstein für einen neuen Entwicklungsschritt werden sollte: Abschied von der Windel, in kleinen Schritten.
Mit den Schwiegereltern berieten wir uns. Ein Hightechtöpfchen wurde gekauft. Wie eine kleine Toilette sah es aus, spielte eine Melodie sobald es erfolgreich befüllt wurde und ließ sich in verschiedene andere Funktionen für die große Toilette umbauen. Dieses Luxusgerät war das Mindeste, was Emmy verdient hatte und zuversichtlich strahlten wir noch, als sie am Nachmittag des Geburtstages das Geschenk auspackte. “Gut!”, war ihr einziger Kommentar, mit dem sie das Teil bewertete, bevor sie es in die Ecke schob und sich all den anderen Geschenken widmete.
In den nächsten Tagen versuchten wir ihr den Trainer schmackhaft zu machen. Immer wieder hüpften wir drum herum, ließen sie Probesitzen, erklärten, was da nun rein kommt und verständig nickte unsere Tochter auch, was uns in wahre Euphorie versetzte. Vor allem das unerschöpfliche Repertoire an Melodien aus dem Bauch des Töpfchens bildete einen besonderen Anreiz für Emmy, uns jedoch trieben sie schon bald in den Wahnsinn. Nicht, weil unser Tochter immer wieder hineingepullert hätte, nein, für sie wurde der Trainer zur Schatztruhe, in der sie all ihre kleinen Kostbarkeiten, manchmal auch eine der Katzen, die dann fröhlich zur aktuellen Melodie plärrte, stopfte, den Deckel herunterklappte und sich freute eine so ausgefallene Spielzeugkiste bekommen zu haben. Das war für uns das Zeichen, dass im Punkt Trockenwerden unser Kind eben ausnahmsweise nicht zu den Ersten gehören würde und wir beschlossen auf IHRE Signale zu warten statt sie zu drängen.
Ihr Signal kam. Anders als erwartet und noch immer ohne jegliche Ambition aufs Töpfchen zu wollen, was ja auch nicht ging, da sonst die Aufbewahrung ihrer Schätze nicht mehr gewährleistet gewesen wäre, dafür aber nach typischer Emily-Manier spektakulär und eigenwillig. Wann immer sie wach wurde, begann sie sich auszuziehen. Zuerst flog nur der Schlafanzug, jedoch hatte sie bald heraus wie man Klettverschlüsse öffnet. In hohem Bogen sauste die Windel durchs Zimmer und in absoluter Körperfreiheit, im Evaskostüm, spielte sie hingebungsvoll und leise in ihrem Bettchen. Und genau damit begann für uns ein täglicher Wettkampf schneller zu sein als unser Kind!
Wähnte man das Prinzesschen noch leichtgläubig im Tiefschlaf, las es bereits leise seinem Teddy etwas aus dem improvisierten Buch, einem frisch gepflückten Stück Tapete vor, während das kleine, nackte Hinterteil auf Kissen und Mampfi, ihrem Schmusetuch mit Bärchenkopf parkte. Anfangs waren es sicher noch Versehen, wenn dann plötzlich und unerwartet, das kuschelige Kissen zum nassen Lappen wurde, doch mit der Zeit witterten wir bereits System dahinter. Nicht, weil sie sich regelmäßig auszog. Nein, auch nicht, weil unser Kind nun fast nach jedem Schläfchen ein feuchtes Bett hatte. Es war vielmehr die ausgeklügelte Technik mit der sie das Kissen in eine bestimmte Ecke des Bettes packte, draufstrullte, Mampfi hineinwarf und dann lauthals losbrüllte “Maaamaaaa, komma her hier, Mampfi hatte Emmy ins Bett pullert, Emmy und Mampfi müssen baden!” Mit diebischer Freude stand sie dann im Bett, nackt, die Arme verschränkt, zeigte mit dem Kinn auf das Schmusetuch und ergoss sich in empörten Schimpftiraden über den renitenten und absolut nicht stubenrein zu kriegenden Mampfi.
Kommentare
1
Genial Geschrieben!! Bei mir gibt es auch ne Mafia die so etwas zwar nicht jeden Tag macht aber gerne mittags!!! Ich musste lachen über die Geschichte und finde es gut geschrieben! Schreib doch mal ein Buch würden viele Mütter lesen glaube ich!!
Respekt das du das jeden Tag mitgemacht hast!!
von cevaspeedy am 12.10.2012 13:26
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*g* toll geschrieben !!!
von trixie150983488 am 10.06.2012 12:52
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mensch ist das toll geschrieben...ich kann es mir richtig Bildlich vorstellen (lol)
Bei uns ist es nicht ganz so schlimm denn sie geht schon brav aufs klo doch die WIndel ist Ihr FREUND...und die darf ich noch nicht ganz entfernen aber ich denke das sich das auch bald hat...und das von ganz alleine ohne druck...
von Gelöschter Benutzer am 10.06.2012 10:49
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sehr schön geschrieben. uns geht es da genau so mit unserem mittleren. nur kann er uns noch nicht so schelmisch beibringen wer denn das war, weil er unserer sprache noch nicht so mächtig ist.
zum glück haben wir viele ersatzlaken und bettbezüge und eine mama mit gummistiefeln und nen wischmop in der hand um jeder pfütze den kampf anzusagen.
und vielleicht... ja vielleicht wird unser nacktfrosch irgendwann dann doch mal zu einem bekleideten mann
von fluketwo am 05.10.2011 23:15
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ich finds auch super, allerdings hätte ich, trotz der gleichen Einstellung zum Töpfchentraining, längst nicht soviel Geduld, das jeden Tag mehrmals mitzumachen...Respekt!
von Momo80 am 25.08.2011 20:31
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Du hast mich zum lächeln gebracht mit Deiner Geschichte.. ;-)
Ich denke viele Mamas kennen genau dieses Problem, daß Kind davon zu überzeugen "trocken" zu werden. Bei uns klappt es zur Zeit im Spielkreis ganz gut.. aber an den Tagen wo kein Spielkreis ist.. eher schlecht und somit bin ich sehr froh darüber, daß unsere Tochter ihre Windel-Slips oder ihre Windeln auch anläßt.. es sei den SIE will aufs Töpfchen.. aber wenn ich sie frage.. dann muß sie immer gerade nicht! ;-)
von LillyMirjam am 24.08.2011 11:57
7
Schön geschrieben! (top)
von Gelöschter Benutzer am 13.08.2011 23:20
8
Einfach suuuuper :) :) :) :) Die Geschichte
von Knödelchen am 21.06.2011 18:30
9
Ich lach mich weg.... herrlich zu lesen.... aber scön, dass sie noch zu insicht gekommen ist, das ein trockenes bett schöner ist ;-)
von butterfly970 am 15.04.2011 12:02
10
Sehr schön das ich nicht die einzige Mutter deren Kind ein Topf verweigerer ist , bei mir in der Familie machen die mich auch schon alle wahnsinnig..ich glaube dne druck ich das hier mal aus ;-)
von Gelöschter Benutzer am 11.05.2010 09:18
» Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb