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Was versteht man unter dem Kiss-Syndrom?

Ist mein Baby auch gesund?

Der Begriff KISS-Syndrom oder auch einfach nur KISS, steht für „Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung“. Gemeint ist damit eine Fehlstellung im Bereich der oberen Halswirbelsäule. In den meisten Fällen entsteht KISS durch Druck auf den Kopf des Babys während der Geburt. Dadurch werden die Kopfgelenke, die das Bindeglied zur Halswirbelsäule bilden, oft zu stark belastet. Die Fehlstellung kann insbesondere durch Kaiserschnitte, Mehrlingsgeburten, Zangengeburten und Geburten mithilfe einer Saugglocke verursacht werden. Außerdem wird das Kiss-Syndrom häufig bei Kindern beobachtet, die erst nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen.



Was können Anzeichen für KISS beim Baby sein?

•    Die Kopfhaltung ist schief

•    Das Kind schreit viel (wird oft mit 3-Monats-Koliken verwechselt)

•    Asymmetrischer Hinterkopf oder Gesicht

•    Asymmetrien bei den Lidabständen beider Augen

•    Das Kind hat Probleme, seinen Kopf selbst zu halten

•    Es liegt oft gekrümmt, wie ein spiegelverkehrtes „C“

•    Asymmetrische Bewegung der Arme und Beine

•    Schwierigkeiten beim Schlucken  

•    Häufiges Spucken oder Erbrechen

•    Starke Berührungsempfindlichkeit im Nacken

•    Fehlstellung der Füße

•    Es trinkt an einer Brust lieber als an der anderen oder es hat eine Trinkschwäche

Bleibt das KISS-Syndrom unerkannt, kann das nach Ansicht vieler Chirotherapeuten für Kinder auch im Schulalter gravierende Folgen haben. Dazu zählen Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität. Im Erwachsenenalter sind Rückenbeschwerden und Probleme mit dem Kiefergelenk die Folge, weil durch die Fehlstellung die neurologische Entwicklung behindert wird.

Heiner Biedermann definierte als erster das KISS-Syndrom

Als Entdecker von KISS gilt der Chirurg Heiner Biedermann. Er arbeitet heute als Manualmediziner bzw. therapiert er Funktionsstörungen des Bewegungsapparats. In seine Praxis kommen Eltern aus ganz Deutschland, viele sogar aus dem Ausland. Außerdem gibt es noch eine ganze Bandbreite weiterer Therapiemöglichkeiten, wie Krankengymnastik, Massagen, Akupunktur, die Feldenkrais-Methode (Bewegungstherapie) oder Osteopathie (alternativmedizinisches Verfahren).

Trotzdem ist kaum eine Diagnose so umstritten, wie das Kiss-Syndrom. Auf Spiegel-Online wurde Mitte März 2009 ein Artikel (siehe Linkbox) veröffentlicht, dessen Autoren dem Kiss-Syndrom sehr skeptisch gegenüber stehen. Beispielsweise werden dort Schulmediziner zitiert, die das Kiss-Syndrom für eine bloße Erfindung des Chirurgen Biedermann halten. Er habe die Krankheit nicht entdeckt, sondern einfach erfunden, um abzukassieren.

KISS - eine Diagnose, die polarisiert

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen keine Kosten für eine Behandlung, darum könne ein Arztbesuch in seiner Praxis auf locker 150 Euro kommen. Des Weiteren werden Aussagen eines Orthopäden, Ralf Stücker vom Kinderkrankenhaus in Hamburg-Altona, heran gezogen. Seiner Ansicht nach ist vor allem das Röntgenbild, das im Fall einer Kiss-Diagnose gemacht wird, gar nicht aussagekräftig und belaste nur unnötigerweise das Kind.

Laut dem Orthopäden kann Kindern mit einer Fehlstellung der Halswirbelsäule ganz leicht geholfen werden, indem man sie hin und wieder auf den Bauch oder auf die Seite legt (wodurch andererseits wieder die Gefahr des plötzlichen Kindstodes gesteigert wird). Außerdem wachse sich das Problem mit dem Älter werden oft von selbst aus.

Darum ist es nach Meinung des Orthopäden auch nicht überraschend, dass die Kiss-Therapien tatsächlich Heilerfolge zu zeigen scheinen – es wäre seiner Meinung nach ohnehin von selbst so gekommen. Andererseits gibt es genauso viele Eltern, die die Ansichten solch kritischer Schulmediziner nicht teilen und sich sicher sind, dass ihr Kind erfolgreich von KISS geheilt werden konnte. Das Kiss-Syndrom scheint also bis auf weiteres eine Diagnose zu sein, an der sich die Geister scheiden.


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Kommentare

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Ich sage es Mal so: Es gibt auch viele Ärzte, die ihre "Heilmethoden" mehr als verfehlen und Menschen nicht helfen können. Das ist aber wiederum immer der Zwist zwischen einem richtigen Mediziner und einem Nicht-Mediziner (der also nicht Medizin studiert hat) und der Nicht-Mediziner eine Diagnose aufstellt, ohne eine wissenschaftliche Studie. Es gibt auch gute Heilpraktiker, die durchaus von anderen Ärzten unterstützt werden, weil diese sich mit Alternativmethoden beschäftigen und auch durchaus helfen können. Es kommt aber auch immer darauf an, egal ob Arzt, Heilpraktiker oder Osteopath, wie gut dieser wirklich ist. Wie viele Ärzte haben schon Fehldiagnosen gestellt? Wie viele Ärzte haben schon gut behandelt? In beiden Fällen: Mehr als genug. So ist es auch mit Heilpraktikern, etc.

von Pluemchen am 01.06.2012 12:49


quelle » Dr. Gerhard Oellinger für Mamiweb

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