Warum sollen Kinder lesen?
Lesen bildet, heißt es allgemein. Traditionell gilt das Lesen als Kulturtechnik, die
mit Intelligenz und Wissen in Verbindung gesetzt wird. In heutiger Zeit ist diese völlig unverzichtbar, um sich in der Welt orientieren zu können. Dies ändert jedoch nichts daran, dass viele Kinder und Jugendliche immer weniger lesen. Zu groß scheint die Konkurrenz von Fernsehen, Internet und Playstation zu sein, um das gedruckte Wort in ausreichendem Maße interessant erscheinen zu lassen.
Doch warum ist es eigentlich so wichtig, Kinder auch fern ab des Schulunterrichtes zum Lesen zu animieren? Und welche Fertigkeiten werden durch die Lektüre trainiert?
Das Ergebnis der 1. World
Vision Studie „Kinder in Deutschland“, die im Jahr 2007 von TNS
Infratest Sozialforschung durchgeführt wurde, zeigte ein
ernüchterndes Bild. So lesen laut Studie 35 Prozent der Jungen und
28 Prozent der Mädchen zwischen 8 und 11 Jahren
selten bis nie
Bücher oder Zeitschriften. Dies deckt sich mit dem Ergebnis der
Pisa-Studie, die herausfand, dass ein Fünftel der Schulabgänger
Mühe hat, einfachste Texte zu lesen. In Anbetracht des hohen Stellenwertes, den Lesekompetenz in unserer Gesellschaft bei der
Bewältigung ganz normaler Alltagstätigkeiten wie dem Einkauf im Supermarkt
oder dem Ausfüllen eines banalen Formulars einnimmt, darf dieses
Problem keinesfalls bagatellisiert werden. Abgesehen davon ist Lesen
in einer komplexen Kommunikationsgesellschaft
eine wichtige
Schlüsselqualifikation, um sich neue Lerninhalte überhaupt
erschließen zu können. So werden Kinder mit mangelnder
Lesekompetenz früher oder später zwangsläufig auch in anderen
Schulfächern als dem Deutschunterricht massive Probleme entwickeln.
Darüber hinaus fördert
Lesen eine Reihe weiterer wichtiger Kompetenzen:
- So unterstützt es nicht
nur nachhaltig den aktiven Spracherwerb, sondern erweitert auch den
Wortschatz und fördert die Konzentration. Je höher die
Sprachkompetenz eines Kindes ist, desto besser kann es für
gewöhnlich auch Sozialkompetenz entwickeln und Probleme auf verbalem
Wege lösen.
- Wer liest entwickelt
außerdem die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen und
ist nicht auf passiven Konsum von Unterhaltungsmedien angewiesen.
- Auch geistige Eigenständigkeit und Urteilsfähigkeit entstehen durch
die Auseinandersetzung mit verschiedensten Texten.
- Nicht zuletzt regt Lesen
die Phantasie an, da das Kind die Bilder nicht vorgesetzt bekommt, sondern bei der Rezeption des Textes in seinem eigenen Kopf
erschaffen muss.
Durch die Flut fremderzeugter Bilder hingegen, mit
denen Kinder heute oft bereits sehr früh konfrontiert sind, geht
diese Fähigkeit zur eigenen Bilderzeugung verloren. Diese ist nicht nur
für die Entstehung von Kreativität, sondern auch für das
konstruktive Lösen von Problemen unverzichtbar.
[BS]