Umgang mit Fehlgeburt und Totgeburt in der Partnerschaft
Eine Fehlgeburt oder Totgeburt kann die Beziehung zwischen zwei Partnern auf eine harte Probe stellen. Gibt es Paare, die durch das gemeinsam erlebte Leid fester zusammengeschweißt werden, kann dieses drastische Verlusterlebnis bei anderen zu
Entfremdung und Missverständnissen führen. Ursache für auftretende Differenzen nach dem frühen Verlust eines Kindes liegen oft in der unterschiedlichen Art der Partner, mit ihrer Trauer umzugehen.
Bei einer Fehlgeburt in
einem frühen Schwangerschaftsstadium fühlen sich manche Männer
noch nicht so sehr selbst betroffen, da sie länger brauchen, um eine
Bindung zum Kind im Körper der Frau aufzubauen. Ihre Unbeteiligtheit kann für die Frau sehr verletzend sein. Studien zufolge haben aber
vor allen Dingen Männer oftmals einfach große Probleme, über ihre
Trauer zu sprechen. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht leiden.
Weil dieses Problem lange Zeit unterschätzt wurde, gab es bis vor
Kurzem kaum Angebote, die sich an trauernde Väter richteten.
Gesellschaftlich wird von Männern nach wie vor eher erwartet, ihre
Gefühle zu verbergen und stark zu sein. Manche glauben auch, dass
sie ihrer Partnerin nur eine Stütze sein können, indem sie ihre
eigene Hilflosigkeit und Erschütterung unterdrücken und verleugnen. Die Folge kann sein, dass sie sich beispielsweise kurz nach dem
Verlust eines Kindes exzessiv in die Arbeit stürzen, um das Erlebte
aktiv zu verdrängen. Gerade dieses Vorgehen kann aber dazu führen,
dass die Frau sich allein gelassen und unverstanden fühlt, weil sie
annimmt, der Partner leide weniger als sie. Gelingt es nicht, dieses
Missverständnis aus dem Weg zu räumen und das Erlebte gemeinsam zu
verarbeiten, können schlimmstenfalls gegenseitige Schuldzuweisungen
entstehen, die auf Dauer die Beziehung zerstören.
Auch Sexualität kann im
Anschluss an eine Fehlgeburt oder Totgeburt problematische
Situationen herbeiführen. Hat die Frau nicht mehr mit Schmerzen,
Blutungen oder anderen körperlichen Beeinträchtigungen als Folge
einer Ausschabung oder vorzeitigen Geburt zu kämpfen, spricht im
Grunde nichts dagegen, sexuell wieder aktiv zu werden. Während
diese Intimität für den einen Partner vielleicht ein Zeichen großer
Nähe und Verbundenheit ist, empfindet der andere den Gedanken an Sex
nach dem Verlust eines Kindes womöglich vor allem in der ersten Zeit
als befremdlich und unpassend. In diesem Fall ist es besonders
wichtig, den anderen nicht für seine jeweilige Einstellung zu
verurteilen, sondern einfach noch etwas abzuwarten, bis beide wieder
bereit sind. Allerdings sollte die körperliche Zuwendung trotzdem
nicht auf der Strecke bleiben. Kuscheln und körperliche Nähe sind
wichtig, um sich weiterhin als Paar zu fühlen.
Nach und nach sollte man
sich gemeinsam klar machen, dass der Verlust des Kindes sehr traurig
ist, aber nicht die ganze Beziehung ausmacht. Beide Partner sollten
sich gezielt auch an schöne Erlebnisse vor der Schwangerschaft
erinnern, die das Zusammenleben ausmachen. Gemeinsame Unternehmungen,
schöne Rituale und bewusst zusammen verbrachte Zeit wirken sich
äußerst positiv auf den weiteren Verlauf der Beziehung aus.
Allerdings sollten beide Partner ebenso akzeptieren, wenn einer von beiden
etwas Zeit für sich alleine braucht.
Versagt nach einer
Fehlgeburt oder Totgeburt die Kommunikation zwischen beiden Partnern
langfristig, sollten sie gegebenenfalls nicht zögern, sich an einen
Psychologen oder Paartherapeuten zu wenden. Dieser kann den Betroffenen helfen,
wieder zueinander zu finden.[BS]