Trotzanfälle unseres Kindes, die an Hysterie grenzen, kennen nahezu alle Eltern. In der Trotzphase kommt es meistens gerade dann dazu, wenn es besonders peinlich ist: im Supermarkt, im Restaurant, wenn wir zu Besuch sind, oder in der Kirche.
Hysterie dient dazu,
Aufmerksamkeit zu erregen und zeugt aus dem Verlust der Selbstkontrolle. Wir können sie nicht zu 100% vermeiden, aber trotzdem erreichen, dass das Kind Hysterie nicht dazu verwendet, die Regeln auszuhebeln und die Grenzen zu dehnen. Man kann Hysterie in der Trotzphase relativ
gut in den Griff bekommen, indem man das Verhalten zunächst beobachtet und analysiert und dann im zweiten Schritt entsprechend handelt.
Beobachten und Analysieren
Man kann mit Hilfe von Detektivarbeit den Ursachen der Hysterie auf den Grund gehen. Wenn wir die Gründe für das Toben erst einmal kennen, können wir auch leichter vor dem "Ausbruch" etwas dagegen tun. Auch danach kann man viel leichter während der ganzen Trotzphase damit umgehen.
Ein Beispiel dafür, wie man schon im Vorfeld etwas gegen hysterisches Verhalten unternehmen kann: Annemarie hasst Kindergeburtstage. Die vielen Menschen, die Lautstärke, die fremde Umgebung, das alles wird viel zu schnell viel zu viel für sie. Aber man kann Gesellschaft auch nicht komplett meiden. Was ist dann die beste Lösung? Man kann solche Besuche abkürzen. Vielleicht kurz vor dem Aufschneiden der Torte und zum Gesang ankommen und nicht allzulange bleiben. Denn wenn Annemarie auf der Party nicht überfordert wird, wird sie auch nicht so schnell ausflippen.
Um Hysterieanfälle in der Trotzphase zu vermeiden, sollte man sich später, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, drei Fragen überlegen:
- Die Vorgeschichte. Was ist vor dem Hysterieanfall passiert? Was haben wir gemacht? Wo waren wir? Was hat das Kind gemacht? Wer war sonst noch da? Der Opa? Ein anderes Kind? Hat der Zwerg was nicht bekommen, was er wollte?
- Das Verhalten des Kindes. Was hat es gemacht? Hat es geweint? War es frustriert? Ist es müde? Hat es Angst? Ist es hungrig?
- Die Folgen. Die Situation, die durch die Punkte 1 und 2 entstanden ist.
In diesem Punkt ist es wichtig, unsere eigene Verantwortung zu erkennen, wenn wir zu dieser Situation beigetragen haben. Vielleicht haben wir unserem Zwerg ungewollt und unbewusst schlechte Gewohnheiten beigebracht. Geht man mit den Regeln nicht konsequent genug um, können die kleinen Ausnahmefälle in der Trotzphase sehr schnell dazu führen, dass wir unserem Kind genau das beibringen, was zur Hysterie führt, sobald es von uns dann doch verweigert wird.
Dazu gehört beipielsweise, dass es jedes Mal Süßigkeiten an der Supermarktkasse bekommt, wenn es nur lange genug jammert. In dem Fall müssen wir Eltern vorerst unser Verhalten ändern, die Ursache des Verhaltens vermeiden und unsere bisherige scheinbar falsche Reaktion korrigieren.
Nicht alle hysterischen Reaktionen unseres Kindes entstehen aufgrund unserer inkonsequenten Reaktionen. Es passiert immer wieder, dass mehrere Faktoren zusammenspielen, so dass das Kind nicht mehr Herr seiner eigenen Lage bleiben kann. Beispielsweise, wenn es müde ist und dann auch noch von einem anderen Kind geschupst wird. Sollten wir aber feststellen, dass wir dem Zwerg ungewollt etwas unerwünschtes beigebracht haben, müssen wir darauf achten, dies zu korrigieren.